Donnerstag, 18. Februar 2010

Die 30-Sekunden-SQL-Inflation

Neben der Insolvenz werden in der Krise von Wirtschaftswissenschaftlern gerne die Vorteile einer eigenen Währung gerühmt. Wer die Notenpresse kontrolliert, kann Schulden in eigener Währung immer bezahlen, er muss das entsprechende Geld nur drucken. Wobei das meiste Geld heute virtuell als Einträge in Datenbanken existiert statt in Papierform. Gelddrucken in der Praxis ginge wohl so:

UPDATE NATIONALBANK.KONTO
SET KONTOSTAND_GRD = KONTOSTAND_GRD + 200.000.000.000
WHERE KONTO_EIGNER = 'STAAT_GRIECHENLAND';

COMMIT;


Das virtuelle Gelddrucken dürfte schneller und deutlich umweltfreundlicher sein als die überkommene Papiervariante. Netter Nebeneffekt des Gelddruckens: Der Wechselkurs stürzt ab, was die heimische Wirtschaft im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger macht.

Wenn man die Vorteile des Gelddruckens so sieht, fragt man sich, warum sich überhaupt so viele Nationen gefunden haben, die den Euro haben wollten. Griechen, Spanier, Portugiesen, seid ihr alle bescheuert? Vielleicht sind die eigene Währung und das Gelddrucken nicht ganz so toll, wie es uns die Wirtschaftswissenschaftler einreden.


Die Entledigung der Staatsschulden geht Hand in Hand mit der Entwertung von Vermögen. Man nennt das wohl Inflation. Musterland in dieser Disziplin ist aktuell Zimbabwe231 Mio % Inflation?! Während der Staat durch die Inflation sich seiner Schulden entledigt, entwertet er gleichzeitig die Vermögen seiner Bürger. Wenn man den Staat als Aggregat seiner Bürger begreift, kann man das als Wirtschaften von der linken Tasche in die rechte Tasche verstehen.

Die Entwertung der Vermögen trifft nicht alle Bürger gleich hart. Wer sein Geld auf dem Sparkonto hat (die Unterschicht), verliert. Wer hingegen sein Geld statt auf dem Sparkonto in Immobilien, Aktien, Fremdwährungen oder Gold investiert (die Oberschicht), steht besser da. Sozial ausgewogen ist Inflation nicht. Effizient ebenso wenig: Gelddrucken im Internet-Zeitalter?

Gelddrucken ist doch nur eine indirekte Methode an das Vermögen seiner Bürger zu kommen. In Zeiten, wo Geld nur noch virtuell ist, kann man sich das Vermögen aber auch einfach so nehmen: Hierzu möchte ich die 30-Sekunden-SQL-Inflation vorschlagen:



UPDATE NATIONALBANK.KONTOSET KONTOSTAND_GRD = INFLATION * (
SELECT SUM(KONTOSTAND_GRD)
FROM PRIVATBANKEN.KONTO
)
WHERE KONTO_EIGNER = 'STAAT_GRIECHENLAND';

UPDATE PRIVATBANKEN.KONTO

SET KONTOSTAND_GRD = KONTOSTAND (1 - INFLATION);

COMMIT;

Die INFLATION kann man beliebig zwischen 0 und 1 wählen. Die beiden Updates sollten als gemeinsame Transaktion durchgeführt werden, um die Konsistenz über die Bankkonten zu wahren.

Einige Vorteile meiner IT-Lösung zur Haushaltssanierung:
  • Man ist relativ schnell durch.
  • Man kann alle virtuellen Vermögenswerte berücksichtigen, also nicht nur Barwerte, so dass alle Gruppen der Gesellschaft berücksichtigt werden.
Nachteile meines Verfahrens:
  1. Man treibt die Leute in Bargeld, Sachwerte bzw. ins Ausland.
  2. Steuern sind unpopulär. Inflation kann man besser verkaufen.
  3. Das Volksvermögen muss positiv sein, damit das Verfahren funktioniert.
Zu 1): Flucht in Sachwerte und ins Ausland passiert bei einer Inflation auch. Zu 2): Mein Verfahren hat die gleichen Ergebnisse wie die klassische Inflation per Notenpresse. Und es ist kurz und schmerzlos. Also, wann darf ich in Frankfurt an die Datenbank?

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