Samstag, 13. März 2010

Projekte machen

Letztes Wochenende habe ich folgendes Gespräch geführt: „Ich bin IT-Berater“ - „Ah, ich  bin Projektmanager. Wir machen ja beide Projekte.“ - „Ne, ich mach die Arbeit.“

Mir ist klar, dass ich mit meiner Antwort nicht gerade meine Sozialkompetenz unterstreiche. Meine Freundin sagt mir regelmäßig autistische Züge nach, was unter Informatikern auch nicht völlig abnorm wäre. Für meinen Alltag als Großraumbüro-Tastenkrieger ist es ein Gewinn, die Umwelt ausblenden zu können.

Meine unhöfliche Antwort kam nicht aus dem Effeff geschossen. Tatsächlich denke ich schon seit einiger Zeit über Projektmanagement nach. Und mein Gesprächspartner hat nur die Kurzfassung meiner Gedankengänge abbekommen.


An der Uni habe ich viel Software Engineering gehört. Dazu gehörte auch Projektmanagement. Obwohl der Prof. (der dann später auch mein Diplomarbeitsbetreuer wurde) sich Mühe gab, schlief die versammelte Mannschaft. Immerhin durften wir eine Projektmanagement-Computer-Simulation (AMEISE) spielen, um das magische Dreieck (Kosten, Dauer, Qualität) und die Einflussgrößen (Tests, Reviews, Ressourcen) zu verstehen.

Für mich waren meine Erwartungen das Grundproblem mit dem Projektmanagement. Ich dachte, man lernt, wie man Projekte zum Erfolg bringt. So war es aber nicht. Das meiste Wissen war sehr abstrakt. Bzw. im Nebensatz stand immer, dass man "Erfahrung" braucht. Wer z.B. seine Projektaufwände per Delphi-Methode schätzen will, braucht „Experten“. Und zwar keine Projektmanagement-Experten, sondern Domänen-Experten.

Jetzt bin ich schon ein paar Jahre von der Uni weg und habe Projekte in real erlebt. Die Bedeutung von Erfahrung für das Projektmanagement hat sich für mich in der Praxis bestätigt, gerade weil sie häufig nicht da war. In meinem ersten Projekt schickte meine (Ex-)Firma äußerst erfahrene, Projekt-gestählte Seniors. Uns wurde dann aber von der Bank ehemalige Risikoanalysten als (Teil-)Projektmanager vor die Nase gesetzt.

In diesem Projekt hatten wir eine Webanwendung abzunehmen, die kein valides HTML verwendete. Und die Projektleitung störte sich nicht daran. Der Lieferant stellte sich übrigens auf den Punkt, valides HTML wäre ein Change. Man stelle sich mal den Abiturienten vor, der in seiner Deutschklausur reklamiert, korrekte Orthographie wäre optional, so lange man es lesen könne. Die Webanwendung konnte ausschließlich von einer gewissen Version des Internet Explorers 6 gestartet werden.

Im selben Projekt habe ich auch gesehen, was so deutlich nicht in den Büchern stand. Die Hauptzeit verwendete unser Projektmanager darauf, das Projekt in der Bank zu verkaufen und gute Stimmung zu machen. Am Ende waren wir ein Jahr zu spät und er hatte das Budget immer wieder verlängert bekommen. Seine größte Leistung war es, der Bank zu erklären, dass Kernfunktionalität der Software (z.B. wohlbekannte regulatorische Anforderungen) Änderungen seien.

Das Jahr Verspätung war nicht überraschend. Man hatte das Projekt mit falschen Zahlen genehmigt und die Zeit war einfach zu knapp bemessen gewesen. Hintergedanke der Abteilung war, dass die Bank das Projekt nicht genehmigen würde, wenn es bei Antragsstellung Betrag X kostet und Y Jahre läuft. Deshalb hat man Betrag 70% X angesetzt und eine um ein Jahr kürzere Laufzeit. Sobald das Projekt unterwegs war, ging man davon aus, dass man auch die Verlängerung bekommen würde. Was auch geklappt hat.

Gekostet hat es Ende so viel, wie es eben kostet. Nur dass ein hochbezahlter Projektmanager einen Großteil seiner Zeit dafür aufgewendet hat, gute Laune in der Bank zu verbreiten.

Für heute muss das erst mal reichen.

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