Mittwoch, 15. Juli 2009

Trotzden und Aber in der Kommunikation

In meinem ersten Jahr als Berater hatte ich zwei Schulungen: eine Grundlagenschulung Banken und eine Softskillsschulung Kommunikation. Später habe ich noch ein SOA-Werkzeugschulung gemacht und eine Fachschulung Risikomanagement.

Die Kommunikationsschulung ist Berater-Standard. Auch bei meiner neuen Firma habe ich Mitte September eine: Sicheres Auftreten beim Kunden. Standardinhalte, die man dort lernt, sind das 4-Ohren-Modell, der Feedbackburger, Pacing und Leading, ...

Der Punkt, den ich in meinem Alltag am meisten beachte, ist die Vermeidung von Negationen, z.B. nicht, nein, aber, trotzdem, jedoch, ... Ein einfaches Beispiel: "Hast du keine Lust mit ins Schwimmbad zu kommen?" - "Nein, ich komme gerne mit."

  • Schon die Frage ist schlecht formuliert. Der Fragesteller hätte auch einfacher fragen können: "Hast du Lust mit ins Schwimmbad zu kommen?"
  • Die Antwort ist ebenfalls ungüstig. Logisch richtig (Negation der Negation), inhaltich schwer zu verstehen. Viel besser wäre natürlich: "Ja, ich komme gerne mit".

Eine Negation, wo man sehr häufig daneben greift, ist aber. Aber drückt einen Widerspruch aus. Viele verwenden es jedoch als Ersatz für Und, also als Bindewort. "Ich war heute um 5h schon wach, aber gefrühstückt habe ich erst um 7h". Hier könnte genauso gut "und" stehen bzw. das Bindewort kann auch ganz entfallen.

Abgesehen davon, dass sie inhaltlich nicht passt, bereiten Negationen unserem Gehirn große Probleme. "Denke nicht an den rose Elefanten" ist ein klassisches Beispiel dafür. Ein anderes Beispiel aus der Kindererziehung: "Fass nicht auf den Herd."

Diesen Effekt kann man natürlich auch mißbrauchen: "Niemand würde ihm unterstellen, eine Affäre mit seiner Sekretärin zu haben". Genau das tut man dann aber.

Heute in der Welt findet sich ein ähnliches Beispiel. Die Welt hat eine Imagestück über die großartige Europäerin und Liberale Koch-Mehrin. Darin heißt es:

"Die Liberale tauchte mehr in den Medien auf als in den Sitzungsprotokollen des Hohen Hauses.

Trotzdem ist Koch-Mehrin weitaus bekannter als Schulz oder der ehemalige Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering." [welt.de]

Dass das Tingeln durch deutsche Talkshows den Bekanntheitsgrad eines Politikers deutlich positiver beeinflusst als die Teilnahme an Parlamentssitzungen, sollte jedem klar sein. Das "Trotzdem" hat hier inhaltich nichts zu suchen. Es dient allein der Verschleierung. Der Widerspruch soll dort stehen, damit der Leser glaubt, es wäre eine echte Leistung von Frau Koch-Mehrin.

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