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Managementmagie

Mein Projektleiter vom Kunden erzählte neulich eine Anekdote über seinen scheidenden CIO (= Chief Information Officer). Der Mensch sei top gewesen. An was der sich alles hatte erinnern können. In einem Gespräch hätte sich sein CIO an Aussagen von ihm von vor zwei Jahren erinnert.

Zwischen dem CIO und meinem Projektleiter liegen drei Hierarchieebenen. Folglich hat der CIO im Verlauf von zwei Jahren viele Gespräche mit Projektleitern geführt. Wie konnte er sich nur an dieses eine Gespräch erinnern?

Mein Vater hat mir einmal eine ähnliche Situation geschildert. Ein neuer Chef kommt in eine Firma. Er macht einen Rundgang und lässt sich von jedem Mitarbeiter dessen aktuellen Aufgaben erklären. Bei einen simplen Durchsicht der Vorgänge findet er einen Riesenbock, den einer der Mitarbeiter geschossen hat. Der Fehler war nicht einfach zu finden. Die Mitarbeiter sind überrascht und von der Kompetenz ihres neuen Chefs überzeugt. Der hat ja was drauf...

Beide Situationen kann man als Zaubertricks verstehen: Ein Manager vollbringt etwas, wofür wir ad hoc keine Erklärung haben. Deshalb leiten wir uns eine Erklärung her, meistens die hohe Kompetenz des Managers. Was uns fehlt sind Informationen zum Kontext.

Zur Situation mit dem CIO. Die Hauptaufgabe eines CIOs ist es, Gespräche zu führen und informierte Entscheidungen zu treffen. Gesprächsnotizen zu erstellen und Informationen abzulegen gehört daher zum Geschäft. Indem er seine Notizen durchgeht, ist er optimal vorbereitet und kann sich ohne weiteres auch an Aussagen von vor zwei Jahren erinnern.

Jetzt geht es mir so, dass ich Protokolle schreiben und Informationen ablegen ziemlich öde finde. Mir würde es sehr schwer fallen, jede Besprechung zu protokollieren und abzulegen. Ein Top-Manager hingegen kann auf die freundliche Unterstützung seiner Sekretärin bzw. seines Assistenten bauen.

Zur Situation mit dem neuen Chef. Der neue Chef hatte das Ziel, seine Mitarbeiter schnell von seiner Kompetenz zu überzeugen. Deswegen hat er sich minutiös vorbereitet, bevor er den Rundgang macht. Er ist die Vorgänge seiner Mitarbeiter in einer Nachtschicht durchgegangen, hat sich in die Materie eingearbeitet und hat aktiv nach einem Fehler gesucht. Als er den Rundgang macht, steckt er also bereits im Thema drin und es ist kein Zufall, dass er den Fehler findet.

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