Samstag, 31. Juli 2010

Arbeit Gehalt Mindestlohn FDP

Vor langer Zeit hatte ich mal einen Post falsch getaggt. Statt die Labels mit Komma zu trennen, habe ich Leerzeichen verwendet. Blogger hat dann ein Label statt vier gemacht. Ich habe den Fehler schnell bemerkt und auch korrigiert.

Nur hatte irgendjemand in der Zwischenzeit einen Link auf genau dieses Label gesetzt. Besucher, die über diesen Link reinkamen, fanden dann eine leere Seite mit dem Hinweis "Keine Posts mit Label Arbeit Gehalt Mindestlohn FDP".

Und weil heute wieder zwei Besucher eine leere Seite vorfanden, hier ein kleiner Willkommenspost. Wer sich für Arbeit, Gehalt, Mindestlohn oder FDP interessiert, findet unten die richtigen Labels. Ich schreibe viel über Arbeit, böse über die FDP, bin pro Mindestlohn und Gehalt krieg ich (wie alle anderen auch) zu wenig.

Falls mir jemand verraten kann, wo dieser ominöse Link ist, wäre ich sehr dankbar.

Ehegattensplitting und Steuerprinzipien

Wer politisch interessiert ist, kennt das: das Lamentieren gegen den Subventionsstaat. Hotelmehrwertsteuerminderung oder EEG-Solarförderungen sind dabei nachvollziehbare Aufreger.

Wer aber Merz’sche Radikalität in sein Denken inkorporiert, kommt schnell auf die zwei Hauptsteuersubventionen in Deutschland: das Ehegattensplitting und die Pendlerpauschale. So schreibt nigecus zum Ehegattensplitting:

"Es macht keinen Sinn Ehepartner, die weder Kinder erziehen oder Kinder in die Welt gesetzt haben, steuerlich besser zu stellen (Steuerklasse III und IV) nur weil die einen Trauschein haben. Ich würde das Kriterium Ehe komplett aus den Steuerklassen rauswerfen. Ein blödes Beispiel: Man könnte ja einfach seinen WG-Genossen heiraten, um in bessere Steuerklasse zu rutschen (Das würde zwar gegen die goldene Regel verstoßen mit seien WG-Partner herumzumachen, aber wer will das schon kontrollieren, dass man nixht die Kiste miteinander teilt. Wenn der offizielle Ehe-partner dann seinen Traummensch gefunden hat, wird sich einfach geschieden)."

Ich teile die Meinung nicht und hier meine Replik auf nigecus. Zur Pendlerpauschale komme ich später (Wochen, Monate, Jahre…)

Der Grundgedanke bei der Einkommenssteuer ist, dass jeder gemäß seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert wird. Wer viel verdient, zahlt mehr Steuern und zwar nicht nur als absolutem Betrag, sondern eben auch als Prozentsatz. Das Prinzip heißt progressive Besteuerung. Kirchhoff-Radikale könnten das bereits als Subvention deklarieren. Schließlich zahlen Reiche 42% und Arme gar nichts. Flat tax olé!

Dienstag, 27. Juli 2010

Fast gar nichts ist nicht nichts

Viele Berufe sind mit gewissen Stereotypen verknüpft. Sei es bei Psychologen, in deren Gegenwart viele Laien direkt die Sorge drückt, auf psychische Krankheiten abgeklopft zu werden. Sei es bei Ärzten, denen man unterstellt, sie seien allwissende Generallisten und könnten sowohl bei der Pustel auf dem Rücken als auch bei Verdauungsproblemen helfen. Tatsächlich kann man froh sein, wenn ein Facharzt sein eigenes Fachgebiet überblickt geschweige denn beherrscht... Oder sei es bei IT-Beratern im Bankenumfeld. So wie mir.

Einerseits hören viele "Berater" und meinen direkt, ich wäre hochbezahlt, mein Heim sei das Vorstandsbüro und meine Hauptaufgabe die strategische Vernichtung von Arbeitsplätzen per Powerpointfolie. Weit gefehlt. Mein Gehalt ist alles andere als exorbitant, viele meiner Freund verdienen signifikant mehr als ich. Einen Bankvorstand habe ich bis heute noch kein Mal gesehen. Und Powerpointfolien baue ich gefühlt dreimal im Jahr. Selbst die werten Strategieberater sind nicht jeden Tag mit Motorsäge und Hackebeil unterwegs, um ihre Tagessätze zu rechtfertigen.

Anderseits hören viele Bank und nehmen mich direkt in Sippenhaft. Die Unsummen, die die Krise gekostet hat, wollen gerechtfertigt werden. Ich sag' dann immer, dass ich die kleinste Leuchte in der Bankenwelt bin: ein Externer in der IT, bei dem fast gar nichts vom großen Kuchen ankommt. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass a) fast gar nichts nicht nichts ist und b) ich meine begrenzten Ressourcen einer Branche zur Verfügung stelle, deren Rolle im großen wirtschaftlichen Ganzen ich hier regelmäßig kritisiere.

Zu meiner Rechtfertigung sei gesagt, dass es eher der Zufall war, der mich herbrachte. Ich hatte Vorstellungsgespräch bei einer IT-Beratung und wurde von denen zufällig dem Ressort Banken und Versicherungen zugeordnet. Es klappte und ich ging hin. Dann kam die Krise und es war tatsächlich ganz witzig, an der IT mitzubauen, während oben die Finanzwelt wackelte. Ich hätte damals das Interview für die Tagesschau machen sollen, als sie vor der Tür standen. Und heute ist es so, dass ich eben am besten für Banken qualifiziert bin. Die Branche bietet gute Arbeitsbedingungen, ich sehe mich im Vergleich zum Durchschnittsinternen als gut qualifiziert und es wird auf absehbare Zeit weiterhin Banken geben. Ich sehe mich also auch zukünftig als Subventionsnutznießer. Deswegen an dieser Stelle nochmal das obligatorische Dankeschön an den deutschen Steuerzahler.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Leder statt Velours

Ein Platznachbar im Zug erzählte mir mal folgende Anekdote, als wir ohne Strom im Winter auf den Rangiergleisen standen (sprich ohne Licht und Heizung). Sein Zielbahnhof war ein Kopfbahnhof und Endstation des Zuges. Sein Zug fuhr mit der ersten Klasse zuvorderst ein, er hatte ein 2. Klasse Ticket. Um seinen Bus zu erwischen, lief er durch die erste Klasse zum Kopf des Zuges. Ein Schaffner stellte ihn und verpasste ihm ein Ticket für Schwarzfahren. Im Nachgang widerrief die Bahn dann das Ticket. Ach ja, er hatte die kleine Schwarze.

Generell achtet die Bahn hoch penibel darauf, ihre Kunden in zwei Klassen aufzuteilen. Es ist irrelevant, ob sich in der zweiten Klasse die Passagiere stapeln, die Klimaanlage ausgefallen ist, wegen Wartungsarbeiten ohnehin nur mit einem Zugteil gefahren wird und in der ersten Klasse zufälligerweise alles frei ist. Die Freigabe der ersten Klasse für Passagiere der zweiten Klasse ist nahezu undenkbar für die Bahn und ihr Personal. Ehrlich: Die Freigabe der ersten Klasse ist mein persönliches Moby Dick Ereignis.

Ich bin seit Jahren Bahn.Comfort Kunde. Ich mache also seit Jahren locker über 2000€ Umsatz im Jahr. Wie ich finde viel Geld. Weder ist die Bahn in dieser Zeit von sich aus auf die Idee gekommen, mir ein Upgrade in die erste Klasse zu geben, wenn vorne mal wieder Plätze leer geblieben sind. Noch findet sie es unangemessen, selbst innerhalb der Gruppe der Comfort-Kunden zwischen Comfort Kunden erster und zweiter Klasse zu unterscheiden: Die DB Lounges in Hamburg und München haben getrennte erste und zweite Klasse-Bereiche.

Die Begründung für die Klassifizierung der Kundschaft in gute und schlechte Kunden wird die Bahn mit dem Mehr begründen: Sie zahlen mehr, dafür behandeln wir sie besser. Eine simple, eingängige Logik. Und eine Logik, die in unserer Gesellschaft verbreitet ist. Die jüngste Ergänzung des Bundeskabinetts, Familienministerin Dr. Köhler Schröder, würde hier eine non-egalitaristische Wertehaltung unterstellen. Nicht egalitaristisch war wohl auch ihre Promotion, zweiter Klasse.

Im Falle der ersten Klasse bei der Bahn braucht es jedenfalls keine abstrakten Wertedebatten. Hier ist das Mehr konkret nachvollziehbar:

Sieht nach viel aus… 

Freitag, 16. Juli 2010

Offenbarungen von und zu McKinsey

McKinsey wird dieser Tage mit reichlich Spott überschüttet (s. Blick Log, Nigecus). Auslöser ist eine publizierte Studie zu der Zukunft der Vermögensverwaltung (Asset Management), in der primär banale Allgemeinplätze auftauchen:
  1. Regulatorische Anforderungen sind regulatorische Anforderungen.
  2. (Produkt-)Innovation* steigert Rendite.
  3. Der Kunde ist König.
*Kurzer Disclaimer: Für mich gibt es weder Innovation noch Produkte bei Banken geschweige denn Produktinnovation.

Wer hier Offenbarungen erwartet hatte, wird enttäuscht. Genauso wie von den zig anderen Zukunftsstudien, die die McKinsey Marketing Abteilung regelmäßig veröffentlicht. Zur Illustration Auszüge aus der McKinsey Initiative 2020:
  • "Denn ein Wachstum von 3 Prozent ist nach Analysen von McKinsey möglich aber auch erforderlich, um die gewohnten Lebens- und Sozialstandards zu halten. Nur dann können breite Schichten der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren und die finanzielle Sicherung der Sozialsysteme gewährleistet werden. Bei weniger Wachstum hingegen gerät die Mittelschicht weiter unter Druck, da die wirtschaftliche Basis für den Wohlstand breiter Bevölkerungsteile entfällt." 
  • "Nachdem der deutsche Bankensektor mehr als zehn Jahre lang nur wenig gewachsen und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern immer stärker zurückgefallen ist, steht er heute am Scheideweg. Bleiben notwendige grundlegende Reformen aus, ist mit weiter rückläufiger Ertragskraft und schwindendem Stellenwert im internationalen Wettbewerb zu rechnen. Gelingt es jedoch, vier grundlegende Reformschritte zu vollziehen, kann der Bankensektor wieder zu einem Wachstumsmotor für Deutschland werden. Bis 2020 könnte sich das Wachstum der Wertschöpfung von 1,7% p.a. im Basisszenario auf über 3% p.a. im Chancenszenario nahezu verdoppeln." 
Die Bedeutung, die McKinsey dem Bankensektor als Wachstumsmotor zuweist, wird noch mal in einem auf der Studie basierenden Welt Artikel deutlicher. Banken sind Bremsklotz der Wirtschaft: "Der Sektor, der in anderen Industrieländern die Wirtschaft antreibt, wirkt in Deutschland wie ein Bremsklotz. Die deutschen Kreditinstitute sind nicht international genug und tragen zu wenig zur Wirtschaftsleistung des Landes bei." [welt.de - Mai 2008]

Andy Grove vs die Wissensgesellschaft

Die Zukunft heißt also nicht mehr Dienstleistungsgesellschaft. Stattdessen sollen wir Wissensgesellschaft werden. Hat jedenfalls die EU beschlossen und ihre Wachstumsstrategie geschrieben. Wissen, das ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.

Hinter der Wissensgesellschaft steckt immerhin ein Wirtschaftsmodell. Die Konkurrenz aus China oder Indien ist konkurrenzlos günstig. Um zu bestehen, müssen wir uns auf den hochpreisigen Teil der Wertschöpfung, das Wissen, konzentrieren. Statt das Telefon in Kamp-Lintfort oder Bochum selbst zu fertigen, sollen wir die Entwicklung von Hard- und Software machen und das Marketing übernehmen. Die renditeschwache Werkbank wird nach Fernost ausgelagert, so äußerst erfolgreich praktiziert von Apple.

Wie effektiv dieses Gesellschaftsmodell langfristig Wachstum und Innovation vernichtet, kann man bei Andy Grove (Gründer von Intel) nachlesen. Seine Kernbeobachtung ist, dass ein Großteil der Innovation eben nicht am Schreibtisch, sondern in der Produktion stattfindet. Der Verzicht auf Produktion reduziert massiv die Arbeitsplätze einer Gesellschaft und verschließt langfristig neue Wachstumsfelder: "[A]bandoning today’s “commodity” manufacturing can lock you out of tomorrow’s emerging industry." Als Beispiel nennt er hier die in den USA ausgestorbene Batterientechnologie. Wenn man so will, das Erdöl des mobilen Zeitalters.

Der Artikel ist wirklich sehr lesenswert. Schönstes Zitat: "Some 250,000 Foxconn employees in southern China produce Apple’s products. Apple, meanwhile, has about 25,000 employees in the U.S."

Montag, 12. Juli 2010

Banker, Boni und Gehalt

Das EU-Parlament hat dieser Tage eine Richtlinie für Gehälter im Finanzsektor verabschiedet. Fokus hier war die Kopplung der Boni an langfristigen Erfolg und Grundgehalt. Nur noch 60% dürfen direkt ausgeschüttet werden, die restlichen 40% in drei bis fünf Jahren. Waiting is the hardest part.

Man kann sich hier schon stören: Was ist langfristiger Erfolg überhaupt? Eine falsche Anlagestrategie kann jahrelang (= langfristig) gut gehen, bis am Ende (= noch langfristiger) alles weg ist. Und dass die Risikobereitschaft eines Bankers als Funktion mit einer unabhängigen Variablen, seinen Bonusmodalitäten, modelliert werden kann, ist etwas einfach.

Etwas einfach ist es auch, was sich in deutschen Medien zu diesem Thema findet. Aus der von mir ansonsten geschätzten Süddeutschen ein Schmankerl:
„[D]ie EU [setzt] keine absoluten Obergrenzen für die Gehälter. Das ist übrigens klug, weil ein solcher Eingriff eine krasse Verzerrung des Wettbewerbs um Talente mit anderen Branchen bedeuten würde.“ [Martin Hesse – Der kleinste gemeinsame Nenner]

Martin Hesse klingt intelligent, wenn er das schreibt. Und seiner Aussage, Banken brauchen gute Mitarbeiter, kann man fast tautologische Qualität attestieren. Almost but not quite.

Die erste Frage, die sich Martin Hesse stellen sollte, ist, welche Branchen heute überhaupt im Gehaltswettbewerb mit dem Finanzsektor mithalten können? Medien und IT jedenfalls nicht, wie er und ich wissen dürften. Selbst Oligpolprofite erwirtschaftende Energieversorger nicht, wie mir ein Bankerkumpel neulich versicherte: „Bei uns verdienst du 1 Mio €, beim Energieversorger 200 T€“.

Freitag, 9. Juli 2010

Die Dienstleistungsgesellschaft ist tot

Es gab mal eine Zeit, da war immer die Rede davon, Deutschland müsse Dienstleistungsgesellschaft werden. Man schaute auf die Vorbilder England und Amerika, beides Länder mit höherem „Wachstum“ als Deutschland. Dort „analysierte“ man die Aufteilung des BIPs auf die Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung. Dann stellte man fest, dass eine Verschiebung hin zur Dienstleistung stattfand. Wenn Deutschland ähnlich wachsen wolle, müsse die selbe Verschiebung auch bei uns stattfinden. Who needs Rover!

Vielerlei hätte man schon damals gegen diese These einwenden können. Die Working Poor sind ein Phänomen der Dienstleistungsgesellschaft, ebenso die auseinanderklaffenden Einkommen und in Amerika die fehlende Krankenversicherung vieler Arbeitnehmer. Auch die Überzeugung, dass die Industrie ein „veralteter“ Sektor sei, ist wirr. Einerseits lässt sich auch heute noch im ältesten aller Sektoren, der Landwirtschaft, Geld für Holland verdienen. Andererseits ist Dienstleistung alles andere als ein moderner Sektor: Schon im alten Ägypten gab es Schreiber, Vorkoster, Priester …

Samstag, 3. Juli 2010

Die Zeugen Jehovas vom Spiegel

Mein Onkel hat vor langer Zeit mal festgestellt, dass der Spiegel in regelmäßigen Abständen alte Textbausteine wieder neu zusammensetzt und daraus einen neue Story gießt. Mehrwert null, dafür leicht (billig) herzustellen.

Prominentestes Beispiel sind unzählige Geschichten über den Zweiten Weltkrieg und Hitler Deutschland, für die es unzählige Coverstories gab (..., 45/2008, 21/2009, 35/2009). Don't talk about the war. Meinen Onkel hingegen störten insbesondere die wiederkehrenden Wissenschaftsartikel zur Evolution und zur Menschheitsgeschichte.

Im Wirtschafts- und Politikressort findet sich diese Masche ebenfalls. Wenn es nach dem Spiegel (und anderen Meinungsführern) ginge, hätte in Deutschland schon lange die wirtschaftliche Apokalypse eintreten müssen. Und genau wie die Zeugen Jehovas nach der "verpassten" Apokalypse 1914, sind weder unser heutiger Wohlstand im Allgemeinen noch die guten Zahlen zum Wirtschaftswachstum 2010 im Speziellen ein Grund für die Spiegel-Redakteure, mit den Kassandrarufen aufzuhören. Don't stop talking about tomorrow. Im Gegenteil sehen sie sich sogar bestärkt: "[D]ie eigentliche Krise steht Deutschland noch bevor.", wie man dem Artikel "Letzte Chance Radikalkur" bei Spiegel Online entnehmen darf. Diagnose kognitive Dissonanz.

Allein die Überschrift ist einer Nachrichtenseite nicht würdig. Ich hatte eigentlich keine Lust mehr, mir wieder (s.o.) den Untergang erklären zu lassen. Been there, done that. Aber weil es so schön ist und die Prognos-Studie gerade die Runde macht, einmal ein kurzer Abriss.

Eine Prognose für die nächsten 25 Jahre ist an sich schon mal ziemlich gewagt. Im Kommunismus hat das mit fünf Jahresplänen nicht geklappt. Und der Trackrecord solcher Zukunftsvorhersagen ist gelinde gesagt bescheidenSo long, so wrong.
"Das Wirtschaftswachstum dümpelt auf niedrigem Niveau, die Bevölkerung schrumpft rapide und zusätzlich kämpft sich der Staat an einer nie dagewesenen Verschuldung ab."
Dümpeln auf niedrigem Niveau heißt in der Studie 1%: Die Wirtschaft wächst also immer noch. Dann bemerkt der Spiegel (gleicher Satz!) selbst, dass die Bevölkerung schrumpft. Das heißt im Umkehrschluss, dass der selbe Wohlstand unter weniger Bürgern aufgeteilt wird. Es muss dem einzelnen also nicht schlechter gehen.

Freitag, 2. Juli 2010

Kopfschüttelnde Wähler

Gestern Abend wurde hochspektakulär und wenig überraschend Christian Wulff zum Bundespräsident gewählt. What a surprise. Es hat drei Wahlgänge gebraucht; ein paar Mitglieder der Bundesversammlung wollten ihrer Kanzlerin etwas mehr Nachrichtenpräsenz verschaffen. Any publicity is good publicity.

Die Appelle zur freien Wahl des Bundespräsidenten sind in der Medienleere verhallt. Die Hoffnung durch die Wahl eines unabhängigen Präsidenten statt eines Parteikaders unsere Demokratie zu stärken kann man beerdigen. Sie war auch reichlich naiv; wozu haben wir eine Parteiendemokratie? It's my party.

Aber auch die andere Sicht, einen Abgesang auf unsere Demokratie anzustimmen, scheint mir verfehlt. Die Bundespräsidentenwahl ist nicht erst seit Merkel, sondern seit Anbeginn ein hoch undemokratischer Vorgang. Als Wähler bei der Wahl der Landtage und des Bundestags weiß man immerhin ungefähr, welchem(r) Kanzler(in) oder Ministerpräsidenten(in) man indirekt seine Stimme gibt. Für die  Bundesversammlung hingegen kann nicht davon gesprochen werden, dass sich hier der freie, reine Wählerwille widerspiegelt. Don't blame me for Wullf.