Dienstag, 30. Juni 2009

Quelle mit Massenkredit

Der Massenkredit an Quelle ist raus. 50 Mio € werden in das Unternehmen Quelle geschossen, damit (wie die Süddeutsche schreibt) der Insolvenzverwalter rausfinden kann, "ob Quelle überhaupt eine Zukunft hat". Der Primondo Chef sieht es deutlich positiver. "Quelle habe in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung vollzogen weg vom traditionellen Versandhändler hin zum Internet-basierten Homeshopping-Anbieter." Deswegen hängt auch alles am Katalog. Durch die Kreditgewährung sieht er die Arbeit von Primondo (sprich sich selbst) bestätigt. Schön, wenn der Staat die Selbstfindung von Unternehmen und Unternehmern unterstützt. Mancher Hartz IV Empfänger wäre sicher froh, wenn ihn der Staat ähnlich wohlwollend bei der Selbstfindung unterstützen würde. "Unterdessen gehen die Bestellungen bei Quelle deutlich zurück."

Montag, 29. Juni 2009

Handelsbetriebslehre am Beispiel Quelle

Die Bundesregierung scheint meine Meinung zu teilen, dass Quelle nicht zukunftsfähig ist. Das Geschäftsmodell sei überholt, die Zahlen seien schon lange schlecht. Es scheint sich auch in Berlin rumgesprochen zu haben, dass das Internet im Kommen ist.

Als ausgebildeter Groß- und Außenhandelskaufmann sehe ich bei Quelle weitere Probleme, die es sehr schwer machen dürften, erfolgreich durch die Insolvenz zu kommen. Dazu muss man verstehen, welche Funktionen ein Händler in der Wirtschaft übernimmt, wenn er Waren ein- und verkauft. Dies lässt sich am einfachsten anhand eines Beispiels illustrieren.

Quelle kauft im März 1.000 Streifenpoloshirts bei einem vietnamesischen Lieferanten ein. Die Ware wird FOB Ho Chi Minh City geliefert, so dass Quelle die gesamte Logistikkette ab Schiffsrehling übernimmt. Die Bezahlung der Ware durch Quelle erfolgt per Akkreditiv. Durch das Einreichen der Transportdokumente erhält der vietnamesische Lieferant sein Geld. In Deutschland regelt Quelle die Einfuhr und lagert die T-Shirts in ihrem Logistikzentrum ein. Die Ware wird dann über verschiedene Vertriebskanäle an Endkunden weiterverkauft, insbesondere den Quelle-Webshop und den Quelle-Katalog. Die Kunden erwerben einzelne T-Shirts, die ihnen von Quelle nach Hause geliefert werden. Die Kunden können zusätzlich auch Produkte anderer Hersteller im gleichen Zug miterwerben. Weiterhin bietet Quelle den Kunden Ratenkredite zwecks Finanzierung an.

Dieses Beispiel illustriert sehr schön, welche Funktionen Quelle übernimmt.

  1. Finanzierung. Sowohl der Lieferant als auch der Kunde erhalten durch Quelle Finanzierungsmöglichkeiten.
  2. Losgrößentransformation. Die 1.000 gelieferten T-Shirts werden einzeln vertrieben. Der Händler kann eine große Lieferung produzieren, was wirtschaftliche Vorteile bietet. Der Endkunde hingegen kann einzelne T-Shirts erwerben, was seinen Bedürfnissen entspricht.
  3. Logistik. Quelle wickelt sowohl die internationale Logistik ab als auch die Auslieferung innerhalb Deutschlands.
  4. Vertriebskanäle. Quelle verfügt über zwei große, eigene Vertriebskanäle, die der vietnamesische Hersteller zum Vertrieb seiner Textilien nutzen kann. Weiterhin werden die T-Shirts unter der Quelle eigenen Hausmarke vertrieben.
  5. Sortiment. Der Kunde bei Quelle ist nicht auf Produkte einer Marke bzw. eines Lieferanten beschränkt, sondern kann aus mehreren Quellen auswählen.
  6. Länder- und Marktwissen. Der vietnamesische Hersteller wird durch Quelle beraten, welche Schnitte für den deutschen Markt erfolgreich sind.

Wenn man Quelle anhand der obigen Funktionen untersucht, stößt man auf verschiedene Probleme. Logistik (Einfuhr, Lagerhaltung, Versand, Retourenmanagement) können Lieferanten mittlerweile als eigene Dienstleistung erwerben. Der Vertriebskanal Internet ist noch im Aufbau, auch wenn er schnell wächst. Leider sind die Markteintrittshürden für einen Webshop gering, das heißt, Quelle wäre hier ersetzbar. Die Markteintrittshürden bei einem Katalog sind hingegen hoch, der Katalog hat aber keine Zukunft. Die Marke Quelle ist etabliert und öffnet so Vermarktungsmöglichkeiten. Nur dürfte das Insolvenzverfahren der Marke Quelle ziemlichen Schaden zufügen.

Am schlimmsten ist die finanzielle Seite. Ein Händler hat wenig Betriebsvermögen. Er hat das Lager mit den Waren, die ihm nicht immer gehören müssen, und seinen immateriellen Kundenstamm. Wenn ein Händler pleite geht, ist für den Lieferanten dort wenig zu holen. Absichern kann sich der Lieferant nach der Insolvenz nicht mehr. Weder Akkreditiv noch, im deutschen Raum, Kreditversicherungen werden für Quelle verfügbar sein. Einen insolventen Händler weiter zu beliefern macht also nur Sinn, wenn der Vertriebskanal für das eigene Geschäft unverzichtbar ist. Das mag für Hausmarken gelten. Bei etablierten Marken wie Tom Taylor oder S.Oliver hingegen ist Quelle ein Händler unter vielen.

Für die Kunden stellt sich die Situation ähnlich dar. Versandhandel heißt fast immer, dass Zahlung und Lieferung nicht Zug-um-Zug stattfinden. Wer per Lastschrift bezahlt, gewährt Quelle einen Kredit und kann sich nicht sicher sein, dass die Ware tatsächlich geliefert wird. Man stelle sich das Weihnachtsfest bei Familie Schneider vor, die Großmutter hat ihren Enkeln bei Quelle Wollpullis gekauft, per Lastschrift bezahlt, aber die Ware kommt nicht. Selbst wenn die bezahlte Ware geliefert wird, kann z.B. durch eine Retoure die Situation eintreten, dass man Geld von Quelle zurückwill.

Bei Karstadt als Gegenbeispiel ist dieses Problem weniger immanent. Ich gehe mit der Ware zur Kasse, zahle und nehme sie mit. Wenn ich umtausche, habe ich die Ware und rücke sie nur gegen das Geld raus (Zug um Zug). Garantiefälle kann ich im Zweifelsfall direkt mit dem Hersteller abwickeln.

Jetzt vertreibt Quelle 75% der Waren mit Finanzierungen. Der effektive Jahreszins beträgt 13,55%: Konsumentenkredite sind schon was Tolles. Die Zug-um-Zug Problematik der Kunden löst sich dadurch zum Teil, weil die Bezahlung erst nach der Lieferung erfolgt. Verschärfen tut sich aber die Finanzierungsproblematik, weil Quelle den Zeitraum finanzieren muss. Bis dato nutzte Quelle dazu Factoring. Die Forderungen wurden an die Valovis Bank verkauft, die dazu nicht mehr bereit ist. Mein Tip ist, dass die Geldflüsse über Quelle abgewickelt werden und dass die Bank befürchtet, Ansprüche in der Insolvenzmasse zu verlieren.

Wie man es dreht oder wendet, für Quelle wird es sehr schwer.

Freitag, 26. Juni 2009

Geschafft, ein Weltkulturerbe weniger!

Gestern wurde Dresden der Weltkulturerbe Status aberkannt. Dieser Schritt wurde durch den Bau der Waldschlößchenbrücke begründet, die die "outstanding universal value" Dresdens zerstört. Psychologisch vorgebildet würde ich bei den Dresdnern Bürgern und der Stadtverwaltung Reaktanzverhalten diagnostizieren. Andere halten es für Ausdruck der besonders schlimmen Autofahrermentalität vor Ort bzw. für "ein Überbleibsel der überkommenen Ideologie einer autogerechten Stadt". Inwiefern die Baukosten der Brücke niedriger sind als die des Tunnels, kann ich nicht beurteilen. Hingegen kommen mir große Zweifel, ob sich die Brücke langfristig rechnet. Die Bundes-Förderung für das Weltkulturerbe entfällt und negative Effekte für den Tourismus kann man ebenfalls unterstellen. ... Wie auch immer: Ich bin froh, dass es ein Welterbe weniger gibt.

Wer sich die Welterbeliste anschaut, findet dort mittlerweile 878 Einträge, allein in Deutschland über 30. Für mich habe ich heute mal überschlagen, wie viele ich bisher besucht habe, und bin auf 60 gekommen. Ich war im Bulguksa Tempel, habe die Überreste von Mesa Verde gesehen, mit Atembeschwerden auf der Spitze des Teide gekämpft und mit Freunden bei Sonnenuntergang ein Dosenbier auf dem Pont du Gard getrunken. Schön.

In Deutschland war ich zuletzt in Dessau, um Das Bauhaus zu sehen. Meine Erwartung war, dass es dort viele Gebäude der Bauhaus-Schule gäbe und dass man mit einem Tagesausflug zu einem Weltkulturerbe nichts verkehrt machen kann. Wenn ich etwas drüber nachdenke, waren meine Erwartungen naiv. Bauhaus war eine Bewegung, kein Ort. Dass die wichtigen Gebäude woanders errichtet wurden, ist auch logisch. Wer baut schon in Dessau statt in Berlin oder New York?

Die Unesco begründet die Auswahl so:

[T]hese buildings are the seminal works of the Bauhaus architectural school, the foundation of the Modern Movement which was to revolutionize artistic and architectural thinking and practice in the twentieth century.

Das Revolutionäre würde die Bewegung also erst zu einem späteren Zeitpunkt an anderen Orten schaffen. Diese Gebäude haben die Bewegung geprägt. Ist Dessau wirklich ein Ort, den wir international als Erbe der Menschheit auszeichnen müssen? In meinen Augen wäre eine nationale bzw. europäische Auszeichnung völlig ausreichend.

Das geht weiteren Weltkulturerben in Deutschland ähnlich. Nehmen wir Lübeck. Das Holstentor ist großartig, die Kirchen sind schön und wenn ich die Wahl habe, mir Brügge oder Lübeck anzuschauen, fahre ich nach Brügge. Wer im hanseatischen Ostseeraum bleiben möchte, ist in Visby oder Talinn auch besser aufgehoben. Die Schlösser in Brühl ("among the earliest examples of Rococo architecture in 18th-century Germany") halten mit Versailles (selbst den Nebenpalästen aus der gleichen Zeit) beim besten Willen nicht mit. Bezeichnungen wie Klein-Venedig für einen Teil von Bamberg oder Elbflorenz für Dresden sind gewöhnungsbedürftig, wenn man die Originale kennt.

In anderen Ländern findet man eine ähnliche Inflation. Wenn ich mir die französische Liste anschaue, fallen mir direkt ein paar Streichkandidaten ein. In England schlägt der Independent selbst einen Kandidaten vor.

Die Unesco täte gut daran, selbst einmal ihre Auswahl zu überprüfen und zukünftig harte Kriterien anzulegen. Für Deutschland muss ich sagen, dass ich keine der nominierten Stätten aufnehmen würde. In Zukunft könnte man noch alte Fehler korrigieren, wenn man die passenden Baumaßnahmen fördert. Bremen braucht doch bestimmt eine neue Weserbrücke vom historischen Stadtkern aus? Und Köln einen zweiten Autobahnring durch Brühl. Die Dresdner sollten Werbung machen.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Gutschrift von Quelle

Es wird Euch vielleicht überraschen, aber bis Anfang dieser Woche war mein Haushalt Gläubiger von Arcandor. Wir waren Teil der Speerspitze des neuen, modernen Quelles, sprich "mittendrin - im digitalen Zeitalter". Im Quelle Webshop hatten wir Anfang des Jahres eine Lampe bestellt. Sie hat uns nicht gefallen und wir haben sie innerhalb von 14 Tagen zurückgeschickt.

Statt einer Rücküberweisung des Betrags (knapp 50€) fanden wir einige Zeit später einen Brief mit einem Gutschein über 50€ im Briefkasten. Ich konnte verstehen, dass Quelle es probiert. Sauber fand ich es nicht. Es ging hier ja nicht um Kulanz, sondern um einen Rechtsanspruch, den Quelle auch auf der Homepage dokumentiert.

Wir haben den Gutschein bei der Quelle-Hotline reklamiert, wo man uns zugesagte, dass es sich um ein "Versehen" handelt und dass der Betrag umgehend überwiesen würde. Nur: Statt des Betrages wurde uns mit einiger Verzögerung wieder eine Gutschrift zugeschickt. Das Spiel wiederholte sich insgesamt drei Mal. Quelle hoffte wohl, dass wir irgendwann aufgeben würden und DVD-Rohlinge oder ein Quelle Haus mit dem Gutschein kaufen würden.

Meine Freundin hat Anfang Juni noch einmal mit der Quelle-Hotline gesprochen und ihnen sehr deutlich mitgeteilt, dass sie keine Gutschrift haben wolle. Wieder wurde ihr zugesagt, dass die Überweisung umgehend rausginge. Dann ging Arcandor in die Insolvenz und wir schrieben das Geld ab. Etwas überrascht war ich dann am Anfang dieser Woche, als des Geld doch auf unserem Konto einging. Ob das mit dem Insolvenzverwalter abgesprochen war?

Fröhliches Insolvenzraten

Opel verbrennt täglich 5 Mio €, trotz des neuen Insignia und trotz der Abwrackprämie, die doch die Nachfrage nach Corsas etc. in die Höhe hat schnellen lassen. Die Übernahme durch Magna ist noch nicht abgeschlossen, weil GM eine Rückkaufoption haben möchte. Bei GM haben sie über die Zukunft nachgedacht und festgestellt, dass es schwer ist, Skalenvorteile im Automobilbau zu realisieren, wenn man keine Autos in Europa verkauft... Mal sehen, wie lange die deutsche Staatsknete reicht, bis es zur Marktbereinigung kommt.

Bei Quelle geht es auch heute drunter und drüber. Horst Seehofer versucht weiterhin den Versandhandel zu retten; der Massekredit soll es richten. Für jemanden in seiner Lage ist das auch verständlich. Als Politiker hat er ohnehin viel zu tun. Dazu seine familiären Verpflichtungen. Wo soll er die Zeit hernehmen, normal einzukaufen? Mit dem Internet mag er nicht, so dass auf den guten alten Katalog angewiesen ist. Mein Tip: Das ausländische hamburgerische Familienunternehmen Otto vertreibt ebenfalls per Katalog.

Während die Politik jetzt noch fleißig versucht, das Unvermeidbare zu verhindern, frage ich mich, wen es als nächsten und als übernächsten trifft. Porsche ist im Rennen dank kreativer Optionsgeschäfte. LBOs sind immer für eine Insolvenz gut. TUI gilt schon länger als Problemkandidat. Spannend wird es, wenn es mal ein Unternehmen trifft, mit dem man nicht gerechnet hat. Ideen?

Dienstag, 23. Juni 2009

Quelle, Heidelberg Druck und der Wirtschaftsfonds Deutschland

Die Arcandor Tochter Quelle kämpft aktuell damit, die Finanzierung für den Winterkatalog zu stemmen. Ursprünglich wurde eine Bürgschaft beim Staat beantragt, die wegen der hohen Ausfallwahrscheinlichkeit aber nicht gewährt werden soll. Hohe Ausfallwahrscheinlichkeit klingt etwas abstrakt. Praktisch ist es so, dass die Druckerei ihr Geld haben will, bevor sie die Kataloge druckt/ausliefert, Quelle aber kein Geld hat und auch kein Geld von den Banken kriegt. Eine Bürgschaft macht in dieser Situation keinen Sinn, "Quelle braucht einfach Cash".

Jetzt soll es ein Massekredit richten. Hierbei handelt es sich einen Kredit, der bevorzugt aus der Insolvenzmasse bedient wird und dazu dient den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten. In der Theorie ist ein Massekredit ein nützliches Instrument, um eine Sanierung zu ermöglichen und Arbeitsplätze und Betriebsvermögen zu erhalten.

In Amerika ist das so genannte Debtor-in-Possession (DIP) Financing wohl etabliert und wirtschaftlich bedeutend. Wer bei google sucht, findet gleich mehrere Banken, die DIP Financing anbieten, z.B. GE. In Deutschland hingegen kriegt man für die Suche nach Massekredit und Bank nur Nachrichten, einen Anbieter finde ich nicht. Das Geschäft scheint sich nicht zu lohnen, sonst gäbe es dafür einen echten Markt. Ebensowenig findet man Aussagen dazu, wie sich z.B. der Massekredit an Philipp Holzmann für die Banken entwickelt hat. Das deckt sich auch mit den Aussagen eines erfahrenen Landesbanker. Er erzählte mir, dass sich die Kreditrisikoabteilung einmal historische Daten vorgenommen hätte und dass Massekredite ziemlich teure Ausfälle verursacht hätten. Meistens seien sie auf politischen Druck zustande gekommen.

Dass Quelle eine Zukunft hat, wage ich zu bezweifeln. Anders als die Politik muss ich dazu keine Zahlen studieren, Sitzungen veranstalten und lange Diskussionen führen: Wer im Zeitalter des Internets noch auf einen gedruckten Katalog als zentrale Vertriebsplattform angewiesen ist, für den ist der Zug abgefahren. Das sollte auch die Politik verstehen, aber Politiker gehören wohl noch zu der Generation, die im Katalog bestellt statt bei amazon.

Eine andere Firma, die ebenfalls mit Druckwaren arbeitet, ist Heidelberger Druckmaschinen. Anders als Arcandor und Quelle hat Heidelberger Darlehen und Bürgschaften vom Staat erhalten. Insgesamt 800 Mio € in Darlehen und Bürgschaften schießt der Staat durch den Deutschlandfonds Wirtschaftsfonds Deutschland in das Unternehmen. Ziel des Wirtschaftsfonds Deutschland ist es, Unternehmen zu helfen, die durch die Finanzkrise unverschuldet ins Straucheln gekommen sind. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen vor der Krise gesund war und dass das Geschäftsmodell zukunftsfähig ist.

Heidelberg scheint diese Kriterien ohne weiteres zu erfüllen. Bis 2008 hohe Gewinne, Weltmarktführer für Bogenoffsetdruckmaschinen, insgesamt 18.000 Mitarbeiter, viele davon in Deutschland, insbesondere in Baden-Württemberg. Für die Politik war es eine einfache Entscheidung.

Mir kommen bei der Entscheidung große Zweifel. Quelle selbst ist ein schönes Beispiel für einen Bereich, wo heute Druckmaschinen im Einsatz sind, den es zukünftig nicht mehr geben wird. Kataloge und Preislisten werden online gepflegt. Schon heute ist das wichtigste PR-Material eines Unternehmens nicht mehr irgendein Hochglanzbooklet, sondern der Webauftritt. Zeitungen sterben und Bücher werden digital vertrieben. Zusätzlich droht Konkurrenz von digitalen Druckern. Bei kleinen Auflagen sind Systeme von z.B. Xerox bereits wettbewerbsfähig. Wofür braucht man noch Druckmaschinen? Glück für Heidelberger, dass gerade die Finanzkrise um die Ecke kam...

Thomas Middelhoff, Totengräber der Nation

Für meinen Vater sind Manager wie Thomas Middelhoff die Totengräber der Nation. Er tendiert zu einer apokalyptischen Weltsicht und warnt mich auch immer vor dem kommenden dritten Weltkrieg und den harten Zeiten, die meiner Generation ohnehin bevorstehen. ;)

Was Thomas Middelhoff angeht, passt der Titel Totengräber gut; er hat schließlich dieser Tage Deutschlands führenden Warenhauskonzern in die Insolvenz geführt. Seit 2004 war er erst als Aufsichtsrat und dann als Vorstandsvorsitzender am Ruder des Konzerns, der erst Karstadt-Quelle hieß, um dann den schönen Kunstnamen Arcandor zu tragen. Anfang des Jahres verließ er den Konzern mit einem für sich "überwiegend positive[m] Fazit".

Einige Monate nach dem Interview hat ihn die Wirklichkeit eingeholt: Arcandor ist insolvent und er selbst hat ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue am Hals. Seine Hauptgönnerin, Madeleine Schickedanz, die er seit Februar weiterhin beraten wollte, steht mit einem wertlosen Aktienpaket da und über die Höhe ihres verbleibenden Privatvermögens wird gerätselt. Der schnellste Weg zu einem kleinen Vermögen zu kommen ist ein großes zu verlieren. Thomas Middelhoff ist für mich wahrlich ein Totengräber der Nation.

Montag, 22. Juni 2009

Spanische Vokabeln

Seit gestern bin ich zurück aus dem Urlaub. Dort habe ich zwei spanische Vokabeln gelernt: aquilar (mieten) und vender (verkaufen). Meine Freundin und ich haben teilweise "ich sehe was, was du nicht siehst" mit den Schildern gespielt. Früher waren es wohl genauso viele Schilder, nur hat dann wirklich jemand gekauft. Heute ist das schon sehr viel schwieriger...

Donnerstag, 11. Juni 2009

Wer ist die schönste Suchmaschine im Land?

Vor einiger Zeit hatte ich meine Unzufriedenheit mit google zum Ausdruck gebracht. In der Zwischenzeit habe ich yahoo, bing und ask als Default-Suchmaschinen für meinen Browser ausprobiert. Schlussendlich habe ich mich für blind search entschieden ;) Blind Search präsentiert die Suchergebnisse von yahoo, google und bing nebeneinander. Man kann die Ergebnisse vergleichen und für die beste Suchmaschine abstimmen. Danach wird aufgeklärt, welches Ergebnis von welcher Suchmaschine stammt.

Zwischenstand bisher: bing liegt vorn. yahoo war nie die beste Suche. Wann immer google besser als bing war, waren es Nuancen. Andererseits war bing teilweise markant besser als google. Mein Gefühl sagt mir, dass Microsoft eine ziemliche gute Suchmaschine gelungen ist. Die Hintergrundbilder sind auch schön.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Einkaufszentren und Karstadt

Gegenwärtig wird in allen Medien der Abgesang auf das Kaufhaus gesungen: "Die Karstadt-Idee hat sich überlebt." Als Gegenmodell wird gemeinhin das Einkaufszentrum genannt, neudeutsch Mall. Die Verfügbarkeit von Parkplätzen und die gute PKW-Verkehrsanbindung seien klare Vorteile, die das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese gegenüber dem Kaufhaus in der Innenstadt habe. Außerdem "macht es den Menschen mehr Spaß von Laden zu Laden als von Stand zu Stand zu gehen" und die Architektur sei aufwendiger.

Ich wohne in einer mittelgroßen Stadt, wir haben ein klassisches Kaufhaus und eine belebte Innenstadt. Seit dem letzten Jahr gibt es am Stadtrand auch ein Einkaufszentrum. Das Einkaufszentrum verfügt über ausreichend Parkplätze, liegt verkehrsgünstig an einer Hauptausfallstraße der Stadt und an einem Regionalbahnhof. Direkt vor dem Eingang findet sich zusätzlich eine große Busstation.

Die Architektur entspricht dem gängigen Mallentwurf. Es gibt drei offene Etagen, die von oben durch große Dachfenster beleuchtet werden. Die Böden sind mit Parkett gestaltet und es gibt verschiedene Bäcker und Restaurants, die zum Verweilen einladen. Die Auswahl der Läden entspricht ebenfalls dem, was man in Einkaufszentren erwartet: H&M, Deichmann, Apollo Optik, GameStop, ein Weltbild Buchladen, Plus, dm und weitere. Eins gibt es leider nicht: Kunden.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Cashflow Steuerung für Berater

Wer aufmerksam die delicious Links verfolgt, sieht, dass ich angefangen habe, meine Ausgaben online zu verwalten. Auslöser hierfür war, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben im Soll auf meinem Girokonto war. Was war passiert?

Als reisender Berater hat man viele Ausgaben. Hotel, Taxi, Essen, Bahn oder Flugzeug. Das sind schnell 500€ pro Woche, die man vorstreckt. Für die großen Ausgaben hat man eine Kreditkarte mit verlängertem Zahlungsziel (zum nächsten Monatsende, also Ausgaben im Mai werden Anfang Juli abgerechnet). Die kleineren Ausgaben laufen bar. Weiterhin kriegt man die Pauschalen erst mit der Reisekostenabrechnung ausgezahlt.

Wenn man seine Reisekosten umgehend abrechnet, kann man bei diesem Modell seinen Kontostand aufhübschen. Die Reisekosten sind im Schnitt einen Monate früher auf dem Konto als die Abbuchung durch die Kreditkartenfirma erfolgt, so dass man im besten Fall 2000€ netto mehr zur Verfügung hat. In meinem Fall (günstige Hotels, Bahn statt Flugzeug) sind es ca. 1300€. Sowas kann gefährlich sein, wenn man die 1200€ mit eigenem Geld verwechselt und dann einen längeren Urlaub macht oder wieder ins Office kommt.

Als ich mit dem Reisen angefangen habe (und die Zinsen hoch waren), habe ich jede Woche zu Hause meine Belege erfasst und in die Post geschmissen. Mit der Zeit wurde mein Enthusiasmus geringer (wie dieTagesgeldzinsen). Reisekosten abrechnen war etwas, was mein Wochenende reduzierte, zur Post zu laufen ebenfalls, so daß ich am Ende einmal pro Monat abgerechnet habe. Die Buchhaltung brauchte meistens ein bis zwei Wochen, um meine Abrechnungen zu bearbeiten, so dass es 1200€ waren, die mir weniger zur Verfügung standen. Das macht sich wirklich bemerkbar. Am Ende war es dann so, dass wegen der zahlreichem Mai-Feiertage meine Reisekosten einen Tag zu spät kamen, so dass ich für einen Tag ins Minus rutschte.

Abgesehen von meinen Kontostand konnte ich am Ende auch nicht mehr sagen, wie meine finanzielle Situation an sich ist. Das Ein- und Ausbuchen und Reisekosten führte zu einer Unschärfe von 1200€ bei meinem Kontostand, so dass ich wirklich unsicher war, wohin mein Geld ging und wieviel ich eigentlich hatte. Deswegen habe ich mit einem Onlinehaushaltsbuch angefangen. Dort gibt es ein Konto Reisekosten, auf das ich alles umbuche, was ich per Kreditkarte oder bar bezahle, so dass netto mein Kontostand davon nicht berührt wird. Er sieht noch gut aus.