Dienstag, 13. April 2010

Thomas Fischer bei der WestLB

2004 kam Thomas Fischer zur WestLB: Die WestLB stand damals vor einem Scherbenhaufen. Einerseits liefen die Landesgarantien auf EU-Weisung im nächsten Jahr aus. Andererseits hatte die Bank die Jahre zuvor durch riskante Investment Banking Geschäfte sehr hohe Verluste eingefahren.

Trotzdem darf man die Situation der WestLB 2004 nicht mit ihrer Situation heute verwechseln. Bestimmte Geschäftsbereiche, z.B. Teile des Investment Bankings, galten im Landesbankensektor als attraktiv. Nicht umsonst waren die LBBW und Baden-Württemberg noch 2007 (vor der Finanzkrise) stark an einer Übernahme Fusion mit der WestLB interessiert.

Thomas Fischer kam mit einem exzellenten Ruf von der Deutschen Bank. Dort saß er im Vorstand und war Hauptkonkurrent von Josef Ackermann um den Posten des Vorstandsvorsitzenden gewesen. Er war unterlegen und ging. Gehässig könnte man sagen zurecht; dazu später mehr.



Das Angebot zur WestLB zu gehen war für Fischer die Chance zu zeigen, was in ihm steckte. Ich gehe davon aus, dass er Potential in der Bank sah, sonst wäre er nicht gekommen. Immerhin vertritt sie Deutschlands größtes und wirtschaftsstärkstes Bundesland, ist international aufgestellt und hatte ein großes Investment Banking. Das war vor der Finanzkrise nicht per se schlecht. Aktuell übrigens auch nicht.

Seitens der Eigentümer der WestLB war die Verpflichtung Fischers sicherlich mit eben dieser Hoffnung verbunden: Fischer sollte das Potential der Bank heben, indem er die Exzellenz der Deutschen Bank auf sie überträgt. Dafür wurde nicht nur Fischer geholt, sondern in seinem Schlepptau kamen viele weitere Führungskräfte (insbesondere von der Deutschen Bank) zur WestLB.

Weder Fischer noch seine Entourage kamen aus Engagement fürs Allgemeinwohl, sondern sie wurden eingekauft. Fischer hat bei der WestLB ein Jahressalär von 3,5 Mio Euro bezogen. Damit liegt er zwar hinter den Vorständen der Deutschen Bank, (2004: Ackermann 10 Mio €, weitere 4,8 Mio €). Es scheint sich bei den 3,5 Mio € aber um ein Fixgehalt zu halten. Ob und welche erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile er zusätzlich hätte erzielen können, ist unklar. Im Falle der Deutschen Bank hingegen ist der variable Anteil verdammt hoch: 2008 fiel Ackermanns Gehalt auf 1,4 Mio €.

Wie die Geschichte ausgegangen ist, ist bekannt. Fischer wurde wegen Verlusten im Eigenhandel frei gestellt. Das war übrigens noch vor der Finanzkrise. In der Finanzkrise flog der WestLB dann ihr Engagement im amerikanischen Hypothekenmarkt um die Ohren. Fischer hatte der WestLB das falsche State of the Art Banking beigebracht; die SIVs hießen Kestrel oder Harrier und benötigten 25 Mrd $ Liquidität. In Summe verlor die WestLB 2007 1,6  Mrd €.

Wer jetzt denkt, das Risikomanagement habe versagt, hat recht, muss aber aufpassen, zwei Dinge nicht zu verwechseln: die Abteilung Risikomanagement und den Prozess. Als Sündenbock dient gerne die Abteilung. Heißt ja auch Risikomanagement. Im Falle der WestLB aber ist für BoxClever sogar gerichtlich dokumentiert, dass die Düsseldorfer Abteilung recht hatte, der Risikomanagement-Prozess aber am Vorstand (Wir müssen auch was wagen!) gescheitert ist.

Und auch für die Verluste unter Fischer würde ich wetten, dass a) die Unregelmäßigkeiten im Handel aufgefallen sind und dass es b) reichlich Memos gab, die auf die Immobilienblase in Amerika hinwiesen. Gott, sogar das Nerd-Infoportal heise.de berichtete Anfang 2007 über Subprime. Ob und wie hoch man sich im Eigenhandel engagiert bzw. im Hypothekenmarkt, sind strategische Vorgaben und damit klare Vorstandsaufgaben. Fischer ist an sich selbst, nicht an der Bank gescheitert.

Traurig, aber wenig überraschend, reichte Fischers Versagen nicht für eine fristlose Kündigung. Fischer wurde mit 5 Mio € abgefunden. Das reicht locker um die anstehende Geldbuße aus dem Strafverfahren zu bezahlen. Seine Entourage verschwand ebenfalls aus der Bank. Im Zweifelsfall einigte man sich hier erneut auf (teure) Auflösungsverträge.

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende der WestLB verdient "nur" noch 500.000€ , der SOFFIN sei dank. Wer Angst hat, dass die WestLB mit diesem Gehalt keine fachkundige Führung findet, kann sich entspannt zurücklehnen: In der Bankenkrise korrelierten Verluste und Vorstandsgehälter negativ miteinander. Anscheinend stifteten die höheren Gehälter (s.o.) die Vorstände dazu an, sich zu beweisen, indem sie höhere Risiken eingingen. Aber psst, wäre ja blöde, wenn die Eigentümer (oder das gemeine Mitarbeiterpack) begreifen würden, dass die Selbstbedienungsmentalität des Führungspersonals keinen direkten Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens hat.

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