Mittwoch, 9. Juni 2010

They cheat!

Es gibt viele geniale South Park Folgen. In einer Episode spielt Cartman den Substitute Teacher für eine Klasse von underpriviledged, inner city Latino- und Afroamerikaner. Seine Erklärung, warum die Weißen in Tests besser abschneiden: They cheat! Und so bringt er seinen sozial benachteiligten Schülern alle Tricks bei, um im nächsten Test durch Schummeln zu bestehen. Wie ein reicher Weißer.

Dieser Tage wird gern nach Griechenland gezeigt, wenn es ums Schummeln geht. Den Euro hätten sich die Griechen erschlichen und ihre aktuellen Defizitzahlen hätten sie auch bewusst falsch gemeldet (-12,7% statt knapp -14% des BIP). Die hohen Zinsen seien eine gerechte Strafe.

Ich sehe das anders. Dass die Griechen bei der Einführung 2001 die Euro-Kriterien nicht erfüllten, wußte man schon vorab im Jahr 2000. Es war ein politischer Wunsch, Griechenland beitreten zu lassen; das Schummeln wurde toleriert. Und ob es jetzt 14% oder 12,7% Defizit sind, macht auch nicht mehr den Unterschied: Wenn man beim Haushaltsdefizit (in Prozentpunkten des BIPs) zweistellig wird, steckt man verdammt tief in der Scheiße.

Um eine gerechte Strafe handelt es sich für mich auch nicht. Eine "gerechte" Strafe sollte zeitnah erfolgen und dem Ursache-Wirkungs-Prinzip folgen. Weder war die grassierende Korruption neu, noch die miese Steuerzahlermentalität, der überbordende Staatsapparat oder das großzügige Sozialsystem.

In jedem Fall lässt sich sagen, dass sich Griechenland in bester Gesellschaft befindet, was die Optimierung der Wirtschaftsstatistiken betrifft. In China beispielsweise vertrauen Marktbeobachter der Propaganda des Zentralbüros den offiziellen Zahlen zum Wirtschaftswachstum so sehr, dass sie lieber die Daten zum Stromverbrauch auswerten, um Rückschlüsse auf den Zustand der Wirtschaft zu ziehen. Okay, das ist ja auch eine kommunistische Planwirtschaft.

Aber auch die kapitalistische Musternation USA verwendet viel Zeit darauf, die eigenen Wirtschaftsstatistiken in ein besseres Licht zu rücken. Make belief. Klassiker sind z.B. die Arbeitslosenquote und das Wirtschaftswachstum. In der Arbeitslosenquote werden nur diejenigen Bürger als arbeitslos erfasst, die arbeitssuchend sind. Arbeitssuchend sind Bürger nur dann, wenn sie sich arbeitssuchend melden. Da nach einer Frist von ungefähr einem Jahr die Sozialleistungen auslaufen, entfällt für ein Gros der Langzeitarbeitlosen der Anreiz (incentive) sich arbeitslos zu melden, so dass Langzeitarbeitslose in den USA schlechter erfasst werden als in Deutschland mit Hartz IV.

Beim Wachstum greifen die USA schon immer darauf zurück, das Quartalswachstum auf ein Jahr linear zu interpolieren, sprich der Wert des Quartals wird mal vier genommen. So wird dann aus einem moderaten Quartalswachstum von 0,5% ein "Jahreswachstum" von 2% Bei der eigentlichen Bestimmung des Wachstum wird ebenfalls massiv geschummelt. Wie, das kann man schön im Handelsblatt nachlesen (leider Premium Inhalt). Wie der Staat, so die Privatwirtschaft: Enron, Worldcom, Lehman oder AIG sind gute Beispiele dafür, dass US-GAAP dem Bilanzfälscher Bilanzoptimierer Tür und Tor öffnet.

Das alles wäre jetzt nicht sonderlich tragisch, wenn man den Statistiken den Wert zuweisen würde, den sie haben. Its but a number. Insbesondere professionelle Marktteilnehmer sollten dazu in der Lage sein. Sind sie aber nicht. Tatsächlich werden die falschen Zahlen (Benchmarks) des amerikanischen Staats und der amerikanischen Unternehmen dazu verwendet, global die Überlegenheit des amerikanischen Systems zu reklamieren. Sich darüber aufzuregen hilft wenig. Besser man hält sich an Cartman:
No no! If you cheat and fail, you’re a cheater. If you cheat and succeed, you’re savvy.

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