Donnerstag, 22. April 2010

Sesshaft werden in der Projektwohnung

Bei Familienfeiern und ähnlichen Gelegenheiten hatte ich schön häufiger folgende Diskussion:
Bist du noch in „Dortmund“? – Ja. – Wie lange denn noch? – Mindestens bis Juni, wahrscheinlich bis Weihnachten. – Ah, dann nimm’ dir doch eine Wohnung.
Früher hätte ich gesagt, dass ich gerne im Hotel bin. Dass ich kein Interesse habe, eine Wohnung zu beziehen. Dass ich Punkte von meiner Hotelkette kriege und mich das Personal freundlich grüßt. Und dass ich froh darüber bin, vor Ort keine Wohnung zu unterhalten und übers Wochenende keine Dinge dazulassen.

Unter Beratern ist das auch akzeptiert. Es gibt eben die eine und die andere Richtung. Die einen, die es schätzen, eine Projektwohnung zu haben, wo man Sachen lassen kann. Und die anderen, wie mich, die das nicht tun.

Mein Ziel ist es, am Ende jeder Woche alles wieder nach Hause zu schaffen. Als große Einschränkung empfinde ich das nicht. Jeden Montag gelingt es mir, der Deutschen Bahn und meinem handlichen Rimowa vier Hemden, vier T-Shirts, vier Unterhosen und vier Paar Socken sowie Joggingsachen, Freizeitklamotten und meine Kulturtasche durch die Republik zu transportieren. Dazu noch der wichtigste Artikel: mein Laptop.

Und jeden Freitag geht wieder alles zurück. Kein doppelter Haushalt. Und kein Großumzug am Projektende, um den ganzen Mist wieder nach Hause zu schaffen, der sich über die Monate gesammelt hat. Für die Kollegen mit Projektwohnung immer ein schönes Geschenk zum Projektabschluss: Freitagabend mit dem vollgepackten Mietwagen im Stau auf der Autobahn statt mit dem Trolley im Flieger.

Aber um praktische Erwägungen geht es meiner Familie nicht. Keiner von ihnen kennt das Leben als Geschäftsreisender aus eigener Haut und ihnen fehlt daher jeder Bezug dazu. Ich soll endlich sesshaft werden: Berater, wie lang willst du das noch machen? Leben in einer Wohnung statt eines Hotels wäre immerhin ein erster Schritt.

Ich sehe das genau andersherum: Wenn ich anfange, mich sesshaft in einer Wohnung einzurichten, dann ist der Berateralltag mein Alltag. Mein Projektstandort wird mein zu Hause. Und das will ich nicht. Ich bin sesshafter als die denken ;)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen