Freitag, 31. Juli 2009

Vorwärts mit Andrea Nahles

Es gab mal H&M Werbeplakate, für die Autofahrer gebremst haben. Das hat zu einigen Unfällen geführt. Der jetzige Bundestagswahlkampf dürfte eher zu einem kräftigen Tritt auf das Gaspedal verführen: Hauptstraße, Angela Merkel, 15m2, Porträtbild.

Eine ähnliche Reaktion hatte ich neulich, als die aktuelle Ausgabe der Vorwärts kam. Die Vorwärts ist eines der Goodies, die mal als SPD-Mitglied erhält. Das andere ist die SPD Card. Immerhin werde ich als Student veranlagt, so dass sich die Kosten meiner passiven Mitgliedschaft in Grenzen halten. Ein Beraterleben kombiniert sich denkbar schlecht mit den mundanen Pflichten eines Ortsverein.

Das Cover und die Coverstory der Vorwärts widmen sich meiner Lieblingsgenossin, Andrea Nahles. Ein Photo zeigt Andrea in der Bibliothek. Ein anderes Bild Andrea am Bundestag...

Mittwoch, 29. Juli 2009

Die 400€ Zusatzrente

Auf den ersten Blick erscheint eine Zusatzrente von 400€ als wenig. Wenn man unterstellt, dass die laufenden Kosten (Wohnung, Nahrungsmittel, Versicherungen, ...) durch die gesetzliche Rente bzw. Vermögen (das eigene Haus) abgedeckt sind, dann können 400€ ein wesentlicher Beitrag zur eigenen Lebensqualität sein. Man kann jede Woche Essen gehen (50€), zwei Mal im Jahr Urlaub machen (2000€) oder tolle Geschenke für die Enkel kaufen (100€).

Die Frage ist nun, wieviel man bis zum Renteneintritt sparen muss, um so eine Zusatzrente zu erzielen. Ich möchte an dieser Stelle drei mögliche Lösungen präsentieren:
  1. 330 T€.
  2. 165 T€.
  3. 71 T€.
Es wird eine durchschnittliche Inflation von 2% unterstellt und ein risikofreier Zins von 5%. Der Renteneintritt liegt 37 Jahre in der Zukunft und in der Rente wird eine Lebenserwartung von 20 Jahren unterstellt. Alle Werte sind gerundet.

Montag, 27. Juli 2009

Ullas Dienstfahrt

Der Ulla wurde dieser Tage ihr Dienstwagen in Spanien entwendet. Diebe waren bei ihrem Fahrer ins Hotelzimmer eingestiegen und hatten die Schlüssel gestohlen. Die gepanzerte Mercedes S-Klasse unauffällig in Europa zu verkaufen, dürfte schwer sein. Mein Tipp ist der Export nach Afrika.

In Deutschlands Medien geht jetzt das Theater los. Man kann es wohl eine Kampagne nennen, die rein zufällig mit dem Beginn des Wahlkampfes zusammenfällt. Anstatt dass Steinmeier sein Kompetenzteam der Öffentlichkeit präsentieren kann, wird über die Ulla und ihren Urlaub berichtet.

An der Geschichte ärgern mich mehrere Sachen:

  1. Ein Politiker auf dem Level von Ulla Schmidt hat nie Urlaub. Die Trennung private Termine und dienstliche ist deshalb ziemlich witzfrei.
  2. In der Wirtschaft, wo man weniger arbeitet, besser verdient und auch sonst ein ruhigeres Leben hat, würde niemand auf die Idee kommen, einem Manager zu verbieten, seinen PKW privat zu verwenden. Wozu sonst hat man einen Dienstwagen und zahlt dafür extra Steuern?
  3. Wenn es einen Ministerposten gibt, der unpopulär ist, dann das Gesundheitsministerium. Den Wunsch nach Sicherheit kann ich da verstehen.
  4. Gibt es im Gesundheitssystem keine dringenderen Probleme als Ullas Urlaub? Zum Beispiel die Honorarreform: Die Ärzte werden dieses Jahr als Berufsgruppe Gehaltsverbesserungen von 10% erreichen, während der Durchschnittbürger mit der Sicherheit seines Arbeitsplatzes kämpft. Der Durchschnittsverdiener liegt übrigens auch nicht bei 80.000€ Jahresgehalt.
  5. Ein Wort noch an die Ärzte: Wer im Glashaus sitzt, ... Ich sag nur iPod und medizinische Pseudo-Kongresse.

Das Medientheater treibt lustige Blüten. Z.B. bei Spiegel Online. Dort heißt es:

Titel: Der gestohlene Dienstwagen war nicht versichert

Untertitel: Der gestohlene Dienstwagen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt war nicht gegen Diebstahl versichert - laut ihrer Sprecherin "gängige Praxis" bei Fahrzeugen in Bundesbesitz. [spiegel.de]

Als ehemals aktiver Fachschaftler kann ich bestätigen, dass die Länder bzw. der Bund die "gängige" Praxis haben, nichts zu versichern. Sie sind hinreichend groß, um davon auszugehen, dass die Ausfälle den erwarteten Ausfällen entsprechen. Statt nun einer Versicherung die Ausfälle + den Gewinn der Versicherung zu überweisen, spart man sich das und bezahlt die Ausfälle aus dem laufenden Etat. So die Theorie. Als wir in der Informatik versuchten, gestohlene LCD-Monitore zu ersetzen, kam von der Hochschule oder dem Land kein Geld. Jeder Lehrstuhl musste selber sehen, wo er bleibt. Damit hatte es sich dann wieder mit der gleichmäßigen Risikostreuung.

Ein anderes Beispiel ist die Berichterstattung über Ullas Reaktion auf die Anschuldigungen. Hier die FAZ:

Titel: Schmidt wirft Kritikern Übertreibung vor [faz.net]

Übertreibung suggeriert, dass dort wirklich was war. Dass Ulla selbst von "Übertreibung" spricht, unterstützt das: Die Ulla weiß selbst, dass nicht alles sauber ist. Es wird halt nur übertrieben. Andererseits lässt der Titel weiterhin die Schlussfolgerung zu, dass da mehr war. Die Übertreibung ist nur Ullas Sicht.

Wer den Artikel weiterließt, findet, dass die positiven Argumente immer direkt relativiert werden. Statt zu schreiben, dass der Bund keine Fahrzeuge versichert, wird wieder auf die "gängige Praxis" (Zitat in Anführungszeichen) verwiesen. Die indirekte Rede bestimmt den Text, wenn von Fahrtenbuch und Kosten gesprochen wird.

In der Mitte kippt der Text dann und die negativen Punkte werden vorgetragen. Hmn, welche Information bleibt beim Leser wohl haften? Der erste Redner verwehrt sich gegen eine Vorverurteilung, will "aber" Fakten sehen. Wir erinnern uns an das Aber als Kommunikationsmittel. Christine Scheel verzichtet auf das Abwarten und nennt Schmidt direkt "größenwahnsinnig". Ein CDU'ler nennt es eine "skandalöse Verschwendung von Steuergeldern". Am Ende kommt dann der ganz große Wurf. Die CSU bietet Ulla süffisant an, doch zu ihrem kleinen Fehltritt zu stehen. So schlimm sei das doch gar nicht. Wirkt nach außen nett, ist tatsächlich böse. Denn die CSU bietet Ulla nur an, dass der Ärger vorbei ist, sobald sie ihre Schuld eingesteht. Genau.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Das Ärgernis Gleitzeit

Als ich jung war, habe ich in den Ferien in einem landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet. Die Arbeitszeiten waren hart. Die Schicht fing im Sommer um 6h an. Um 9h war 15 Minuten Frühstückspause. Um 12h eine 3/4 Stunde Mittagspause. Um 15h war Schluss. Im Herbst oder im Frühjahr fing die Schicht teilweise auch erst um 7h an. Dann war um Punkt 16h Schluss.

Danach hatte ich immer Gleitzeit, aber mit unterschiedlichen Freiheitsgraden. In der Ausbildung begann die Kernarbeitszeit um 9h. Es gab einen Kartenleser, über den man sich ein- und ausstempelte. Allen, die im Haus aßen, wurden mittags automatisch 30 Minuten abgebucht. Wer rausging, musste sich ausstempeln.

Als Berater habe ich (außer den Vorschriften, die mir mein Kunde macht) absolute Gleitzeit. Einen geregelten Tag gibt es nicht mehr. Auch viele Kunden handhaben das für ihre (internen) Mitarbeiter ähnlich. Was manche als Triumph der Freiheit begreifen, sehe ich mittlerweile als eine Büchse der Pandora.

Seitdem ich Berater bin, erfasse ich meine Gleitzeit manuell, früher im Excelsheet, heute im Webtool. Bei der Erfassung stelle ich mir immer drei Fragen:

  1. Wann bin ich gekommen?
  2. Wann bin ich gegangen?
  3. Wie lange waren meine Pausen?

Durch die Verlagerung der Erfassungsverantwortung gewinnen meine Arbeitgeber Zeit von mir. Beim Kommen und gehen runde ich zum Vorteil meines Arbeitgebers. Aus 12.42h wird 12.45h. Bei den Pausen runde ich ebenfalls auf (aus 38min werden 45min). Zusätzlich überlege ich, wieviel Zeit ich für meine arbeitlichen Surfabenteuer abziehen muss, etwas, was ich früher nie gemacht hätte. Weil ich nicht musste, die Verantwortung lag gar nicht bei mir.

Wenn nichts zu tun ist, gehe ich früher. Wieder spart mein Arbeitgeber. Und wenn mehr zu tun ist, dann bleibe ich länger. Dafür gab es früher mal Überstundenzulagen.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Rente, Renteneintrittsalter und Regelaltersgrenze

Die Bundesbank hat dieser Tage die Rente ab 69 gefordert. Wolfgang Clement übertrifft diese Forderung sogar, indem er sich für eine Abschaffung des Renteneintrittsalter einsetzt.

Was Clement fordert, ist unmöglich, so lange wir in diesem Staat Rente an unsere Rentner zahlen. Das Renteneintrittsalter ist "eine statistische Rechengröße, die Auskunft darüber gibt, mit welchem Altersdurchschnitt Personen eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) in Anspruch nehmen" [wikipedia]. Den Altersdurchschnitt kann man nicht abschaffen. Clement meinte wohl die Regelaltersgrenze, also wann man ohne Abschläge auf die Rente Rentner werden kann. Aktuell sind das 65 Jahre.

Die Regelaltersgrenze ist in vielen Arbeitsverträgen von Bedeutung. Sie enthalten einen Passus, dass das Arbeitsverhältnis automatisch endet, sobald der Mitarbeiter die Regelaltersgrenze erreicht. An sich gibt es nämlich keinen Zwang, mit 65 in Rente zu gehen (für mich 67). Dies haben sich einige Mitarbeiter vergolden lassen, indem sie einfach weitergearbeitet haben, bis ihr Arbeitgeber ihnen einen Auflösungsvertrag angeboten hat.

Länger als 65 (67) zu arbeiten, lohnt sich auch so für die Rente. Einerseits zahlt man länger ein und erwirbt mehr Entgeltpunkte. Andererseits belohnt die Rentenversicherung einen späteren Eintritt (und damit eine kürzere Bezugsdauer) mit einem Zuschlagsfaktor, genauso wie sie einen früheren Eintritt mit Abschlägen bestraft. Schön erklärt wird das hier.

Lush und Gehalt: Atem der Verfolger

Um heute die Adresse zu dieser Seite weiterzusagen, habe ich gesagt: "Google einfach Lush und Gehalt." Das tut noch. Diese Seite liegt immer noch in Führung.

In der Zwischenzeit ist mir in Form des Arbeitgeber-Bewertungsportals kununu.de ein echter Rivale erwachsen. Deren Lush Seite gibt sogar wirklich Informationen zum Arbeiten bei Lush. Eine Bewertung wurde dort bisher erfasst. Wird Zeit, dass ich nachlege.

Dienstag, 21. Juli 2009

Grüße nach Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein, meerumschlungen
deutscher Sitte hohe Wacht
[...]

Wer die Zeilen nicht wiedererkennt: Das sind die ersten zwei Zeilen des Schleswig-Holstein Lieds. Hören kann man das Lied jeden Tag um Mitternacht auf RSH (Radio Schleswig-Holstein).

Wer die deutschen Sitten in Schleswig-Holstein nicht wiedererkennt: Das Lied ist mittlerweile 165 Jahre alt und dazwischen liegen vier Kriege und die Kapitalmarktabenteuer der HSH Nordbank.

Peter Harry Carstensen hat letzte Woche die von ihm geführte Große Koalition aufgekündigt. Er hatte sich über die kritischen Bemerkungen aus Koalitionsreihen echauffiert, die ihm unterstellten im Zusammenhang mit Millionenprämien bei der HSH gelogen zu haben. Stellt sich heraus: Er hat gelogen. Persönlich bevorzugt er es von Unwahrheit zu sprechen. Unwahrheit, schönes Beispiel für die mißbräuchliche Verwendung von Negation.

Es gibt einige Paranoiker wie den zurückgetrenenen Wirtschaftsminister Marnette, der dahinter einen taktischen Schritt von Carstensen wittert. Die HSH Zahlen würden auch dieses Jahr katastrophal ausfallen. Deswegen wolle Carstensen unbedingt vor der Bekanntgabe wählen lassen. Andere wittern dahinter ein wahltaktisches Manöver. Carstensen wolle von vom Charisma Angela Merkels profitieren, indem er gleichzeitig wählen lässt.

Ob die Schleswig-Holsteiner so gut beraten wären, Peter Harry wiederzuwählen, bezweifele ich. Er scheint mir klar überfordert mit den Problemen der HSH, die noch auf Jahre die Landesgeschicke bestimmen werden. Marnettes Interview nach seinem Rücktritt spricht Bände.

Was mich an der ganzen Geschichte am meisten stört, ist, dass die Dauer einer Legislaturperiode mittlerweile beliebig ist. Ich will die schlechten Neuigkeiten erst nach der Wahl verkünden? Ich will von der Popularität der Kanzlerin profitieren? Ich kann den Stegner und seine große Klappe nicht leiden? Ich wähle neu. Ich finde, so sollte es nicht sein.

Hotelfindungtester

Oh man, heute Nacht trotz Müdigkeit weniger als sechs Stunden geschlafen. Mein Hotel liegt verkehrsgünstig an Hauptstraße, Straßenbahnstrecke, Busbahnhof und Hauptbahnhof. Gerade fährt wieder ein LKW vorbei. Schön waren heute Nacht insbesondere die Güterzüge. Wer an einer Bahnstrecke wohnt, ist für weniger Güterverkehr per Bahn, nicht mehr.

Noch eine Nacht... Rache wird per Tripadvisor genommen.

Montag, 20. Juli 2009

Debranding Citibank

Wer heute den Supercup zwischen Wolfsburg und Bremen geguckt hat, sah Bremen statt eines Trikotsponsors mit dem Schriftzug "So geht Bank heute" auflaufen. Was steckt dahinter?

Werder Bremen wird auch diese Saison noch von der Citibank Privatkunden AG gesponsort. Anders als der Name suggeriert, gehört die Citibank Privatkunden AG nicht mehr zum amerikanischen VEB Citigroup. Sie wurde vor einiger Zeit an Credit Mutuelle verkauft, eine französische Genossenschaftsbank.

Credit Mutuelle leitet jetzt das Rebranding ein, um ihre Akquisition in den Konzern zu integrieren. Der Name Citibank ist in vielerlei Hinsicht verbrannt. Der VEB ist pleite. Die deutsche Citibank ist vertriebsstark und hat ihre zufriedenen Kunden z.B. mit Lehman Zertfikaten versorgt. Dass die deutsche Citibank ein Vorbild für alle Banken sein sollte, halte ich deswegen für überraschend. Na ja, die anderen machen auch weiter wie bisher.

40 Stunden - Bahn.de 2:0 !!!

Im ewigen Wettstreit zwischen mir und der Bahn-Reiseauskunft steht es seit heute 2:0!!! Statt veranschlagten 1:45h, habe ich die Strecke zum Kunden heute in 1:25h hinter mich gebracht. Wenn alles gut geht, erhöhe ich nächste Woche auf 3:0, sprich, ich lege die Strecke in 1:15h zurück.

Eine halbe Stunde auf die Reiseauskunft rauszuholen ist selten und erfordert viel Planung. Hier kurz meine Tricks.
  1. Nahverkehr I: Die Reiseauskunft kann auch Nahverkehr. Das ist ein großartiges Feature, weil man sich das Suchen bei den lokalen Nahverkehrsbetrieben spart und weil die Bahn eine sehr gute Suche anbietet. Leider ist sie zu konservativ. In meinem Fall ist es so, dass ich nach Plan mit der Bahn drei Minuten vor der Abfahrt des Busses ankomme, den ich zum Kunden nehme. Während es am Startort sinnvoll ist, mit Puffer zu planen, ist es am Zielort sinnfrei. Ich kann immer einen Bus später fahren, mit Glück und etwas Gerenne am Bahnhof aber eben auch einen Bus früher (10 Minuten).
  2. Nahverkehr II: Die Bahn kennt nur echte Stationen als Zielorte vor. Adressen kann man (noch) nicht angeben. Dementsprechend muss man selber nachgucken, welche Station für die eigene Reise die beste ist.
  3. Anschlusszüge: Um zum Kunden zu fahren, muss ich einmal umsteigen. Wenn ich um 7.30h fahre, verpasse ich einen Anschluss-Zug knapp um zwei Minuten. Selbst wenn ich früher ankomme oder der Anschluss verspätet ist, wäre es schwer für mich, den Zug noch zu kriegen, weil er auf einem anderen Bahnsteig abfährt. Wenn ich um 8.30h fahre, komme ich drei Minuten vor der Abfahrt des Anschlusszugs auf dem richtigen Gleis an. Drei Minuten sind der Bahn zu wenig, um es als Verbindung auszuweisen. Es reicht aber völlig, um einmal entspannt über den Bahnsteig zu laufen und in den Anschlusszug einzusteigen (-20 Minuten).
Heute war den Anschlusszug zehn Minuten verspätet; die Bahn wollte mir den Sieg nicht zu einfach machen. ;)

Donnerstag, 16. Juli 2009

Der große Rentenspuk

Ich hatte schon lange vor, einen Post zum Thema Rente und Altersvorsorge zu schreiben. Mir fehlte immer der Aufhänger. Die aktuellen Schlagzeilen bieten endlich genug Gründe, um ans Werk zu gehen.

Jemand, der sich mit dem Thema Altersvorsorge und Rente beschäftigt, findet reihenweise Gründe, Angst zu bekommen: den umgedrehten Tannenbaum, die Rentenlücke, das Mißverhältnis zwischen Rentern und Beitragszahlern, die immer steigende Lebenserwartung...

Wenn man den Aussagen der Finanzdienstleistern vertrauen darf, droht uns allen die Altersarmut (Hartz IV für Alte), wenn wir uns nur auf die Rentenversicherung verlassen. Alternativ müssen wir wieder wie in wilhelminischen Zeiten arbeiten, bis wir umfallen und die Rentenversicherung uns ein letztes Gnadenbrot gewährt. Andere Meinungen zur Rente, nämlich dass die umlagenfinanzierte Rentenversicherung gut und sicher ist, nehmen wir nicht ernst: Norbert Blüm, du Lachfigur.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Trotzden und Aber in der Kommunikation

In meinem ersten Jahr als Berater hatte ich zwei Schulungen: eine Grundlagenschulung Banken und eine Softskillsschulung Kommunikation. Später habe ich noch ein SOA-Werkzeugschulung gemacht und eine Fachschulung Risikomanagement.

Die Kommunikationsschulung ist Berater-Standard. Auch bei meiner neuen Firma habe ich Mitte September eine: Sicheres Auftreten beim Kunden. Standardinhalte, die man dort lernt, sind das 4-Ohren-Modell, der Feedbackburger, Pacing und Leading, ...

Der Punkt, den ich in meinem Alltag am meisten beachte, ist die Vermeidung von Negationen, z.B. nicht, nein, aber, trotzdem, jedoch, ... Ein einfaches Beispiel: "Hast du keine Lust mit ins Schwimmbad zu kommen?" - "Nein, ich komme gerne mit."

  • Schon die Frage ist schlecht formuliert. Der Fragesteller hätte auch einfacher fragen können: "Hast du Lust mit ins Schwimmbad zu kommen?"
  • Die Antwort ist ebenfalls ungüstig. Logisch richtig (Negation der Negation), inhaltich schwer zu verstehen. Viel besser wäre natürlich: "Ja, ich komme gerne mit".

Eine Negation, wo man sehr häufig daneben greift, ist aber. Aber drückt einen Widerspruch aus. Viele verwenden es jedoch als Ersatz für Und, also als Bindewort. "Ich war heute um 5h schon wach, aber gefrühstückt habe ich erst um 7h". Hier könnte genauso gut "und" stehen bzw. das Bindewort kann auch ganz entfallen.

Abgesehen davon, dass sie inhaltlich nicht passt, bereiten Negationen unserem Gehirn große Probleme. "Denke nicht an den rose Elefanten" ist ein klassisches Beispiel dafür. Ein anderes Beispiel aus der Kindererziehung: "Fass nicht auf den Herd."

Diesen Effekt kann man natürlich auch mißbrauchen: "Niemand würde ihm unterstellen, eine Affäre mit seiner Sekretärin zu haben". Genau das tut man dann aber.

Heute in der Welt findet sich ein ähnliches Beispiel. Die Welt hat eine Imagestück über die großartige Europäerin und Liberale Koch-Mehrin. Darin heißt es:

"Die Liberale tauchte mehr in den Medien auf als in den Sitzungsprotokollen des Hohen Hauses.

Trotzdem ist Koch-Mehrin weitaus bekannter als Schulz oder der ehemalige Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering." [welt.de]

Dass das Tingeln durch deutsche Talkshows den Bekanntheitsgrad eines Politikers deutlich positiver beeinflusst als die Teilnahme an Parlamentssitzungen, sollte jedem klar sein. Das "Trotzdem" hat hier inhaltich nichts zu suchen. Es dient allein der Verschleierung. Der Widerspruch soll dort stehen, damit der Leser glaubt, es wäre eine echte Leistung von Frau Koch-Mehrin.

Dienstag, 14. Juli 2009

Über den Kunden reden

Ich habe in einer mittelgroßen Stadt Informatik studiert, nennen wir sie mal Karlsruhe*. Die Größe hatte Vor- und Nachteile. Vorteile: Man konnte überall zu Fuß hin und es war nicht anonym. Nachteile: Es gab keinen Ansons (kleiner Insider) und man traf Leute immer zur falschen Zeit. Mir erging es häufig so, dass ebendie Person direkt hinter mir stand, über die ich gerade lästern etwas erzählen wollte. Mit der Zeit habe ich mir den Karlsruhe*-Blick angewöhnt: Bevor ich über eine Person reden würde, schaute ich mich im Raum um, um wirklich sicher zu sein, dass sie nicht dort wäre.

Diesen Blick habe ich aus meiner Studienzeit mitgenommen. Viele Gesprächspartner sind überrascht, wenn ich mitten im Satz aufstehe, mich im Raum umgucke und mich dann wieder setze, um den Satz fortzuführen. Man kann es Paranoia nennen, ich nenne es eben meinen Karlsruhe*-Blick.

Als Berater hat mir dieses Verhalten partiell geholfen: Der Kunde ist ebenfalls überall. Wenn man abends mit Kollegen unterwegs ist, kann es sehr gut sein, dass Interne aus der Nachbarabteilung gleich am Nachbartisch sitzen. Gerade in kleinen Provinznestern sind die Ausgehorte stark eingeschränkt, so dass man sich regelmäßig über den Weg läuft. Noch häufiger trifft man andere Externen: Die haben abends auch nichts zu tun.

Neben den Aktivitäten unter der Woche sind An- und Abreise gefährlich, es sei denn man fährt Auto. Die Reisezeiten von Beratern und Kunden sind ähnlich und der Zielort auf der Hinreise gleich (bzw. der Startort auf der Rückreise). Das heißt, mit einiger Wahrscheinlichkeit ist der Typ mit dem Laptop neben mir ein Berater von einer anderen Firma, der eine Etage höher zu High Frequency Trading berät.

In all diesen Situationen wäre es sehr hilfreich, nicht über den Kunden und die Arbeit zu reden. Das ist nur verdammt schwer. Wenn das Projekt toll ist, möchte man davon erzählen. Und wenn das Projekt Mist ist, ebenso. Wenn der Kundenverantwortliche beim Mittag dabei ist, erzählt man von Akquise-Chancen. Und wenn der Vorstandsvorsitzende wieder eine großartige Email geschrieben hat, dann ruft man den Kollegen in München an und hat einen gemeinsamen Lacher.

Was ich deshalb versuche, ist meine Kommunikation zu anonymisieren, soweit das möglich ist. Ich verwende nie den Namen des Kunden in einem Gespräch, höchstens den ersten Buchstaben des Nachnamens. Ich lasse die Gegenseite Inhalte raten und bestätige dann nur mit Ja/Nein. Ich versuche ein stilles Plätzchen für mein Gespräch zu finden bzw. das Gespräch aufzuschieben

Zum letzten Punkt: Wir hatten mal einen Büronachbarn von einer anderen Beratung. Der ist selbst im Winter vor die Tür gegangen, um interne Telefonate zu machen. War schon lustig, wie er vor unserem Fenster hoch und runtergelaufen ist. So muss es sein.

Sonntag, 12. Juli 2009

Betriebsbedingte Kündigungen bei Beratern

In diesen Tagen sollen einige Beratungsfirmen betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Die Auftragslage ist schlecht, insbesondere in der Automobilwirtschaft. Die Tagessätze fallen und die Beauftragungen werden kürzer. Und die Berater-Goldgrube viele strategische Großprojekte stehen auf hold. Den Kunden erscheint ein ROI nach fünf Jahren in der gegebenen konjunkturellen Lage als zu langfristig (ROI = Return on Investment --> Gewinn). Lieber investiert man in kurzläufige Projekte, die kleine, aber schnelle Gewinne versprechen.

Einen Beraterkollegen hat es bereits erwischt. Er hat mit seiner Firma eine Abfindung ausgehandelt, die sich im Bereich eines Monatsgehalts pro Jahr Betriebszugehörigkeit befand. Ganz ordentlich, wenn man schon ein paar Jahre dabei ist. Mist, ich hätte nicht von mir aus kündigen sollen, sondern auf das Angebot warten müssen...

Wenn man dem Internet glauben darf, ist die Regelabfindung ein halbes Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit. Mein Kollege hat also einen sehr guten Schnitt gemacht. Die Internetquelle sagt dazu:

"Wenn vornherein und zweifelsfrei feststeht, dass die von Ihrem Arbeitgeber ausgesprochene Kündigung unwirksam ist, so können Sie in der Regel darauf bestehen, dass der Arbeitgeber die "Regelabfindung" zahlt." [dr-hildebrandt.de]

Das heißt, bei ihm muss sich die Firma mehr als zweifelsfrei sicher gewesen sein, dass sie große Probleme mit der betriebsbedingten Kündigung gehabt hätte. Schließlich hat sie deutlich mehr als die Regelabfindung gezahlt.

Bei einer betriebsbedingten Kündigung gibt es zwei wesentliche Punkte, die der Arbeitgeber beachten muss:

  1. Der Kündigungsgrund: Dieser kann inner- oder außerbetrieblich sein. Innerbetriebliche Kündigungsgründe sind zum Beispiel ein Outsourcing der Kantine an einen externen Anbieter. Die miese Auftragslage und die daraus resultierende fehlende Arbeit stellt einen außerbetrieblichen Grund dar.
  2. Die Sozialauswahl: Bei der Kündigung ist eine Sozialauswahl vorzunehmen. Diese betrifft Mitarbeiter mit vergleichbaren Arbeitsplätzen und gleicher Hierarchiestufe im gesamten Betrieb. Sie muss nach festen Kriterien erfolgen (Betriebszugehörigkeit, Schwerbehindert, Alter, Unterhaltspflichten).
Bei Beratern wird man davon ausgehen können, dass der Kündigungsgrund außerbetrieblicher Natur ist: die Auftragslage. Nur: Die Aufträge mögen fehlen, die Arbeit nicht. Wozu machen die Kollegen in den anderen Projekten denn die ganzen Überstunden? Durch eine Umverteilung der Arbeit wäre ein Weiterbeschäftigung des Mitarbeiters ohne weiteres möglich, was eine betriebsbedingten Kündigung erschwert.

Dass eine Beratung nicht profitabel arbeiten kann, wenn ihre Mitarbeiter alle 40 Stunden arbeiten, steht auf einem anderen Blatt. Ich stelle mir gerade den Vice President einer Beratung vor, der vor Gericht darlegen muss, dass Verletzungen des Arbeitszeitgesetzes die Norm sind und dass ohne diese Verletzungen die ganze Branche dicht machen könnte. Lustig.

Neben dem Kündigungsgrund ist die Sozialauswahl für eine Beratung eine unmögliche Hürde. Dazu muss man sich klarmachen, dass Mitarbeiter gleicher Kompetenz eben nicht ohne weiteres austauschbar sind. Angenommen Mitarbeiter A (29 Jahre, männlich, zwei Jahre Betriebszugehörigkeit, keine Kinder) ist bei einem Kunden in einem Projekt, das noch sechs Monate läuft. Der Kunde ist zufrieden und möchte, dass A das Projekt zu Ende bringt.

Mitarbeiterin B (35 Jahre, weiblich, sieben Jahre bei der Firma, keine Kinder, gleiche Hierarchiestufe wie A) ist eine erfahrenere Kollegin als A. Sie ist momentan ohne Projekt und es ist auch nichts in der Pipeline.

Die Sozialauswahl in diesem Beispiel ist klar: Mitarbeiter A muss gehen (Alter, Betriebszugehörigkeit). Für Mitarbeiterin B wäre dann das Projekt von A frei und sie könnte dort dann arbeiten und Geld für die Firma verdienen.

In der realen Welt würde das natürlich nicht funktionieren. Der Kunde will Mitarbeiter A für sein Projekt. Der ist eingearbeitet, hat Erfahrungen und einiges an Wissen gesammelt. Deswegen sieht der Kunde überhaupt nicht ein, warum er momentan - "in dieser kritischen Projektsituation" - einen Wechsel der Personalie akzeptieren soll. Im schlimmsten Fall könnte ein solcher Wechsel den Kunden dazu bringen, die Beratungsfirma ganz rauszuschmeißen.

Das heißt, eine Beratung kann es sich gar nicht leisten, eine korrekte Sozialauswahl zu machen. Stattdessen ist das Kriterium: Gekündigt wird, wer ohne Projekt ist. Dass das vorm Arbeitsgericht schwierig zu verklausulieren sein könnte, ist klar.

Ich bin kein Anwalt und das war nur meine Meinung.

Samstag, 11. Juli 2009

Über Zeiten reden

Eine Sache, die ich mir als Berater angewöhnt habe, ist im Gespräch mit dem Kunden immer mal wieder die Uhrzeiten einfließen zu lassen, zu denen ich komme oder gehe. Statt zu sagen "Heute morgen gab es schon Probleme mit dem Server." sage ich "Heute morgen um 8h, als ich gekommen bin, gab es schon Probleme mit dem Server." Genauso sage ich, wenn ich nachmittags ein Gespräch habe, wann ich beabsichtige zu gehen. "Ich bin noch bis 18h da, falls was ist."

Dieses Verhalten gründet sich darin, dass es Kunden immer sehr schwer fällt, einem Berater seine Zeiten zu glauben. Sie unterstellen gerne, dass man mehr Stunden berechnet, als man tatsächlich gearbeitet hat. Verschärft wird die Situation, wenn der Kundenverantwortliche andere Arbeitszeiten schätzt als man selbst (Morgenmensch vs. Morgenmuffel). Da kann es dann passieren, dass man Wochen später über die Rechnung diskutiert und die dort eingetragenen Zeiten. Deswegen ist es mir wichtig, dem Kunden bereits vor Eingang der Rechnung meinen Arbeitseinsatz darzustellen.

Am Freitag ist mir der Fehler unterlaufen, dass ich gesagt habe, ich würde später fahren. Ich wusste da nicht, dass es schon früher eine sehr gute Verbindung nach Hause gab. Man kann jetzt sowas stehen lassen und hoffen, dass es niemandem aufgefallen ist. Ich handele da aber lieber proaktiv und stelle das von mir aus richtig: "Freitag hatte ich richtig Glück, ich habe noch den Zug einen früher gekriegt."

Freitag, 10. Juli 2009

Internet für Berater

Ich habe diese Woche zwei Dinge unternommen, um auf der Arbeit ungestört surfen zu können:

  1. Ich habe Firefox so konfiguriert, dass ich möglichst unscheinbar surfen kann.
  2. Ich habe mir privat einen Tchibo UMTS-Stick gekauft.

Was einem beim Surfen bereits aus der Ferne verrät, sind die vielen bunten Schriften, die Bilder und die Videos. Spiegel Online erkenne ich selbst dann, wenn ich 10 Meter entfernt auf den Monitor eines Kollegen gucke, der einen Großteil des Monitors mit seinem Körper verdeckt und der just in diesem Moment das Fenster minimiert. Okay, das plötzliche Minimieren eines Fensters, wenn ein Kollege um die Ecke kommt, ist an sich verräterisch.

Als Antwort auf diese Problematik habe ich verschiedene Einstellungen im Firefox vorgenommen:

  1. Bilder laden ist abgeschaltet.
  2. Alle Plugins, die Mediendateien abspielen, sind deaktiviert.
  3. Ich habe für die Seiten ein Standardformat vorgegeben. Alle Schriftarten verwenden eine kleine Schriftgröße. Alle Schriftfarben stammen aus der Grau-Schwarz-Ecke.
  4. Adblock Plus ist aktiviert.

Mit diesen Änderungen sieht Spiegel online dann so aus:



Der Wiedererkennungswert der Seite ist reduziert. Leider bleiben die Überschriften, die Ränder und das generelle Layout, so dass man gängige Standardseiten wie Spiegel.de immer noch erkennt. Wer dicht davor steht, kann auch einfach den Tab-Reiter anschauen:



Um wirklich privat zu surfen, sollte man lynx installieren. Lynx ist ein Textbrowser, der insbesondere von Sehbehinderten verwendet wird. Alternativ bietet es sich an, einen RSS Reader statt eines Browsers zu verwenden. Meine Vision ist ein Browser, der alle Seiten als Worddokumente darstellt.

Neben den Änderungen an der Darstellung habe ich auch eine Änderung des Zugriffs vorgenommen. Beim Kunden - und hierbei insbesondere bei Banken - privat zu surfen ist so eine Sache. Die Sicherheitsvorgaben bei Banken sind streng und fast alles wird mitprotokolliert.

Auch mit der Firmen-UMTS-Karte ist man nicht besser dran. Auch hier wird man überwacht. Gerade in Zeiten, wo der Restruktutrierungsbedarf steigt, könnte privates Surfen seitens des Arbeitgebers gegen den Arbeitnehmer verwendet werden.

Deshalb bin ich jetzt bei Tchibo. Tchibo bietet einen UMTS-fähigen Internet Stick für 50€ an. Für 20€ im Monat kann man dazu eine Flatrate erwerben. Die Flatrate ist prepaid, es besteht also keine Vertragsbindung. Die Verbindung zum Internet erfolgt über das O2-Netz. O2 hat in Sachen Netzabdeckung und -qualität nicht den besten Ruf. In meinem Fall ist es so, dass ich auf der Arbeit keine UMTS-Verbindung habe, sondern klassische 56k. Die niedrige Verbindungsgeschwindigkeit wird jedoch wunderbar kompensiert durch meine obigen, arbeitsoptimierten Browsereinstellungen. Das bandbreitenfressende Datenvolumen sinkt dramatisch, wenn man auf Bilder und Videos verzichtet.

Der Prepaid-Tarif bietet für mich einen großen Vorteil: Ich kann mir für jeden Monat eine Rechnung geben lassen. Wenn ich - wie aktuell - beim Kunden bin und ich dort nicht ins Internet komme, kann ich ohne Probleme die Monatsrechnung zur Erstattung einreichen. Wie sonst soll ich an Firmenemails kommen oder Informationen nachschlagen? 20€ sind ohnehin nicht die Welt. Wenn ich nicht beim Kunden bin und keine Erstattung bekomme, kann ich mir den Stick auch sparen.

Gegenüber einer Firmen-UMTS-Karte entstehen mir also bei beruflicher Nutzung nur Mehrkosten von 50€. Das ist in meinen Augen tragbar. Besonders wenn man den entscheidenen Vorteil dieser Konstruktion bedenkt. Der Internet Stick und der Vertrag gehören mir alleine. Meine Firma kann also in keiner Weise an Daten zu meinem Surfverhalten gelangen, eine gute Investition, wie ich finde.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Der Berater Hemdensprint

Ich hatte am Montag Abend mit meinem Chef einen Termin beim Kunden, um mich vorzustellen. Der Termin lief so la la. Sie wollten gerne Erfahrungen in der bei ihnen eingesetzten Komponente, die Marktrisiko abdeckt. Ich hingegen verfüge über Erfahrungen mit einer anderen Komponente der Produktfamilie, für Kreditrisiko.

Beide Komponenten werden unter demselben Namen vertrieben, es sind aber zwei ganz unterschiedliche Produkte. Eins ist webbasiert, das andere läuft serverseitig. Immerhin verwenden beide das gleiche Farbschema. Der Kunde fragte diesen Unterschied im Gespräch noch einmal explizit nach und verzog das Gesicht, als ich "Nein, mit [...] habe ich keine Erfahrung" antworten musste.

Für den Termin hatte ich Sonntag Nacht extra noch zwei Hemden gebügelt. Ich bügele nicht mit Dampf (saut immer so rum), sondern nutze einen Pflanzenbefeuchter. Der Pflanzenbefeuchter hat den Nachteil, dass die Wäsche nach dem Bügeln noch etwas feucht ist, wenn man ungenau sprüht. Das war der Fall, so dass ich die Hemden zum Trocknen aufgehangen habe.

Am Morgen bin ich dann nach Frankfurt gefahren. Im T-Shirt, es war heiß und ich wollte mein Hemd nicht vollschwitzen. Als ich mich dann um 14h für den Termin umziehen wollte, öffnete ich meinen Koffer und die Hemden waren nicht da. Die hingen immer noch im Schrank in meiner Wohnung.

Meine Kollegen mussten lachen. Ich musste laufen. Ich bin schnurstracks zum Kaufhof in der Zeil und hatte 15min Zeit mir ein Hemd auszusuchen. Momentan ist Sommerschlussverkauf und mein Ziel war, ein günstiges Hemd zu kaufen (deutlich weniger als 50€). Im Kaufhof hingen überall Rabatt-Schilder. Nur waren die reduzierten Hemden entweder kurzärmlig oder hässlich, so dass ich am Ende doch ein Olymp Hemd zum Normalpreis genommen habe (50€). Am Rande: Kurzärmlige Hemden sollten in komplett getrennten Bereichen verkauft werden, um Verwechslungen auszuschließen. Und: Um günstige Klamotten zu schießen, muss man ausreichend Zeit mitbringen.

Angezogen habe ich mein neues Hemd auf dem Zugklo. Es war die Behindertentoilette, ich hatte viel Platz. So bin ich dann zum Bewerbungsgespräch.

Gestern kam dann die Zusage. Der Kunde ließ sich durch einige Tage Einarbeitungszeit free of charge umstimmen. Ich hatte bereits im Bewerbungsgespräch ein Stückchenweit das Gefühl, dass es ihm darum ging, meine niedrige Qualifikation zu dokumentieren, um so Verhandlungmasse zu bekommen. Es sollte nächste Woche losgehen.

Heute Nachmittag hieß es dann, dass es morgen (Donnerstag) losgehen soll. Kein Problem, ich wollte ohnehin heute mit meiner Bahncard 100 nach Hause fahren, wo meine beiden gebügelten Hemden hingen. Dann hatte ich aber noch eine spätabendliche Besprechung und musste doch in Frankfurt bleiben. Damit hatte ich kein Hemd. Also bin ich nach der Besprechung (7.40h) wieder ab in den Kaufhof und hatte wieder 15min Zeit mir ein Hemd auszusuchen. Diesmal J. Britt, heruntergesetzt auf 50€. Hätte ich zwei Teile genommen, hätte ich zusätzliche 20% Rabatt erhalten.

Oh man. Morgen Abend fahre ich aber nach Hause, statt mir diese Woche noch ein drittes Hemd zu kaufen! Ich freue mich daraus, endlich wieder das Projektleben aufzunehmen. Marktrisiko. Das fehlt noch.

Montag, 6. Juli 2009

Bahncard 100

Meine Mobility BahnCard 100 ist da! Sie ist per Einschreiben gekommen, so dass ich heute morgen erst mal zur Post musste. Ein Jahr Bahnfahren bis zum Umfallen. Heute bin ich gleich 2x ICE gefahren. Nachher noch ne Runde S-Bahn.

Wegen der Nutzung im Nahverkehrsbereich musste ich erst einmal nachgucken, für welche Gebiete die Bahncard 100 Mobility BahnCard100 gilt. Grob gesagt in allen Gebieten, die das City-Ticket abdeckt. Hinzu kommen alle Nahverkehrszüge, die die Deutsche Bahn betreibt. Das Ticket gilt immer, also unabhängig davon, ob man zum Bahnhof fährt oder vom Bahnhof kommt. Wichtig ist allein, dass man innerhalb der vorgegebenen Grenzen bleibt. In München fehlt zum Beispiel Ismaning, d.h. dorthin dürfte man mit der S-Bahn (Zug) hinfahren, aber nicht den Bus nutzen.

Sonntag, 5. Juli 2009

Und immer wieder Arcandor

Die Schlagzeilen zu Quelle und Arcandor bringen mich immer wieder zum Lachen. Kaum sagen Land und Bund den Massekredit für Quelle zu, stoppen die Druckereien erneut die Auslieferung des Katalogs. Hieß es nicht, der Massekredit würde benötigt, um genau diese Auslieferung zu ermöglichen?

Die Druckereien haben die berechtigte Sorge, nicht bezahlt zu werden. Quelle ist schließlich insolvent. Der Insolvenzverwalter bittet sie um "Vorleistung", also einen Lieferantenkredit an ein insolventes Unternehmen. An keiner Stelle kann ich lesen, dass der Insolvenzverwalter zusagt, dass er die vollen Forderungen begleichen will und wann. Tatsächlich sagt der Insolvenzverwalter, dass er "rechtlich verbindliche Zusagen nicht erteilen" kann, da er noch keinen Überblick über die Finanzen von Quelle hat.

Wenn eine Druckerei unter diesen Umständen auf gut Glück produziert und ausliefert, verhielte sie sich ziemlich bescheuert. Das einzige Pfand, das sie hat, um sich schadlos zu halten, ist es, die Auslieferung erst dann vorzunehmen, wenn das Geld da ist. Quelle kann gar nicht anders, als den Katalog zu kaufen. Ansonsten können sie den Laden gleich dichtmachen. Wenn der Katalog drei Wochen später rausgeht, ist das keine Katastrophe.

An anderer Stelle hat Karstadt seine Lieferanten kontaktiert. Karstadt bietet an, 75% der offenen Lieferantenforderungen zu begleichen, die vor der Insolvenz aufgelaufen sind. Für Ware, die nach der Insolvenz gekauft wurde bzw. werden soll, will Karstadt 100% bezahlen (sonst würde auch keiner mehr liefern).

Die 75% sollten den Lieferanten nicht allzu sehr weh tun. Die Möglichkeit einer Arcandor-Insolvenz bestand bereits seit einiger Zeit. Ein Lieferant mit angemessenem Risikomanagement wird die Zahlungsmodalitäten umgestellt haben oder eine Kreditversicherung abgeschlossen haben. Wenn man durch die Kreditversicherung von den verbleibenden 25% 60% zurückerhält, ist der Schaden relativ harmlos (75% + 25% * 60% = 90%).

Donnerstag, 2. Juli 2009

Modern Times sind zurück

Ich habe mich immer gefragt, wie die Große Depression war: Massenarbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Machterergreifung der Nazis ... Ich kann mir das sehr schwer vorstellen. Die einzigen Bilder, die ich mir mache, sind Ausschnitte aus Charlie Chaplins Film Modern Times und die Schlangen vor den Suppenküchen.

Über unsere jetzige Krise war ich lange Zeit verwundert. Einerseits sei es die größte Krise seit der Großen Depression. Andererseits sehe ich kein Elend, das im entferntesten an meine Vorstellung der Großen Depression heranreicht. Wenn ich samstags in die Einkaufszone gehe, sehe ich volle Läden mit munteren Konsumenten, die fleißig für die Konjunktur shoppen. Rabatte werden beworben, aber das ist für mich gängiges Marketing. Auffallen tut höchstens die hohe Anzahl von Ladenaufgaben und der "Zu Vermieten"-Schilder.

In meinem erweiterten Bekanntenkreis kannte ich bis vor kurzem niemanden, den es erwischt hätte. Das hat sich dieser Tage geändert und die schlechten Nachrichten häufen sich.

  • Bei meiner alten Firma wurde die Kurzarbeit ausgeweitet, weil im Automobilbereich die Aufträge wegbrechen.
  • Ein Bauingenieur erzählte mir, dass sein Ingenieursbüro kein Projekt in der Pipeline hätte. Kollegen seien schon entlassen und ihn würde es wohl erwischen, sobald sein aktuelles Projekt ausgelaufen sei.
  • Der Nachbar meiner Eltern arbeitet im Maschinenbau und die Hausbank fordert eine "Restrukturierung" seines Betriebes, was auf Entlassung hinausläuft.
  • Ein Beraterkollege erhielt die Kündigung, betriebsbedingt versteht sich.

Was mir zu denken gibt, ist die zeitliche Häufung der Ereignisse. Mir scheint es so, dass viele Firmen das erste Halbjahr noch abgewartet haben in der Hoffnung, danach das Tal durchschritten zu haben. Das Halbjahr ist rum und man stellt fest, dass die Talsohle noch gar nicht erreicht ist. Jetzt reagiert man, was die Konjunkturprobleme wieder verschärft.

An eine schnelle Erholung mag ich nicht glauben. Die Probleme werden sich sicher noch mindestens ein Jahr ziehen. Ich hoffe nicht, dass ich mir Mitte 2010 sehr viel besser vorstellen kann, wie die Große Depression war.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Berater und Bewerbungen

Wenn es eine Sache gibt, die man als Berater übt, dann sind es Bewerbungen. Man hat immer einen aktuellen Lebenslauf, der professionell durch die eigenen Chefs getunet wird. Man soll verkauft werden und der Lebenslauf repräsentiert die Ware, die die Firma verkauft: Menschen.

Daneben hat man regelmäßig Bewerbungsgespräche. Für den Tagessatz, den der Kunde zahlen soll, nimmt kein Kunde die Katze im Sack, sondern möchte die Kandidaten persönlich kennenlernen. Außerdem soll der Kandidat zum Team passen. Das überprüft der Kunde im Gespräch, teils per Telefon, teils in persona. Bisher hatte ich ein Gespräch pro Jahr, IT-Projekte laufen etwas länger. Und bisher ist meine Quote in Ordnung. Mal sehen, wie es weiterläuft. ;)