Montag, 7. Dezember 2009

Jeder Überflieger braucht einen Kontrahenten

Ich kenne einige Landesbanken. Deswegen möchte ich endlich ein paar Worte zu einer in meinen Augen falschen Analyse der Landesbanken-Misere der Zeit loswerden.

Der Artikel fängt schon irreführend an. So steht dort: "Dirk Jens Nonnenmacher, Vorstandschef der HSH Nordbank und studierter Mediziner". Dass Jens Nonnenmacher Mediziner ist, suggeriert, dass er für den Führungsposten einer Bank nicht qualifiziert ist. Dass Nonnenmacher zusätzlich habilitierter Mathematiker ist, kommt erst sehr viel später im Text. Dass die BaFin ohnehin die Eignung von Vorstandsvorsitzenden vor ihrer Berufung rigide prüft, fehlt völlig.

Schön sind auch die Verweise auf die Auslandsniederlassung der HSH: "Die Nordlichter haben nun Zugang zu einem "faszinierenden Netzwerk" von Auslandsstellen, in Kopenhagen oder Asien." Wer auf die Karte guckt, stellt fest, dass Kopenhagen nicht viel weiter von Kiel entfernt ist als Hannover. Kiel war früher sogar dänisch. Auch die Vertretungen in Asien machen Sinn, wenn man Schifffahrtsfinanzierungen anbietet. Wichtig ist dabei aber, das Maß zu wahren. Wer sich die New York Geschichten der HSH durchließt, muss daran zweifeln.

Ein anderer Protagonist, der im Text nicht gut wegkommt, ist Rolf Gerlach. Es heißt: "Gerlach kommandiert eine knallharte Lobbytruppe, und er selbst ist seine schärfste Waffe. [...] Es ist Gerlach, der im Frühsommer 2007 die ersten Gespräche über eine Fusion zwischen WestLB und der Landesbank Baden-Württemberg, LBBW, initiiert. [...] Vor allem aber achtet Rolf Gerlach sehr darauf, dass seine Sparkassen bei der Rettung der WestLB möglichst günstig davonkommen." Rolf Gerlach, der schamlose Egoist.

Wenn man heute zurückblickt, war die Fusion mit der LBBW das beste, was der WestLB und dem Land NRW hätte passieren können. Das war nämlich noch, bevor die Riesenlöcher auftauchten. Verhindert wurde die Fusion von Jürgen Rüttgers, dem NRW Ministerpräsidenten, der den "Bankenstandort Düsseldorf" retten wollte. Diese Information fehlt. Auch fehlt, dass damals noch vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger das Angebot im Raum stand, im Gegenzug die Sparkassen-Versicherungsgruppen von NRW und Baden-Würtemberg zu fusionieren: mit Sitz in NRW.

Dann kommt wieder die alte Kamelle auf den Tisch: "Auch die Sparkassen tragen bis heute eine Mitschuld an der Misere. Sie verweigerten den Landesbanken den Zugang zu Kunden in der Heimat [...] ." Man kann einen Kuchen nur einmal verteilen. Entweder die Sparkasse macht das Geschäft oder die Landesbank. Dass sich ein Eigentümer dafür entscheidet, das Geschäft selbst zu machen, kann man ihm nicht vorwerfen. Hinzukommt, dass die Tätigkeit als Zentralinstitut durchaus profitabel sein kann. Fonds auflegen, Kapitalmarkt in fremder Rechnung abwickeln etc., das sind an sich reizvolle Geschäfte, siehe Deka oder WGZ. Voraussetzung ist aber, dass man einen schlanken, günstigen Apparat hat.

Wo der Artikel zu kurz greift, ist bei der Beobachtung der Vernetzung der Landesbanken mit den restlichen Banken Deutschlands: "Fiele die HSH Nordbank, könnte sie alle anderen Landesbanken mitreißen, mit ihnen die Sparkassen und das Finanzsystem." Die Landesbanken waren nicht nur Kontrahenten untereinander und für Sparkassen, sondern das ganze deutsche Finanzsystem ist eng miteinander verpflochten. Die Pointe der Geschichte ist, dass es für jeden Überflieger (sprich Deutsche Bank) einen Kontrahenten (WestLB) auf der anderen Seite des Geschäfts geben muss, der die Rechnung bezahlt.

1 Kommentar:

  1. Wow, saubere Analyse der derzeitigen Geschehnisse im deutschen Bankenwesen.

    Bin begeistert. Mehr davon!!!

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