Donnerstag, 15. Januar 2009

Banken ohne Zukunft

Ich hatte am Jahresende auf eine Wette des Blogs Herdentriebs hingewiesen. Dort hieß es, dass auch Ackermann das Staatsgeld nehmen würde. Und, tarrah: Es ist geschehen. Wer die Post als Hauptaktionär hat, kann sich getrost als teilverstaatlicht betrachten. Es gehört schon einiges an Chuzpe dazu, dies als Erfolg zu verkaufen, weil die Eigenkapitalquote gestärkt wurde (bla bla bla), während man noch vorher in großen Tönen davon sprach, dass man Staatsgeld nicht bräuchte. Grüße an P in London. :) Damit hat es auch die letzte große deutsche Privatbank erwischt.

Jetzt gibt es Stimmen, die behaupten, dass es außergewöhnliche Umstände seien. Ehrlich gesagt, ist es eher die Konsequenz von vielen Jahren falscher Schritte. Wer sein Leben lang raucht, kann sich auch nicht beschweren, wenn die Lunge am Ende nicht mehr mitmacht. Man kann das in vielen Blogs nachlesen (so auch schön von Lucas Zeise im Herdentrieb): Die Verschuldung der Unternehmen und Privatpersonen war einfach zu hoch. Und jetztmüssen die Schulden abgebaut werden. Und das tut weh.

Für die Banken sieht es besonders trist aus. Ich sehe als Zukunft eher kleine lokale Banken als große nationale Bankchampions. Denn die Größe führt nur zu größerem Risiko. Wenn die Weserbank ausfällt, kostet das den Staat 26 Mio €. Um die Hypo Real Estate zu retten, waren so viele Milliarden nötig, davon hätten wir jedem deutschen Kind seine eigene Kindergärtnerin bezahlen können.

Und weshalb? Weil das Geschäftsmodell vieler Banken ebenfalls auf exzessiven Schulden beruhte. Die klassische Bank hatte Einlagen (Sparkonten). Und sie vergab Kredite. Das Geld verdienen war relativ einfach, weil man die Einlagen und die Kredite unterschiedlich verzinste. Nur konnte man so keine Unsummen verdienen. Das ist übrigens immer noch das Geschäftsmodell der meisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Die Hypo Real Estate hingegen hat keine Einlagen. Sie vergibt Kredite und leiht sich das Geld selber wieder am "Kapitalmarkt", also bei anderen Banken. Mir erscheint schon diese Konstruktion als wirtschaftlich fragwürdig: Warum leiht eine Bank A der Hypo Geld, damit die Hypo einen Kredit vergeben kann? Warum macht Bank A das nicht einfach selber?

Verschlimmert wurde dieses Problem durch einen Trick, den die Hypo anwandte, um den Gewinn zu maximieren.  Sie finanzierte langfristige Schulden kurzfristig. Man nennt das Fristentransformation. Im Normalfall liegt der kurzfristige Zins unter dem langfristigen, so dass man auf diese Weise ordentlich Geld machen kann.

Das Problem von dieser Art Fristentransformation ist, dass der kurzfristige Zins ja mit Grund niedriger liegt als der langfristige: Wenn ich jemandem fünf Jahre Geld leihe, muss ich hoffen, dass er fünf Jahre durchhält. Leihe ich ihm hingegen fünf Mal ein Jahr Geld, kann ich jedes Jahr erneut das Risiko bewerten und im Zweifelsfall auch aussteigen. Niedrigeres Risiko = Niedrigere Zinsen. Und von dieser Ausstiegsmöglichkeit haben viele bei der Hypo gebraucht gemacht, so dass sie auf einmal ohne Geld dastand.

In meinen Augen ist das Geschäftsmodell "Finanzierung am Kapitalmarkt" tot. Dass unsere Politik versucht, zu retten, was nicht gerettet gehört, führt nur dazu, dass wir gutes Geld dem schlechten hinterherschicken.

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