Donnerstag, 25. März 2010

Fuzzy Arbeitszeiten und die Kansas-Latzhose

Es soll mal Jobs gegeben haben, wo man um 7h anfing, wo um 9h Frühstückspause von 15min war, um 12h Mittagspause von 45min und Punkt 16h Schluss. Solche Jobs gibt es und ich hatte mal so einen. In meiner Schulzeit habe ich in den Ferien in einem landwirtschaftlichen Betrieb mitgeholfen. Meine Kansas-Latzhose habe ich immer noch.

Stellt sich heraus, dass die Landwirtschaft zu den psychisch gesündesten Branchen überhaupt zählt. Die psychisch-bedingten Krankenstände in Bau- und Landwirtschaft liegen 30-50% unter Schnitt

Die Tätigkeit auf dem Acker war intellektuell wenig herausfordernd, sie hatte aber ihren schlichten Charme. Mein Arbeitsbeginn war fix, 7h im Frühjahr und Herbst, 6h im Sommer. Meine Pausen ebenso. Und um 16h radelte ich vom Hof. Es gab kein Überschlagen, wie viel ich wegen der untertätigen Pausen hinten ranhängen müsste. Und wenn Überstunden nötig waren, wurden die angeordnet und bezahlt. Kein Gleitzeitkonto, keine Verrechnung am Sanktnimmerleinstag, kein Verfall von Überstunden.

Der Gedanke, dass muss heute noch fertig werden, war mir fern: Um 16h auf meinen Fahrrad lag die Arbeit hinter mir. Das Tageswerk war verrichtet. Während ich das schreibe, komme ich nicht umhin, an die nächste Woche zu denken, an die Aufgaben, die auf mich warten, und wie ich sie angehen kann. So ein Gedanke hat auf dem Acker keinen Sinn gemacht. Morgens kam der Vorarbeiter und sagte, was heute zu machen sei.

Mittwoch, 24. März 2010

Rote Ampeln, Lebensmittel und Jamie Oliver

Mein Cousin aus Brasilien war vor Jahren bei uns in Deutschland zu Besuch. Was ihn an meisten an Deutschland erstaunte, waren Begebenheiten, wo mitten in der Nacht auf einer verwaisten Kreuzung deutsche Autofahrer an der Ampel auf Grün warteten. Warum, lautete seine Frage. Er gab zu, dass es in Brasilien weder einer späten Stunden noch einer verwaisten Kreuzung bedurfte, damit Brasilianer über Rot fuhren. Das sei gefährlich. Aber mitten in der Nacht? Das sei unsinnig.

Als deutscher Fußgänger bin ich mit den Ampelfarben sehr viel flexibler als ein deutscher Autofahrer. Rot ist eine Warnung, ich gucke links, ich gucke rechts und ich laufe. Das bringt mir ab und an auch die Missachtung deutscher Vorzeigeeltern, die ihren Kleinen den Anblick eines Jaywalkers ersparen wollen.

An anderer Stelle sind Ampeln ins Gerede gekommen. Es geht um die Auszeichnung von Lebensmitteln mit Ampelfarben statt kryptischen Prozentwerten. Grün gut, gelb okay, rot schlecht und das pro Nahrungsmittelkomponente (Zucker, Fett, …). Wer weiß schon, ob 25% Tagesbedarf Zucker im Schokoriegel ein Problem sind? Und wer benötigt die Pseudogenauigkeit der Prozentangabe? Das leuchtet den meisten Bundesbürgern auch ein, so dass sich die Lebensmittelampel sehr hoher Beliebtheit in der Bevölkerung erfreut. Satte 90% unterstützen ihre Einführung.

Dienstag, 16. März 2010

Sawicki, BDO und der "Spesenbetrug"

Dem bei Pharmafirmen unpopuläre Leiter des IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), Sawiecki, wurde wegen „Spesenbetrugs“ entlassen kein neuer Vertrag gegeben. Dass der vermeintliche „Spesenbetrug“ nur Vorwand von CDU und FDP war, um der Pharmawirtschaft einen Gefallen zu tun, ist klar. Ein paar Kommentare der Blogosphäre zu dem Thema hier, hier oder hier.

Interessant ist jetzt ein Spiegelartikel, der die Hintergründe der Entlassung beschreibt. Teure BDO-Wirtschaftsprüfer wurden beauftragt, die Spesenabrechnungen von Sawicki zu untersuchen. Ehrlich gesagt, findet man da bei jedem Berater was. Ich persönlich bin immer sehr unglücklich, wenn mein Taxi mich um 23.30h vor der Haustür absetzt. Das sind 31 Minuten, die mich satte 12€ netto kosten. Gottseidank sind die meisten Taxifahrer hilfsbereit, besonders wenn sie ein Trinkgeld erwarten.

Als Hauptgrund für die Entlassung Nicht-Verlängerung werden ein paar falsche Belege und der Leasing-Dienstwagen genannt. Bei den Belegen hatte er offenkundig private Belege im Gesamtwert von 1000€ abgerechnet, z.B. Rasenmäher-Benzin oder private Parkquittungen. Hierzu kann ich nur sagen, dass Unternehmen die vorgelegten Belege prüfen und die Buchhaltung bei Rasenmäher-Benzin ruhig mal nachfragen kann. Ich hatte vor ein paar Wochen ein kurze Diskussion wegen meiner Internetrechnung. Zudem würde jemand der betrügen will, seine Spuren verwischen, was offenkundig nicht passiert ist.

Monte Carlo, Abu Dhabi, New York, ... Bonn

Der teuerste deutsche Hotelstandort ist nicht München, nicht Hamburg und nicht Düsseldorf, sondern Bonn. Durchschnittlich kostete eine Übernachtung in Bonn 112€. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass viele IT-Beratungen als Richtgröße 100€ vorgeben. Strategie-Berater müsste man sein…

Wenn man den Klagen Bonner Lokalpolitiker glaubt, welch’ dramatisch negativen Auswirkungen der Bonn-Berlin-Umzug hat, überraschen die hohen Hotelkosten doch sehr. Wenn man sich nüchtern die Lage vor Ort anschaut, erklären sich die Preise leicht.

Bonn, eine Stadt von 315.000 Einwohnern, ist Standort zweier DAX-Konzerne (Telekom, Post) sowie eines ehemaligen DAX-Konzerns (Postbank). Zum Vergleich: Hamburg, immerhin sechsfach so groß, hat in Form von Beiersdorfer gerade mal einen. Daneben unterhält ein Großteil der Bundesministerien weiterhin Dependancen bzw. auch Hauptstellen in Bonn. Die tatsächlich strukturschwachen Berliner müssen sich echt verschaukelt vorkommen, wenn sie der Bonner Ex-Bürgermeisterin lauschen oder sich die Auswüchse des Bonn-Berlin-Gesetzes vor Augen führen.

Samstag, 13. März 2010

Projekte machen

Letztes Wochenende habe ich folgendes Gespräch geführt: „Ich bin IT-Berater“ - „Ah, ich  bin Projektmanager. Wir machen ja beide Projekte.“ - „Ne, ich mach die Arbeit.“

Mir ist klar, dass ich mit meiner Antwort nicht gerade meine Sozialkompetenz unterstreiche. Meine Freundin sagt mir regelmäßig autistische Züge nach, was unter Informatikern auch nicht völlig abnorm wäre. Für meinen Alltag als Großraumbüro-Tastenkrieger ist es ein Gewinn, die Umwelt ausblenden zu können.

Meine unhöfliche Antwort kam nicht aus dem Effeff geschossen. Tatsächlich denke ich schon seit einiger Zeit über Projektmanagement nach. Und mein Gesprächspartner hat nur die Kurzfassung meiner Gedankengänge abbekommen.

Mittwoch, 10. März 2010

"Überraschende" Gewinne bei der Bahn

Mein (Privat-)Handy hat dieser Tage einen Trip ins Ausland gemacht. Ohne mich. Ich musste bei der Anreise zu häufig den Zug wechseln (3x) und im Prozess habe ich es in einem internationalen ICE liegen lassen. Immerhin: Die Deutsche Bahn hat es gefunden. Ich fahre jetzt zum Hauptbahnhof, um es abzuholen.

An anderer Front kann man ebenfalls Neuigkeiten von der Bahn lesen. Sie habe trotz der Wirtschaftskrise 1,9 Mrd € im Geschäftsjahr 2009 verdient, berichtet der Focus. In der Überschrift klingt Überraschung mit.

Als Stammkunde der Deutschen Bahn kenne ich ihr Geschäft etwas. Mich überrascht daher der Gewinn in keiner Weise. Mit Ausnahme der teuer erkauften Logistiksparte sind die meisten Leistungen der Bahn a) vom Staat (hoch) subventioniert und b) geringen konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Starke Wettbewerber gibt es (bisher) nicht und die Alternativen zur Bahn (Auto, Flugzeug) entwickeln ebenfalls keinen Preisdruck.

Das Paradegeschäftsfeld der Bahn ist übrigens der Nahverkehr. Im Nahverkehr subventioniert ein Bundesland Strecken. Ziel ist es, den Bürgern  ein Mindestmaß  öffentlicher Infrastruktur anzubieten, gerade in entlegenen Landesteilen, es bezahlbar zu halten und die Umwelt zu schonen.

Neben den sicheren Landeszahlungen sind auch die Einnahmen aus den Fahrkarten planbar. Die machen übrigens nur ein Drittel des Gesamtumsatzes im Nahverkehr aus. Das Fahrgastaufkommen unterliegt keinen großen Schwankungen und die Elastizität des Preises ist hoch. Wer auf den Zug angewiesen ist, um zur Arbeit zu kommen, muss damit leben, wenn die Ticketpreise um durchschnittlich 3,9% steigen.

Der Bahn ist die Sicherheit ihres Geschäfts durchaus bewusst.: Ein Kumpel von mir war eine Zeitlang im Controlling der DB: Die haben mit 5-Jahresplänen gearbeitet.

Dienstag, 2. März 2010

Fables Day

Meine bisherigen Posts zu Meetings sollten meine Grundhaltung klar gemacht haben: Ich halte die meisten Meetings (mehr als 90%) für Zeitverschwendung. Ein Meeting ist hierbei für mich ein feststehender definierter Termin, an dem mehr als zwei Leute teilnehmen.

Jetzt hatte LazyMBAStudent schon vor ein paar Wochen im Kommentar darauf hingewiesen, welche tollen Tricks es doch gäbe, um Meetings effizienter zu gestalten: Agenda, Moderator, sinnvoller Personenkreis, ... Ein ganzer Post zu dem Thema findet sich bei karrierebibel.de: „Zeitfresser Meetings – 9 ultimative Tipps für bessere Meetings“. Den Link habe ich durch die Webschau des Blicklogs gefunden (Fan!). Ich persönlich bin mit Adjektiven wie ultimativ immer etwas vorsichtig.

Was solche Tipps suggerieren, ist, dass die Probleme mit Meetings rein prozeduraler Natur sind. Indem man aktiv den Prozess steuert, wird aus einem langweiligen Jour Fixe und Foxi ein flippiger Fables Day, um in der Comic-Analogie zu bleiben. Tipp 3 aus der Karrierebibel:
"Berufen Sie kein Meeting ein, wenn das Problem nicht auch per E-Mail hätte geklärt werden können. Wenn nur Fakten verbreitet werden sollen, nutzen Sie die elektronische Kommunikation. Wenn nur Fakten verbreitet werden sollen, nutzen Sie die elektronische Kommunikation. Falls dann noch Fragen auftreten, können Sie immer noch eine Sitzung anberaumen."
Klingt super: Mails statt Meetings. Ob es jetzt sinnvoll ist, "Fakten" per Mail zu versenden, sei mal dahingestellt. Es soll ein paar Mitarbeiter geben, deren Maileingang zuläuft. Und es soll außerdem ein paar Fakten geben, deren Zur-Kenntnisnahme man bestätigt wissen will: "Bankunterlagen müssen vernichtet werden.", "Die Küche sieht aus wie Sau." oder "Die Bürste darf verwendet werden."