Mittwoch, 29. April 2009

Literaturempfehlung und Promotionsverfahren

Am Donnerstag schaue ich nach langer Zeit wieder mal bei "meinem" Lehrstuhl rein, wo ich knapp ein Jahr beschäftigt war. Es soll dort tatsächlich jemand die Promotion erhalten. Das will ich mit eigenen Augen sehen. Und ich war schon lange nicht mehr dort.

Parallel dazu hat mir meine Freundin "Der ganz normale Wahnsinn - Vom Umgang mit schwierigen Menschen" geschenkt. Ein tolles Buch. Zum ersten Mal hatte ich das Buch am Lehrstuhl an der Hand und habe das Kapitel über narzißtische Persönlichkeiten gelesen. Mein Prof. war nämlich eine. Von neun DSM IV Kriterien erfüllt er locker sechs. Ein anderer Kollege, der schon deutlich länger dabei war, tippte auf acht. Fünf deuten auf die Störung hin.

Eine Episode: Ein Assistent hatte ein Paper erfolgreich bei einer Konferenz untergebracht. Der Prof. hatte das Paper gereviewt. Trotzdem stellte der Professor das Paper als seine Leistung war. Der Assistent hatte ja nur "seine Gedanken" umgesetzt (Kriterium 1: Übertreibt eigene Leistungen). Die Konferenz war in Ostasien, mehr als sechs Zeitzonen entfernt. Während sein Assistent Holzklasse flog, buchte der Professor Business Class. Er (Beamter = bezahlt aus Steuergeldern) fand das völlig angemessen (Kriterium 5: Überzogenes Anspruchsdenken). Für das Geld hätte er auch noch drei weitere Mitarbeiter mit auf die Konferenz nehmen können. Vor Ort angekommen war er trotz der Zeitverschiebung ausgeruht, sein Assistent verständlicherweise nicht. Trotzdem verlangte er von seinem Assistenten umgehend noch einmal die Präsentation zu überarbeiten (Kriterium 7: Unfähig Bedürfnisse anderer zu erkennen).

Eine Episode, die mir passiert ist, war ebenfalls eine Konferenz. Ich hatte meine Diplomarbeit bei einer Konferenz in Amerika eingereicht. Das war noch vor meiner Zeit am Lehrstuhl. Ich hatte eine Einladung erhalten und musste mir jetzt überlegen, wie ich hinkomme und wie ich das bezahle. In Toto hat der Spaß (1 Woche) ~1500€ gekostet (Konferenzgebühren, Hotel, Flug, ...). Für einen Berufsanfänger sind 1500€ netto ziemlich viel.

Man würde denken, dass ein Lehrstuhl, wo ein Prof. Business Class fliegen kann, auch das Geld hat, seine Assistenten einmal im Jahr auf eine Konferenz zu schicken. Davon ging ich aus. Stattdessen erhielt ich mehrere Wochen keine Antwort und am Ende wurde mir angeboten, dass man die halben Kosten übernehmen würde. In der Zwischenzeit waren die Kosten für den Direktflug von 600€ auf über 1000€ gestiegen. Ich habe dann noch einen Flug für 700€ gefunden, musste dafür dann aber in Heathrow (igit) umsteigen, um dann in den USA mit Bus und Bahn zum Ziel zu gelangen. Immerhin habe ich das mit etwas Sightseeing kombiniert.

Auf dieser Reise habe ich auch meinen Lehrstuhl-Laptop "kennengelernt". Ich hatte ihn mitgenommen, um während der Reise das Lehrstuhl-Buch Korrektur zu lesen. Ich packte ihn dann in Heathrow aus, wollte loslegen und war extrem erstaunt, dass der Laptop mir 15 Minuten Restlaufzeit anzeigte. Ich hielt das erst für einen Scherz. Tatsächlich war es ein altes Gerät mit totem Akku. Nicht mal das Geld war da, um einen neuen Akku zu kaufen.

Andererseits traf ich einmal unseren Admin in der Einkaufszone. Ich fragte ihn, was ihn triebe, und er antwortete, er besorge gerade x-fach abgeschirmte Audiokabel für das Professorenbüro. Teurer Schnickschnack. Warum ein Prof. perfekten Soundgenuss braucht, blieb ungeklärt. Es war schon eine schöne Zeit.

Dienstag, 28. April 2009

Campen beim Kunden

Unter Beratung und Projektgeschäft versteht man meistens kurzfristig, zeitlich endliche Tätigkeiten. Wer sich dann zB. in IT-Abteilungen großer Banken umsieht, wundert sich, wie viele Mitarbeiter Externe sind und trotzdem schon seit Jahren dabei. Ein Kunde meinte mal zu mir, dass es einen Externen gäbe, der schon seit fast zehn Jahren vor Ort ist.

Mit der Zeit verschwinden die Grenzen. Ich bin mit den meisten Internen mittlerweile auf "du". Ich kenne die auch mittlerweile eine Reihe von Externen. Und mein Projektleiter fragt schon die ganze Zeit nach, inwiefern er mich auch bei meiner neuen Firma kriegen könnte. Mein neuer Chef hat deswegen heute auch schon gefragt. Das heißt, ich könnte gut auch noch das nächste Jahr hier vor Ort bleiben, sprich beim Kunden campen. Ich möchte aber nicht.

Es ist jetzt bald ein Jahr, dass ich hier vor Ort bin. Wie dargestellt, bin ich nicht im Zentrum der Republik. Der Fahrtweg ist lang und ich bin fernab vom Office. Ich würde ungern in einer neuen Firma anfangen und dann für die nächsten Jahre erst einmal wieder auf Tauchstation gehen. Wenn ich das wollte, könnte ich mich auch als Freelancer verdingen und den Tagessatz privat einstreichen.

Weiterhin ist es so, dass ich seit einiger Zeit vom Hotelleben genervt bin. Meine Kollegen sind mittlerweile alle weg (sprich kein Abendprogramm) und mittags esse ich allein. Abends sitze ich dann im Hotel, spiele Civ oder schreibe Blog. Wow ...

Kurzarbeit für Berater!

Zeitarbeit ist gar nicht so weit von Beratung entfernt... ;)

Donnerstag, 23. April 2009

Leichtes Geld

Geld zu verdienen beim Schlafen und beim Spazierengehen sind nur zwei Beispiele dafür, wie man für "unproduktive" Tätigkeiten bezahlt werden kann. Für den Berufsanfänger, der noch die eigene Karriere vor Augen hat und der ambitioniert Stunden scheffelt, sind dies keine erstrebenswerten Tätigkeiten. Das Ideal ist ein Job, in dem man aufgeht und bei dem die Stunden, wie im Fluge vergehen. Wo man Stunden scheffelt, weil es halt passiert. Wo man wichtig ist. Wo man Verantwortung trägt. Wo man "voran" kommt. Wo man unersetzbar ist und seine privaten Termine mit dem Job kollidieren. Wo man die Arbeit mit nach Hause nimmt. Wo die Urlaubsplanung schwer ist, weil man nicht abschätzen kann, wann/dass man im Sommer frei hat. Wo das Handy auch am Wochenden klingelt. Wo die Urlaubstage des Vorjahres am 31.3. verfallen, weil man den Urlaub nicht nehmen konnte. Kurz gesagt: Wo man auf dem besten Weg in Richtung Burn-Out ist.

Ich muss zugeben, ich musste lachen, als mein letzter Kunde auf einer internen Schulung die Burn-Out Ampel besprochen hat. Die Bank (und ihre Mitarbeiter) hatte ganz andere Probleme. Trotzdem ist es für die eigene Gesundheit wichtig, sich die Punkte einmal anzuschauen. Wenn ich mich anschaue, dann kann ich positiv sagen, dass ich bei wichtigen privaten Terminen darauf achte, diese wahrzunehmen. Ich bin pünktlich, um Spiele meines Fußballvereins zu gucken. Negativ fällt mir auf, dass ich schlechter schlafe (ich bin gerade wach).

Perspektivisch sehe ich mich auch nicht im Dauerstress. Ich möchte einen Job haben, der mir Spaß macht, passabel entlohnt wird, der aber nach Dienstende auch zu Ende ist, so daß ich Zeit für mein Privatleben habe. Ich möchte einen Job haben, bei dem ich nicht immer im Stress bin und auch mal Zeit für Müßiggang habe. Ich glaube, dass das eine sehr gesunde Haltung ist.

Freitag, 17. April 2009

Im Schlafen Geld verdienen

In einem Kommentar wurde ich gefragt, wie man im Schlafen Geld verdienen kann. Abgesehen vom dicken Festgeldkonto, das unablässlich seine Zinsen sprudeln lässt, oder der Teilnahme an pharmakologischen Studien bietet sich dem Berater eine sehr viel einfachere Möglichkeit: die Reisezeit. Meine Reisezeit wird bezahlt. Und ob ich während der Zeit wach bin oder schlafe, macht keinen Unterschied. So kommt es, dass ich am Montag 3h "arbeite", während ich in der Bahn kauere und schlafe. Spazierengehen ist aber die sehr viel nettere Alternative.

Dienstag, 14. April 2009

DAX Absurd

Wenn ich mir heute den DAX anschaue, frage ich mich, ob ich die gleichen Nachrichten lese, wie die Akteure an den Börsen. Der DAX steigt, die Wirtschaftsnachrichten werden schlechter. Das verstehe, wer will.

Montag, 6. April 2009

Vermeidung von "Kommunikation"

Eine Bekannte erzählte mir dieses Wochenende von einem Problem. Sie sitzt an ihrer Promotion und zwei Kollegen plus Professor sind an ihrem Projekt beteiligt. Die Auswertung ihrer Daten ist nicht trivial. Ihre Kollegen und ihr Professor sind hierbei nur bedingt von Hilfe.

Diese Woche hat sie auf einem internen Vortrag einen Mitarbeiter eines anderen Lehrstuhls gefunden, der ähnliche Experimente bereits durchgeführt und ausgewertet hat. Sie bat ihn um Hilfe. Wie das in der Wissenschaft so ist, impliziert "Hilfe" Autorenschaft. In diesem Fall kann diese Implikation durchaus angemessen sein, nämlich dann wenn der Kollege einen signifikanten Beitrag leisten kann.

Ihre Befürchtung ist nun, dass ihre Kollegen sich dagegen sperren, einen neuen Autor mit ins Boot zu holen. Prozessual kann man ihr vorwerfen, die Einladung ausgesprochen zu haben, bevor sie sich mit ihren Kollegen abgesprochen hat. Inhaltlich wird ihr mindestens ein Kollege vorwerfen, dass er das ja genau so gut beherrsche und Hilfe von außen gar nicht notwendig gewesen sei.

Wenn man dieses Problem klären will, kann auf verschiedenen Ebenen (oder Ohren) mit den Kollegen reden:

  • Sachebene: Ich muss voran kommen. Ich brauche Hilfe. Der Neue hat zusätzliche Kompetenzen, die mir und damit auch dem Team helfen. Es ist letztlich meine Diplomarbeit und ich muss entscheiden, wer mir dabei hilft.
  • Beziehungsebene: Ich wollte Euch nicht übergehen. Ich finde, Ihr seid ein wichtiger Teil dieses Projekts und leistet wichtige Arbeit. Es lief spontan und ich habe Euch direkt im Nachgang informiert. Wir profitieren alle ... 
Man kann sicherlich noch mehr Argumente finden, um die eigene Position zu verteidigen bzw. zu erklären. Motivation hierfür wäre, dass man "über Probleme reden" soll, um die "aus der Welt zu schaffen".

Meine Haltung ist da anders: Man muss nicht über alle Probleme "reden", um sie aus der Welt zu schaffen. Es gibt genug "Probleme", die sich mit der Zeit von selbst erledigen. Schweigen und Ignorieren sind ein gangbarer Weg. Mein Vorgehen wäre in etwa wie folgt:

  1. Knappe Informationsemail schreiben. Kurz Kontext beschreiben (Meeting am Lehrstuhl). Dann Hinweis, dass X bei der Auswertung helfen wird, weil er [konkrete Dinge aufzählen] kann. Kein Wort von Autorenschaft. Keine Frage an die anderen richten.
  2. Im persönlichen Gespräch die Anekdote erzählen, wie man auf die Idee kam, die Person zu beteiligen. Vortrag am Lehrstuhl. Diskussion im Anschluss über das eigene Experiment. Viele interessante Ideen. Impulsiv kam die Idee, ihn zu fragen, ob er nicht mitmachen wolle. Und das Ganze möglichst ausschweifend, mit vielen Details und enthusiatisch.
Durch Nachfragen, Kritik, ... darf man sich nicht in eine Diskussion verwickeln lassen. Entweder mit offenen W-Fragen (Wie, Was, Wann, Warum, ...) reagieren und Zeit gewinnen. Oder die Anekdote einfach noch mal von vorn erzählen. Immer die Ich-Form und Gefühle verwenden.

Ziel dieser Herangehensweise ist es nicht, die Differenzen aus der Welt zu räumen, sondern sie stehen zu lassen. Denn Differenzen gibt es nun einmal. Ewig darüber zu lamentieren, macht die Situation auch nicht besser.

Sonntag, 5. April 2009

Live gehen mit Produktionsproblemen

Diese Woche war für mich ziemlich stressig. Statt meiner vier Tage Woche habe ich wieder einmal fünf Tage gearbeitet. Grund war, dass wir diese Woche mit dem nächsten Releasen live gehen wollten. Ursprünglich sollte das Dienstag erfolgen. Das wurde verworfen, weil Dienstag der Monatsabschluss gerechnet wird und wir nicht mit dem Monatsabschluss in Konflikt geraten wollten. Deswegen sind wir dann Mittwoch live gegangen.

Mittwoch Morgen stellte sich heraus, dass der Monatsabschluss in der Nacht nicht gelaufen war und es Produktionsprobleme gab. Die Admins waren also den ganzen Tag damit beschäftigt, die Produktionsprobleme zu beheben. Wir sind dann am Nachmittag trotzdem live gegangen. Ein Fehler. Um es mal aus Risikomanagementsicht darzustellen: Wenn der Patient gerade einen Herzanfall hat, muss der jährliche Checkup beim Zahnarzt warten.

Donnerstag gab es dann Hardware Probleme. Der Speicher des Datenbankservers war defekt. Das hatte ziemlich missliche Seiteneffekte. Die Performanz unserer Reports litt. Und unsere Batches waren nicht sauber gelaufen. Unser System stand. Wieder hatten die Admins wichtigere Themen, als sich um unser System zu kümmern. Ich kämpfte mit Performanzoptimierungen und mit dem Nachimportieren der Batches.

Am Freitag waren die allgemeinen Produktionsprobleme behoben und jetzt streikte unser System wieder. Unsere Batches waren über Nacht in einen Deadlock gelaufen. Sie waren zu früh gelaufen und waren mit dem Hauptbatch in Konflikt geraten. Zusätzlich funktionierten die online Aktualisierungen nicht mehr. Beides kostete mich wieder den Vormittag, wobei ich für beide Fehler verantwortlich war :/

Was mich diese Woche gelernt hat: Nie trotz Produktionsproblemen live gehen.

Mittwoch, 1. April 2009

AdSense Olé

Auf meiner Bloggerseite bietet google mir neuerdings an, meinen Blog zu "monetisieren", indem ich AdSense aktiviere. Da ich momentan schätzungsweise 10 Besucher am Tag habe, die Hälfte davon "Neu", ist das etwas albern. Außerdem möchte ich Euch gerne Anzeigen von Rechtsanwälten zu Lehman-Zertifikaten ersparen. ;)