Freitag, 27. Februar 2009

The System und die Finanzanlage

In meiner Reihe "Derren Brown erklärt die Welt" möchte ich heute seinen Trick "The System" vorstellen, seine todsichere Methode "to win money at the horses". Wer sich den Trick anschauen will, findet ihn hier.

Wie immer: Da ich den Trick gleich erläutere, empfiehlt es sich, das Video vorher zu gucken. Und weil es sich um ein One Hour Special handelt, kann das etwas dauern. Die Auflösung ruiniert den Spaß wirklich....

Zum Trick. Derren Brown trifft eine Frau an der Rennbahn. Er hat ihr fünf Wochen lang die Gewinner von Pferderennen vorhergesagt: "Ich habe ein todsicheres System", "the System". Am Anfang war sie skeptisch, dann überrascht und mittlerweile vertraut sie 100% in seine Fähigkeit, das Rennergebnis vorherzusehen. Sie ist heute mit ihren gesamten Ersparnissen und dem Geld von Freunden zur Rennbahn gekommen, damit das "System" ihr Geld vermehrt. Ist ja ein todsicheres Ding.

Leider verliert sie. Alles. Und Derren erklärt dann, wie die Nummer gelaufen ist. Er hat insgesamt fünf Rennen getippt. Dazu hat er 7776 Menschen angeschrieben und jedem das System erklärt. Die "Tipps" waren derart gestaltet, dass jede mögliche Kombination abgedeckt war (6 hoch 5 = 7776). Das System musste also für eine Person funktionieren.

Ein banaler Trick. Und darauf ist sie reingefallen? Diese Idiotin. Selber schuld, wenn das Geld weg ist! ... Ich behaupte, dass auch unter den fünf Menschen mit vier richtigen genug gewesen wären, die Geld auf Derrens "Tipp" gesetzt hätten. Woran liegt das?

Zuallererst: Gier macht blind. Wer Geld verdient, ohne es zu erarbeiten, verliert die Perspektive und will mehr. Was ist leichter, als sein Geld an "The System" zu übergeben und auf die wundersame Geldvermehrung zu warten?

Das ist aber nur der eine Teil der Geschichte. Genauso wichtig ist, dass wir sehr schlecht mit Zufall umgehen können. Wenn beim Lotto die 13 die seltenste Zahl ist, können wir das nicht einfach so stehen lassen, sondern müssen eine Tendenz daraus ableiten:

  • Sichtweise 1: Die 13 muss jetzt aber kommen.
  • Sichtweise 2: Die 13 ist verhext, die tippe ich nicht.

Beides sind letztlich Seiten der gleichen Medaille: Wir versuchen aus vergangenen Ereignissen zukünftige abzuleiten. Nur funktioniert das bei Zufall nicht.

Wer Geld anlegt, sollte sich "The System" sehr gut anschauen. Offenkundig ist es nicht schwer, Opfer eines Betrügers zu werden. Ein schönes Beispiel sind Schneeballsysteme, wie sie jetzt bei Madoff oder Stanford aufgeflogen sind. Am Anfang produzieren diese Systeme hohe Renditen und so lange immer neue Mitglieder beitreten, verdienen alle sehr gut. Nur am Ende bleibt nichts übrig.

Ein älteres Beispiel für Schneeballsysteme ist Jürgen Harksen, der in Hamburg sein Unwesen trieb und in Dieter Bohlens Biographie genannt wird. Dieter Bohlen hatte sich von der Lohnsteuererklärung blenden lassen, in der riesige Einkünfte Harksens aufgeführt wurden. Harksens hatte einfach ein viel zu hohes Einkommen angegeben. Kleine Fälle, wo "Vermögensberater" Geld ihrer Kunden veruntreuen, finden sich immer wieder in den Lokalnachrichten.

Die Opfer sind meistens vermögend, gut gebildet und in Finanzdingen gut ausbildet. Im Madofffall war es sogar so, dass professionelle Vermögensverwalter das Geld ihrer Kunden bei Madoff angelegt haben und dass die staatliche Aufsicht den Betrug erst bemerkt hat, als der Schaden im zweistelligen Milliardenbereich lag.

Die Betrugsbeispiele sind an sich schon alarmierend. Nur leider findet sich das Muster auch in Formen der seriösen Geldanlage. Wer sich Hitlisten von Fonds anschaut und daran seine Anlageentscheidungen ausrichtet, leitet aus der Vergangenheit die Zukunft ab. Wenn man 100 Fonds betrachtet, wird es zwangsläufig einen darunter geben, der die letzten Jahre sehr gut performed hat. Inwiefern das Glück oder Können war, lässt sich nicht beurteilen. Es lässt sich eben keine Aussage über die Zukunft ableiten.

Für die Teilnehmerin am Pferderennen geht es letztlich doch noch gut aus. Derren zaubert ihr ein Gewinnerlos. Für den Normalanleger hingegen ...

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