Freitag, 23. Januar 2009

Mein Kaupthing Konto

Ich behaupte von mir, in Finanzdingen besser ausgebildet zu sein als der Durchschnittsbürger. Ich informiere mich regelmässig über Finanzdinge und weiß, was ein CDS ist (Credit Default Swap). Das bringt der Job eben mit sich. Trotzdem war mein Geld bei Kaupthing. Kein Scherz. Drei Kollegen von mir (ebenfalls aus dem Bankensektor, zwei sogar mit Wirtschafthintergrund) hatten dort auch ein Konto. Von zweien weiß ich, dass sie (wie ich) erfolgreich am Bank Run mitgewirkt haben.

Das Länderrisiko bin ich bewusst eingegangen. Ich hatte ein Tagesgeldkonto, verfolge die Finanznachrichten und als es Zeit wurde, das Geld abzuziehen, war es auch weg. Ich wusste, dass dort nur 20.000€ garantiert sind und mehr lag auch nie auf dem Konto. Das fiel mir auch nicht schwer ;). Dass die groß beworbene Garantie nicht tragen würde, hatte ich hingegen nicht erwartet.

Meine Freundin, die auch dort ein Konto hat, kämpft gerade mit den isländischen Behörden, die unter der schieren Antragsflut zusammenbrechen. Als sie ihr Konto dort eröffnet hat, habe ich sie noch darauf hingewiesen, dass dort ein Länderrisiko vorliegt. Und als es Zeit wurde, das Geld abzuziehen, auch darauf. Nur war sie die Woche unterwegs und hatte ihre Onlinebanking-Unterlagen nicht dabei. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Über Kaupthing kann man lang und ausführlich streiten. Viel zu groß für Island. Ein Land als Hedge Fonds. Wenn die gierigen Kleinanleger ihr Geld verlieren, geschieht ihnen das nur recht. Die letzte Aussage hörte ich so auch aus meinem näheren Verwandschaftskreis... Die Gegenseite:

  • Die Bilanzzahlen sahen gut aus. Das Tier 1 Kernkapital ist gleich dem der Deutschen Bank.
  • 5,75% Zinsen als Lockangebot sind nicht signifikant mehr als z.B. die Deutsche Bank Tochter Norisbank (5,25% für Festgeld) oder die Commerzbank (5,2% für Tagesgeld) boten. Consors wirbt aktuell mit 6%, wobei da versteckte Gebühren drin sind.
  • Meine Anlageform war ein Tagesgeldkonto, keine nachrangige Wandelanleihe.
  • Ich habe kein Geld nach Island überwiesen, sondern mein Konto hatte eine deutsche BLZ.
  • Kaupthing operierte völlig legal im deutschen Markt.
  • Gegen einen Bank Run ist keine Bank bewappnet.
  • Ach ja, und viele der deutschen Banken, die gerade Geld beim Staat einsammeln, haben einen Teil ihres Gelds in Island verbrannt.

Ich glaube sogar, dass die Einlagen bei Kaupthing durch das Bankvermögen gedeckt sind. Dazu muss man wissen, dass Forderungen eine Rangigkeit haben und dass in den meisten Fällen bei Banken Sparbücher, Tagesgeldkonten und sonstige Einlagen ganz vorne stehen. Ganz unten in der Nahrungskette steht Eigenkapital. Als Vergleich können die USA dienen. Dort sind letztes Jahr schon reihenweise größere und kleinere Banken pleite gegangen. Die FDIC (Federal Deposit Insurance Corp) hat die Guthaben und entsprechende Vermögenswerte an eine andere Bank transferiert (also der Insolvenzmasse entnommen) und den Rest sang und klanglos pleite gehen lassen. Die Konsequenz an der Geschichte ist, dass Banken (außer für Sparer) miese Schuldner sind: AA = "Absolut Armselig"? :)

Dass man bei den CDS-Auktionen jetzt von einer Recovery Rate von etwas mehr als 6% bei Kaupthing ausgeht (sprich 94% Forderungen sind nicht gedeckt), spricht auch nicht dagegen. Erstens ist auch diese Recovery Rate eine Wette. Und wie gut Banker im Zocken sind, kann man gerade miterleben. Zweitens hat kein Privatbürger CDS gezeichnet, das heißt, hier wurden primär nachrangige Kredite gesettlet. Wenn da noch was übrig bleibt, dann ist wahrscheinlich genug für die Einlagen da.

Mal sehen, was kommt. Immerhin ist Island Urlaub jetzt günstig. Und wer meint, dass es nur die doofen Isländer treffen wird, kann nach Irland, England, Lettland, in die Schweiz schauen und findet dort sehr ähnliche Konstellationen. Wenn ich heute über meine Geldanlage nachdenke, würde ich gerne Dollar oder Schweizer Franken shorten. Alternativ wären Ölindexfonds interessant. Als Privatanleger aber deutlich schwieriger zu machen, als ein Tagesgeldkonto bei der VW Bank zu eröffnen. Diesmal mit deutschem Einlagensicherungsfonds.

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