Mittwoch, 27. Januar 2010

Der vermeintliche Graben zwischen liberalen Werten und Taten

Ich kenne privat einige Mitglieder der FDP. Wir haben früher häufig über die Partei diskutiert und mein Argument war damals, dass zwischen den angeblichen Werten (Liberalismus) und der tatsächlichen Politik (Klientelpolitik) ein großer inhaltlicher Graben bestünde.

Dieser Tage ergreift die FDP die Gelegenheit beim Schopf, nach langen Jahren der Opposition wieder Regierungspartei zu sein, und macht sich daran, eifrigst Klientelpolitik zu betreiben. Sie reduziert die Mehrwertsteuer für Hotels. Sie entlässt einen allzu kritischen Prüfer von Arzneimitteln. Und sie senkt die Steuern für Unternehmen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Und das ist erst das Anfangsprogramm.

Und wieder diskutiert Deutschland, ob die FDP vom Pfad der Tugend abgekommen ist. Werte und Politik widersprächen sich. Das sei kein echter Liberalismus, den wir erleben. Die Idee ist gut, nur die Umsetzung... Mich erinnert das an Sahra Wagenknecht.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Der Informatiker - ein operationelles Risiko

Vor einer Woche hatte die Zeit einen Bericht über die Nestbeschmutzer des Schweizer Bankgeheimnis. Es wurden vier Fälle beschrieben, in denen Bankmitarbeiter Daten an die ausländischen Behörden weitergereicht haben. In zwei Fällen (50%) handelte es sich bei den Whistleblowern um Informatiker.

Als Informatiker interpretiere ich diese Information erst mal als positiv für mich und meine Berufsgruppe. Ich fand die Menschen, mit denen ich studiert habe, durch die Bank nett. Man hat sich geholfen. Geschichten, wo man andere sabotiert, um selber besser dazustehen, gab es nicht. Unter Juristen soll es ja vorkommen, dass man die entscheidende Quelle in der Bib wegräumt, nur damit kein anderer sie nutzen kann...

Unter Informatikern gibt es auch nen verdammt großen Haufen Spinner Idealisten, wie man an der Open Source Bewegung sieht. Man stelle sich mal den Pharmazeuten vor, der vorschlägt, auf Patente (und Geld) zu verzichten und in seiner Freizeit für lau Medikamente entwickelt. Unser Idealismus ist auch für manchen Kreuzzug gut. Mich würde mal interessieren, wie viele Nicht-Informatiker mit Netzneutralität was anfangen können.


Dienstag, 19. Januar 2010

Kein Frühstück und Spesenbetrug

Diese Woche habe ich beim Einchecken direkt nachgefragt, wie mein Hotel die Frühstücksproblematik angeht. Ihr Angebot: Ich bekomme das Businesspaket, welches eben auch Frühstück umfasst, aber nicht nur. Die ausgewiesenen 10 € können also für Frühstück, Telefon, Internet oder Parkplatz reklamiert werden.
  • Problem 1: Wie mein Arbeitgeber mit dem Rechnungsposten "Businesspaket" umgeht, ist unklar.
  • Problem 2: Wie das Finanzamt mit einem explizit ausgewiesenen Posten "Businesspaket" umgeht, ebenfalls. Mein Tip: Die werden das voll für Frühstück halten bzw. eine genaue Aufschlüsselung fordern.
Deswegen bleibe ich dabei: Es gibt kein Frühstück mehr. Stattdessen hole ich mir ab sofort beim Kunden in der Kantine einen Kaffee und ein Frühstücksbrötchen.

Der Posten Businesspaket würde sich übrigens auch prima dafür eignen, Spesenbetrug fortzusetzen. Minibar und animierende Videos kann man sicherlich auch als "Businesspaket" erfassen. Nur blöde, wenn der Posten jede Woche eine andere Höhe hat...

Sonntag, 17. Januar 2010

Wenn die Frau vom Taxiruf...

... einen schon mit Namen begrüßt und die Adresse auswendig kennt, dann fährt man verdammt viel Taxi.

Frühstücken im Hotel

Ich bin auch ein Hornochse. Letzte Woche hatte ich Frühstück im Hotel. Und das wird jetzt teuer, wie man bei Welt.de lernen kann. Die Mehrwertsteuer-Reduzierung, die ohnehin Geschäftsreisende mit zusätzlichen Kosten konfrontiert (s. Post Die Hotel-Mehrwertsteuer-Entlastung), verdirbt einem jetzt auch noch das Frühstück.

Status bis Ende letzten Jahres: Frühstück wurde pauschal (-4,80€) abgerechnet, wenn es nicht als Sonderposten auf der Rechnung abgegrenzt wurde (s. Post Berater-Weisheiten I: Einleitung und Spesen und Spesenfallstricke). Sprich: Man konnte das super Luxusfrühstück (Lachs, Hummer, Kaviar) verspachteln und musste dafür nur auf 4,80€ von seinen Tagesspesen (ganzer Tag 24€) verzichten. Ein gutes Geschäft für den motivierten Geschäftsreisenden. Und für das Hotel, das unverschämt hohe Preise für das meist unmotivierte Frühstücksbuffet berechnen konnte. Man muss sich einfach mal vor Augen führen, was vollwertiges Brunchen in einem Café normalerweise kostet (10€ zzgl. Getränke). Und wie viel besser die Qualität dort meist ist. Wer es günstig mag, geht zur Bäckerei und holt sich ein belegtes Brötchen samt Kaffee (< 3€).

Montag, 11. Januar 2010

Mikrostaaten, Erdöl und Banken vs Deutschland 1:0

Für Guido Westerwelle fällt dieses Land zurück. Deshalb fordert er eine geistig-politische Wende. Das liegt für ihn an der Gängelung des Mittelstands und der Mittelschicht. Und es muss geändert werden: Mehr netto vom brutto. Immer die alte Leier. Meine Meinung hatte ich dazu schon geschrieben (s. Post Mehr netto vom brutto).

Eine Statistik, die Westerwelle für das Zurückfallen Deutschlands heranzieht, ist unser Wohlstand im Vergleich zum Rest der Welt. Wären wir früher 11. gewesen, seien wir heute 23. Im EU-Vergleich seien wir von Platz 9 auf Platz 14 gerutscht. Ich tippe mal, dass Guido fortfahren wird, diese Zahlen als Beleg für seine Argumentation heranzuziehen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle dazu Stellung nehmen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Schach, Island und das Kleingedruckte

Zu Weihnachten saßen wir morgens zum Frühstück und mein Vater laß den Sportteil. Dort fand er einen Artikel zum neuen Führenden der Schachweltrangliste und regte sich auf. Die Schlagzeile war ähnlich zu: "Magnus Carlsen: Frühreif auf dem Schachgipfel." Er gab mir den Artikel, aber ich fand nichts zu beanstanden.

Er erklärte mir dann, was ihn störte. Die Berichterstattung suggeriere, dass es unvorstellbar sei und noch dazu eine krasse Ausnahme, wenn ein 19-Jähriger die Schachweltrangliste anführt. Der Autor kramte Carlsens individuellen Besonderheiten hervor, um diese Situation zu begründen. Aus dem oben verlinkten Artikel: "Mit Schach begann er erst mit neun Jahren. Mit 13 war er schon Großmeister , mit 17 Weltklasse."

Wer Zeit und Lust hat, sich die Weltrangliste anzuschauen, stellt fest, dass es dort einige Spieler gibt mit Jahrgang 1990 und jünger. Auf Platz 18 kommt ein Franzose (Jahrgang 1990), auf Platz 51 ein Italiener (Jahrgang 1992) und auf Platz 77 ein Philippine (Jahrgang 1993). Es gibt also ein paar mehr Wunderkinder, wobei Carlsen momentan führt.

An sich ist das Alter der Spieler im Schach dramatisch runtergegangen. Die Spieler sind fast alle im besten Fußballeralter (35 und jünger), was früher nicht der Fall war. Als Gründe für diese Entwicklung werden das Internet und die starken Computergegner gesehen. Bei Carlsen handelt es sich also nicht um eine rare Ausnahme, sondern um einen Trend. Diese Erklärung wäre wünschenswert gewesen. So wie im Tagesspiegel, wo steht: "'Heute kann ein 15-Jähriger mehr über das Schach wissen als Bobby Fischer in seinem ganzen Leben', sagt Kasparow."


Freitag, 8. Januar 2010

Island wieder auf der Karte

Der Isländische Präsident hat sich dieser Tage geweigert, die vollständige Entschädigung englischer und niederländischer Sparer rechtskräftig werden zu lassen. Ein anderer Blog, den ich verfolge, findet das auch okay so. Als ehemaliger Kaupthing Sparer (s. Post Mein Kaupthing Konto) habe ich da meine eigene Sicht. Folgenden Kommentar habe ich geschrieben. Interessante Links zu Island sind rechts unter delicious gelistet.

Es gibt schon ein paar Gründe, warum die Isländer für das Fehlverhalten ihrer Banken gerade stehen müssen.
Der Wohlstand aller Isländer vor der Katastrophe kam ja nicht von Ackerbau und Fischfang, sondern durch die Banken, die internationales Kapital, auch von Kleinsparern, eingesammelt haben. Dabei nutzten die Banken eine Regulierungslücke in der EU/EWR, nämlich dass das nationale Sicherungssystems eines Staates von anderen automatisch anerkannt wird. Außerdem profitierten sie außerordentlich von der laxen heimischen Kontrolle. Wieder mal so eine Lücke im EWR. Diese Kontrolle war übrigens durch die Isländischen Bürger legitimiert. Wenn sie sich heute so sehr daran stören, für die Schäden ihrer Banken einzustehen, dann hätten sie sich genauso gut vor zehn Jahren gegen die Expansion ihrer Banken ins Ausland wehren sollen. Haben sie aber nicht. Der Range Rover wollte ja bezahlt werden.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Mehr Netto vom Brutto

Welt.de hat die Ergebnisse der Sternumfrage (s. Post Zwanzig Jahre für lau) dazu verwendet, die alte FDP-Forderung wieder hervorzukramen: Mehr netto vom brutto. Ihre Analyse strotzt nur so vor Fehlern. Fangen wir mal an:
"Einerseits gibt es in vielen Branchen weniger zu verteilen, weil die Unternehmen weniger verdienen als früher".
Früher bezieht sich in Kontext der Sternstudie auf 1990. Wie haben sich denn die Unternehmens- und Kapitalgewinne entwickelt? Vor 1990: "Mit der rasanten Entwicklung der Unternehmensgewinne konnten Löhne und Gehälter nicht Schritt halten". 2004 (aus der Welt): "Dabei geht der Trend zu deutlich steigenden Gewinnen durch alle Branchen. Pharmaunternehmen und Stahlhersteller, Stromkonzerne und Elektrounternehmen, sie alle erfreuen ihre Aktionäre mit immer besseren Geschäftszahlen." Und von destatis: "Seit 1991 hat sich der gesamtwirtschaftliche Unternehmensgewinn mehr als verdoppelt, von 312 Mrd. Euro auf 672 Mrd. Euro im Jahr 2007." [pdf]. Im destatis PDF sind auch mehrere Diagramme, die die Entwicklung noch mal vor Augen führen. So gegen Ende der 90er entkoppelt sich das private Haushaltseinkommen von den Unternehmensgewinnen.

Betrachtet man die Gehaltsempfänger, lässt sich festhalten, dass oben weiter munter mehr verdient wird. Während bei der gemeinen Altenpflegerin immer mit dem Verweis auf ihre polnische Konkurrentin gedroht wird und in der IT die Tata-Invasion ansteht, sind unsere Vorstandsvorsitzenden unersetzlich. Der Aufsichtsrat winkt jedes Jahr neue Gehaltserhöhungen durch. Man kennt sich ja vom Golfen. Und sonst ist dieser Top-Mann weg. Wer hätte schon Jürgen Schrempp verjagen wollen?

Mittwoch, 6. Januar 2010

Bahnfahren dieser Tage

Nachdem an Silvester die beiden Nord-Süd-Strecken Bremen-Osnabrück-Münster-Dortmund und Hannover-Kassel gesperrt waren, hängt jetzt die Strecke Dortmund-Hannover. Nächste Woche beginnt wieder meine Reisetätigkeit. Ich hoffe, dass sich die Lage bis dahin entspannt.

Zwanzig Jahre für lau

Der Stern hat eine Gehaltsumfrage gemacht. Ergebnis: Für 50% der Deutschen haben die letzten zwanzig Jahren real (nach Abzug der Inflation) keinen Gehaltszuwachs bedeutet. Schön, wenn sich die Schöne Neue Wirtschaftswelt so positiv manifestiert. Eine hart getroffene Berufsgruppe: Informatiker, -30% Kaufkraft. Super, bin genau in der richtigen Branche tätig. Warum Informatiker so schlecht abschneiden? Meine Meinung:

Montag, 4. Januar 2010

Das Kommen der Ketten

Ich war jetzt in einigen deutschen Städten und neben den omnipräsenten Best Westerns und der Accor Gruppe (Ibis, Mercure) waren die Reihe der großen Ketten im unteren bis mittleren Preisbereich (bis 100€) spärlich gesät. Anmerkung: Die Links führen zu google maps, wo alle deutschen Standorte der jeweiligen Kette gezeigt werden.

In der Welt findet sich nun ein Artikel, der meine individuellen Eindrücke bestätigt. Der Artikel erwartet, dass sich die Situation ändert und zukünftig deutlich mehr Hotels Ketten sein werden. Die in Deutschland dominierenden Privathotels würden zurückgedrängt.

Für mich liegt der Graben aber nicht zwischen Ketten- und Privathotels, sondern zwischen neuen und alten Hotels. Bei alten Hotels, egal ob ein oder fünf Sterne, ist die Einrichtung häufig abgenutzt, die Wände sind zu dünn, der Fernseher ist ein Witz und das Badezimmer lädt nicht zum Verweilen ein. Bei neuen Hotels hingegen, wieder egal ob ein oder fünf Sterne, kann man davon ausgehen, dass diese Punkte passen.

Sonntag, 3. Januar 2010

Das Casino und der Buchgewinn

Eine populäre Metapher unserer Zeit für das Bankengeschäft ist das Casino. Die Kombination der Suchbegriffe "Bank Casino Kapitalismus" liefert bei Google immerhin knapp 80.000 Treffer. Die Metapher beschreibt schön, dass das Hauptgeschäft der Banken das Zocken ist.

Wie jede Metapher vereinfacht die Casino Metapher die Sachlage. Über die Schwächen der Metapher sollte man sich bewusst sein. Das fängt schon bei den Gewinnchancen an: Beim Roulette sind meine Gewinnchancen transparent (ich verliere pro Spiel 1/37). Bei Derivaten braucht es top Mathematiker um überhaupt ihren Wert schätzen zu können. Auch die Regeln im Casino sind derart, dass ein durchschnittlich intelligenter Mitmensch relativ schnell mitspielen kann (auch wenn er es nicht sollte). Wer mal mit Knock Out Zertifikaten hantiert hat, weiß, dass das im Bankenbereich nicht analog gilt.

Samstag, 2. Januar 2010

Sein eigenes Geld verlieren

Ein anderer deutscher Blog (egghat.blogspot.com) hat dieser Tage den Verlierer des Jahres gekürt. Zur Auswahl standen:

  • Frau Schaeffler (Schaeffler)
  • Frau Schickedanz (Arcandor)
  • Herr Wiedeking (Porsche)
Der Blog entscheidet sich für Frau Schaeffler, die in einem Jahr 90% ihres Vermögens durchgebracht hat. Auch Frau Schickedanz ist wohl nur noch einfache Multimillionärin statt Milliardärin. Beide sind ohne Frage große Verlierer. Ob Herr Wiedeking hingegen außer seinem guten Ruf und seiner hoch bezahlten Vorstandsstelle privat etwas verloren hat, bezweifele ich stark. Womit wir dann zu einem Problem unseres Wirtschaftssystems kommen.

Es ist okay, viel Geld zu verdienen, wenn man als Unternehmer tätig ist, sein eigenes Geld einsetzt und hohes eigenes Risiko trägt. Es ist problematisch, eine Bezahlung wie ein Unternehmer zu erwarten, wenn man Angestellter ist, sein sicheres Gehalt erhält und kein eigenes Risiko trägt.