Samstag, 31. Januar 2009

Das Unternehmensregister

Ein Kollege hat mich auf eine interessante Webseite hingewiesen: www.unternehmensregister.de. Dort sind veröffentliche Unternehmensdaten abrufbar, insbesondere die Bilanz. Für meine Jobsuche ist das sehr informativ. Ich kann mich von der Gesundheit der jeweiligen Unternehmen überzeugen. Wo ich dabei war, habe ich auch meinen Ausbildungsbetrieb überprüft, Betriebe von Kollegen etc. Sehr interessant.

Derren Brown und ebay

Ich hatte es schon einmal erwähnt: Derren Brown ist ein begnadeter Magier. Nach der Geburtstagsgeschenk-Nummer möchte ich heute auf die Messias Reihe eingehen. Dort ist er nach Amerika gefahren, um sich als Messias für unterschiedliche Religionen bzw. Glaubensrichtungen auszugeben (Außerirdische, Pfingstkirche, New Age, ...). Sein Ziel war es, ein führendes Mitglied der jeweiligen Bewegung zu überzeugen, ihn als "echt" zu bestätigen, als "the real deal". Von Vorteil war, dass er in den USA nicht bekannt ist. Die Erfolgsquote seines Experiments: Vier von fünf Glaubensrichtungen haben seine übersinnlichen Fähigkeiten bestätigt. Der fünfte wollte mehr "Beweise", hat ihn aber auch nicht als Scharlatan zurückgewiesen.

Als erstes besucht Derren Psychics in Arizona (-->Video). Die Übung, mit der er sich dort profiliert, ist das Gedankenlesen. Hierzu muss er ein Bild nachmalen, das eine Person in einem zweiten Zimmer gemalt hat. Durch die räumliche Trennung kann nur das Gedankenlesen erklären, woher er das Bild kennt.

Als Zuschauer weiß man, dass Derren Brown reihenweise überraschende Dinge schafft. Wir gehen trotzdem nicht davon aus, dass er über übernatürliche Fähigkeiten verfügt. Die Trainer hingegen glauben daran, dass man Gedanken lesen kann. Sie blenden jede Information aus, die ihrer Grundüberzeugung widerspricht. Und jede Information, die ihre Überzeugung bestätigt wird verstärkt wahrgenommen.

In der Psychologie ist dieses Phänomen als kognitive Dissonanz und Konsonanz bekannt. Im Kern ist es so, dass wir grundlegende Überzeugungen haben. Informationen, die unsere Überzeugungen bestätigen, verarbeiten wir gerne. Informationen, die unseren Überzeugungen zuwiderlaufen, bedeuten einen Konflikt. Konflikte werden dadurch gelöst, dass die Informationen miteinander vereinbar gemacht werden, sei es durch Ignorieren, Vergessen, oder Umdeutung.

Die Theorie geht auf eine UFO-Sekte aus den 50ern zurück. Sie glaubten an den bevorstehenden Weltuntergang. Als der ausblieb, war ihr Schluss nicht, dass die ganze Sache Unsinn war. Stattdessen waren sie im Glauben sogar bestärkt, weil ihre Gebete den nahenden Untergang abgewendet hatten. Ein alltäglicheres Beispiel sind Raucher. Helmut Schmidt dient jedem als Beleg, dass man auch als Raucher lange leben kann.

Während man Gedankenlesen schnell ablehnen kann, findet sich das Verhaltensmuster bei allen Menschen, Dinge so zu interpretieren, dass sie zu den eigenen Überzeugungen passen. Für mich ist Ebay ein alltägliches Beispiel für dieses Verhalten. Ebay-Käufer glauben daran, bei ebay billiger einkaufen zu können. Nun gibt es viele dokumentierte Beispiele, wo das nicht stimmt: Die Nintendo Wii wurde dort teilweise über Listenpreis verkauft (USA: 400$ statt 250$). Aktuell kostet eine Wii 232€ inkl. Lieferung und Wii Play, aber ohne die zwei Controller (56€). Neupreis 290€. Problem ist, dass man eine emotionale Bindung zur Ware aufbaut.

Zu diesen Marktfehlfunktionen bei ebay meinen ebay-Profis, dass es sich um Ausreißer handelt und dass man mit Strategie handeln müsse. Beobachte den Markt! Nimm Auktionen mit Endzeitpunkten, wo keiner Zeit hat (11h)! Suche nach Rechtschreibfehlern in der Produktbeschreibung (Bleckbarry)! ... Wenn ich bei ebay nur dann einen guten Preis kriege, wenn ich Stunden an Arbeit reinstecke, halte ich ebay für eine schlechte Platttform und einen schlechten Markt.

Die Preisgeschichte addressiert aber noch nicht einmal das Grundübel bei ebay: der Beschiss. Einem Bekannten wurde eine teure, kaputte Uhr verkauft. Ein anderer hat einen DVD-Recorder erstanden, der keine CDs abspielen kann. Als er den DVD Recorder wegen des Produktfehlers beim Hersteller eingeschickt hat, kam raus, dass das Gerät keine Seriennummer hat und gar nicht hätte verkauft werden durfte. Beide sind weiterhin ebay-Kunden.

Ich tippe mal, jeder ebay-Käufer hatte schon Ärger mit der Plattform. Man kann das als böse Ausreißer bezeichnen. Man kann auf das tolle Bewertungssystem verweisen und auf die großartigen Sicherheitsfunktionen von ebay. Man kann sich aber auch fragen, warum die Plattform zum Betrug einlädt. Und da ist die Antwort sehr einfach: Privatverkauf und Auktion.

Während gewerbliche Händler sehr starken Regularien unterliegen (Stichwort: Verbraucherschutz), gilt für Privatverkäufe "alles geht". Eine Auktion dient gerade dazu, nachlaufende Ansprüche auszuschließen: "Gekauft wie gesehen." In meinen Augen ist Amazon Marketplace eine sehr viel bessere Plattform. Dort wird nur gewerblich vertrieben und alle Händler verpflichten sich, den gleichen Service wie Amazon anzubieten.

Während ebay nur den eigenen Geldbeutel betrifft, stellt die Finanzkrise eine sehr viel größere kognitive Dissonanz für viele dar. Unser Markt funktioniert nicht mehr ganz so toll. Das muss man erst einmal verarbeiten.

Freitag, 30. Januar 2009

Steinbrück und Schaeffler

Schaeffler hat Mitte 2008 eine schuldenfinanzierte Übernahme von Continental durchgeführt (engl. Leveraged Buyout, LBO). LBOs sind Übernahmen von anderen Unternehmen, die zum Großteil durch Schulden finanziert werden und bei denen die Schulden auf das übernommene Unternehmen übertragen werden. Das funktioniert wunderbar, wenn die Kreditzinsen niedriger sind als der Ertrag der übernommenen Firma, weil sich die Sache dann von selbst bezahlt. Sobald aber die Zinsen steigen oder sich die Ertragslage verschlechtert, hat man ein Problem. So jetzt geschehen bei Schaeffler: Die Kreditzinsen steigen. Die Autokunjunktur leidet.

Schaeffler hat sich jetzt um Landes- bzw. Bundeshilfen bemüht. Bisher kamen Absagen. Mein Lieblingsminister Peer S. dazu in der Presse (Berliner Zeitung): "Es ist nicht Aufgabe des Staates, in solchen Fällen einzugreifen, in denen unternehmerische Entscheidungen möglicherweise nicht durchdacht genug waren. Wir können es doch keinem Menschen erklären, Unternehmen, hinter denen Milliarden-Vermögen stehen, mit Steuergeldern zu unterstützen."

Ich möchte Peer ungern korrigieren, aber was sind bitte schön Börsen-notierte Banken anderes als "Unternehmen, hinter denen Milliarden-Vermögen stehen"? Ach ja, standen.

Email und Thematische Entwicklung

Auf Anfrage habe ich eine Emailadresse eingerichtet. Wer Lust hat, mir was zu schreiben, und meine Privatemailadresse nicht hat, erreicht mich bei vierzigstunden@yahoo.com. Ich freue mich über Feedback.

Außerdem freue ich mich auch über Fragen, die sich dem ursprünglichen Thema des Blogs widmen: den 40h und dem eigenen Arbeitszeitmanagement. Ich würde die dann hier im Blog diskutieren. Natürlich anonym. Ich möchte etwas mehr zurück zum ursprünglichen Thema des Blogs, statt hierdraus einen weiteren Wirtschaftsblog zu machen. Leider fehlen mir momentan die Aufhänger, weil ich doch etwas zu viel arbeite. ;)

Fürs Wochenende habe ich bereits genug Posts und mein Ziel ist es, die Queue vorzubefüllen, so dass Phasen wie letzte Woche nicht mehr vorkommen.

Und noch was: blogger verschluckt reihenweise meine Links. Ich weiß nicht, was dahintersteht, aber es nervt schon.

Lehman und der Einlagensicherungsfonds

In den letzten Tagen ging eine kleine Meldung über den Ticker, deren Bedeutung wahrscheinlich nicht jedem klar ist. Dort stand, dass die Kunden der deutschen Lehman Brothers Tochter direkt vom Staat entschädigt werden statt durch den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken, der eigentlich zuständig wäre. Der Schaden bei der deutschen Lehman Tochter betrug ungefähr 7 Mrd Euro und es betraf primär institutionelle Investoren. Instutionelle Investoren = Leute, die das professionell machen.

Im Kern zeigt dieses Beispiel, dass der Einlagensicherungsfonds der Privatbanken nicht in der Lage ist, den Ausfall einer kleinen Privatbank zu entschädigen. Die "Garantie" als solche ist nicht besser als die in Island. Mit dem Unterschied, dass der deutsche Steuerzahler bei deutschen Banken ohne Murren für die Kunden aufkommt. Der Witz an der Sache ist, dass es bei Kaupthing wohl noch Vermögenswerte gibt, die die Einlagen decken. Bei Lehman UK wurden kurz vor der Pleite riesige Beträge in die USA geschafft und es klafft ein Milliardenloch. So viel zur deutschen Bankenaufsicht.

Spesenfallstricke

Die Handelskammer Hamburg hat eine schöne Aufstellung zu den Spesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass meine aktuelle betriebliche Praxis nicht konform zur Steuergesetzgebung ist:

  • Frühstück darf nur pauschal angerechnet werden, wenn der Posten nicht explizit auf der Rechnung aufgeführt wird. Also: Beim Hotel immer darum bitten, das Frühstück in die Rechnung zu inkludieren.
  • Verpflegungspauschalen sind bis zu drei Monate steuerfrei. Wenn man länger als drei Monate beim gleichen Kunden vor Ort müssen die Pauschalen versteuert werden.

Bisher hatte ich mit den Reisekosten keine Probleme. Ich tippe mal, dass meine Firma die fälligen Steuern für mich übernimmt.

Meine Woche im Steigenberger

Letztes Wochenende war ich gerade dabei, mich in mein Standardhotel einzuchecken. Da bemerkte ich, dass das Steigenberger ein Sonderangebot hatte (promotional offer). Damit war es nur noch drei Euro außerhalb meiner Hotelkostenbandbreite (range), so dass ich zuschlug. WLAN sollte auch noch drin sein.

Drei Nächte später bereue ich meine Entscheidung. Zuallererst: WLAN war nicht im Preis mit drin, sondern nur zu "Sonderkonditionen" verfügbar (10€ für vier Stunden). Die Fernbedienung war so gestaltet, dass ich mehrfach knapp davor war, einen dämlichen Will Ferrell Film über PayTV zu bestellen. Das Zimmer war genau 16m2 groß, was für 4-Sterne-Hotels die Mindestanforderung ist. Auch hatte ich eine Badewanne, die ebenfalls vorgeschrieben ist, die gleichzeitig als Dusche diente. Die Flasche Wasser sollte 5,20€ kosten. Zu den 5,20€ habe ich neun Cent dazu gelegt und habe mir dafür bei McDonald's ein ganzes Menü gekauft.

Bei meinem Standardhotel, ein 3-Sterne Etablissement, sind die Zimmer größer als die Norm. Die Einrichtung ist zwar etwas billig, aber ich habe einen LCD-Fernseher. WLAN ist im Preis enthalten und mein gratis Mineralwasser wird sogar nachgefüllt. Etwas helfen tut mein Profistatus. Ein anderes Hotel vor Ort bietet Premiere umsonst an und Zugang zum Fitnesscenter. Man sieht, es geht doch.

Deswegen verstehe ich es nicht, warum teure Hotels häufig Service-Wüsten sind? Alles kostet extra. Eine Flasche Wasser, die im Einkauf einen Euro kostet, wird für 5 Euro vertrieben. Internet wird überteuert verkauft. Frühstück ebenso. Geht es nicht anders?

Dienstag, 27. Januar 2009

Kurze Bemerkungen

Ich bin gerade wieder im verrauchten Internetcafé, wo eine Stunde surfen 3€ kostet. Gerade steht der Zähler auf 1€ (sprich 20min). Ich habe die bisherige Zeit dazu genutzt, wichtige Chats über meebo zu führen (coole Webanwendung). Jetzt mache ich noch mein allabendliches Surfen und kehre dann wieder im verhassten Steigenberger ein. Über das Steigenberger werde ich mich en detail noch am Freitag aufregen.

Ansonsten ein paar zufällige Notizen:
  • Die Kommerzbank* hat genug Geld, teure Banden beim Fussball zu kaufen, wie ich gerade beim DFB Pokal gesehen habe. Mein Nachbar meinte auch, dass man dort 50€ geschenkt kriegt, wenn man ein Konto eröffnet. Das stimmt. Nach Lage der Dinge ist das wie eine Steuergutschrift und sollte genutzt werden. *Kommerz kommt von Kommunismus.
  • NTV zeigt in der Nacht Werbung für Hedgefonds und Hebeldepots. Großartig, dass sich diese Produkte auch in der Krise halten.
  • Mittlerweile hatte ich 3 Telefoninterviews. Mein erstes Bewerbungsgespräch ist Mitte Februar.
  • Der deutsche Einlagensicherungsfonds der Privatbanken ist auch nur Mythos. Lehman-Einleger werden direkt vom Staat entschädigt.
  • Mein Premiere Abo war eine katastrophale Investition. Gerade wieder 7€ für Bier in der Kneipe gelassen.
  • Spielhallen werden primär von Herren frequentiert, Nordsee Imbisse von Rentern.
  • Die Bahn streikt am Donnerstag. Hoffentlich hält meine 4-Tage-Woche das aus.

Montag, 26. Januar 2009

Teure Hotels = Schlechter Service

Diese Woche habe ich mir einen Aufenthalt im Steigenberger gegönnt. Auf meiner Reservierung stand explizit "WLAN". Stellt sich heraus, dass damit die Verfügbarkeit, nicht das Surfen gemeint war. Mal gucken, ob ich diese Woche noch die Chance habe, mehr zu bloggen. Hier im Internetcafe ist das mäßig spannend.

Freitag, 23. Januar 2009

Rund ums Gehalt V: Gehaltsentwicklung

Ein Freund von mir arbeitet im Vertrieb. Als er mir neulich sein Jahresgehalt nach mehreren Jahren Berufserfahrung mitteilte, war ich doch etwas baff: Es war weniger, als ich aktuell verdiene. Als er mir dann im Anschluss sagte, dass er dieses Jahr beabsichtigt, beim gleichen Arbeitgeber doppelt so viel zu verdienen, war ich noch ein Stückchen baffer. Eine Gehaltsverdopplung innerhalb eines Jahres? Wie kann das gehen?

Er beschrieb mir dann, wie Vertrieb läuft. Wenn man einsteigt, hat man keine Kunden. Man muss sich erst einmal einen Kundenstamm aufbauen, z.B. durch Kaltakquise. Außerdem vertreibt man nicht direkt die Top-Produkte, sondern kriegt den Kleinscheiss, der nicht viel Provision bringt. Das erste Jahr muss man als Investitition betrachten.

Nach einem Jahr (wenn man gut im Vertrieb ist) hat man einen Kundenstamm, der einem kontinuierlich ein Provisionsgrundrauschen beschert. Zudem besteht die gute Möglichkeit, dass man an die spannenden Produkte/Kunden rangelassen wird. Die Logik ist: Wer die ersten sechs Monate überlebt (im Vertrieb zählt die Probezeit noch was), wer sich durch Kaltakquise etwas aufbaut, der kann auch was.In seinem Fall ist er von Kleinkunden auf Großkunden gewechselt. Großkunden haben große Umsätze und große Provision, was noch einmal substantiell einen Gehaltsschub bedeutet.

An seinem Beispiel lässt sich nachvollziehen, dass man auch die eigene Gehaltsentwicklung im Auge haben muss, wenn man einen Job annimmt. Mein Freund kannte seine Talente, er wusste, dass er nach einem Jahr einen angemessenen Kundenstamm haben würde, und er kannte die Höhe der vertraglich zugesagten Provisionen. Das hieß, ein Jahr auf Geld zu verzichten, war keine schlechte Investition. Besonders wenn die Firma nett ist und man sich für das Geld auch nicht tot machen muss.

Ein anderes Beispiel kann ich aus dem Beratungsumfeld darstellen. Ein Kollege hat gut verhandelt, als er einstieg. Nur hatte er sich damit die zukünftigen Gehaltserhöhungen vorweg genommen und ging zwei Jahre in Folge leer aus. Sein Problem ist, dass die Gehaltserhöhung in seinem Fall freiwillig durch den Arbeitgeber erfolgen. Es gibt keinen Tarifvertrag oder eine sonstige Regelung, die sein Gehalt von außen festlegt.

Bei mir ist das ähnlich. Meine Firma hat dieses Jahr die fest zugesagte Gehaltsrunde bis Sommer "zurückgestellt". Ich bin befördert worden (Stufe 1 -> Stufe 2), werde aber noch, wie ein Stufe 1 Mitarbeiter bezahlt. Gäbe es einen Tarifvertrag, hätte ich dieses Problem gar nicht. Dann wäre jeder Stufe ein festes Gehalt zugeordnet. Durch die Beförderung wäre gleichzeitig auch eine Gehaltsanpassung erfolgt.

Daneben bietet die Existenz eines Tarifvertrags und einer starken Gewerkschaft weitere Vorteile für die Gehaltsentwicklung. Z.B. erfolgen Gehaltsanpassung häufig automatisch über die Betriebszugehörigkeit. Außerdem sorgen Gewerkschaften dafür, dass die Mitarbeiter angemessen am Betriebsgewinn partizipieren. Aktuell in den Nachrichten sind die Forderungen von UFO an die Lufthansa.  15% mehr Lohn stehen im Raum, weil die Lufthansa so gut verdient hat (>10%). Ich will ihnen das nicht leiden, nur ärgert mich, dass meine Firma besser verdient und bei mir die Gehaltsrunde ausgesetzt wird. Unter Berücksichtigung der Inflation und des Gesundheitsfonds habe ich einen Reallohnverlust.

Für mich bleibt nur der Markt, um meine Gehaltsanpassung durchzuführen. Das ist auch der Grund, warum ich mein erstes Telefondate geführt habe.

Mein Kaupthing Konto

Ich behaupte von mir, in Finanzdingen besser ausgebildet zu sein als der Durchschnittsbürger. Ich informiere mich regelmässig über Finanzdinge und weiß, was ein CDS ist (Credit Default Swap). Das bringt der Job eben mit sich. Trotzdem war mein Geld bei Kaupthing. Kein Scherz. Drei Kollegen von mir (ebenfalls aus dem Bankensektor, zwei sogar mit Wirtschafthintergrund) hatten dort auch ein Konto. Von zweien weiß ich, dass sie (wie ich) erfolgreich am Bank Run mitgewirkt haben.

Das Länderrisiko bin ich bewusst eingegangen. Ich hatte ein Tagesgeldkonto, verfolge die Finanznachrichten und als es Zeit wurde, das Geld abzuziehen, war es auch weg. Ich wusste, dass dort nur 20.000€ garantiert sind und mehr lag auch nie auf dem Konto. Das fiel mir auch nicht schwer ;). Dass die groß beworbene Garantie nicht tragen würde, hatte ich hingegen nicht erwartet.

Meine Freundin, die auch dort ein Konto hat, kämpft gerade mit den isländischen Behörden, die unter der schieren Antragsflut zusammenbrechen. Als sie ihr Konto dort eröffnet hat, habe ich sie noch darauf hingewiesen, dass dort ein Länderrisiko vorliegt. Und als es Zeit wurde, das Geld abzuziehen, auch darauf. Nur war sie die Woche unterwegs und hatte ihre Onlinebanking-Unterlagen nicht dabei. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Über Kaupthing kann man lang und ausführlich streiten. Viel zu groß für Island. Ein Land als Hedge Fonds. Wenn die gierigen Kleinanleger ihr Geld verlieren, geschieht ihnen das nur recht. Die letzte Aussage hörte ich so auch aus meinem näheren Verwandschaftskreis... Die Gegenseite:

  • Die Bilanzzahlen sahen gut aus. Das Tier 1 Kernkapital ist gleich dem der Deutschen Bank.
  • 5,75% Zinsen als Lockangebot sind nicht signifikant mehr als z.B. die Deutsche Bank Tochter Norisbank (5,25% für Festgeld) oder die Commerzbank (5,2% für Tagesgeld) boten. Consors wirbt aktuell mit 6%, wobei da versteckte Gebühren drin sind.
  • Meine Anlageform war ein Tagesgeldkonto, keine nachrangige Wandelanleihe.
  • Ich habe kein Geld nach Island überwiesen, sondern mein Konto hatte eine deutsche BLZ.
  • Kaupthing operierte völlig legal im deutschen Markt.
  • Gegen einen Bank Run ist keine Bank bewappnet.
  • Ach ja, und viele der deutschen Banken, die gerade Geld beim Staat einsammeln, haben einen Teil ihres Gelds in Island verbrannt.

Ich glaube sogar, dass die Einlagen bei Kaupthing durch das Bankvermögen gedeckt sind. Dazu muss man wissen, dass Forderungen eine Rangigkeit haben und dass in den meisten Fällen bei Banken Sparbücher, Tagesgeldkonten und sonstige Einlagen ganz vorne stehen. Ganz unten in der Nahrungskette steht Eigenkapital. Als Vergleich können die USA dienen. Dort sind letztes Jahr schon reihenweise größere und kleinere Banken pleite gegangen. Die FDIC (Federal Deposit Insurance Corp) hat die Guthaben und entsprechende Vermögenswerte an eine andere Bank transferiert (also der Insolvenzmasse entnommen) und den Rest sang und klanglos pleite gehen lassen. Die Konsequenz an der Geschichte ist, dass Banken (außer für Sparer) miese Schuldner sind: AA = "Absolut Armselig"? :)

Dass man bei den CDS-Auktionen jetzt von einer Recovery Rate von etwas mehr als 6% bei Kaupthing ausgeht (sprich 94% Forderungen sind nicht gedeckt), spricht auch nicht dagegen. Erstens ist auch diese Recovery Rate eine Wette. Und wie gut Banker im Zocken sind, kann man gerade miterleben. Zweitens hat kein Privatbürger CDS gezeichnet, das heißt, hier wurden primär nachrangige Kredite gesettlet. Wenn da noch was übrig bleibt, dann ist wahrscheinlich genug für die Einlagen da.

Mal sehen, was kommt. Immerhin ist Island Urlaub jetzt günstig. Und wer meint, dass es nur die doofen Isländer treffen wird, kann nach Irland, England, Lettland, in die Schweiz schauen und findet dort sehr ähnliche Konstellationen. Wenn ich heute über meine Geldanlage nachdenke, würde ich gerne Dollar oder Schweizer Franken shorten. Alternativ wären Ölindexfonds interessant. Als Privatanleger aber deutlich schwieriger zu machen, als ein Tagesgeldkonto bei der VW Bank zu eröffnen. Diesmal mit deutschem Einlagensicherungsfonds.

Rund ums Gehalt IV: Überstunden (und Reisezeiten)

Ein Kollege von mir wurde dieses Jahr befördert. Er war bisher auf Hierarchiestufe 2, zukünftig nun Hierarchiestufe 3. Diese Hierarchiestufen finden sich in den meisten Beratungen. Man fängt an als Junior Consultant, dann Consultant, dann Senior Consultant, dann ... und irgendwann heißt man dann Vice President. Als Vergleich: Ich bin gerade auf Hierarchiestufe 2 angekommen.

In jedem Fall ist seine Beförderung finanziell ein zweischneidiges Schwert. Auf Stufe 1 und 2 werden die Überstunden bezahlt, sei es in Freizeit oder in Geld. Auf Stufe 3 werden die Überstunden pauschaliert und auf den Lohn draufgeschlagen. Es sei dahingestellt, inwiefern das rechtens ist bei Mitarbeitern, die nicht der Geschäftsleitung angehören. Das Problem an dieser Regelung ist: Die pauschale Erhöhung ist niedriger als die Überstunden, die er letztes Jahr gemacht hat. Unter der Prämisse, dass er das gleiche Pensum arbeitet, verzichtet er also auf Lohn, um die nächste Hierarchieebene zu erklimmen und potentiell Vice President zu werden.

Eine mögliche Lösung für seine Situation ist, dass er sein Pensum reduziert und seine "Work-Life-Balance" optimiert. Wirtschaftlich gesprochen, hat er keinen Anreiz mehr Überstunden zu leisten. Und das gleiche Geld für weniger Arbeit zu verdienen, ist doch super. Andersherum ist das Gegenteil der Fall. Für die Firma sind Überstunden jetzt geschenkt, es gibt also keinen Grund mehr Arbeit zu rationieren. Man sieht, welches Spannungsfeld sich dort auftut.

In meinem Fall wäre eine solche "Beförderung" extrem schädlich wegen meiner Reisezeiten. Reisen ist ein alltägliches Schicksal im Beratermillieu und kein Pappenstiel. Die Reisezeiten sind immer on top zu der Zeit, die man dem Kunden in Rechnung stellt, weshalb ich ganz froh bin, dass sie bezahlt werden. Dieses Jahr nutze ich meine Reisezeiten und habe auf eine Viertagewoche umgestellt. Den fünften Tag verbringe ich Montag Morgen und Donnerstag Abend in der Bahn.

Im Falle einer "Beförderung" würde es mir sicherlich schwerer fallen, den Freitag frei zu machen, da die Überstunden ohnehin bezahlt sind. Ich bin also mit der gegebenen Reisezeiten-Regelung äußerst zufrieden. Gottseidank steht auch bei mir die Beförderung erst wieder in zwei bis drei Jahren an. Wenn überhaupt...

Für all diejenigen, die vorhaben, Handlungsreisender zu werden, ist der Umgang mit den Reisezeiten ein Kernelement jedes Vergütungspakets. Wie viel Reisezeit wird erwartet? Gibt es eine obere Grenze? Wann muss man beim Kunden sein? Und wann ist man freitags zu Hause? Die Antworten auf diese Fragen in Schriftform wären hilfreich.

Das Auszahlen der Überstunden für Stufe 1 und 2 nutzt meine Firma in mehrerer Hinsicht. Zum einen steht man dadurch gegenüber Bewerbern gut da. Viele Bewerber halten die Frage für ketzerisch, inwiefern Überstunden vergütet werden. Bietet eine Firma von sich aus an, diese zu vergüten, ist das ein Plus. Zum anderen steht auf jeder Gehaltsfolien die Anmerkung, dass man die Vergütung der Überstunden auf das Grundgehalt draufschlagen muss, bevor man unsere Gehälter mit denen der Konkurrenz vergleicht. Das wiederum bedeutet, dass man die Vergütung der Überstunden in gewisser Form selbst trägt, nämlich durch ein niedrigers Grundgehalt.

In meinem ersten Projekt hatte ich genau diesen Vergleich. Wir waren als IT-Beratung vor Ort, LazyBanker als Fachberater von einer anderen Firma. Sein Gehalt zu dem Zeitpunkt war mindestens 25% höher als meins, obwohl ich gleichwertige Leistung brachte. Selbst wenn ich 10% Überstunden unterstellte, waren es immer noch knapp 15% Differenz. Viel Holz.

Jetzt, wo ich unterwöchig unterwegs bin, liege ich wahrscheinlich nicht schlechter als er, wahrscheinlich sogar besser. Ich habe locker 25% Reisezeiten on top sowie meine sonstigen Überstunden. Und die bekomme ich im Gegensatz zu ihm bezahlt. Zusätzlich muss ich nicht nach der Arbeit noch intern malochen und unbezahlt Folien bauen. Würde er hingegen zu Hause arbeiten, wäre er deutlich im Plus...

Man sieht, wie schwierig es gerade bei diesem Punkt ist, ihn korrekt ins Gehalt einfließen zu lassen. Letztlich muss man klären, was erwartet wird, was man selbst leisten will und wie das zusammengeht.

Mittwoch, 21. Januar 2009

RIP Fortis Consumer Finance Deutschland

Es ist jetzt schon eine Woche her: Die Fortis Consumer Finance Deutschland ist geschlossen. Es hat etwas gedauert, bis der Untergang des Hauptkonzerns auch den Untergang seiner deutschen Dependance bedingt hat. Am Ende war es so, dass Fortis alle nicht geschäftskritischen Bereiche abbaut und das eben auch den Bereich Consumer Finance in Deutschland betrifft.

Um das hier klarzustellen: Meine Häme gilt nicht dem Fortis-Konzern. Er scheint ein leichtes Opfer, so wie die isländischen Banken oder RBS: Hätte die Fortis mal ihr Geld zusammengehalten, statt völlig überteuert ABN AMRO zu zerlegen...

Als Deutscher sollte man sich klarmachen, dass sich die Commerzbank ebenfalls an einer überteuerten Übernahme verschluckt hat und mittlerweile wohl insolvent wäre ohne Staatshilfe. Die Deutsche Bank konnte ihre "gute Eigenkapitalausstattung" nur dadurch sichern, dass der Staat indirekt einsteigt, nämlich durch das Staatsunternehmen Deutsche Post. Und die Liste der Pleitekandidaten geht weiter über die Landesbanken und der sagenhaften Hypo Real Estate.

An Häme möchte ich für die Fortis Consumer Finance Deutschland hingegen nicht sparen. Das Scheitern des "ausgesprochen innovativ[em]" Shop-Konzepts erfreut mich, da hier eine unnötige Bankdienstleistung marktbereinigt wird. Die Geschichte von Fortis Consumer Finance Deutschland ist ein schönes Beispiel für Beraterschlaumeierei und den Problemen und Fehlentwicklungen im Bankensektor.

Zuallerst, was hat der global operierende Bankenriese Fortis in Deutschland getrieben?  Im Jahr 2005 kaufte Fortis die von Essen Bank (klein und unbedeutend), um in Deutschland eine Banklizenz zu haben und (Konsumenten-)Kreditgeschäft zu machen. Ziel war es "provider of comprehensive financing solutions for the young to middle-aged customer segment" zu werden und eine "broader range of consumer finance products, including credit cards, car financing and mortgages" anzubieten.

Dazu wurde neben das klassische Direktbankgeschäft der von Essen Bank das preisgekrönte Konzept der credit4me Shops gestellt. Die Kernidee steckt bereits im Namen. credit4me suggeriert, dass Kredit etwas ist, was mir zusteht. Shop statt Bank verstärkt diesen Eintrag: "Ich kaufe ein Produkt!" statt "Ich beantrage einen Kredit". Zudem klingt shoppen trivial und alltäglich.

Die Shopgestaltung wurde diesem Prinzip angepasst. Die BankenShops waren in Einkaufszonen platziert, hatten lange Öffnungszeiten und boten im Vorderbereich eine "lively shopping atmosphere". Der Hinterbereich war diskret gestaltet, da "Borrowing money also calls for discretion". Dort warteten die VerkäuferBerater. Die KrediteProdukte waren standardisiert und die Prozesse einfach. Zielszenario war ein Einkäufer, der eben noch den Flachbildschirm im Laden gesehen hat, dann 20m die Einkaufstraße weiterläuft, die Bankden Shop entdeckt und feststellt: "Der Kredit ist ja billig. Da kann ich den Fernseher ja mitnehmen." Er kommt in die Bank, sagt, wieviel Geld er will, wird schnell überprüft und raus geht der Kredit.

Ich kann schon sehen, wie man damit als Berater punkten kann: Tolle Story. Mal was Ausgefallenes. Dann noch eine Marktstudie hinterhergeschoben und schon investiert Fortis Millionen in Deutschland. Ich würde mich wirklich dafür interessieren, wer die Fortis beraten hat, weil offenkundig grobe Schnitzer in der Beratung waren:

  • Auch wenn die Banker immer von Produkten reden: Ein Kredit (oder eine sonstige Bankdienstleistung) ist kein Produkt. Einen Kredit wie einen Liter Milch bei Aldi verramschen zu wollen ist nicht besonders helle. Außerdem schadet es der Kundenbindung: Ob ich die Milch bei Aldi oder bei Lidl hole, bleibt sich erst mal gleich.
  • Schulden kommen von Schuld und sind bei uns nicht positiv besetzt.
  • Die Konkurrenz ist extrem hart. Gerade bei Konsumentenkrediten (altertümlich als Ratenkredit bekannt) ist es Usus, dass bereits der Verkäufer einen Kredit anbietet: Automärkte, Möbelläden oder Elektronikmärkte. Alternativ kann man über den Dispo oder seine Hausbank finanzieren.

Ich denke, dass allein diese Punkte reichen, die Probleme des Shopkonzepts zu umreißen. Verschärfend kommt aber noch ein weiterer Punkt hinzu, der dem Marktsegment Konsumentenkredit zugrundeliegt: Die Zielgruppe der Kredite sind sub primenear prime Kunden. Wer mit gutem Einkommen muss einen 1000€ LCD Fernseher finanzieren?

Die Strategie bei sub primenear prime Kunden ist, das Risiko in die Zinsen einzupreisen. Während im Schaufenster Traumkonditionen angepriesen wurden, wurde im Hinterzimmer ein Scoring-Verfahren angeschmissen. Falls man nicht gerade Bill Gates heißt, konnten bis zu 12% rauskommen.

Das Risiko für die Bank scheint überschaubar. Zuallererst sind die Summen aus Bankensicht gering: Was sind schon 1000€? Und bevor jemand in die Privatinsolvenz geht, vergehen einige Jahre. So lange ich risikoadäquat Zinsen erhebe, kann ich auch an Kunden schlechter Bonität Kredite vergeben.

Wenn ich an genug schlechten Kunden Kredite mit hohen Zinsen vergebe, kann ich ein gutes Geschäft machen (Bankerlogik). Die Summen sind meist gering, der Weg zur Privatinsolvenz lang und steinig, so dass sogar im Insolvenzfall noch was zu holen ist. Und wenn ich viele Kredite vergebe, habe ich eine gute Streuung.

Was mich an diesem Geschäftsmodell stört und weswegen ich froh bin, dass es eine Konsumentenkreditbank weniger gibt: Konsumentenkredite sind Kredite für Doofe. Sie sind in den meisten Fällen unnötig, da man gemeinhin Investitionen im niedrigen vierstelligen Bereich aus dem laufenden Einkommen bezahlen sollte. Das ganze Konzept ist darauf ausgelegt, die Hemmschwelle zu senken und Leute in die Schulden zu führen, damit die Bank überhöhte Zinsen kassieren kann. Konsumentenkredite sind ein wirtschaftlich unnötiges Segment, das Banken reicher macht, aber den Kunden nur in seltenen Fällen einen Dienst leistet.

Der Trend geht zum Zweitprojekt

Ich bin mir nicht sicher, ob ich es schon mal erwähnt habe: Ich habe ein Zweitprojekt. Hintergrund ist, dass meine Chefs meine fakturierbaren Tage steigern wollten und mir für Bahnfahrt und Freitag ein Zweitprojekt besorgt haben. Das war im September letzten Jahres.

Der Plan ist mächtig daneben gegangen. Mein Erstprojekt wollte mehr Zeit von mir. Der Freitag war hin. Und deswegen habe ich im Zweitprojekt seit Mitte Oktober nichts mehr gemacht. Bis dahin hatte ich einen unvollständigen Prototyp gebaut.

Dann kam letzte Woche die Ansage vom Kunden, dass ich für das Zweitprojekt was abliefern muss. Mist: Warum hatte ich das Zweitprojekt auch im Januar schleifen lassen, obwohl ich doch Zeit hatte? Wo ich drüber nachdenke: Ich hatte einfach keinen Bock drauf.

Glücklicherweise war ein Kollege gerade im Office (sprich ohne Projekt und mit Zeit) und konnte etwas am Prototyp weiterstricken. Heute wollte ich dann "deployen", also ausliefern, um Morgen die Demo zu machen. Das Deployen war anspruchsvoll, da ich von MySQL auf Oracle als Datenbank wechseln musste. Deswegen hatte ich mit dem Erstprojekt auch abgesprochen, dass ich am Dienstag keine Zeit hätte.

Dann gab es im Erstprojekt Produktionsprobleme und mein Tag war weg. Blieb noch die Nacht. Ich war bis 23.30h in der Bank und bin nicht fertig geworden. Scheiß Left Joins, Exists und Insert_Ids. Morgen um 8h mache ich noch mal weiter. Das schlimmste ist, dass ich noch gar nicht schlafen kann, weil ich erst 30 Minuten auf dem Zimmer bin... Und morgen muss ich dem Kunden den Prototyp verkaufen. Supi.

Montag, 19. Januar 2009

Vor Ort, beim Kunden

Ich bin momentan viel unterwegs. Zwischen meinem Kunden und meinem Wohnort liegen gut 500km schlechter Infrastruktur, die ich montags und donnerstags bereise. In meiner Niederlassung bin ich fast nie; in anderthalb Jahren waren es in Summe 15 Tage, die ich dort war. Zehn Tage davon waren nach meinem Einstieg, während ich auf mein erstes Projekt gewartet habe. Danach war ich immer mal wieder für ein paar Stunden da, um an Meetings teilzunehmen oder ein Mitarbeitergespräch zu führen. So z.B. letzte Woche, wo ich erst ein Mitarbeitergespräch hatte, um dann an einem Meeting teilzunehmen.

Mein erstes Projekt lag in der gleichen Stadt, so dass ich abends nach Hause gefahren bin. Reisezeiten hatte ich keine, nur Pendelzeiten. Trotzdem macht es einen nicht zu unterschätzenden Unterschied, ob man einen echten Arbeitsplatz bei seiner eigenen Firma hat oder vor Ort beim Kunden arbeitet. Der Arbeitsplatz beim Kunden wird nie der eigene. Das fängt damit an, dass die Ausrüstung schlecht ist. Der Kunde investiert keine Unsummen in die Arbeitsplätze von Externen. Man selber investiert auch nicht in seinen Arbeitsplatz beim Kunden, weil es schließlich nur ein temporärer Arbeitsplatz ist. Das höchste der Gefühle waren eine Kaffeemaschine, die ein Kollege gestiftet hatte, und mein eigener Kaffeebecher. Am Ende steht ein anonymer, geschmackloser 0815 Arbeitsplatz.

Jetzt kann man sich freuen, doch einen tollen, mobilen Laptop zu haben. Der ist praktisch, wenn man während der Reisezeit Civilization IV spielen will oder Blog schreibt. Bei meinen bisherigen Kunden hingegen war er nicht produktiv einsetzbar. Es gab Sicherheitsrichtlinien, die verhinderten, dass ich meinen Laptop an das Netzwerk anschließen konnte. Ohne Netzwerkzugriff ist arbeiten praktisch unmöglich. Aktuell kann ich nicht mal einen USB-Stick anschließen, um Daten zwischen Kundenrechner und Laptop zu transferieren. IT-Sicherheitstechnisch ist das völlig in Ordnung.

Das dauerhafte Leben beim Kunden ist nicht einfach. Man wird immer als Externer wahrgenommen, woran unterschiedliche Erwartungen und Haltungen geknüpft sind. Da wäre die Arbeitszeit: "Eure Tagessätze müsst Ihr Euch auch verdienen." Dass letztendlich auch ein Interner Kosten hat, sprich einen Tagessatz, und dass (bei Banken) die Spanne zwischen Internen und Externen nicht so groß ist, wird geflissentlich übersehen. Genauso wie, dass ich persönlich vom Tagessatz erst mal gar nichts habe.

Dann gibt es die Kontrolle: "Wir erwarten mindestens acht Stunden Präsenz." Diese Aussage kommt bei Firmen, die selbst äußerst flexible Gleitzeitmodelle haben. Einer meiner Kunden-Projektleiter hatte Vertrauensarbeitzeit, kam gegen zehn bis elf Uhr, arbeitete bis maximal sieben (knapp acht Stunden) und machte an Einzeltagen kurzfristig Home Office. Trotzdem bestand er bei uns auf einer unflexiblen Kernarbeitszeit von 9.30h bis 18h.

Schließlich ist der Umgang mit einem Externen speziell. So wie man selber nicht in ein Büro investiert, indem man vielleicht 12 Monate sitzt, so investiert auch kein Interner in einen Externen. Es kommt sehr selten vor, dass man gemeinsam essen geht. Bei vielen Dingen wird man geflissentlich ignoriert. Meinen Kollegen ist es mal passiert, dass ihre Abteilung im Nebenraum bei Kaffee und Kuchen einen Geburtstag feierte und sie fleißig weiterschufteten. Keiner der Internen kam auf die Idee, sie hinzuzubitten. Über die Zeit verwaschen die Grenzen etwas, aber letztlich ist es immer ein Auswärtsspiel.

Was ich damit illustriene möchte, ist, dass der eigene, feste Arbeitsplatz einen Wert an sich hat. Andersherum: Wer beim Kunden arbeitet und damit der eigenen Firma ja erst eine Verdienstmöglichkeit verschafft, sollte sich diesen Wertverlust entlohnen lassen.

Ach ja, und was spricht überhaupt dafür beim Kunden zu arbeiten? Man kriegt viel zu sehen und erlebt unterschiedliche Unternehmenskulturen und Denkweisen, wodurch man schnell lernt. Man sieht so spannende Städte wie Gütersloh oder Schwäbisch-Hall. Und: Man muss nicht für den Kunden arbeiten: Von langjährigen Beratern hab ich mal die Aussage gehört, dass sie trotz der Vielzahl ihrer bisherigen Kunden nur für einen einzigen von diesen normal arbeiten würden.

Samstag, 17. Januar 2009

Links: Dilbert und Bafin

Auch Dilbert hat 40 Stunden Ewigkeit. Bei der brandeins (tolle, leider zu teure Wirtschaftszeitschrift) gab es einen guten Artikel über das Versagen der Bankenaufsicht.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Der heilige Freitag

Mein Kollege hatte neulich folgende Situation: Der Kunde hat beschlossen einen Jour Fixe (wöchentliche Besprechung; schreckliches Wort) am Freitag um 16.00h zu etablieren. Wie ich schon dargelegt hatte, ist Freitag der heilige Tag der Berater: Ihr könnt uns die Woche lang knechten, uns montags zu nachtschlafender Zeit auf den Weg schicken und dann wie irre Überstunden bolzen lassen. Nur den Freitag, den müsst Ihr uns lassen.

Jedenfalls hat mein Kollege kurz überlegt, seinem Projektleiter vom Kunden zu erklären, aus welchen Gründen der Termin schlecht für ihn ist. Schließlich sei er ja die ganze Woche nicht zu Hause. Sein Wunsch, zumindest freitags um sechs oder sieben Uhr zu Hause sein, müsste der Kunde doch verstehen. Das Wochenende sei auch so kurz genug...

Ich riet ihm davon ab, seine Situation zu erklären. Ich hatte genau die gleiche Situation auch schon. Stattdessen riet ich ihm kategorisch abzusagen: "An dem Termin kann ich nicht." Eventuell noch ein Verweis auf interne Termine. Und nichts weiter.

Die Situation zu erklären, bringt verschiedene Probleme mit sich. Zuvorderst versteht der Kunde unter "erklären" "diskutieren". Die "späte Rückkehr" und das "knappe Wochenende" werden als Argumente gesehen, für die es Gegenargumente gibt: "die Projektsituation", "die Schwierigkeit einen gemeinsamen Termin zu finden"... Diese Tür darf man dem Kunden in der Kommunikation gar nicht erst öffnen.

Wenn man erst einmal am Diskutieren ist, werden direkt schlimmste Resentiments geweckt. Der Standardspruch vom Kunden bzgl. des Freitags ist: "16h, das ist doch eine ganz normale Arbeitszeit. Ich muss da auch arbeiten." Er suggeriert damit, dass der Berater faul ist und nicht genug arbeitet. "Wozu zahlen wir diese hohen Tagessätze." Dass ein Berater sich nicht mal eben ins Auto setzt und in 30 Minuten zu Hause ist, übersieht er. Vollends eskalieren tut die Situation, wenn der Berater darauf hinweist, in der Woche viel gearbeitet zu haben. Zum einen versteht der Kunde das als Affront, nämlich dass er selbst zu wenig arbeiten würde. Zum anderen wird dies wegen der "hohen Tagessätze" einfach vorausgesetzt.

Das Ergebnis der Diskussion ist im Zweifelsfall, dass man irgendeinen faulen Kompromiss hinnehmen muss. Schließlich muss gerade der Kunde sein Gesicht wahren. Dann heißt es: "Diese Woche machen wir das um 16h und ab nächste Woche dann um 15.30h. Das ist doch ein Kompromiss."

Banken ohne Zukunft

Ich hatte am Jahresende auf eine Wette des Blogs Herdentriebs hingewiesen. Dort hieß es, dass auch Ackermann das Staatsgeld nehmen würde. Und, tarrah: Es ist geschehen. Wer die Post als Hauptaktionär hat, kann sich getrost als teilverstaatlicht betrachten. Es gehört schon einiges an Chuzpe dazu, dies als Erfolg zu verkaufen, weil die Eigenkapitalquote gestärkt wurde (bla bla bla), während man noch vorher in großen Tönen davon sprach, dass man Staatsgeld nicht bräuchte. Grüße an P in London. :) Damit hat es auch die letzte große deutsche Privatbank erwischt.

Jetzt gibt es Stimmen, die behaupten, dass es außergewöhnliche Umstände seien. Ehrlich gesagt, ist es eher die Konsequenz von vielen Jahren falscher Schritte. Wer sein Leben lang raucht, kann sich auch nicht beschweren, wenn die Lunge am Ende nicht mehr mitmacht. Man kann das in vielen Blogs nachlesen (so auch schön von Lucas Zeise im Herdentrieb): Die Verschuldung der Unternehmen und Privatpersonen war einfach zu hoch. Und jetztmüssen die Schulden abgebaut werden. Und das tut weh.

Für die Banken sieht es besonders trist aus. Ich sehe als Zukunft eher kleine lokale Banken als große nationale Bankchampions. Denn die Größe führt nur zu größerem Risiko. Wenn die Weserbank ausfällt, kostet das den Staat 26 Mio €. Um die Hypo Real Estate zu retten, waren so viele Milliarden nötig, davon hätten wir jedem deutschen Kind seine eigene Kindergärtnerin bezahlen können.

Und weshalb? Weil das Geschäftsmodell vieler Banken ebenfalls auf exzessiven Schulden beruhte. Die klassische Bank hatte Einlagen (Sparkonten). Und sie vergab Kredite. Das Geld verdienen war relativ einfach, weil man die Einlagen und die Kredite unterschiedlich verzinste. Nur konnte man so keine Unsummen verdienen. Das ist übrigens immer noch das Geschäftsmodell der meisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Die Hypo Real Estate hingegen hat keine Einlagen. Sie vergibt Kredite und leiht sich das Geld selber wieder am "Kapitalmarkt", also bei anderen Banken. Mir erscheint schon diese Konstruktion als wirtschaftlich fragwürdig: Warum leiht eine Bank A der Hypo Geld, damit die Hypo einen Kredit vergeben kann? Warum macht Bank A das nicht einfach selber?

Verschlimmert wurde dieses Problem durch einen Trick, den die Hypo anwandte, um den Gewinn zu maximieren.  Sie finanzierte langfristige Schulden kurzfristig. Man nennt das Fristentransformation. Im Normalfall liegt der kurzfristige Zins unter dem langfristigen, so dass man auf diese Weise ordentlich Geld machen kann.

Das Problem von dieser Art Fristentransformation ist, dass der kurzfristige Zins ja mit Grund niedriger liegt als der langfristige: Wenn ich jemandem fünf Jahre Geld leihe, muss ich hoffen, dass er fünf Jahre durchhält. Leihe ich ihm hingegen fünf Mal ein Jahr Geld, kann ich jedes Jahr erneut das Risiko bewerten und im Zweifelsfall auch aussteigen. Niedrigeres Risiko = Niedrigere Zinsen. Und von dieser Ausstiegsmöglichkeit haben viele bei der Hypo gebraucht gemacht, so dass sie auf einmal ohne Geld dastand.

In meinen Augen ist das Geschäftsmodell "Finanzierung am Kapitalmarkt" tot. Dass unsere Politik versucht, zu retten, was nicht gerettet gehört, führt nur dazu, dass wir gutes Geld dem schlechten hinterherschicken.

Dienstag, 13. Januar 2009

Aufräumarbeiten

Nachdem google jetzt häufiger Besucher auf diese Seite führt (not-to-do-liste, das dreizehnte gehalt, reisekosten privatübernachtung), habe ich beschlossen, zwei Posts zu entfernen, die etwas zu persönlich waren. Ich werde sie bei Gelegenheit überarbeiten und neu posten. Ansonsten habe ich angefangen labels unter die Posts zu tun, damit es etwas strukturierter wird. Und ich poste mehr, weil ich mehr Zeit dazu finde.

Der Inhalt des Blogs hat sich etwas weiterentwickelt. Statt mich allein dem Rumbringen der Arbeitszeit zu widmen, betrachte ich jetzt auch die Arbeit als Ganzes und das Leben als IT-Berater im Speziellen. Dem habe ich auch im Titel und der Blogbeschreibung Rechnung getragen.

Für meine sieben Stammleser noch ein paar Bemerkungen:

  • Die Kommentarfunktion ist aktiviert. Wir sind im amerikanischen Rechtsraum (.com), wo Redefreiheit noch was zählt. Und ich checke jeden Post und anonymisiere, wenn nötig.
  • Falls Ihr die URL weitergebt: Bitte sagt nicht mehr über den Autor, als das, was im rechten Balken steht. Die Welt ist klein.
  • Ich hatte schon mehrfach Bekannte animiert mitzuposten. Wer Lust hat, kann sich gerne melden.

Zauberkunst und Backshops

Über meinen Bruder bin ich zu Derren Brown gekommen. Derren Brown ist englischer Zauberkünstler, der viele psychologische Spielereien macht, aber auch ziemlich gut in Kartentricks ist.

Eine großartige Nummer von ihm ist seine "NLP und Geburtstagsgeschenke"-Nummer. Dort setzt er Kommunikationstechniken der Neurolinguistischen Programmierung dazu ein, seinem Gegenüber ein Geburtstagsgeschenk einzureden. Klingt irre, ist es auch. Und wer die Nummer nicht kennt, sollte sie sich reinziehen. Als Tip: Bevor Ihr zur Geschenkübergabe kommt, drückt kurz Pause und überlegt Euch, was Ihr Euch gerade wünscht. Ich meine, beim ersten Gucken den gleichen Wunsch gehabt zu haben.

Spoiler-Alarm: Wenn Ihr gerade fünf Minuten habt, guckt es Euch doch JETZT an, weil ich im Anschluss ein paar Dinge verraten werde, die den Spaß deutlich reduzieren. Das Video findet Ihr hier.

Geguckt?

Sicher?

Okay, dann mal weiter im Thema.

Bis Weihnachten war ich der Ansicht, dass die Erklärung korrekt ist, die Derren Brown am Ende des Videos gibt. Er zeigt dort, wie er den Gegenstand immer wieder in seinem Gespräch referenziert. Es erscheint plausibel. Dann kam Weihnachten mein Bruder, der sich etwas mehr mit Zauberkunst beschäftigt hat. Er hatte mir vorher schon Derren Browns Buch "Tricks of the Mind" ausgeliehen und so war das, was er mir sagte, nicht völlig neu.

Zuallererst wies mein Bruder mich darauf hin, dass wir erst einmal keine Information über den Kontext des Tricks haben. In welcher Beziehung steht Derren Brown zum Gast? Hätte er vielleicht das Lieblingsgeschenk einfach so raten können? Kannte er die Handschrift des anderen? ... Wenn man über die Fragen nachdenkt, bietet sich eine viel einfachere Erklärung als NLP an:

  • Derren Brown wusste, dass sich der andere ein BMX-Fahrrad wünscht.
  • Derren Brown kannte die Handschrift des anderen und konnte ohne weiteres eine Fälschung des Wunsches (die Lederjacke) erstellen.
  • Damit die Umschläge gleich aussehen, wurde der andere genau instruiert, wie er den Wunsch aufschreiben soll. Ihm wurde ein Umschlag, ein Stück Papier und ein Stift gegeben und ihm wurde gesagt, wo er seine Unterschrift und das Datum hinschreiben soll.
  • Während des Tricks tauscht Derren Brown die beiden Wünsche. Er ist ein ziemlich talentierter Taschendieb und es ist schon auffällig, wieviel Körperkontakt er während des gesamten Gesprächs herstellt.

Die NLP-Techniken setzt Derren Brown dazu ein, uns auf eine falsche Fährte zu führen. Wenn wir einen Trick sehen, wollen wir immer eine Form von Erklärung für den Trick haben. Und genau die gibt er uns in Form von NLP.

Backshops (und viele Dinge im Wirtschaftsleben) sind analog zu diesem Vorgehen zu sehen. Brötchen bei Backshops sind häufig billiger als beim Bäcker. Die angebotene Erklärung für den Kostenvorteil sind die Selbstbedienung und die größeren Volumina. Ein Backshop ist so gestaltet, uns ein Gefühl von Effizienz zu vermitteln, angefangen bei den Zangen, mit denen man sich die Brötchen rausfischt, bis zur Kasse, an der man bezahlt.

Wirtschaftlich betrachtet, komme ich aber zu einem anderen Urteil. Wenn ich den Backshop in meiner Nachbarschaft mit der Bäckerei um die Ecke vergleiche, stelle ich drei bemerkenswerte Dinge fest:

  • Die Bäckerei hat die deutlich kleinere Fläche, also niedrigere Mietkosten.
  • In Bäckerei und Backshop arbeiten ähnlich viele Mitarbeiter, also Gehaltskosten gleich.
  • Die Volumina unterscheiden sich kaum.

Es gibt also keinen Kostenvorteil auf Seiten des Backshops. Woher kommt dann die Preisdifferenz? Meine einfache Erklärung, die ohne Effizienz und Volumina auskommt: von der schlechteren Qualität der Ware.

Wer ein Croissant vom Backshop zwei Stunden liegen lässt, hat am Ende eine trockene Backware, die stark krümelt. Auch die Vollkornbrötchen sind abstrus: Manche sehen aus wie die Aufbackbrötchen von Aldi. Und Größe und Gewicht der einzelnen Backwaren weicht auch dramatisch ab von dem, was man von einer guten Bäckerei gewohnt ist.

Lustigerweise hat es bei mir länger gedauert, mit den Backshops zu schließen. Ich bin halt ein alter Pfennigfuchser. Trotzdem hilft es, nicht jede Erklärung zu akzeptieren, die einem angeboten wird.

Montag, 12. Januar 2009

Rund ums Gehalt III: Geldwerte Leistungen

Neben der Altersversorgung kann es weitere geldwerte Leistungen geben, die man von seinem Betrieb erhält. Klassiker sind das eigene (bzw. geleaste) Auto oder das Handy. Mit etwas Nachdenken bin ich auf folgende Gebiete gekommen:

  • Kommunikation: Handy, UMTS-Karte, Blackberry
  • Mobilität: Auto, Bahncard, ÖPNV-Tickets
  • Betriebserzeugnisse oder -leistungen

Bei geldwerten Leistungen ist immer zu bedenken, ob man die Leistung wirklich braucht. Zudem muss man sich immer anschauen, was mit den Leistungen als Gegenleistung verbunden ist.

Am Kommunikationsleistungen lässt sich das gut illustrieren, insbesondere am Handy, dessen Gewinn-Verlust-Verhältnis ziemlich mies ist. Jeder hat ohnehin ein Privathandy. Man kann auf seinem Diensthandy zwar in Maßen privat telefonieren. Dafür ist man jetzt dauerhaft für den Betrieb erreichbar. Und man schleppt ein zweites Handy mit sich rum. Beim Blackberry stellt sich der Handel ähnlich mies dar. Man kann zwar zusätzlich surfen und E-Mails checken. Aber man erhöht noch einmal seine private Erreichbarkeit, weil E-Mails direkt empfangen und bearbeitet werden können. Die beste Leistung im Kommunikationsbereich ist für mich die UMTS-Karte, weil hier nicht zwangsläufig ein Eindringen der Arbeit in die Privatsphäre stattfindet. Den möglichen finanziellen Ertrag von Kommunikationsmitteln würde ich auf maximal 50€ im Monat tippen.

Im Mobilitätsbereich ist im Vergleich dazu mehr zu holen. Eine Bahncard kostet 200€ im Jahr, so dass sich hier 16€ pro Monat einstreichen lassen. Lohnender ist das ÖPNV-Ticket. Hier sind locker 50-100€ im Monat drin. Wenn man den ÖPNV und die Bahn nutzt.

Am meisten Geld ist im Auto. Ab einem gewissen Level wird der Betriebswagen als fester Gehaltsbestandteil ausgewiesen und eine Umwandlung der Sachleistung Auto in einfaches Gehalt ist meist nicht möglich. Alternativ bieten viele Firmen eine Bruttolohnumwandlung, wo das Gehalt reduziert wird und man im Gegenzug einen Dienstwagen erhält. Die Firma profitiert auf unterschiedliche Weise von Dienstwagen. Sie kann Sozialabgaben sparen, da der Dienstwagen nur versteuert wird. In Fällen, wo der Wagen für viele Dienstfahrten genutzt wird, kann es günstiger sein, dem Mitarbeiter einen Dienstwagen zu stellen, statt ihm eine Kilometerpauschale zu erstatten (s. Reisekosten). Und sie erhofft sich, durch das Bereitstellen eines Statussymbols statt eines äquivalenten Geldbetrags eine höhere Mitarbeiterbindung.

Für den Mitarbeiter sieht die Rechnung nicht ganz so gut aus. Zuallererst bindet ein Mitarbeiter hier locker mehrere Hundert Euro seines Gehalts in einer Sachleistung. Die Sozialabgaben, die er "spart", haben auch einen negativen Effekt: Sie schmälern die Rente, die er am Ende erhält. Für diejenigen, die gerade über die gesetzliche Rente lachen, sei ein kürzerer Blick auf den 10-jahres-DAX-Chart empfohlen... Das alles unterstellt, dass er ein Auto braucht.

Wenn ein Arbeitnehmer kein Auto braucht, ist das Auto als Teil der Bezahlung ab der Sekunde ein Problem, wo es Teil des normalen Vergütungspakets wird. Bei mir in der Firma gibt es ab dem 3. Level standardmäßig ein Auto. Nur brauche ich es nicht, weil ich keinen Führerschein habe. Und nur um dem Vorwegzugreifen: Ich habe den Führerschein nicht zwischen List und Westerland auf der Fahrt von der Marine-Kaserne zur Disko im Vollsuff verloren (kleiner Seitenhieb). Eine Umwandlung in Gehalt ist afaik nicht möglich, so dass dieser Gehaltsbestandteil äußerst unattraktiv für mich ist. Evt. wäre ja eine Netzkarte drin.

Auch Menschen mit Führerschein müssen vom Dienstwagen nicht profitieren, nämlich dann wenn sie einen guten, neuen Privatwagen haben. Die Verluste eines verfrühten Verkaufs dürfen nicht unterschätzt werden. Der Privatwagen gehört einem selbst, während der Firmenwagen immer bei der Firma bleibt. Schließlich entfällt auch die Kilometerpauschale bei Dienstfahrten...

Am lustigsten, weil am unterschiedlichsten, in der Reihe der geldwerten Leistungen sind Betriebserzeugnisse oder -leistungen. In vielen Betrieben können Mitarbeiter Betriebsprodukte und -leistungen günstiger erwerben. Bei Lush erhalten die Verkäufer einen kräftigen Rabatt. Bei der Lufthansa gibt es Gratisflugtickets für die ganze Familie. Und bei Banken günstige Hypothekenkredite. Allen diesen Leistungen ist gemeinhin, dass sie eine Eigenheit der jeweiligen Unternehmung sind. Das als Geldwert darzustellen ist schwer. Es kann trotzdem nett sein, sich darüber zu informieren. Wer fliegt nicht gerne regelmäßig nach Juneau, Alaska.

Sonntag, 11. Januar 2009

Rund ums Gehalt II: Altervorsorge

Ein Thema, über das ich bei meinen bisherigen Einstellung nie nachgedacht habe, ist die betriebliche Altersvorsorge. Bis ich mit dem Studium fertig war, habe ich nicht fürs Alter gespart, weil die eigene Ausbildung die beste Vermögensanlage ist.

Nach dem Studium habe ich kurz an der Uni gearbeitet. Dort gab es eine äußerst unattraktive Altersvorsorge. Man musste fünf Jahre einzahlen, bevor man einen Anspruch erwarb. Fünf Jahre sind an sich eine hohe Hürde: Wer weiß schon, was in fünf Jahren sein wird? Bei mir war der Fall aber einfacher gelagert. Ich wusste mit ziemlicher Sicherheit, was in einem Jahr nicht mehr sein würde: ich an der Uni.

In meiner aktuellen Firma haben sie viel Werbung für die Altersvorsorge gemacht. Ich habe bis heute keine gute Strategie (außer Tages- und Festgeld, ETFs bei Dax auf 4000), was ich mit meinem Geld machen soll, und daher habe ich in einen konservativen Pensionsplan eingezahlt. Das ganze funktioniert nach dem Prinzip der Bruttolohnumwandlung. Man zahlt steuerfrei ein und versteuert dann im Alter. Wechselt man den Arbeitgeber, kann man das auch mitnehmen. So weit so gut.

Was man an dem Modell bedenken muss, ist, dass es letztlich mein eigener Lohn ist, der hier zur Altersvorsorge eingesetzt wird. Beim Land hingegen war es so, dass die Altersvorsorge on top zum eigenen Monatslohn war. Wenn man das aufsummiert, dann kann die Altersvorsorge schnell einen Unterschied von einem halben bis ganzen Monatslohn machen. Mit dem Unterschied, dass das Geld nicht frei verfügbar ist.

Samstag, 10. Januar 2009

Rund ums Gehalt I: Grundgehalt und Boni

Statt an Spesen und Reisekosten rumzufummeln, kann man sein Gehalt sehr viel direkter aufbessern:

Nämlich dadurch, dass man mehr Gehalt bekommt.

Leider bin ich beim besten Willen kein Fachmann für dieses Thema, eher ein schrecklicher Dilletant. Und gerade deswegen beschäftige ich mich aktuell verstärkt mit dem Thema. Und was mir dabei auffiel, war, dass es gar nicht so einfach ist, zwei Gehälter gegeneinander zu halten, insbesondere in der Beratung. Deswegen möchte ich nur kurz ein paar Punkte darlegen, anhand derer ich versuche, mir etwas Orientierung zu verschaffen.

Zuallererst steht das Grundgehalt. Manche geben das Monatsgehalt an, andere das Jahresgehalt. Mal 12 zu multiplizieren ist bei krummen Beträgen nicht komplett einfach, so dass es sinnvoll ist, sein Zielgehalt sowohl als Jahres- als auch als Monatsgehalt präsent zu haben.

Der nächste wichtige Punkt ist das, was man klassisch das Dreizehnte Gehalt nennt: Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Erfolgsbeteiligung, Boni, Prämien, Tantiemen, Provisionen, Schmiergelder, Aktienoptionen, ...

In vielen Betrieben sind die Leistungen freiwillig und variabel, um dem Betrieb in schlechten Zeiten etwas Spielraum zu geben. Beides bedeutet, dass der Bonus extrem schwanken bzw. komplett ausfallen kann, so dass man ihn nicht zum Jahresgehalt zählen sollte. Wenn man ihn ins Jahresgehalt einfließen lassen will, dann sollte man ihn mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit gewichten. Eine für mich optimistische Ausfallwahrscheinlichkeit sind 50% (-> Bonus halbieren).

Variable Boni werden häufig mit der Solidarität von Arbeitnehmer und -geber beworben:

In schlechten Zeiten unterstützt du uns, indem du verzichtest. Aber wenn es rund läuft, dann kriegst du auch was vom Kuchen ab.

Das kann sehr irreführend sein, wenn man nicht weiß, auf welcher Basis der Bonus berechnet wird. Welche Kennziffern fließen wie ein? Und welche Erwartungen hat das Unternehmen für einen hohen, einen normalen und einen niedrigen Bonus?

Bei meiner Firma ist es so, dass wir für verdammt gute Geschäftsjahre 1,2 Monatsgehälter "Erfolgsbeteiligung" gekriegt haben. Dieses Jahr liegt der Bonus bei 0,7 Gehältern, obwohl auch 2008 ein gutes Geschäftsjahr war. Im Mittel schwankt der Bonus um eins. Zum Vergleich: Bei meinem Ausbildungsbetrieb, der bedeutend weniger Geld verdient hat, hieß das einfach Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Eine echte Erfolgsbeteiligung sollte im Erfolgsfall deutlich höher als ein Gehalt ausfallen (>= zwei Monatsgehälter).

Eine weitere wichtige Frage bei Boni ist, inwiefern die eigene Leistung den Boni beeinflusst. Es ist häufig sehr unbefriedigend, wenn man selbst oder die eigene Abteilung ein super Jahr hatte, aber die Gesamtsituation des Unternehmens als Vorwand genommen wird, den eigenen Bonus zu kürzen. Eine Metrik, die häufig in Boni bei Beratern einfließt, sind fakturierbare Tage. Die haben zwar wenig mit der Qualität der Arbeit zu tun, sind aber im Kern das, was man für Beratungsfirmen leistet.

Man darf das Kleingedruckte bei Boni nicht unterschätzen. In vielen Firmen ist es Usus, Erfolgsbeteiligung erst mit mehreren Monaten Verzögerung auszuzahlen. Die Begründung ist, dass erst dann der Jahresabschluss feststeht. Der nette Nebeneffekt ist, dass man die Mitarbeiterbindung erhöht. Denn wenn man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Unternehmen ist oder gekündigt hat, findet die Zahlung nicht statt. Man hat also einen Anreiz länger zu bleiben.

Die Bonushöhe ist häufig auch an die Betriebszugehörigkeit im Vorjahr gekoppelt. Fängt man Mitte des Jahres an, kriegt man nur den halben Bonus. Mitarbeiter im ersten und im letzten Jahr bei einer Firma kriegen keinen oder nur einen geringen Bonus.

Ein Beispiel: Max fängt im Juni 2009 bei einer Firma an und bleibt drei Jahre. Die Auszahlung des Bonus ist immer im Mai. Der Bonus wird nur an ungekündigte Mitarbeiter ausgezahlt. Max kriegt:

  • 2010 erhält Max 7/12 des Jahresbonus.
  • 2011 erhält er den ganzen Jahresbonus.
  • 2012 kündigt er im März und erhält keinen Bonus für das Gesamtjahr 2011 und die fünf Monate in 2012.

Insgesmat hat er somit für drei Jahre Betriebszugehörigkeit 19/36 der möglichen Jahresboni gekriegt, was ungefähr der Hälfte entspricht. Ohne dass die Bonushöhe variiert.

Freitag, 9. Januar 2009

Handyroulette, Trolleysprint und Optimierungsprobleme

Ich bekomme von meiner Firma die Reisezeiten bezahlt. Weiterhin ist es so, dass ich die explizite Anforderung meines Chefs habe, Bahn zu fahren statt zu fliegen, da die Kostenunterschiede dramatisch sind (300-400€ pro Woche) und der Zeitvorteil gering (zwei Stunden, wenn alles gut geht, aber auch Flieger haben viele Verspätungen). In jedem Fall habe ich jetzt häufig die Situation, dass die Bahn für mich arbeitet. Z.B. gestern und heute.

Kurzer Background: Ich fahre mit einem Regionalexpress von A nach B, wo ich in einen ICE/IC umsteige. Der fährt manchmal direkt nach D durch oder ich muss in C wieder in einen Regionalexpress umsteigen. Auf der Rückfahrt muss ich meistens zweimal umsteigen. Wer viel Bahn fährt, weiß, dass Umsteigen "gefährlich" ist. Zur besseren Veranschaulichung habe ich das hier einmal aufgemalt (E und F -> s.u.).

Gestern Abend bin ich in D vom Kunden los. Ich hatte die vorletzte Bahn genommen, mit der ich am Donnerstag nach Hause komme. Und ja, ich wäre knapp nach Mitternacht zu Hause gewesen. Die Bahn war in D schon zwanzig Minuten zu spät abgefahren, als dann knapp vor C noch der Oberleitungsschaden kam. Der brachte weitere 1.15h. Damit verpasste ich meinen Anschluss in C und hatte noch genau eine Option nach Hause zu kommen. Dann wäre ich aber im besten Fall um 1.15h, realistischer nach 2h zu Hause gewesen. Und dazu hatte ich einfach keine Lust.

Ich hätte jetzt einfach ins nächstbeste Hotel gehen können. Glücklicherweise kenne ich ohnehin sehr viele Leute in C, so dass ich erfolgreich Handyroulette gespielt habe: Ich habe meine Bekannten und Freunde in zufälliger Reihenfolge abtelefoniert, bis einer ranging; danke noch mal für die Bleibe und das Bier. Statt einer Hotelrechnung habe ich also eine Privatübernachtung, die ich einreiche und in ein Gastgeschenk* tauschen werde.

Meine Bilanz für Donnerstag: 2,5h Reisezeit und eine Privatübernachtung.

Heute morgen habe ich bei meinen Freunden einen Kaffee gestürzt, bin dann völlig überhastet aufgebrochen und habe einen Trolleysprint hingelegt, um meine U-Bahn zu erwischen. Der klassische Trolleysprint besteht aus Laptoptasche, Trolley, Anzug mit Krawatte und Ledersohlenschuhen. Ich war etwas laxer unterwegs: Sakko, Trolley und Laptoptasche.

Als ich dann am Hauptbahnhof ankam, stellt sich heraus, dass die Bahn gleich weitermacht, wo sie gestern aufgehört hatte: nämlich mit einer Verspätung. Mein Zug war wegen eines Wagenschadens erst fünf, dann zehn, dann zwanzig Minuten verspätet. Damit war es wieder so, dass der Anschluss in B knapp wurde. Außerdem weiß ich, dass Verspätungen zwischen B und C selbstverstärkend sind. Züge haben Slots auf Gleisabschnitten und zwischen B und C sind diese sehr eng getaktet. Fällt ein Zug wegen einer Verspätung aus seinem Slot, kommt es zu Kollisionen mit anderen Zügen, die eigentlich immer zu weiteren Verspätungen führen.

Ein weiteres Problem, das sich stellt, waren die unzureichenden Informationen, die mir zur Verfügung standen. Die Aussage, dass ein Zug 20 bis 25 Minuten Verspätung hat, bedeutet gemeinhin nur, dass der Zug nicht früher als 25 Minuten da ist. Es kann dann durchaus passieren, dass es einfach so weiter geht: 30, 40, 50, ... Bahnverspätungen sind analog zu sehen zu "Mañana" in Spanisch oder "Inshallah" im Arabischen.

Ich habe mir also eine Alternativverbindung rausgesucht. Mit der war ich im besten Fall zwar 30 Minuten langsamer und musste noch ein zusätzliches Mal in E umsteigen. Immerhin war es ein ICE. Außerdem stand der Zug direkt vor mir und es war warm drinnen. Für mich war das eine Stop-Loss-Order: Mit den mir zur Verfügung stehenden, ungenügenden Informationen war es die beste Entscheidung in den Zug zu springen.

In E habe ich den nächsten ICE gekriegt. Dabei stellte sich heraus, dass die Bahn falsche Verbindungsdaten ausweist. Tatsächlich kann man auf dieser Strecke in B noch den gleichen Zug nach A erwischen, obwohl ich in C später losfahre und in E umsteigen muss. Es wird nur eben nicht als Verbindung im System ausgewiesen. Verstehe das, wer will. Bzw.: Das Bahnnetz ist halt kein ganz triviales Optimierungsproblem. Man hat einen Graphen, Flüsse und irre Kunden.

Im Zug von E nach B stellte sich als weiteres Highlight heraus, dass wir witterungsbedingt noch einmal den ICE in F wechseln müssen. Mir wurde aber zugesagt, dass wir trotzdem pünktlich in B sein würden. Auf der Strecke kam zusätzlich ein Anruf vom Kunden, dass etwas mit den Daten nicht stimmt. Telefonberatung ist ein Spitzengeschäft, besonders wenn regelmäßig die Leitung abreißt.

Die Ansage, dass der ICE in F bereitstünde war falsch. Stattdessen stand ich eine Viertel Stunde in der Kälte auf dem Bahnsteig. Die Bahn sparte auch wieder mit Durchsagen, so dass ich fast mit einem Regionalexpress weitergefahren wäre, was noch einmal eine Stunde Verspätung bedeutet hätte. Der Zug kam, war aber zu spät, so dass ich die Optimalverbindung in B verpasste. Immerhin habe ich gegenüber der Optimalstrecke nur 30 Minuten Verspätung gehabt.

Bilanz von heute: 6h Reisezeit und 6€ Tagesspesen.

Was mir solche Reisetage erträglicher macht, ist, dass es nicht meine Freizeit ist, die ich hier vergeude; es wird ja bezahlt. Trotzdem wäre ich lieber gestern Mitternacht zu Hause gewesen und hätte heute schön ausgeschlafen :)

*@T: Diesmal keine Orchidee ;) ... Hab' schon ne Idee. ... YEAH!!! ENTSCHIEDEN!!! Persönliche Lieferung in drei Wochen.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Berater-Weisheiten II: Reisekosten

In Beraterwissen I schrieb ich ausführlich über die Verdienstmöglichkeiten des Beraters dank Spesen. Heute möchte ich mich den Reisekosten widmen. Auf den ersten Blick erscheint dies als ein Thema, wo keine Verdienstmöglichkeiten drin sind, aber mit etwas Erfindungsreichtum und Eigeninitiative gibt es auch hier Mittel und Möglichkeiten...

Wenn man über Reisekosten und Geld nachdenkt, muss man zuallererst bedenken, dass Reisekosten ab der eigenen Haustür gezahlt werden. Man hat also keine Kosten für den Arbeitsweg. In meinem Fall (Extrempendler) sind das ~200€ pro Monat Ersparnis, mit Pendlerpauschale 120€. Ich habe also 120€ netto zusätzlich im Monat. Und ich reduziere meinen Stress mit der Steuererklärung.

Eine banale Möglichkeit vom Reisen zu profitieren sind Bonusprogramme. Hotels, Fluglinien, Autovermieter und die Deutsche Bahn haben alle eigene Programme. Die meisten Programme lohnen sich nur sehr langfristig: Wer ein paar Inlandsflüge im Jahr macht, braucht sich nicht groß um Flugmeilen zu kümmern. Mein aktueller Stand:

  • Bei meiner Hotelkette habe ich mittlerweile ~ 3-4 Übernachtungen in Bonus-Punkten gesammelt.
  • Bei der Bahn bin ich knapp unter 2.000 Punkten, was 2000€ Umsatz entspräche und eine Freifahrt 1. Klasse ermöglichen würde.

Finanziell ist das nicht erquicklich. Wichtiger an den Bonusprogrammen sind die Levels, die man erreicht. In meinem Hotel kriege ich dank meines Status immer ein Riesenzimmer und werde per Namen begrüßt. Auf die 2000 Bahn.bonus Punkte freue ich mich, weil ich dann Bahn.comfort Kunde bin und in die Lounge komme.

Wer aktiv Punkte sammeln will, sollte kontinuierlich die Buchungen überprüfen und auf Sonderaktionen achten. Z.B. gibt es bei Hotels häufig Multiplikatoren auf die Punkte innerhalb bestimmter Zeiträume, z.B. in der Nebensaison. Im Januar gibt es in meinem Hotel 3x so viele Punkte wie normal.

Das Punktesammeln wird von einigen Firmen eingeschränkt. Manche haben Reise-Abteilungen, die sich um die Reisen kümmern und so die Punktesammlerei verhindern. Alternativ gibt es spezielle Firmenraten bei Hotels. Wenn man Firmenrate bucht, kriegt man keine Punkte für die Übernachtung. In meinem Fall ist das aber egal: Ich kann frei buchen, und weil mein Hotel billiger ist als das mit Firmenrate, kann mir da auch keiner einen Vorwurf machen.

Jetzt aber die Frage, wie man mit Reisekosten Geld verdienen kann? Diesbezüglich habe ich viel von Kollegen K gelernt. Zwei Möglichkeiten gibt es: Kilometerpauschale und Privatübernachtung.

Wer fliegt oder Bahn fährt, hat keine Möglichkeit Zusatzgelder zu verdienen. Das Auto hingegen hat Potenzial, aber nur dann, wenn es das eigene ist. Der Trick besteht darin, dass man nicht nur den Sprit bezahlt bekommt, sondern auch eine feste Pauschale pro Kilometer (30 Cent) erhält für die Fix- und Verschleißkosten. Wer ohnehin ein Auto hat, kann es so subventionieren. Nach Aussage von Kollege K reicht es sogar, um die Tilgung etc. zu decken, so dass man am Ende sein eigenes Auto durch Fahrten für die Firma bezahlt.

Wer mit Auto unterwegs ist, kann außerdem noch was fürs Klima tun und Mitfahrer mitnehmen. Gerade die typischen Geschäftsstrecken sind äußerst gefragt. Wenn man zwei Leute pro Strecke für 20€ mitnimmt, sind das 80€ netto pro Woche Zusatzverdienst; Sprit und Verschleiß (s.o.) sind ja ohnehin bezahlt.

Die andere Möglichkeit aus Reisekosten Geld zu machen, sind Privatübernachtungen. Eine Privatübernachtung macht 20€. Bei 16 Übernachtung pro Monat sind das 320€ im Monat. In meinen Augen ist das in den meisten deutschen Großstädten zu wenig, um sich eine eigene, billigere Wohnung zu nehmen und die Differenz einzustreichen. Wäre ohnehin melderechtlich kritisch. Lohnend wird die Privatübernachtung erst, wenn man im Ausland aktiv ist. Dort werden höhere Pauschalen pro Eigenübernachtung gezahlt, so daß man teilweise günstiger im Hotel schläft, insbesondere wenn man privat nachverhandelt.

Alternativ kann man auch beim Kumpel auf der Couch pennen. Oder bei den Eltern. Kritisch ist das insofern. als dass die Pauschale von 20€ nur gewährt werden darf, wenn dem Arbeitnehmer tatsächlich Kosten entstanden sind. Kontrolliert aber keiner...

Dienstag, 6. Januar 2009

Berater-Weisheiten: Nachtrag zu den Spesen

Meine Freundin hatte schon mal den Eindruck, dass meine Spesen-optimierte Ernäherung auf eine Essstörung schließen ließe. Weiterhin kann man mich für einen ganz schönen Knauser halten, der sich sogar das Abendbrot spart, nur um ein paar Euro zusätzlich zu haben. Um ähnliche Gedanken bei Euch zu zerstreuen, hier ein paar Ausführungen von mir.

  1. Heute habe ich im Hotel gefrühstück (4,80€), beim Kunden als Mittag einen Salatteller gehabgt (4,20€) und zum Abendessen war ich mit einem Kollegen beim Türken (14€). Summe: 23€.
  2. Montags ist ein sehr langer Tag und wenn ich abends im Hotel ankomme, habe ich meistens keine Lust mehr, mir noch etwas zu essen zu besorgen.
  3. Wenn man abends immer essen geht, geht das nicht nur auf die Spesen, sondern auch auf die Figur. Als Reisender habe ich aber nicht die Möglichkeit, mir einen Joghurt oder ein einzelnes belegtes Brötchen zu machen.
  4. Ach ja, und von meinen Spesen lade ich meine Freundin am Wochenende immer ins Restaurant ein.

Montag, 5. Januar 2009

Berater-Weisheiten I: Einleitung und Spesen.

In meinem ersten Projekt hatte ich einen Kollegen K, den ich als meinen wichtigsten Lehrmeister des Beratertums betrachte. K war ein pfiffiger Kerl, der es verstand, das Maximale aus dem Job rauszuholen. Sein Mantra war, dass der Beraterjob nicht wegen des Lohns lohnend sei. Diesen könne man auch beim Kunden mit weniger Stress verdienen. Wahrscheinlich würde man beim Kunden sogar mehr kriegen. Aus K's Sicht lag der Reiz des Beraterjobs in den steuerfreien Pauschalen und den Reisekosten. Hierzu verwendete er verschiedene Optimierungsansätze, die ich kurz vorstellen möchte. Heute widme ich mich den Reisespesen.

Ich muss vorab sagen, dass ich K regelmäßig bat, sein ungeheures Wissen zu publizieren. Leider kam es nie dazu und mittlerweile arbeitet er doch beim Kunden. Damit K's großes Fachwissen nicht verloren geht, möchte ich an dieser Stelle die wichtigsten Lektionen darstellen, die ich von ihm gelernt habe. Jedoch bedenkt, dass mein Wissen und meine Weisheit begrenzt sind, meine Erinnerung lückenhaft und ich nur ein Lehrling des großen Meisters K  war...

Für reisende Berater sind die Tagesspesen eine wesentliche Einnahmequelle. Tagesspesen berechnen sich anhand der Zeit, die man auf Reisen verbringt, d.h. nicht am regulären Arbeitsplatz (=im Office). Innerdeutsch gelten folgende Sätze:

  • 0€ für Aufenthalte beim Kunden <= 4h.
  • 3€ für Aufenthalte beim Kunden <= 8h.
  • 6€ für Aufenthalte beim Kunden <= 14h.
  • 12€ für Aufenthalte beim Kunden > 14h, aber nicht der ganze Tag.
  • 24€ für Aufenthalte beim Kunden über den ganzen Tag.

Wer in fremden Ländern unterwegs ist, kriegt noch viel bessere Spesen, da die Spesen sich an den Kosten vor Ort orientieren: In London 60€, in Tokyo 72€. Kleiner Hinweis an den deutschen Fiskus: Auch in London und Tokyo kann man gut und günstig essen.

Die maximal erhältlichen 24€ für ganztägige innerdeutsche Reisen erscheinen manchen nicht als viel, aber man muss hierbei berücksichtigen, dass dieser Betrag steuer- und sozialversicherungsfrei ist. Er entspricht also knapp 50€ Bruttolohn. Auf einen Monat (20 Tage) umgelegt, ergibt sich bei zwei halben und 3 ganzen Nächten ein Netto-Zusatzlohn von 16*24€ = 384€. Natürlich hat man als Geschäftsreisender auch höhere Kosten (mehr Essen gehen, mehr Bier), aber gewisse Kosten hätte man auch ohnehin (z.B. Mittagessen in der Kantine). Mit etwas Geschick kann man hier sicherlich 200€ erlösen. Weiterhin gibt es verschiedene Optimierungen.

Eine Optimierung, die sofort ins Auge fällt, sind die jeweiligen Intervallgrenzen. Wie immer man unterwegs ist, man sollte darauf achten, nie knapp unter der Intervallgrenze zu liegen. In meinem Fall ist es so, dass wenn ich abends nach Hause fahre, es einen Nettounterschied von 12€ macht, ob ich am gleichen Tag um 23.59h oder am nächsten Tag um 0.01h zu Hause bin. Zwei Minuten Reisezeiten machen 12€ Unterschied! Das ist jetzt keine Anstiftung dazu, bei der Abrechnung zu bescheißen (kann zur fristlosen Kündigung führen, tue ich auch nicht). Es ist ein Hinweis, seine Reisezeiten angemessen zu gestalten, z.B. indem man einen Zug später nimmt.

Eine weitere, wichtige Optimierungsmöglichkeit bei den Pauschalen ist das Frühstück. Wenn das Frühstück im Hotelpreis enthalten ist, wird standardmäßig 4,80€ pro Übernachtung abgezogen. Es ist hierbei unerheblich, wie teuer das Frühstück wirklich war:  Der tatsächliche Preis kann die 4,80€ deutlich überschreiten und es werden trotzdem nur 4,80€ abgezogen. Mein teuerstes Frühstück waren 20€.

Es erscheint also als gutes Geschäft, das Frühstück im Hotel zu nehmen. Mit etwas Abstand stellt man fest, dass Frühstück beim Bäcker mit Kaffee locker für weniger als 4,80€ zu haben ist, so dass man hier abwägen sollte: Wer kein großer Frühstücker ist, sollte darauf verzichten und sich unterwegs etwas holen.

Eine andere Frühstücksoptierung, die ich verfolge, ist eine Umstellung der eigenen Ernährung: Weg vom Abendsessen, hin zum Frühstück. Frühstück ist meistens all-you-can-eat, so dass man sich für 4,80€ richtig satt essen kann. Abendessen zahlt man selbst. Wenn man also abends nur einen günstigen Snack isst oder (so wie ich heute) ganz aufs Abendessen verzichtet, kann man richtig Geld sparen.

Egal, wie man das Frühstück handhabt, man sollte NIE am Anfang der Woche Frühstück für die ganze Woche bestellen. Stattdessen sollte man es jeden Tag aufs Neue entscheiden, ob man Frühstück im Hotel essen möchte oder eben nicht. Am schlimmsten sind Hotels, die automatisch das Frühstück inkludieren, so dass man für ein nicht-genommenes Frühstück trotzdem 4,80€ löhnt.

Zwei abschließende Bemerkungen noch von mir zum Frühstück:

  1. Manche optimieren, indem sie das Hotel bitten, die Frühstückskosten im Gesamtrechnungsposten zu verstecken. Dies ist Betrug und kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.
  2. Selbst das beste Buffet geht einem irgendwann ziemlich auf den Sack. Man sollte aus Eigeninteresse nicht jeden Tag im Hotel frühstücken.

Das waren jetzt alles meine Beobachtung. Mein Kollege K hatte eine weitere.  Hierzu muss man wissen, dass man als Berater gemeinhin das Recht hat, einen Tag früher anzureisen bzw. einen Tag später abzureisen. Denn nicht jeder hat Lust, montags um 4.45h aufzustehen, um dann ewig Zug zu fahren und noch acht Stunden zu arbeiten. K's Reisekostentrick war es jetzt, freie Sonntage damit zu verbringen, frühzeitig anzureisen. Das hatte verschiedene positive Effekte:

  • Für den Montag streicht man die volle Reisekostenpauschale ein statt der 12€.
  • Für den Sonntag streicht man nochmal 6€.

Macht 18€, die man fürs entspannte Anreisen am Wochenende kriegt ;)

---

Nachtrag: Meine Kurze Recherche hat ergeben, dass 2008 größere Änderungen am Spesenrecht vorgenommen wurden. Hiermit muss ich mich noch einmal eingehender beschäftigen.

Sonntag, 4. Januar 2009

Ein geteiltes Heim dank Desk-Sharing

In meiner Niederlassung wurde wohl Desk-Sharing eingeführt. Ich war nicht dabei und weiß auch nicht, wohin meine Sachen geräumt worden sind. An sich bin ich auch nicht direkt betroffen: Ich tippe, dass ich weniger als 2 Wochen im Jahr überhaupt in der Niederlassung bin. Was auch gerade ein Grund ist, warum man Desk-Sharing eingeführt hat. Aber kurz einmal von vorne.

Hinter Desk-Sharing steht die Beobachtung, dass zu einem beliebigen Zeitpunkt nie alle Mitarbeiter im Büro sind. Manche sind krank oder im Urlaub. Andere beim Kunden oder auf Schulung. Dementsprechend halten viele Firmen Raum vor, der nicht zur Wertschöpfung beiträgt. Gerade bei Beratungsunternehmen, wo viele Kollegen beim Kunden arbeiten, ist das Verhältnis zwischen vorgehaltenen Arbeitsplätzen und anwesenden Kollegen schlecht. Der Business Case ist daher einfach.

In meiner Firma stellte sich das Problem, dass unsere lokalen Räumlichkeiten bald nicht mehr gereicht hätten und man zusätzliche Räume hätte anmieten müssen. Deswegen kam die Entscheidung für Desk-Sharing. Rational konnte ich die Entscheidung komplett nachvollziehen.

Trotzdem halte ich sie für ein Beispiel von Berater-Schlaumeierei: Sachen, die auf dem Papier und mit den Zahlen toll aussehen, in der Realität aber gar nicht so cool kommen. Ein Beispiel von Berater-Schlaumeierei (so gehört von einem Kollegen): Eine große Strategieberatung empfahl einst einem deutschen Energieversorger, der über einen großen Immobilienverstand verfügte, die Anzahl der Hausmeister zu reduzieren. Man hatte nämlich festgestellt, dass die Hausmeister eine inoffizielle Frühstückspause von 15 Minuten machten. Umgelegt auf alle Hausmeister ergaben sich einige Mitarbeiteräquivalente (heißt wirklich so, auch Vollzeitäquivalent oder FTE), die abgebaut wurden. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Fahrtzeiten zwischen den einzelnen Immobilien deutlich stiegen und der Kostenvorteil keiner war.

Beim Desk-Sharing muss man bedenken, dass morgens erst einmal der eigene Arbeitsplatz auf- und abends derselbige wieder abgebaut werden muss. Wenn man gerade an einer Sache arbeitet, kann man seine Unterlagen nicht liegen lassen, sondern muss abends alles wieder einsammeln und aufräumen (Clean Desk Policy). Sich an seinem Arbeitsplatz zu Hause zu fühlen wird dadurch auch schwieriger: Wer hat schon Lust, jeden Morgen oder jede Woche sein Calvin & Hobbes Poster aufs Neue aufzuhängen?

Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, Desk-Sharing zu optimieren, insbesondere indem man die Arbeitnehmer kompensiert für den symbolischen Verlust ihres Arbeitsplatzes. Bei einem Kollegen hat man die Kostenersparnis durch Desk-Sharing dazu verwendet, ein luxeriöses Büro in bester Innenstadtlage in einer deutschen Großstadt zu beziehen. In meinem Fall hingegen sehe ich eigentlich keinen direkten Gewinn. Stattdessen ist die Einführung nur ein weiterer Beleg dafür, dass ich bis auf weiteres nicht mehr in der Niederlassung arbeiten soll. Das größte Risiko in der Einführung sehe ich darin, dass meine Firma die Bindung ihrer Mitarbeiter an die Firma durch diesen Schritt schwächt. Wenn ich ohnehin nur beim Kunden einen Arbeitsplatz habe, welchen Unterschied macht es dann, ob ich für meine Firma, den Kunden oder eine andere Firma arbeite?

Neujahrslinks

Die Weihnachtstage sind vorbei. Meine drei Wochen Urlaub sind es auch. Und es wird wieder Zeit sich diesem Blog zuzuwenden. Zuerst ein paar Links: