Donnerstag, 27. August 2009

Sein eigener Türsteher sein

Vor langer Zeit hatte ich eine "Serie" zum Umgang mit zu viel Arbeit begonnen. Mit der war nach zwei Posts Schluss, weil ich mich dann anderen Themen gewidmet habe. Aus aktuellem Anlass werde ich heute damit fortfahren.

Wir saßen neulich im Restaurant und eine Freundin meiner Freundin beschrieb den Ärger, den sie auf der Arbeit hat. Sie hat seit längerer Zeit ein wichtiges Projekt, das sie voll fordert. Trotzdem hat ihr Chef ihr kurzfristig eine unwichtige und unnötige Zusatzaufgabe aufgedrückt. Erst für Anfang September, dann nach kurzer Diskussion für Mitte September. Es war nicht das erste Mal, dass ihr Chef sie auf diese Weise auf Trapp hält und sie von den wichtigen Aufgaben abhält.

Wer sich die Situation von außen anschaut, kann verschiedene Erklärungen für das Verhalten des Chefs identifizieren:

  1. Er schätzt seine Mitarbeiterin und möchte ihr durch das Zuteilen von Sonderaufgaben sein Vertrauen beweisen und ihr Möglichkeit geben, sich noch mehr im Betrieb zu beweisen.
  2. Er hat aus der Vergangenheit gelernt, dass seine Mitarbeiterin belastbar ist und auch mit kurzfristigen Zusatzaufgaben klarkommt. Sein Verhalten (schlechte Übersicht und Planung) wurde belohnt und wird weiter gezeigt.
  3. Er mißbraucht seine Authorität und ihre Hilfsbereitschaft.

Alle Erklärungen zusammen sind treffend. Es hilft aber nicht, die Motivation seines Chefs zu ergründen. Wichtig ist zu analysieren, wie man damit umgeht.

Man kann jetzt einfach mehr arbeiten. Das funktioniert auf die Dauer nicht. Etwas besser ist es, effizienter zu arbeiten. Am besten ist es aber, die Aufgabe gar nicht erst übertragen zu bekommen. Keine Arbeit ist weniger Arbeit als keine Arbeit. Wenn es um Arbeit geht, muss man deshalb sein eigener Türsteher werden.

Mittwoch, 19. August 2009

Düsterer Himmel für Sky

In zwei Wochen läuft mein Premiere Abo ab. Ich habe es fristgerecht gekündigt. Das war noch, bevor die Firma sich umfirmiert hat. Die Umfirmierung kann man als letzten Versuch betrachten, das Geschäftsmodell Pay-TV in Deutschland zu etablieren. Die Bundesliga muss hoffen, dass es klappt.

Als Fernseh-affiner Konsument mit ausreichend verfügbarem Nettoeinkommen, der zudem bekennender Fan eines Bundesligavereins ist und just in diesem Momemt, parallel zum Blog schreiben, die neueste True Blood Folge lädt, zähle ich mich zum Zielpublikum von Sky/Premiere. Ich erinnere mich noch, wie ich in den 90er aus den USA zurückgekommen bin und getötet hätte, um zeitnah die neuesten Friends bzw. ER Folgen zu sehen. Es war brutal ein Jahr auf die Auflösung des Cliffhangers der ersten Friendsstaffel zu warten. Und noch brutaler die schrecklichen deutschen Synchronstimmen zu akzeptieren. Trotz der positiven Ausgangslage hat es Jahre gedauert, bis ich Premiere-Kunde wurde. Und ich bin es auch nur ein Jahr geblieben.

Ich habe Premiere gekauft, um meinen Verein zu sehen. Im Paket waren zusätzlich die restlichen Bundesligapartien, Champions League Spiele, DFB-Pokal Begegnungen oder internationale Ligen mit drin. Klingt toll, aber 1) ich bin ohnehin unter der Woche nicht da (--> Berater), 2) mein Augenmerk gilt meinem Verein und 3) ein Spiel pro Woche sind die obere Grenze dessen, was meine Freundin akzeptiert. Sie ist nicht froh drüber, den Einkauf am Samstag, um die Spielzeiten der Bundesliga zu planen (entweder vor 15.30h oder nach 17.30h).

Wenn ich die Kosten betrachte (20€/Monat Sonderaktion) stehen den 240€ (12 * 20€) ungefähr 25 Spiele gegenüber. Eine Saison hat zwar in Summe 34 Spiele, nur bin ich nicht jedes Wochenende zu Hause und einige Spieltage finden auch unterwöchig statt (Wdh. --> Berater). Macht 10€ pro Spiel. Nach der jüngsten Tarifreform kostet Bundesliga 35€ pro Monat, macht 420€ im Jahr, also 16€ pro Spiel. Für das Geld kann ich auch nett in die Bar gehen, einen Kaffee bestellen und dort gucken.

Das Geld stört mich nicht per se. Wenn ich das Spiel mit einem Kumpel gucke, ich mir den Stress spare, wild im Netz einen Stream zu suchen, und die Qualität passt, ist es okay. Gucke ich hingegen allein, ist es viel. Stichwort Streams: Die Qualität der Kommentatoren ist bei GolTV besser als im gesamten deutschsprachigen Raum.

Neben den Spielen meines Vereins hat Premiere für mich sehr wenig zu bieten. Spielfime kann ich bei der Videothek für 3€ ausleihen und Serien beschaffe ich mir andernorts. Zudem gehört die Zukunft dem Internet. Für Sky ist der Himmel düster.

Donnerstag, 6. August 2009

Die Rente und der Aktienboom

Wer dieser Tage die Finanznachrichten verfolgt, sieht die Börsen steigen und steigen. Wer aufmerksam mitließt, findet dort Kommentare wie diesen:
"Pension funds need yield so they are buying up stocks [...] ." [Pension Pulse]
Was steckt hinter dieser Aussage?

Ich hatte letzte Woche versucht zu zeigen, dass man mit 5% Rendite bei 2% Inflation nicht weit kommt. Selbst um eine Zusatzrente ab 67 zu erhalten, deren zukünftiger Wert 400€ heutigen Geldes entspricht, muss man große Sparanstrengungen unternehmen (s. Post Die 400€ Zusatzrente).

Das wissen auch professionelle Vermögensverwalter. Die Lösung: Aktien. Nur mit Aktien ist eine Lebensversicherung in der Lage, die allseits erwarteten Überschussbeteiligungen zu erwirtschaften.

Was in Deutschland die Überschussbeteiligung ist, sind in den USA underfunded pension funds. D.h., dass die Zusagen der Fonds (noch) nicht durch Vermögen gedeckt sind. Zu einem gewissen Anteil ist das normal (Zinseszinsmagie). Wenn aber Renditen weit jenseits der 5% vorausgesetzt werden, kommt man schnell auf dünnes Eis. Die Summen, die dort ungedeckt im Raum stehen, sind immens.

Sowohl deutsche Lebensversicherung als auch amerikanische Pensionsfonds müssen also über kurz oder lang wieder in Aktien investieren. Die Kurse steigen daher nicht, weil sich Fundamentaldaten geändert haben, sondern weil alle reingehen. Die steigenden Kurse wieder produzieren auf dem Papier die dringend benötigten Gewinne. Dank der fleißigen Riesterrentner, die jedes Jahr weitere Milliarden an die Börse pumpen, geht die Rallye weiter. Man kann das auch ein Schneeballsystem nennen.

Mittwoch, 5. August 2009

30min Arbeit pro Monat

Viele meinen, dass Berater für tolle, strategische Konzepte bezahlt werden, für gute Ideen, für neue IT-Systeme, sprich für die Dinge, die sie schaffen. Dass das ein Mißverständnis ist, ist klar: Es heißt schließlich Berater, nicht Macher.

Ein anderes Mißverständnis sind die Arbeitszeiten eines Berater. Man denkt an Überstunden und schuften bis zum Umfallen. Das mag nach außen so wirken. Meine Erfahrung im Job: Pro Monat arbeite ich 30min. Und das gilt so für alle Berater.

Dazu muss man verstehen, welche Aufgabe ein Berater hat. Dem Kunden dienen, gute Arbeit machen, ... Alles nur Mittel zum Zweck. Die Hauptaufgabe eines Beraters ist es, am Monatsende dafür zu sorgen, dass der Kunde seine Unterschrift auf den Stundenzettel setzt. Der unterschriebene Stundenzettel ist also das wesentliche Arbeitsergebnis.

Und damit zur Rechnung: Das Erfassen der Zeiten kostet mich pro Tag 1min, die Unterschrift zu kriegen dann noch einmal 10min. Macht in Summe 30min.

Bahnkarma

Meine Freundin hat mir heute versprochen, mich am Bahnhof abzuholen. Sagte sie und schon gab es einen Stellwerksschaden, so dass kein Zug mehr fuhr. Am Ende waren es glücklicherweise nur 20 Minuten Verspätung. Die ganze Sache ist ein schönes Beispiel für Bahnkarma.

Meine Erfahrung als Bahnfahrer ist, dass die Bahn immer dann zu spät ist, wenn man sie "herausfordert". Herausgefordert fühlt sie sich, wenn man einen dringenden Termin hat oder von einer anderen Person am Bahnhof abgeholt wird.

Wenn ich zum Flughafen muss, plane ich daher mindestens einen Zug ein, der ausfallen kann, so dass ich trotzdem pünktlich am Flughafen bin. Mir ist es schon mal passiert, dass zwei Züge in Folge ausfielen. Germanwings zeigte sich kulant und ließ uns noch mit unserem Gepäck mitfliegen.

Wenn ich zu meinen Eltern fahre und mein Vater mich abholen soll, spreche ich nicht mehr von Ankunftszeiten. Sind wir pünktlich, sage ich: "Nach Plan sollten wir um 18h ankommen. Bisher haben wir keine Verspätung."

Sind wir unpünktlich, ist die Prognose einer wahrscheinlichen Ankunftszeit fast unmöglich. Nicht nur, dass man immer noch später kommen kann, sondern man kann auch früher kommen. Es soll ja vorkommen, dass die Bahn etwas Puffer bei Unterwegshalten eingeplant hat, den sie auflösen kann, oder dass der Zug etwas schneller fahren kann als nach Plan vorgesehen. Meine Ansage ist daher immer: "Bisher haben wir 20min Verspätung. Normal wären wir um 18h da. Wann wir wirklich ankommen, weiß ich nicht."

In jedem Fall verweise ich darauf, mich nachher noch einmal zu melden. Man darf das Bahnkarma nicht herausfordern.

Zu viele Posts

Mittlerweile habe ich 140 Posts geschrieben. Nette Zahl. Die schiere Menge führt nun zu mir bisher unbekannten Problemen (jedenfalls als Blogger): Ich mache mir Sorgen, mich zu wiederholen.

Z.B. jetzt. Ich will gleich noch einen Post dazu schreiben, warum ein Berater nur 5 Minuten im Monat wirklich arbeitet. Mein Gefühl sagt mir, dass ich in einem früheren Post bereits etwas Ähnliches geschrieben habe. Ein kurzer Scan der alten Posts hat aber keinen Treffer produziert.

Letztendlich werde ich es drauf ankommen lassen. Wenn Ihr meint, eine Wiederholung zu sehen, postet es einfach als Kommentar. Ansonsten muss ich mir halt neue Themen suchen. Oder den Blog zu machen. ;)

Dienstag, 4. August 2009

Frühaufsteher gegen Langschläfer

Wo früher die simple Ansage 8h bis 16.30h galt, ist es heute in vielen Betrieben gang und gäbe, völlig auf Regelungen zur Anwesenheit zu verzichten, Stichwort Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit. Dass kann dann dazu führen, dass man um 10h morgens versucht, jemanden zu erreichen, und diese Person eben noch nicht da ist.

Es mag Jobs geben, wo das kein Problem darstellt. Jobs, wo man wenig miteinandern kommuniziert und sehr autonom arbeiten kann. Die meisten Bürojobs sind nicht so. Wer das Ziel verfolgt, möglichst ineffizient zu arbeiten, dem bietet sich hier eine gute Möglichkeit: Früh kommen und dann auf die Kollegen bei einer gepflegten Runde Solitär, Bejeweled oder Fußballmanager warten.

Ein Konflikt, der durch diese flexiblen Arbeitszeiten befeuert wird, ist der zwischen Frühaufsteher und Langschläfer. Es soll Kollegen geben, die um 7h anfangen, eine halbe Stunde Mittagspause machen, dann bis 16h arbeiten und nach Hause gehen. Dafür werden sie von ebenden Kollegen schief angeguckt, die um 9.30h kommen, gut und gerne 1h Mittagspause machen und deswegen 3h länger arbeiten muss: Was, du willst jetzt schon gehen?

Wir unterstellen, dass jemand der bis spät da ist, auch lange gearbeitet hat. Und jemand der früh geht, eben nicht. Eine Korrelation zwischen Arbeitsdauer und Arbeitsende besteht sicherlich, aber eben keine Kausalität.

Schlimm wird es, wenn der eigene Chef, Projektleiter oder Kunde alternative Arbeitszeiten bevorzugt. Sie sagen dann immer, es wäre okay, zu gehen, weil sie selbst auch viel später gekommen sind. Meinen tun sie das aber nicht. Respekt verschafft man sich bei diesem Typus, wenn man abends noch da ist.

Gerade vom Berater wird erwartet, dass die 18h die untere Grenze ist und man ihn noch abends im Büro antrifft. Kunden schätzen es, wenn sie das Büro verlassen und der Berater noch fleißig am Platz sitzt. Am besten der Berater war morgens schon als erster da.

Bei diesen Modellen lernt man, sich morgens und mittags Zeit zu lassen. Man hat nichts davon zu gewinnen, früh auf der Arbeit zu sein. Und man hat auch keine Gewinn davon, kurz Mittagspause zu machen. Am Ende muss man doch bis 7h bleiben. Unterwegs habe ich es mir deshalb angewöhnt, auf den Wecker morgens zu verzichten. ;)

Montag, 3. August 2009

Ursula und Ursula

Nigeria ist fern, Panzerwagen sind in Spanien schwer verkäuflich und Ullas Dienstwagen ist deshalb wieder da. Ulla ist auch wieder da. Statt in Spanien verbringt Ulla ihren Resturlaub in Deutschland. Alicante oder Aachen, alles egal, fängt beides mit A an.

Eine Zeitung mit A, das Hamburger Abendblatt, hat zu diesem Thema eine andere Ursula befragt. Heißt der Titel noch "Neues Elterngeld hilft den Unternehmen", widmet sich das erste Drittel des Textes der Dienstwagenaffäre. Inwiefern es sinnvoll ist, sich in einem Interview mit der Familienministerin über die Dienstwagenaffäre ihrer Kollegin zu unterhalten, ist mir unklar. Eine Frage hätte in jedem Fall gereicht. Stattdessen sind es acht Fragen (!), die sich der Ulla und ihrem Dienstwagen widmen. Meine Güte.

Das Abendblatt ist bestrebt, sich als Qualitätsblatt zu profilieren. Die Fragen zur Dienstwagenaffäre sprechen Bände. Z.B.:

  • "Ist alles erlaubt, was rechtens ist?"
  • "Hat die Gesundheitsministerin dem Ansehen der Politik geschadet?"
Beide Fragen sind geschlossene Fragen (Antwort nur ja/nein) und beides sind Suggestivfragen.

Immerhin wird Ulla2 die Möglichkeit geboten, kurz dazu Stellung zu nehmen, warum sie sich weigert, ihr Fahrtenbuch offen zu legen. Weil es "viele sensible Adressen enthält". Ich kann mich da nicht einer gewissen stalinistschen inquisitorischen von der Leyen'schen Logik entziehen: Wer nichts zu verstecken hat, muss nichts verstecken.

Die Kritik an den Dienstfahrten der Ulla2 entzündet sich an zwei Punkten. Einerseits kann man die Strecke Hannover-Berlin sehr gut mit der Bahn fahren (300km in 1:40h). Andererseits nutzt Ulla2 für die Fahrten Bonner Dienstfahrer, was teuer ist, da diese die Reisezeiten ab Bonn als Arbeitszeiten bezahlt bekommen und in Berlin natürlich ein Quartier auf Staatskosten benötigen. Wer im Glashaus sitzt... Es ist Wahlkampf.