Donnerstag, 2. Juli 2009

Modern Times sind zurück

Ich habe mich immer gefragt, wie die Große Depression war: Massenarbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Machterergreifung der Nazis ... Ich kann mir das sehr schwer vorstellen. Die einzigen Bilder, die ich mir mache, sind Ausschnitte aus Charlie Chaplins Film Modern Times und die Schlangen vor den Suppenküchen.

Über unsere jetzige Krise war ich lange Zeit verwundert. Einerseits sei es die größte Krise seit der Großen Depression. Andererseits sehe ich kein Elend, das im entferntesten an meine Vorstellung der Großen Depression heranreicht. Wenn ich samstags in die Einkaufszone gehe, sehe ich volle Läden mit munteren Konsumenten, die fleißig für die Konjunktur shoppen. Rabatte werden beworben, aber das ist für mich gängiges Marketing. Auffallen tut höchstens die hohe Anzahl von Ladenaufgaben und der "Zu Vermieten"-Schilder.

In meinem erweiterten Bekanntenkreis kannte ich bis vor kurzem niemanden, den es erwischt hätte. Das hat sich dieser Tage geändert und die schlechten Nachrichten häufen sich.

  • Bei meiner alten Firma wurde die Kurzarbeit ausgeweitet, weil im Automobilbereich die Aufträge wegbrechen.
  • Ein Bauingenieur erzählte mir, dass sein Ingenieursbüro kein Projekt in der Pipeline hätte. Kollegen seien schon entlassen und ihn würde es wohl erwischen, sobald sein aktuelles Projekt ausgelaufen sei.
  • Der Nachbar meiner Eltern arbeitet im Maschinenbau und die Hausbank fordert eine "Restrukturierung" seines Betriebes, was auf Entlassung hinausläuft.
  • Ein Beraterkollege erhielt die Kündigung, betriebsbedingt versteht sich.

Was mir zu denken gibt, ist die zeitliche Häufung der Ereignisse. Mir scheint es so, dass viele Firmen das erste Halbjahr noch abgewartet haben in der Hoffnung, danach das Tal durchschritten zu haben. Das Halbjahr ist rum und man stellt fest, dass die Talsohle noch gar nicht erreicht ist. Jetzt reagiert man, was die Konjunkturprobleme wieder verschärft.

An eine schnelle Erholung mag ich nicht glauben. Die Probleme werden sich sicher noch mindestens ein Jahr ziehen. Ich hoffe nicht, dass ich mir Mitte 2010 sehr viel besser vorstellen kann, wie die Große Depression war.

1 Kommentar:

  1. Zitat: "Auffallen tut höchstens die hohe Anzahl von Ladenaufgaben und der Zu Vermieten-Schilder"

    In München sind bisher noch keine zu sehen.

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