Donnerstag, 23. Juli 2009

Das Ärgernis Gleitzeit

Als ich jung war, habe ich in den Ferien in einem landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet. Die Arbeitszeiten waren hart. Die Schicht fing im Sommer um 6h an. Um 9h war 15 Minuten Frühstückspause. Um 12h eine 3/4 Stunde Mittagspause. Um 15h war Schluss. Im Herbst oder im Frühjahr fing die Schicht teilweise auch erst um 7h an. Dann war um Punkt 16h Schluss.

Danach hatte ich immer Gleitzeit, aber mit unterschiedlichen Freiheitsgraden. In der Ausbildung begann die Kernarbeitszeit um 9h. Es gab einen Kartenleser, über den man sich ein- und ausstempelte. Allen, die im Haus aßen, wurden mittags automatisch 30 Minuten abgebucht. Wer rausging, musste sich ausstempeln.

Als Berater habe ich (außer den Vorschriften, die mir mein Kunde macht) absolute Gleitzeit. Einen geregelten Tag gibt es nicht mehr. Auch viele Kunden handhaben das für ihre (internen) Mitarbeiter ähnlich. Was manche als Triumph der Freiheit begreifen, sehe ich mittlerweile als eine Büchse der Pandora.

Seitdem ich Berater bin, erfasse ich meine Gleitzeit manuell, früher im Excelsheet, heute im Webtool. Bei der Erfassung stelle ich mir immer drei Fragen:

  1. Wann bin ich gekommen?
  2. Wann bin ich gegangen?
  3. Wie lange waren meine Pausen?

Durch die Verlagerung der Erfassungsverantwortung gewinnen meine Arbeitgeber Zeit von mir. Beim Kommen und gehen runde ich zum Vorteil meines Arbeitgebers. Aus 12.42h wird 12.45h. Bei den Pausen runde ich ebenfalls auf (aus 38min werden 45min). Zusätzlich überlege ich, wieviel Zeit ich für meine arbeitlichen Surfabenteuer abziehen muss, etwas, was ich früher nie gemacht hätte. Weil ich nicht musste, die Verantwortung lag gar nicht bei mir.

Wenn nichts zu tun ist, gehe ich früher. Wieder spart mein Arbeitgeber. Und wenn mehr zu tun ist, dann bleibe ich länger. Dafür gab es früher mal Überstundenzulagen.

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