Sonntag, 19. September 2010

Die Boni der Deutschen Pfandbriefbank: Vermeintlich unvermeidbar

Die HRE Deutsche Pfandbriefbank hat es in kurzer Frist zweimal in die Schlagzeilen geschafft. Erst haut sie den Staat um weitere 40 Mrd an, weil sonst die direkte Pleite drohte. Dann kommt raus, dass sie kurz vor dem Anhauen und trotz Milliardenverlusten einigen "Topmitarbeitern" Boni gezahlt hat, in Summe 25 Mio €. Hierbei wird seitens der Deutschen Pfandbriefbank auf die Unvermeidbarkeit verwiesen, man sei schließlich an Arbeitsverträge gebunden.

Zuallerst kann man natürlich festhalten, dass ein Arbeitsvertrag schlecht formuliert ist, der bei Sonderzahlungen im Millionenbereich die katastrophale Situation der Gesamtbank unzureichend berücksichtigt. Herrgott, seid mal froh, dass Ihr überhaupt noch Arbeit habt! Meine Erwartung wäre, dass für die neuen Mitarbeiter der Deutschen Pfandbriefbank (Wir stellen ein!) solche Passus nicht mehr möglich sind.

Bei den alten, anscheinend schlecht formulierten Arbeitsverträgen der Deutschen Pfandbriefbank dürfte der Bonus der "Topmitarbeiter" primär an deren individuellen "Leistung" (Performance) gekoppelt sein. Nur ist Leistung schwer objektiv zu messen. Im Bankenwesen wird Leistung deshalb vereinfachend mit der PnL gleichgesetzt (Profit and Loss = Gewinn und Verlust). Man bilanziert an einem Stichtag, wieviel Gewinn (oder Verlust) der Mitarbeiter für sein Buch (sein Portfolio, seinen Folder, seine Kostestelle, seinen Desk, seinen Bereich, seine Abteilung, ...) gemacht hat und wertet dies als seine Leistung.



Wer als Mitarbeiter jetzt mit Boni am Jahresende beglückt werden will, tut gut daran, sich nicht allein auf seine Leistung zu verlassen. Ebenso wichtig (wenn nicht sogar wichtiger) ist das Drehen an der Berechnungsgrundlage der PnL, sprich welche Positionen und Kosten zu welchem Anteil und nach welcher Berechnungsmethode in die PnL einfließen. Ein guter Händler z.B. sieht zu, schlechte Positionen aus seinem Buch zu entfernen, um seine Bilanz zu polieren. Zusätzlich kann er versuchen, sein Buch am Stichtag besser aussehen zu lassen, indem er gute Transaktionen vorzieht und schlechte Transaktionen erst nach dem Stichtag bucht.

Abgesehen vom Verschieben ganzer Positionen geht es auch schnell um das Aufteilen der PnL einzelner Positionen zwischen verschiedenen Büchern. Eine Position kann z.B. mehrere Risikoarten (Kreditrisiko, Zinsrisiko, Liquiditätsrisiko, ...) umfassen, die von verschiedenen Abteilungen verantwortet werden. Hier ist natürlich die Aufteilung zwischen den Risikoarten immer eine Diskussionsfrage. Hat die Kreditabteilung ohnehin keine Möglichkeit mehr, dieses Jahr in die Bonizone vorzudringen, wird sie sich eventuell wenig wehren, wenn die Marktrisikoseite ihr über Gebühr Verluste reindrückt bzw. zu viel der Gewinne einer Position für sich reklamiert...

Was früher seitens der Händler für die Maximierung ihrer Boni verwendet wurde, hätte dieser Tage seitens der Deutschen Pfandbriefbank auch in die andere Richtung betrieben werden können: Wie verteile ich 2 Mrd Euro Verlust so über die Bücher, dass niemand einen Bonus bekommt? McKinsey, BCG, wo seid Ihr, wenn man Euch braucht?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen