Dienstag, 16. März 2010

Monte Carlo, Abu Dhabi, New York, ... Bonn

Der teuerste deutsche Hotelstandort ist nicht München, nicht Hamburg und nicht Düsseldorf, sondern Bonn. Durchschnittlich kostete eine Übernachtung in Bonn 112€. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass viele IT-Beratungen als Richtgröße 100€ vorgeben. Strategie-Berater müsste man sein…

Wenn man den Klagen Bonner Lokalpolitiker glaubt, welch’ dramatisch negativen Auswirkungen der Bonn-Berlin-Umzug hat, überraschen die hohen Hotelkosten doch sehr. Wenn man sich nüchtern die Lage vor Ort anschaut, erklären sich die Preise leicht.

Bonn, eine Stadt von 315.000 Einwohnern, ist Standort zweier DAX-Konzerne (Telekom, Post) sowie eines ehemaligen DAX-Konzerns (Postbank). Zum Vergleich: Hamburg, immerhin sechsfach so groß, hat in Form von Beiersdorfer gerade mal einen. Daneben unterhält ein Großteil der Bundesministerien weiterhin Dependancen bzw. auch Hauptstellen in Bonn. Die tatsächlich strukturschwachen Berliner müssen sich echt verschaukelt vorkommen, wenn sie der Bonner Ex-Bürgermeisterin lauschen oder sich die Auswüchse des Bonn-Berlin-Gesetzes vor Augen führen.


Ministerien und Konzerne zusammen sind Beratermühlen, so dass in Bonn eine große Nachfrage von Geschäftsreisenden besteht. Geschäftsreisende haben gegenüber Privatreisenden den Vorteil, dass am Ende die Firma zahlt und sie nicht so preisbewusst sind. Wenn ein vernünftiges Zimmer 120€ kostet, dann ist das eben so.

Zusätzlich ist Bonn noch mit einer UNO Sammelstelle gesegnet. Z.B. sitzt das United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) im Langen Eugen. Die Jungs von der UNO treffen sich gerne. Auch die Bundesministerien sind immer für eine Konferenz zu haben, so dass regelmäßig die Nachfrage nach Zimmern zusätzlich steigt. Während der Konferenzen kann es passieren, dass HRS Hotels in Köln als dichteste Alternative vorschlägt. Zwischen Bonn und Köln liegen 38km. Kleiner Tipp: Unter der Woche das Hotel zu wechseln wirkt Wunder.

Deprimierenderweise führt die hohe Nachfrage nicht zu einem guten Angebot. Ganz im Gegenteil: Wenn ein altbackenes Maritim zu den besseren Hotels am Platze zählt, läuft etwas verdammt schief. Auch einfache Bad Godesberger Pensionen schämen sich nicht, für Übernachtungen zwischen 80€ bis 100€ abzukassieren.

In diesem Kontext wird Guidos Engagement für das neue Bonner Hotel, das Kameha Grand, umso verständlicher. Wo andere Guido Vorwürfe machen, manifestiert sich für mich in Guidos Verhalten einfach nur die pure Freude darüber, endlich ein modernes Hotel vor Ort zu haben. Leider rechtsrheinisch.

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