Dienstag, 23. Juni 2009

Quelle, Heidelberg Druck und der Wirtschaftsfonds Deutschland

Die Arcandor Tochter Quelle kämpft aktuell damit, die Finanzierung für den Winterkatalog zu stemmen. Ursprünglich wurde eine Bürgschaft beim Staat beantragt, die wegen der hohen Ausfallwahrscheinlichkeit aber nicht gewährt werden soll. Hohe Ausfallwahrscheinlichkeit klingt etwas abstrakt. Praktisch ist es so, dass die Druckerei ihr Geld haben will, bevor sie die Kataloge druckt/ausliefert, Quelle aber kein Geld hat und auch kein Geld von den Banken kriegt. Eine Bürgschaft macht in dieser Situation keinen Sinn, "Quelle braucht einfach Cash".

Jetzt soll es ein Massekredit richten. Hierbei handelt es sich einen Kredit, der bevorzugt aus der Insolvenzmasse bedient wird und dazu dient den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten. In der Theorie ist ein Massekredit ein nützliches Instrument, um eine Sanierung zu ermöglichen und Arbeitsplätze und Betriebsvermögen zu erhalten.

In Amerika ist das so genannte Debtor-in-Possession (DIP) Financing wohl etabliert und wirtschaftlich bedeutend. Wer bei google sucht, findet gleich mehrere Banken, die DIP Financing anbieten, z.B. GE. In Deutschland hingegen kriegt man für die Suche nach Massekredit und Bank nur Nachrichten, einen Anbieter finde ich nicht. Das Geschäft scheint sich nicht zu lohnen, sonst gäbe es dafür einen echten Markt. Ebensowenig findet man Aussagen dazu, wie sich z.B. der Massekredit an Philipp Holzmann für die Banken entwickelt hat. Das deckt sich auch mit den Aussagen eines erfahrenen Landesbanker. Er erzählte mir, dass sich die Kreditrisikoabteilung einmal historische Daten vorgenommen hätte und dass Massekredite ziemlich teure Ausfälle verursacht hätten. Meistens seien sie auf politischen Druck zustande gekommen.

Dass Quelle eine Zukunft hat, wage ich zu bezweifeln. Anders als die Politik muss ich dazu keine Zahlen studieren, Sitzungen veranstalten und lange Diskussionen führen: Wer im Zeitalter des Internets noch auf einen gedruckten Katalog als zentrale Vertriebsplattform angewiesen ist, für den ist der Zug abgefahren. Das sollte auch die Politik verstehen, aber Politiker gehören wohl noch zu der Generation, die im Katalog bestellt statt bei amazon.

Eine andere Firma, die ebenfalls mit Druckwaren arbeitet, ist Heidelberger Druckmaschinen. Anders als Arcandor und Quelle hat Heidelberger Darlehen und Bürgschaften vom Staat erhalten. Insgesamt 800 Mio € in Darlehen und Bürgschaften schießt der Staat durch den Deutschlandfonds Wirtschaftsfonds Deutschland in das Unternehmen. Ziel des Wirtschaftsfonds Deutschland ist es, Unternehmen zu helfen, die durch die Finanzkrise unverschuldet ins Straucheln gekommen sind. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen vor der Krise gesund war und dass das Geschäftsmodell zukunftsfähig ist.

Heidelberg scheint diese Kriterien ohne weiteres zu erfüllen. Bis 2008 hohe Gewinne, Weltmarktführer für Bogenoffsetdruckmaschinen, insgesamt 18.000 Mitarbeiter, viele davon in Deutschland, insbesondere in Baden-Württemberg. Für die Politik war es eine einfache Entscheidung.

Mir kommen bei der Entscheidung große Zweifel. Quelle selbst ist ein schönes Beispiel für einen Bereich, wo heute Druckmaschinen im Einsatz sind, den es zukünftig nicht mehr geben wird. Kataloge und Preislisten werden online gepflegt. Schon heute ist das wichtigste PR-Material eines Unternehmens nicht mehr irgendein Hochglanzbooklet, sondern der Webauftritt. Zeitungen sterben und Bücher werden digital vertrieben. Zusätzlich droht Konkurrenz von digitalen Druckern. Bei kleinen Auflagen sind Systeme von z.B. Xerox bereits wettbewerbsfähig. Wofür braucht man noch Druckmaschinen? Glück für Heidelberger, dass gerade die Finanzkrise um die Ecke kam...

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