Sonntag, 5. Juli 2009

Und immer wieder Arcandor

Die Schlagzeilen zu Quelle und Arcandor bringen mich immer wieder zum Lachen. Kaum sagen Land und Bund den Massekredit für Quelle zu, stoppen die Druckereien erneut die Auslieferung des Katalogs. Hieß es nicht, der Massekredit würde benötigt, um genau diese Auslieferung zu ermöglichen?

Die Druckereien haben die berechtigte Sorge, nicht bezahlt zu werden. Quelle ist schließlich insolvent. Der Insolvenzverwalter bittet sie um "Vorleistung", also einen Lieferantenkredit an ein insolventes Unternehmen. An keiner Stelle kann ich lesen, dass der Insolvenzverwalter zusagt, dass er die vollen Forderungen begleichen will und wann. Tatsächlich sagt der Insolvenzverwalter, dass er "rechtlich verbindliche Zusagen nicht erteilen" kann, da er noch keinen Überblick über die Finanzen von Quelle hat.

Wenn eine Druckerei unter diesen Umständen auf gut Glück produziert und ausliefert, verhielte sie sich ziemlich bescheuert. Das einzige Pfand, das sie hat, um sich schadlos zu halten, ist es, die Auslieferung erst dann vorzunehmen, wenn das Geld da ist. Quelle kann gar nicht anders, als den Katalog zu kaufen. Ansonsten können sie den Laden gleich dichtmachen. Wenn der Katalog drei Wochen später rausgeht, ist das keine Katastrophe.

An anderer Stelle hat Karstadt seine Lieferanten kontaktiert. Karstadt bietet an, 75% der offenen Lieferantenforderungen zu begleichen, die vor der Insolvenz aufgelaufen sind. Für Ware, die nach der Insolvenz gekauft wurde bzw. werden soll, will Karstadt 100% bezahlen (sonst würde auch keiner mehr liefern).

Die 75% sollten den Lieferanten nicht allzu sehr weh tun. Die Möglichkeit einer Arcandor-Insolvenz bestand bereits seit einiger Zeit. Ein Lieferant mit angemessenem Risikomanagement wird die Zahlungsmodalitäten umgestellt haben oder eine Kreditversicherung abgeschlossen haben. Wenn man durch die Kreditversicherung von den verbleibenden 25% 60% zurückerhält, ist der Schaden relativ harmlos (75% + 25% * 60% = 90%).

1 Kommentar:

  1. Das ist ja genau das Schlimmme an solchen Insolvenzen. Es sagt sich immer so leicht, dass wenn das Unternehmen nunmal pleite gegangen ist, es eben auch einfach im Boden zu verschwinden hat. Ein besseres wird seinen Platz dann schon einnehmen. Aber man muss sich ja mal vor Augen führen, wer alles an so einem Konzern dranhängt und auch zu einem guten Stück abhängig von den Zahlungen eines solchen Ladens ist. Das macht es doch immer nur so kompliziert, diese ganzen Pleiten zu verwalten. Der Laden an sich hätte es verdient, winfach dichtgemacht zu werden.

    AntwortenLöschen