Sonntag, 28. Februar 2010

Und ich muss morgen Bahn fahren

Bahn.de gibt heute ab und an nach. An sich sind die Server dort aber schon ziemlich standwetterfest. Wer mal ein Bild des Grauens sehen will, surfe zu den Bahn Verkehrsmeldungen. Frankfurt ist dicht. Und damit der wichtigste deutsche Bahnverkehrsknoten. Und ich muss morgen früh Bahn fahren...

Auf Reisen Krank

Aus aktuellem Anlass mal wieder nach oben geholt:

Unterwegs zu sein und krank zu werden, nervt. Ich liege gerade mit einem geschwollenen Rachen im Bett. Nichts Dramatisches. Und genau da fängt das Problem an. Ich wusste Sonntag schon, dass ich krank war. In einer normalen Arbeitssituation würde ich jetzt einfach von Tag zu Tag gucken, wie ich mich fühle. Fühle ich mich zu krank, bleibe ich halt zu Hause.

Als reisender Berater stellt sich die Situation anders da. Wenn ich zu Hause bleiben will, muss ich a) entweder später losfahren oder b) früher nach Hause kommen. Später oder früher bezieht sich in diesem Kontext auf ganze Tage. Wenn ich drei Tage krank bin, ist die Woche gelaufen und ich kann direkt zu Hause bleiben. Für zwei Tage zum Kunden lohnt nicht.

Kurzfristig den Reisetermin zu ändern bzw. die Reise ganz abzusagen, ist mit Stress verbunden. Man muss den Zug bzw. den Flug stornieren und im Hotel die Reservierung absagen. Zusätzlich muss man seinem Kunden erklären, warum man statt Montag erst eine Woche später kommt.

Richtig kniffelig wird es, wenn man am Sonntag das Potential sieht, richtig krank zu werden, aber man Sonntag noch nicht richtig krank ist. Sage ich die Reise ab, nur weil ich potentiell krank bin? Man fährt und hofft, dass sich Besserung einstellt. Der Reisestress ist schließlich die beste Medizin.

Man ist dann die Woche beim Kunden und im Hotelzimmer. Wer deutsche Hotelzimmer kennt, weiß, dass sie nicht der spannendste Ort von Welt sind. Dementsprechend bietet es sich an, zur Arbeit zu gehen, so lange man sich halbwegs fit fühlt. Man will ja auch die Brötchen für die eigene  Firma verdienen.

Die Entscheidung, die Woche abzubrechen und nach Hause zu fahren, ist keine einfache. Wer Dienstag darüber nachdenkt, nach Hause zu fahren, muss sich schon sehr sicher sein, Mittwoch noch genau so krank zu sein. Wie soll man sonst den Rest der Woche buchen?

Vielen Beratern passiert es, dass sie in einer fremden Stadt nicht zum Arzt gehen mögen. Wer von Montag bis Freitag unterwegs ist, schiebt Arztbesuche vor sich her. Mein Chef ist fast an einer Blutvergiftung gestorben, weil er "noch bis Freitag" mit dem Arztbesuch warten wollte. Kann mir nicht passieren, ich habe heute um 9h ohnehin einen Arzttermin ;)

Dienstag, 23. Februar 2010

Jour Fixe und Foxi

Bisher hatte ich noch bei fast jedem Kunden die Ehre, einmal die Woche am Jour Fixe teilzunehmen. Fixe kommt übriges nicht von fix wie flott, sondern fixe wie fest vereinbart. Mein Hass auf Meetings rührt zu einem nicht unwesentlichen Teil von der übermäßigen Teilnahme an Jours Fixes her.

Der Jour Fixe ist eine Projektmanagement-Institution. Das ganze Projektteam trifft sich regelmäßig zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt und bespricht aktuelle Projektthemen miteinander. Dahinter stehen ein paar Überlegungen:

  • Jedes Projekt hat einen regelmäßigen Abstimmungs- und Organisationsbedarf.
  • Es ist effizienter Punkte, die alle Projektmitglieder betreffen, im Plenum zu diskutieren.
  • Der Austausch zwischen allen Mitgliedern des Projekts ist wichtig.
  • Kurzfristig Termine zu vereinbaren, zu denen alle können, ist schwer.

Die Ironie des Jour Fixe besteht darin, dass er genau das Problem verschärft, dem man durch den Jour Fixe begegnen will: die vollen Terminkalender der Mitarbeiter (4). Ein Jour Fixe ist auch nur ein weiterer wöchentlicher Termin. Wenn ein Mitarbeiter an mehreren Projekten mitwirkt bzw. mehreren Abteilungen zugeordnet ist, kann es passieren, dass er an jedem Wochentag Jour Fixe hat.

Samstag, 20. Februar 2010

Skandifinanz: 8,6 Mitarbeiter, 300% EK maximaler Verlust

Dass eine Landesbank eine Tochter "Skandifinanz" nennt, ist schon an sich lustig. Da verwendet die Nord LB 2008 254 Mio € ihres Eigenkapitals für operationelle Risiken, zu denen sie explizit Reputationsrisiken zählt, und keiner im Konzern kommt auf die Idee, die Firmennamen der Töchter einmal auf Verballhornungspotential abzuklopfen. Erinnert mich an Gutvik Kinderbetten.

Was im Namen der Tochter anklingt, ist jetzt Realität geworden. Die Bank hat durch Betrug bei der Exportfinanzierung zwischen 30 - 130 Mio € verloren. Die von der niedersächsischen Regierung und der Bank gewünschte Interpretation der Vorfälle findet sich in der Hannover Allgemeinen Zeitung:
"Tragbar sein dürfte der Schaden jedenfalls nach bisherigem Stand problemlos. So kam die Skandifinanz-Mutter in Luxemburg im ersten Halbjahr 2009 bei einer Bilanzsumme von gut 23 Milliarden Euro auf einen Nachsteuergewinn von 19,2 Millionen Euro und Eigenmittel von 900 Millionen Euro. Der Nord/LB-Konzern insgesamt verbuchte in den ersten drei Quartalen einen Konzerngewinn von 117 Millionen Euro, er kommt auf eine Bilanzsumme von 247 Milliarden Euro und ein Eigenkapital von rund 6 Milliarden Euro."
Man setze das Ergebnis in den Kontext des Gesamtkonzerns und schon ist alles nicht schlimm. Die Skandifinanz AG ist aber keine Abteilung der Nord LB, sondern eine eigenständige Bank mit einem eigenen Geschäftsfeld. Auf den Skandifinanz Webseiten heißt es:
"Skandifinanz AG was established in 1969 with its core business in forfaiting and other trade related financial activities."

Donnerstag, 18. Februar 2010

Die 30-Sekunden-SQL-Inflation

Neben der Insolvenz werden in der Krise von Wirtschaftswissenschaftlern gerne die Vorteile einer eigenen Währung gerühmt. Wer die Notenpresse kontrolliert, kann Schulden in eigener Währung immer bezahlen, er muss das entsprechende Geld nur drucken. Wobei das meiste Geld heute virtuell als Einträge in Datenbanken existiert statt in Papierform. Gelddrucken in der Praxis ginge wohl so:

UPDATE NATIONALBANK.KONTO
SET KONTOSTAND_GRD = KONTOSTAND_GRD + 200.000.000.000
WHERE KONTO_EIGNER = 'STAAT_GRIECHENLAND';

COMMIT;


Das virtuelle Gelddrucken dürfte schneller und deutlich umweltfreundlicher sein als die überkommene Papiervariante. Netter Nebeneffekt des Gelddruckens: Der Wechselkurs stürzt ab, was die heimische Wirtschaft im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger macht.

Wenn man die Vorteile des Gelddruckens so sieht, fragt man sich, warum sich überhaupt so viele Nationen gefunden haben, die den Euro haben wollten. Griechen, Spanier, Portugiesen, seid ihr alle bescheuert? Vielleicht sind die eigene Währung und das Gelddrucken nicht ganz so toll, wie es uns die Wirtschaftswissenschaftler einreden.

Bahn. Reservieren. Jetzt.

Gottseidank lese ich Welt: "Montag droht auch bei der Bahn das Chaos". Die Lufthansa streikt. Und die Geschäftsreisenden, die gewöhnlich um 8h im Flieger sitzen, müssen nun umsteigen, wenn sie sicher ankommen wollen. Der Zug von Hamburg nach München, Abfahrt 6h, ist immerhin um 11:43h da...

Nur blöde, dass die Bahn wartungsbedingt viele Strecken, darunter HH-München, mit einem statt zwei Zugteilen fährt. Der eine Zugteil ist schon heute Montag morgens überfüllt. Keine Ahnung, was nächste Woche passiert. Deswegen: Reservieren! Ich habe es gerade gemacht. Mit Glück kriegt man auch eine echte Reservierung statt einem Phantomplatz im zweiten Zugteil.

Lebensversicherungen am Sekundärmarkt

Bei der Süddeutschen findet sich ein Artikel über einen findigen amerikanischen Investor, der todsichere Anlagen in amerikanische Lebensversicherungen gemacht hat. Er hat hierzu Amerikaner gesucht, die eine kurze Lebenserwartung hatten (z.B. Lungenkrebs, Diabetes, …). Mit/Für diese hat er Lebensversicherungen mit hohem Versicherungswert abgeschlossen. Die Versicherungsgesellschaften haben dann die Prämien ähnlich einem Investmentfonds am Kapitalmarkt investiert.

Der Trick besteht darin, dass die Versicherungen im Todesfall mindestens die eingezahlten Prämien erstatten müssen. Zusätzlich müssen die Versicherungen eventuelle Gewinne auf die Investments abführen. Der Investor profitiert also voll von den Gewinnen, nimmt aber keine Verluste. Durch die kurze Lebenserwartung wird verhindert, dass gute und schlechte Jahre miteinander verrechnet werden können. Pfiffig.

Inwiefern das vor amerikanischen Gerichten bestand hat, kann ich nicht einschätzen. Man könnte so was auch sittenwidrig nennen. Bzw. der Vertrag wurde explizit in bad faith abgeschlossen. Leider sagt der Artikel nicht, wie hoch die erzielten Renditen waren. Wenn der Initiator sich aber für das "Gegenteil von Madoff" hält, kann man eine Rendite > 15% pro Jahr unterstellen.

Was man bei der Geschichte als Privatanleger lernen kann, ist, dass hohe Renditen meistens auf Beschiss hindeuten. Irgendjemand muss dafür zahlen, wenn man risikofreie Renditen im zweistelligen Bereich erwartet. Im obigen Fall sind es die Versicherungsgesellschaften. Im Falle der Hypo Alpe Adria, deren Verkauf ihren deutschen Investoren annualisierte Renditen um die 100% beschert hat, die Bayerische Landesbank und damit der deutsche Steuerzahler.

Dienstag, 16. Februar 2010

Griechenland: Insolvenz ist auch keine Lösung

Nachdem man mir den Fehdehandschuh als "Finanz-Blog" zugeworfen hat (bin ich Quotenblog, um die hunderter Marke zu knacken?), will ich mich heute auch mal an das Griechenland-Thema wagen...

Wenn man Griechenlands Schulden betrachtet (in BIP: 112,6% Gesamtschulden bis 2009), man einen relativ hohen Zinssatz von 6% unterstellt, kommt man zu einem Zins-bedingten Haushaltsloch von 6,75% BIP. Das macht also 6,75% BIP, die Griechenland mit einer Insolvenz spart.

Leider: Wenn man das aktuelle Haushaltsloch (12,5% BIP) zu Grunde legt und die Zinsersparnis abzieht (6,75% BIP), bleibt ein Haushaltsloch von 5,75% BIP. Das ist viel. Und es kann nach einer Insolvenz nicht mehr einfach mit Schulden finanziert werden. Ein Bankrott führt, wie wikipedia das nennt, zu einem massiven "Image- und Vertrauensverlust" für den Schuldnerstaat. S.h.: Die Geldgeber sind wegen der Verluste angepisst und geben bis auf Weiteres kein neues Geld. De facto müsste Griechenland sehr kurzfristig ein Haushaltsloch von 5,75% schließen. Die harten Einschnitte der EU nehmen sich da mit 4% BIP noch vergleichsweise freundlich aus.

Finanzblog des Jahres? Sicherlich.

Dieser Blog wird ab morgen für den Finanzblog des Jahres Finance Blog of the Year nominiert sein. Die Organisatoren von Smava, einer P2P-Bank, haben mir einen entsprechenden Kommentar an meinen SOA Post angehängt. Wobei sie verwundert bemerkt haben, dass ich überhaupt keine Kontaktdaten auf der Seite habe...

KURZER HINWEIS: Der Blog ist anonym, weil ich ungern beim Kunden oder von meinem Chef darauf angesprochen werden möchte. Ich verdiene kein Geld mit meinen zwölf Lesern am Tag und habe auch keine Werbung. Gehostet wird er in den USA (blogspot.com). Deswegen spare ich mir auch das Impressum.

Damit wäre dann auch klar, dass ich nicht gewinnen will. ;)

Montag, 15. Februar 2010

Meeting-Manie

A ist immer im Unternehmen unterwegs: Meetings, Meetings, Meetings. Für viele Fragen gilt A als kompetenter Ansprechpartner. A lebt geradezu auf in Meetings. Er diskutiert mit, hält sich nicht zurück und bringt neue Ideen ein.

Das Tagesgeschäfts leidet unter A's häufiger Abwesenheit. Man erreicht ihn schwerlich. Seine laufenden Aufgaben erledigt A auch nicht fristgerecht. Stattdessen sitzt er im Jour Fixe der Nachbarabteilung und diskutiert über den neuen Briefkopf.

Neben dem Tagesgeschäft leiden auch einige Kollegen unter A. Während A's Diskutierfreude beim ersten Meeting als positive Eigenschaft wahrgenommen wird, ändert sich die Wahrnehmung schnell. A beansprucht überproportionale Redezeit für sich. Wenn A dabei ist, können Tagesordnungspunkte, die nur kurz berichtet werden sollen, zu Diskussion von mehr als dreißig Minuten ausarten. Und während A's Wille noch einmal eine Sache von Anfang an aufzurollen als innovativ betrachtet werden kann, sehen viele Kollegen dies eher als Zeichen mangelnder Vorbereitung an... A leidet unter Meeting-Manie.

Samstag, 13. Februar 2010

SOA Hype: Geschäftsprozess vs IT-Infrastruktur

Im IT-Bereich ist es eigentlich immer gleich. Alle Jahre wieder wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Im IT-Bereich ist die sprichwörtliche Sau irgendeine neue Technologie, die alle Probleme und Kosten lösen soll, die mit Software verbunden sind. Dabei kann man schon seit 25 Jahren sehr eloquent nachlesen, dass es keine Silver Bullets im Software Engineering gibt.

Der letzte Hype, den ich noch an der Hochschule und auch bei meiner letzten Firma mitgenommen habe, war SOA. Schon 2008 konstatierte die Computerwoche, dass sich der Hype seinem Ende nähert. Das hält die EU aber nicht davon ab, weiter Geld in das Forschungsthema zu stecken.

Hinter einer SOA steht die Idee, große Anwendungen in kleine Komponenten (Services) zu zerlegen und die Schnittstelle dieser Komponenten zu standardisieren. Die Geschäftsprozesse einer Organisation (Business Processes) werden explizit modelliert und dieses Modell wird ausgeführt. Hierzu werden die Komponenten aufgerufen (orchestriert).

Auf den bunten Powerpointfolien, mit denen SOA vertrieben wird, finden sich zwei Hauptverkaufspunkte:
  1. Die Kapselung in kleine Komponenten ermöglicht mehr Wiederverwendung und damit kürzere Entwicklungszeiten sowie niedrigere Software- und Wartungskosten.
  2. Die Modellierung der Geschäftsprozesse außerhalb der Anwendungen erhöht die Flexibilität der Unternehmen. Sie können ihre Geschäftsprozesse schnell ändern. Und sie sind nicht mehr abhängig vom Softwarelieferanten, da sie hypothetisch die Komponenten austauschen können, durch die sie ihre Geschäftsprozesse realisieren.

Freitag, 12. Februar 2010

Zugüberholung und Anreizsysteme

Wenn ein Zug etwas, aber nicht viel mehr als eine Stunde zu spät ist, fährt nach Plan häufig schon der nächste Zug auf der Strecke. Ist der nachfolgende Zug pünktlich, kommt es zu einer für den Bahnreisenden widersinnigen Situation: der Zugüberholung. Unterwegs, an einem Bahnhof, wird auf den verspäteten Zug gewartet, damit er den pünktlichen Zug überholen kann. Statt eines verspäteten Zuges hat man als Folge zwei.

Die Gesamtverspätung beider Züge steigt durch das Überholen. Der pünktliche Zug muss warten und nach der Überholung denselben Abstand halten, den der verspätete Zug vor der Überholung schon hatte. Das macht schnell zehn Minuten Verspätung für den pünktlichen Zug durch den Überholvorgang.

Zusätzlich zur Gesamtverspätung beider Züge steigt auch die Verspätung pro Fahrgast. Die Fahrgäste, die seit einer Stunde auf den verspäteten Zug warten, steigen selbstverständlich in den ersten Zug ein, der in ihre Richtung fährt. Vor der Überholung ist das der pünktliche Zug. Und natürlich fahren auch die Fahrgäste mit dem pünktlichen Zug, die von vornherein den pünktlichen Zug nehmen wollten. Dementsprechend voll ist der pünktliche Zug.

Bei der Überholung wird den Fahrgästen dann angeboten, den Zug zu wechseln. Faules Wesen, dass der Mensch nun mal ist, nutzen sehr wenige Fahrgäste dieses Angebot, so dass der hinterherfahrende, ehemals pünktliche, Zug voller ist als der vorausfahrende, ehemals verspätet. Die Verspätung pro Fahrgast steigt durch diesen Effekt noch einmal zusätzlich.

Um die Entscheidung der Bahn zu verstehen, muss man sich etwas mit den Fahrgastrechten beschäftigen. Denn, tarrah!, ab 60 Minuten kriegen Bahnkunden mit normalen Tickets immerhin einen Viertel des Tickets erstattet. Für die Bahn ist es folglich wirtschaftlich sinnvoll, einem pünktlichen Zug 15 Minuten Verspätung reinzudrücken, nur um die geringe Möglichkeit zu haben, einen verspäteten Zug unter die 60 Minuten Grenze zu fahren und sich so die Entschädigung zu sparen. Ich sag nur: Anreize und ihre Nebenwirkungen.

Am Rande möchte ich der Bahn hier auch noch einen Optimierungsvorschlag machen. Wenn man schon zwei Züge hat, die fast zeitgleich fahren, könnte man den verspäteten auch als Express einsetzen mit weniger Halten. So könnte es eventuell wirklich gelingen, verlorene Zeit reinzufahren.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Meeting-Dependenz

B hat eine halbe Stelle. Sie kommt um 8h und geht um 12h. Ihre Arbeitszeit ist knapp bemessen. Trotzdem bemüht sie sich, auf alle Meetings zu gehen, auch zu Themen, bei denen ihre Anwesenheit nicht vorausgesetzt wird und die sie nur periphär betreffen. Sie verschiebt sogar ihre normalen Arbeitszeiten, um ein unwichtiges Meeting am Nachmittag zu besuchen.

In den Meetings selbst ist B inaktiv. Man könnte fast vergessen, dass sie überhaupt da ist. Und genau das geschieht sogar: Man wartet nicht auf sie. Weil man sich nicht sicher ist, ob und wann sie überhaupt kommt. Und weil man nicht auf ihren Input angewiesen ist; sie sagt ja so selten was. In solchen Situation fühlt B sich äußerst brüskiert und beschwert sich bei ihrem Vorgesetzten. Ebenfalls sehr empfindlich reagiert sie, wenn sie erst gar nicht eingeladen wird... B ist meeting-dependent.

Meeting-Dependenz äußert sich in verschiedenen Verhaltensweisen, die am obigen Beispiel deutlich werden:
  1. B versucht an jedem Meeting teilzunehmen.
  2. Für B hat ein Meeting Vorrang gegenüber dem Tagesgeschäft, egal wie knapp die Zeit ist.
  3. B ist beleidigt, wenn man sie nicht zu einem Meeting einlädt.
  4. B glaubt, einen wichtigen Beitrag zu den Meetings zu liefern.

Dienstag, 9. Februar 2010

Meeting-Klaustrophobie

Die Teilnahme an Meetings induziert bei mir langsam eine Art Meeting Klaustrophobie. Man ist in einem engen Raum eingesperrt und hat keinen Einfluss darauf, wie lange man bleiben muss. Stattdessen steuert die Person vorne den Verlauf. Es gibt sehr strenge soziale Normen, was für Verhalten den gelangweilten Zuhörern gestattet ist. Ein Kunde hat mir mal gesagt, ich dürfe keine Notizzettel bekriggeln, das würde Desinteresse signalisieren. Dabei war damals durch meine Wortbeiträge klar belegt, dass ich dem Vortrag inhaltlich gefolgt war. Einem ADHS Kiddy auf Ritalin Entzug hilft es eben, beschäftigt zu sein. Immerhin gab mir der Kunde den Tip, Protokoll zu schreiben, um mich zu beschäftigen.

Für den Vortrag selbst gibt es kaum Normen, weder was die Qualität noch die Länge des Vortrags betrifft. Hey, meine Aufmerksamkeit ist nach 40min weg (Dauer einer US-Serienstunde). Und wenn ich mich schon angepasst verhalten muss, wäre ein spannender Vortrag doch wohl auch an der Reihe?

Da die Dinge aber sind, wie sie sind, graut es mir vor Meetings. Wo es geht, versuche ich nicht dran teilzunehmen. Außerdem beobachte ich bei mir mittlerweile, dass ich häufig zu spät bin. Das ist wenig professionell, zeugt aber nur von dem psychischen  Stress, den die Teilnahme an Meetings mir bereitet.

Breakeven mit Hartz IV

Dieser Tage steht ein Urteil des Bundesverfassungsgericht zu Hartz IV vor der Tür. Es wird erwartet, dass die Hartz IV Sätze, insbesondere für Kinder, angepasst werden. Die Wirtschaftsliberalen sehen ihre Ideale verraten und befürchten, dass sich Arbeit nicht mehr lohnt. Sie sehen das Lohnabstandsgebot verletzt, also den notwendigen Abstand zwischen Arbeitseinkommen und Hartz IV, um Anreize zur Arbeitsaufnahme zu setzen. Man beachte die religiöse Konnotation in Gebot.

Dass das Lohnabstandsgebot Unsinn ist, kann man bei Herdentrieb, Weissgarnix und egghat nachlesen. Weissgarnix geht so weit, den Wirtschaftsliberalen mit ihrem eigenen Werkzeugkasten aufzuzeigen, dass es das Lohnabstandsgebot nicht gibt: Angenommen Menschen wären nicht bereit für Hartz IV oder weniger zu arbeiten. Dann dürfte es keine Jobs geben, die Hartz IV oder weniger zahlen. Deshalb müsste sich das Gehalt deutlich über Hartz IV einpendeln, um eben einen Anreiz zur Arbeitsannahme darzustellen. In der deutschen Wirtschaftsrealität gibt es aber viele Jobs, die weniger als Hartz IV zahlen. In der Mathematik nennt man das dann Beweis durch Widerspruch.

Was mich an der Frage am meisten irritiert, ist, mit welcher Bereitschaft wir in Deutschland das Primat der Wirtschaftswissenschaften akzeptieren. Eine politische Frage wie die Höhe der Hartz IV Sätze wird maßgeblich wirtschaftlich beantwortet, getreu dem Motto: Gut ist, was Arbeit schafft.

Freitag, 5. Februar 2010

Der Nachfrageeffekt der Hotelmehrwertsteuerentlastung

Die Hotelsache wird langsam langweilig. Ein Punkt liegt mir aber noch auf dem Herzen, weil er zeigt, wie verquert Politiker argumentieren. Die Hotelmehrwersteuer-Entlastung wurde mit vielen Argumenten begründet. Bei Hermann Otto Solms finden sich fünf. Ich konzentriere mich hier mal auf drei
  1. Wir tun was für die Konjunktur, indem wir die Wirtschaft entlasten.
  2. Die günstigen Preise führen zu mehr Nachfrage nach Hotelzimmern.
  3. Wir schaffen Chancengleichheit für deutsche Hotels, insbesondere im grenznahen Bereich. Unsere Anrainerstaaten (außer Dänemark) haben schließlich einen verringerten Mehrwertsteuersatz.
Zu 1). Es stimmt schon, wir haben eine außerordentliche Konjunkurkrise. Und dass der Staat in einer solchen Situation Geld ausgeben muss, das er nicht hat, um die Nachfrage zu steigern, ist unter den meisten Fachleuten unstrittig. Sei es durch höhere Ausgaben oder durch verringerte Einnahmen. Das entbindet den Staat aber nicht davon, darüber nachzudenken, wie er am meisten Effekt erzielt.

Ein mögliches Konjunkturprogramm sind z.B. öffentliche Investitionsprogramme: bessere Straßen, besser isolierte Häuser oder bessere Schulen. All das sind Investitionen, die zwar heute Geld kosten, die dafür aber Bürger, z.B. im Baugewerbe, in Lohn und Brot bringen und die das Potential haben, das Wachstum in Zukunft zu stärken. Offenkundig fällt die Mehrwertsteuerentlastung für Hotels nicht in diese Kategorie.

Alternativ kann der Staat auch den Bürgern mehr Geld in die Hand geben. Unter Marktliberalen gibt es die Überzeugung, dass der Bürger per se besser als der Staat weiß, was mit dem Geld zu tun ist. Statt in Schulen, Straßen oder Wärmedämmung soll das Geld li(e)ber(al) in LCD-Fernseher, Autos oder die neue Sofagarnitur investiert werden.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Coole Mindmap zu deutschen Wirtschaftsblogs

Der Blick Log pflegt eine Mindmap mit deutschen Wirtschaftsblogs. Und meine zehn Leser (Grüße an S, M^3, T, H, ...) haben zu einem Eintrag unter Business und Wirtschaftspraxis gereicht. Die Mindmap ist spannend. Mein Gott, wie überladen mein netvibes wird, wenn ich die Blogs alle hinzufüge...

Montag, 1. Februar 2010

"Bürokratiemonster" Hotelmehrwertsteuer

Da behaupte ich letzte Woche, dass kein führender Liberaler sich gegen die Hotel-Mehrwertsteuerentlastung ausgesprochen hätte. Da meldet sich nun Andreas Pinkwart im Spiegel zu Wort, seines Zeichens NRW-Innovationsminister und Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Man habe ein bürokratisches Monstrum geschaffen. In NRW wird im Mai gewählt.

Ein bissiger Kommentar von Nico Fried findet sich in der Süddeutschen. Schönster Absatz:
"Er sagt, es sei gute Politik, ein schlechtes Gesetz zu korrigieren. Aber er verschweigt, dass fast alle Experten dieses Gesetz von Anfang an für schlecht hielten, und gute Politik darin bestanden hätte, gleich darauf zu verzichten."
Jetzt steigt auch die Kanzlerin darauf ein und will sich dafür einsetzen, "den Aufwand [...] so gering wie möglich zu halten".

Der gering zu haltende Aufwand bzw. das Bürokratiemonster beziehen sich darauf, dass
  1. Hotels und Buchhaltung nun zwei Positionen pro Rechnung verbuchen müssen, um die Mehrwertsteuer korrekt zwischen 7% und 19% aufzuteilen
  2. Geschäftsreisende große Probleme mit dem Frühstücken im Hotel bekommen. Es müssen nun die tatsächlichen Kosten auf die Tagesspesen angerechnet werden statt der alten Pauschale von 4,80€...
Kurzes Nachdenken...