Dienstag, 13. Januar 2009

Zauberkunst und Backshops

Über meinen Bruder bin ich zu Derren Brown gekommen. Derren Brown ist englischer Zauberkünstler, der viele psychologische Spielereien macht, aber auch ziemlich gut in Kartentricks ist.

Eine großartige Nummer von ihm ist seine "NLP und Geburtstagsgeschenke"-Nummer. Dort setzt er Kommunikationstechniken der Neurolinguistischen Programmierung dazu ein, seinem Gegenüber ein Geburtstagsgeschenk einzureden. Klingt irre, ist es auch. Und wer die Nummer nicht kennt, sollte sie sich reinziehen. Als Tip: Bevor Ihr zur Geschenkübergabe kommt, drückt kurz Pause und überlegt Euch, was Ihr Euch gerade wünscht. Ich meine, beim ersten Gucken den gleichen Wunsch gehabt zu haben.

Spoiler-Alarm: Wenn Ihr gerade fünf Minuten habt, guckt es Euch doch JETZT an, weil ich im Anschluss ein paar Dinge verraten werde, die den Spaß deutlich reduzieren. Das Video findet Ihr hier.

Geguckt?

Sicher?

Okay, dann mal weiter im Thema.

Bis Weihnachten war ich der Ansicht, dass die Erklärung korrekt ist, die Derren Brown am Ende des Videos gibt. Er zeigt dort, wie er den Gegenstand immer wieder in seinem Gespräch referenziert. Es erscheint plausibel. Dann kam Weihnachten mein Bruder, der sich etwas mehr mit Zauberkunst beschäftigt hat. Er hatte mir vorher schon Derren Browns Buch "Tricks of the Mind" ausgeliehen und so war das, was er mir sagte, nicht völlig neu.

Zuallererst wies mein Bruder mich darauf hin, dass wir erst einmal keine Information über den Kontext des Tricks haben. In welcher Beziehung steht Derren Brown zum Gast? Hätte er vielleicht das Lieblingsgeschenk einfach so raten können? Kannte er die Handschrift des anderen? ... Wenn man über die Fragen nachdenkt, bietet sich eine viel einfachere Erklärung als NLP an:

  • Derren Brown wusste, dass sich der andere ein BMX-Fahrrad wünscht.
  • Derren Brown kannte die Handschrift des anderen und konnte ohne weiteres eine Fälschung des Wunsches (die Lederjacke) erstellen.
  • Damit die Umschläge gleich aussehen, wurde der andere genau instruiert, wie er den Wunsch aufschreiben soll. Ihm wurde ein Umschlag, ein Stück Papier und ein Stift gegeben und ihm wurde gesagt, wo er seine Unterschrift und das Datum hinschreiben soll.
  • Während des Tricks tauscht Derren Brown die beiden Wünsche. Er ist ein ziemlich talentierter Taschendieb und es ist schon auffällig, wieviel Körperkontakt er während des gesamten Gesprächs herstellt.

Die NLP-Techniken setzt Derren Brown dazu ein, uns auf eine falsche Fährte zu führen. Wenn wir einen Trick sehen, wollen wir immer eine Form von Erklärung für den Trick haben. Und genau die gibt er uns in Form von NLP.

Backshops (und viele Dinge im Wirtschaftsleben) sind analog zu diesem Vorgehen zu sehen. Brötchen bei Backshops sind häufig billiger als beim Bäcker. Die angebotene Erklärung für den Kostenvorteil sind die Selbstbedienung und die größeren Volumina. Ein Backshop ist so gestaltet, uns ein Gefühl von Effizienz zu vermitteln, angefangen bei den Zangen, mit denen man sich die Brötchen rausfischt, bis zur Kasse, an der man bezahlt.

Wirtschaftlich betrachtet, komme ich aber zu einem anderen Urteil. Wenn ich den Backshop in meiner Nachbarschaft mit der Bäckerei um die Ecke vergleiche, stelle ich drei bemerkenswerte Dinge fest:

  • Die Bäckerei hat die deutlich kleinere Fläche, also niedrigere Mietkosten.
  • In Bäckerei und Backshop arbeiten ähnlich viele Mitarbeiter, also Gehaltskosten gleich.
  • Die Volumina unterscheiden sich kaum.

Es gibt also keinen Kostenvorteil auf Seiten des Backshops. Woher kommt dann die Preisdifferenz? Meine einfache Erklärung, die ohne Effizienz und Volumina auskommt: von der schlechteren Qualität der Ware.

Wer ein Croissant vom Backshop zwei Stunden liegen lässt, hat am Ende eine trockene Backware, die stark krümelt. Auch die Vollkornbrötchen sind abstrus: Manche sehen aus wie die Aufbackbrötchen von Aldi. Und Größe und Gewicht der einzelnen Backwaren weicht auch dramatisch ab von dem, was man von einer guten Bäckerei gewohnt ist.

Lustigerweise hat es bei mir länger gedauert, mit den Backshops zu schließen. Ich bin halt ein alter Pfennigfuchser. Trotzdem hilft es, nicht jede Erklärung zu akzeptieren, die einem angeboten wird.

Kommentare:

  1. Geiles Video. Wenn das funktionieren sollte, dann will ich das auch lernen. Aber ich entnehme Deinem Post, dass Du bezweifelst, dass Derren Brown tatsächlich Technicken aus der NLP benutzt hat, oder?

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  2. Es funktioniert insofern, als das es die Assoziation auslöst. Den Wunsch, es unbedingt haben zu wollen, kann es aber nicht schffen.

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