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Corona - In den Medien 10. Mai 2020

Bei Spiegel.de schreibt ein Psychoanalytiker übers Grundgesetz.
Das Grundgesetz aber basiert nicht auf epidemiologischen Werten, sondern auf ethischen. In Artikel 3 heißt es [...]
Dass Psychoanalyse keine Wissenschaft ist, habe ich in meiner allerersten Psychologievorlesung an der Uni gelernt. Dass die Therapieerfolge einer zumeist langjährigen Psychoanalyse nicht klar quantifizierbar sind, kam dann ein paar Jahre später. Ich hatte viele Bekannte, die verhaltenstherapeutische Ausbildungen machten; die Erfolge von vergleichsweisen kurzen Verhaltenstherapie sind hingegen belegt. Was ich aber bis heute nicht wusste, ist, dass Psychoanalyse auch ein Jurastudium umfasst und dass man einen Psychoanalytiker als Experten für Grundgesetzfragen heranziehen kann. Wäre da nur ein Verfassungsrechtler, evt. sogar ein ehemaliger Verfassungsrichter, der zu den Stellung bezogen hätte...

Spiegel.de berichtet ebenfalls über eine österreichische Studie. Dort wurden echte Fälle analysiert und versucht, Infektionsketten aufzuklären. Das gelang für 25% der Fälle: Haushalt, Arbeit, Pflege, Freizeit, Chor...
Verwunderlich ist, dass die Ergebnisse der AGES kein einziges Cluster in Schulen oder Kitas ergeben haben.
Und da kommen wir damm zur tendenziösen Berichterstattung in Sachen Corona. "Verwunderlich" ist daran nämlich gar nichts. Bis heute wurde weltweit kein einziger Beweis dafür gefunden, dass Kinder signifikant zur Verbreitung von Corona beitragen.

Nun kann man einwenden, 75% seien unerklärt. Das stimmt, wobei man sich mal genau überlegen muss, in welchen Fällen es schwierig ist, eine Infektionskette festzustellen und in welchen nicht. Schwierig sind Orte, wo man mit vielen Unbekannten zusammenkommt und an die man sich schwer erinnert. Wer weiß schon, ob er am 12.4. die Ubahn um 7:30h oder um 7:35h genommen hat und ob er in Wagen 1 oder 2 vorne oder hinten eingestiegen ist? Das alles trifft nicht auf die Schule zu.

Zu Herrn Streeck und seiner Heinsberg Studie wurde vor einigen Tagen auch wieder eine Sau durchs Dorf getrieben. Tagesschau.de titelte:
Falsche Rechnung mindert Aussagekraft
Streeck hatte grob überschlagen, dass, falls die Ergebnisse von Gangelt/Heinsberg übertragbar sind, 1.8 Mio Deutsche bereits Corona gehabt haben dürften. Betonung seinerseits war aber das "Falls". Das ist übrigens typisch Wissenschaftler, von daher ist der Vorwurf ohnehin Blödsinn. Aber auf welche Zahl kommen jetzt die Kritiker?
Die Zahl der möglichen Infizierten in Deutschland läge dann, so die vom SWR befragten Wissenschaftler, wahrscheinlich mindestens bei knapp einer Million, könne aber auch bis zu fünf Millionen Menschen umfassen.
Mal abgesehen davon, dass sich die Aussage "Es gibt eine große Dunkelziffer" nicht maßgeblich ändert, selbst wenn man 1 Mio Infizierten annimmt, scheint der Autor noch nie in einer Statistikvorlesung gewesen zu sein. Denn wer Statistiken auswerten, betrachtet immer Verteilungen und Intervalle. Dass es für die Medien leichter ist, eine Zahl (1.8 Mio) zu schreiben als wie in der Wissenschaftlich üblich von Konfidenzintervall und Verteilung zu sprechen, kann man Streeck nicht anlasten.

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