Mittwoch, 22. Juli 2009

Rente, Renteneintrittsalter und Regelaltersgrenze

Die Bundesbank hat dieser Tage die Rente ab 69 gefordert. Wolfgang Clement übertrifft diese Forderung sogar, indem er sich für eine Abschaffung des Renteneintrittsalter einsetzt.

Was Clement fordert, ist unmöglich, so lange wir in diesem Staat Rente an unsere Rentner zahlen. Das Renteneintrittsalter ist "eine statistische Rechengröße, die Auskunft darüber gibt, mit welchem Altersdurchschnitt Personen eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) in Anspruch nehmen" [wikipedia]. Den Altersdurchschnitt kann man nicht abschaffen. Clement meinte wohl die Regelaltersgrenze, also wann man ohne Abschläge auf die Rente Rentner werden kann. Aktuell sind das 65 Jahre.

Die Regelaltersgrenze ist in vielen Arbeitsverträgen von Bedeutung. Sie enthalten einen Passus, dass das Arbeitsverhältnis automatisch endet, sobald der Mitarbeiter die Regelaltersgrenze erreicht. An sich gibt es nämlich keinen Zwang, mit 65 in Rente zu gehen (für mich 67). Dies haben sich einige Mitarbeiter vergolden lassen, indem sie einfach weitergearbeitet haben, bis ihr Arbeitgeber ihnen einen Auflösungsvertrag angeboten hat.

Länger als 65 (67) zu arbeiten, lohnt sich auch so für die Rente. Einerseits zahlt man länger ein und erwirbt mehr Entgeltpunkte. Andererseits belohnt die Rentenversicherung einen späteren Eintritt (und damit eine kürzere Bezugsdauer) mit einem Zuschlagsfaktor, genauso wie sie einen früheren Eintritt mit Abschlägen bestraft. Schön erklärt wird das hier.

Wenn ich Clement nun richtig verstehe, möchte er den Automatismus abschaffen, dass durch oben erklärten Arbeitsvertragspassus ein Arbeitsverhältnis immer endet. Sollen Sie doch weiterarbeiten! Global ist es zwar richtig, dass wir länger arbeiten müssen. Clements konkrete Lösung hingegen funktioniert nicht.
In meinen Ausbildungsbetrieb hatte ich einige ältere Kollegen. Wenn ich die Stimmung damals richtig interpretiert habe, baute das Management stark darauf, die Kollegen baldmöglichst in die Rente zu schicken. Man hätte ihnen einen frühen Abschied auch vergoldet.

Meine älteren Kollegen hatten Exporthandel vor 30 Jahren gelernt. Sie waren lange im Geschäft und hatten lange Zeit auch gutes Geld für die Firma verdient. Ihr Gehalt hatte sich in diesen Zeiten dementsprechend entwickelt.

Früher war das Geschäft der meisten Mittelständler und einiger Konzerne primär national, vielleicht europäisch. Wenn ein Händler anrief und einen Container Dünger für den Export nach Vietnam kaufen wollte, war das Zusatzgeschäft, ein Sahnehäubchen. Heute haben die meisten Mittelständler globale Vertriebspartner, wenn nicht sogar eigene Vertretungen vor Ort. Exporthandel bedeutet deshalb a) eigene Lagerhaltung oder b) Geschäftsanbahnung für die eigenen Vertretungen im Ausland.

Diese Veränderung haben die meisten meiner älteren Kollegen nicht geschafft. Mit den Jahren ebbte dann ihr Geschäftsvolumen ab, die hohen Gehaltskosten blieben. Dazu kamen dann noch die Kosten der Sekretärinnen, denn einen Computer selbst bedienen konnten sie nicht.

Ein endloses Weiterarbeiten macht hier ohne Veränderungen keinen Sinn. Es ist eine Belastung für den Betrieb, da die Geschäftsgrundlage entfallen ist. Ein Immer-Weiter-So! bei Gehalt und Position ist also nicht die Lösung für ein langes Arbeitsleben.

Wir brauchen flexible Einkommensentwicklungen, wo wir unser Gehalt nicht als monoton steigende Funktion wahrnehmen. Wir müssen weiterlernen und andere Jobs machen, statt dem Ideal nachzuhetzen, 30 Jahre dasselbe zu machen. Dafür muss die Politik die Weichen stellen, dann kann man noch lange in die Rente hineinarbeiten.

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