Dienstag, 16. Februar 2010

Griechenland: Insolvenz ist auch keine Lösung

Nachdem man mir den Fehdehandschuh als "Finanz-Blog" zugeworfen hat (bin ich Quotenblog, um die hunderter Marke zu knacken?), will ich mich heute auch mal an das Griechenland-Thema wagen...

Wenn man Griechenlands Schulden betrachtet (in BIP: 112,6% Gesamtschulden bis 2009), man einen relativ hohen Zinssatz von 6% unterstellt, kommt man zu einem Zins-bedingten Haushaltsloch von 6,75% BIP. Das macht also 6,75% BIP, die Griechenland mit einer Insolvenz spart.

Leider: Wenn man das aktuelle Haushaltsloch (12,5% BIP) zu Grunde legt und die Zinsersparnis abzieht (6,75% BIP), bleibt ein Haushaltsloch von 5,75% BIP. Das ist viel. Und es kann nach einer Insolvenz nicht mehr einfach mit Schulden finanziert werden. Ein Bankrott führt, wie wikipedia das nennt, zu einem massiven "Image- und Vertrauensverlust" für den Schuldnerstaat. S.h.: Die Geldgeber sind wegen der Verluste angepisst und geben bis auf Weiteres kein neues Geld. De facto müsste Griechenland sehr kurzfristig ein Haushaltsloch von 5,75% schließen. Die harten Einschnitte der EU nehmen sich da mit 4% BIP noch vergleichsweise freundlich aus.

Dabei habe ich die Zinsersparnis im Insolvenzfall sogar optimistisch kalkuliert:
  • Griechenland muss mir hohen Strafen aus dem Euro-Stabilitätspakt rechnen.
  • Auch der Status als Netto-Nehmerland dürfte in Gefahr sein. 2005 erhielt Griechenland immerhin knapp 2% BNP als Transfers von der EU. Die Transfers könnten z.B. für Rückzahlung der geprellten Versicherungen umgewidmet werden.
  • Die meisten Staaten bemühen sich nach der Insolvenz um eine Einigung mit den Gläubigern, um wieder an den Kapitalmarkt zu können. Argentinien bot seinen Gläubigern z.B. eine Rückzahlung von 20-30% des Nennwerts an, den IWF entschädigte es sogar voll. Und Deutschland zahlt immer noch für den ersten Weltkrieg. Die griechischen Alt-Schulden sind nach einer Insolvenz folglich nicht (vollständig) weg.
Die Insolvenz würde also Griechenland keine finanzielle Luft verschaffen und auf kurze Sicht härtere Einschnitte erfordern als die von der EU geforderten. Bleibt festzuhalten: Insolvenz ist auch keine Lösung.

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