Montag, 5. Januar 2009

Berater-Weisheiten I: Einleitung und Spesen.

In meinem ersten Projekt hatte ich einen Kollegen K, den ich als meinen wichtigsten Lehrmeister des Beratertums betrachte. K war ein pfiffiger Kerl, der es verstand, das Maximale aus dem Job rauszuholen. Sein Mantra war, dass der Beraterjob nicht wegen des Lohns lohnend sei. Diesen könne man auch beim Kunden mit weniger Stress verdienen. Wahrscheinlich würde man beim Kunden sogar mehr kriegen. Aus K's Sicht lag der Reiz des Beraterjobs in den steuerfreien Pauschalen und den Reisekosten. Hierzu verwendete er verschiedene Optimierungsansätze, die ich kurz vorstellen möchte. Heute widme ich mich den Reisespesen.

Ich muss vorab sagen, dass ich K regelmäßig bat, sein ungeheures Wissen zu publizieren. Leider kam es nie dazu und mittlerweile arbeitet er doch beim Kunden. Damit K's großes Fachwissen nicht verloren geht, möchte ich an dieser Stelle die wichtigsten Lektionen darstellen, die ich von ihm gelernt habe. Jedoch bedenkt, dass mein Wissen und meine Weisheit begrenzt sind, meine Erinnerung lückenhaft und ich nur ein Lehrling des großen Meisters K  war...

Für reisende Berater sind die Tagesspesen eine wesentliche Einnahmequelle. Tagesspesen berechnen sich anhand der Zeit, die man auf Reisen verbringt, d.h. nicht am regulären Arbeitsplatz (=im Office). Innerdeutsch gelten folgende Sätze:

  • 0€ für Aufenthalte beim Kunden <= 4h.
  • 3€ für Aufenthalte beim Kunden <= 8h.
  • 6€ für Aufenthalte beim Kunden <= 14h.
  • 12€ für Aufenthalte beim Kunden > 14h, aber nicht der ganze Tag.
  • 24€ für Aufenthalte beim Kunden über den ganzen Tag.

Wer in fremden Ländern unterwegs ist, kriegt noch viel bessere Spesen, da die Spesen sich an den Kosten vor Ort orientieren: In London 60€, in Tokyo 72€. Kleiner Hinweis an den deutschen Fiskus: Auch in London und Tokyo kann man gut und günstig essen.

Die maximal erhältlichen 24€ für ganztägige innerdeutsche Reisen erscheinen manchen nicht als viel, aber man muss hierbei berücksichtigen, dass dieser Betrag steuer- und sozialversicherungsfrei ist. Er entspricht also knapp 50€ Bruttolohn. Auf einen Monat (20 Tage) umgelegt, ergibt sich bei zwei halben und 3 ganzen Nächten ein Netto-Zusatzlohn von 16*24€ = 384€. Natürlich hat man als Geschäftsreisender auch höhere Kosten (mehr Essen gehen, mehr Bier), aber gewisse Kosten hätte man auch ohnehin (z.B. Mittagessen in der Kantine). Mit etwas Geschick kann man hier sicherlich 200€ erlösen. Weiterhin gibt es verschiedene Optimierungen.

Eine Optimierung, die sofort ins Auge fällt, sind die jeweiligen Intervallgrenzen. Wie immer man unterwegs ist, man sollte darauf achten, nie knapp unter der Intervallgrenze zu liegen. In meinem Fall ist es so, dass wenn ich abends nach Hause fahre, es einen Nettounterschied von 12€ macht, ob ich am gleichen Tag um 23.59h oder am nächsten Tag um 0.01h zu Hause bin. Zwei Minuten Reisezeiten machen 12€ Unterschied! Das ist jetzt keine Anstiftung dazu, bei der Abrechnung zu bescheißen (kann zur fristlosen Kündigung führen, tue ich auch nicht). Es ist ein Hinweis, seine Reisezeiten angemessen zu gestalten, z.B. indem man einen Zug später nimmt.

Eine weitere, wichtige Optimierungsmöglichkeit bei den Pauschalen ist das Frühstück. Wenn das Frühstück im Hotelpreis enthalten ist, wird standardmäßig 4,80€ pro Übernachtung abgezogen. Es ist hierbei unerheblich, wie teuer das Frühstück wirklich war:  Der tatsächliche Preis kann die 4,80€ deutlich überschreiten und es werden trotzdem nur 4,80€ abgezogen. Mein teuerstes Frühstück waren 20€.

Es erscheint also als gutes Geschäft, das Frühstück im Hotel zu nehmen. Mit etwas Abstand stellt man fest, dass Frühstück beim Bäcker mit Kaffee locker für weniger als 4,80€ zu haben ist, so dass man hier abwägen sollte: Wer kein großer Frühstücker ist, sollte darauf verzichten und sich unterwegs etwas holen.

Eine andere Frühstücksoptierung, die ich verfolge, ist eine Umstellung der eigenen Ernährung: Weg vom Abendsessen, hin zum Frühstück. Frühstück ist meistens all-you-can-eat, so dass man sich für 4,80€ richtig satt essen kann. Abendessen zahlt man selbst. Wenn man also abends nur einen günstigen Snack isst oder (so wie ich heute) ganz aufs Abendessen verzichtet, kann man richtig Geld sparen.

Egal, wie man das Frühstück handhabt, man sollte NIE am Anfang der Woche Frühstück für die ganze Woche bestellen. Stattdessen sollte man es jeden Tag aufs Neue entscheiden, ob man Frühstück im Hotel essen möchte oder eben nicht. Am schlimmsten sind Hotels, die automatisch das Frühstück inkludieren, so dass man für ein nicht-genommenes Frühstück trotzdem 4,80€ löhnt.

Zwei abschließende Bemerkungen noch von mir zum Frühstück:

  1. Manche optimieren, indem sie das Hotel bitten, die Frühstückskosten im Gesamtrechnungsposten zu verstecken. Dies ist Betrug und kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.
  2. Selbst das beste Buffet geht einem irgendwann ziemlich auf den Sack. Man sollte aus Eigeninteresse nicht jeden Tag im Hotel frühstücken.

Das waren jetzt alles meine Beobachtung. Mein Kollege K hatte eine weitere.  Hierzu muss man wissen, dass man als Berater gemeinhin das Recht hat, einen Tag früher anzureisen bzw. einen Tag später abzureisen. Denn nicht jeder hat Lust, montags um 4.45h aufzustehen, um dann ewig Zug zu fahren und noch acht Stunden zu arbeiten. K's Reisekostentrick war es jetzt, freie Sonntage damit zu verbringen, frühzeitig anzureisen. Das hatte verschiedene positive Effekte:

  • Für den Montag streicht man die volle Reisekostenpauschale ein statt der 12€.
  • Für den Sonntag streicht man nochmal 6€.

Macht 18€, die man fürs entspannte Anreisen am Wochenende kriegt ;)

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Nachtrag: Meine Kurze Recherche hat ergeben, dass 2008 größere Änderungen am Spesenrecht vorgenommen wurden. Hiermit muss ich mich noch einmal eingehender beschäftigen.

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