Montag, 19. Januar 2009

Vor Ort, beim Kunden

Ich bin momentan viel unterwegs. Zwischen meinem Kunden und meinem Wohnort liegen gut 500km schlechter Infrastruktur, die ich montags und donnerstags bereise. In meiner Niederlassung bin ich fast nie; in anderthalb Jahren waren es in Summe 15 Tage, die ich dort war. Zehn Tage davon waren nach meinem Einstieg, während ich auf mein erstes Projekt gewartet habe. Danach war ich immer mal wieder für ein paar Stunden da, um an Meetings teilzunehmen oder ein Mitarbeitergespräch zu führen. So z.B. letzte Woche, wo ich erst ein Mitarbeitergespräch hatte, um dann an einem Meeting teilzunehmen.

Mein erstes Projekt lag in der gleichen Stadt, so dass ich abends nach Hause gefahren bin. Reisezeiten hatte ich keine, nur Pendelzeiten. Trotzdem macht es einen nicht zu unterschätzenden Unterschied, ob man einen echten Arbeitsplatz bei seiner eigenen Firma hat oder vor Ort beim Kunden arbeitet. Der Arbeitsplatz beim Kunden wird nie der eigene. Das fängt damit an, dass die Ausrüstung schlecht ist. Der Kunde investiert keine Unsummen in die Arbeitsplätze von Externen. Man selber investiert auch nicht in seinen Arbeitsplatz beim Kunden, weil es schließlich nur ein temporärer Arbeitsplatz ist. Das höchste der Gefühle waren eine Kaffeemaschine, die ein Kollege gestiftet hatte, und mein eigener Kaffeebecher. Am Ende steht ein anonymer, geschmackloser 0815 Arbeitsplatz.

Jetzt kann man sich freuen, doch einen tollen, mobilen Laptop zu haben. Der ist praktisch, wenn man während der Reisezeit Civilization IV spielen will oder Blog schreibt. Bei meinen bisherigen Kunden hingegen war er nicht produktiv einsetzbar. Es gab Sicherheitsrichtlinien, die verhinderten, dass ich meinen Laptop an das Netzwerk anschließen konnte. Ohne Netzwerkzugriff ist arbeiten praktisch unmöglich. Aktuell kann ich nicht mal einen USB-Stick anschließen, um Daten zwischen Kundenrechner und Laptop zu transferieren. IT-Sicherheitstechnisch ist das völlig in Ordnung.

Das dauerhafte Leben beim Kunden ist nicht einfach. Man wird immer als Externer wahrgenommen, woran unterschiedliche Erwartungen und Haltungen geknüpft sind. Da wäre die Arbeitszeit: "Eure Tagessätze müsst Ihr Euch auch verdienen." Dass letztendlich auch ein Interner Kosten hat, sprich einen Tagessatz, und dass (bei Banken) die Spanne zwischen Internen und Externen nicht so groß ist, wird geflissentlich übersehen. Genauso wie, dass ich persönlich vom Tagessatz erst mal gar nichts habe.

Dann gibt es die Kontrolle: "Wir erwarten mindestens acht Stunden Präsenz." Diese Aussage kommt bei Firmen, die selbst äußerst flexible Gleitzeitmodelle haben. Einer meiner Kunden-Projektleiter hatte Vertrauensarbeitzeit, kam gegen zehn bis elf Uhr, arbeitete bis maximal sieben (knapp acht Stunden) und machte an Einzeltagen kurzfristig Home Office. Trotzdem bestand er bei uns auf einer unflexiblen Kernarbeitszeit von 9.30h bis 18h.

Schließlich ist der Umgang mit einem Externen speziell. So wie man selber nicht in ein Büro investiert, indem man vielleicht 12 Monate sitzt, so investiert auch kein Interner in einen Externen. Es kommt sehr selten vor, dass man gemeinsam essen geht. Bei vielen Dingen wird man geflissentlich ignoriert. Meinen Kollegen ist es mal passiert, dass ihre Abteilung im Nebenraum bei Kaffee und Kuchen einen Geburtstag feierte und sie fleißig weiterschufteten. Keiner der Internen kam auf die Idee, sie hinzuzubitten. Über die Zeit verwaschen die Grenzen etwas, aber letztlich ist es immer ein Auswärtsspiel.

Was ich damit illustriene möchte, ist, dass der eigene, feste Arbeitsplatz einen Wert an sich hat. Andersherum: Wer beim Kunden arbeitet und damit der eigenen Firma ja erst eine Verdienstmöglichkeit verschafft, sollte sich diesen Wertverlust entlohnen lassen.

Ach ja, und was spricht überhaupt dafür beim Kunden zu arbeiten? Man kriegt viel zu sehen und erlebt unterschiedliche Unternehmenskulturen und Denkweisen, wodurch man schnell lernt. Man sieht so spannende Städte wie Gütersloh oder Schwäbisch-Hall. Und: Man muss nicht für den Kunden arbeiten: Von langjährigen Beratern hab ich mal die Aussage gehört, dass sie trotz der Vielzahl ihrer bisherigen Kunden nur für einen einzigen von diesen normal arbeiten würden.

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