Freitag, 16. Juli 2010

Andy Grove vs die Wissensgesellschaft

Die Zukunft heißt also nicht mehr Dienstleistungsgesellschaft. Stattdessen sollen wir Wissensgesellschaft werden. Hat jedenfalls die EU beschlossen und ihre Wachstumsstrategie geschrieben. Wissen, das ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.

Hinter der Wissensgesellschaft steckt immerhin ein Wirtschaftsmodell. Die Konkurrenz aus China oder Indien ist konkurrenzlos günstig. Um zu bestehen, müssen wir uns auf den hochpreisigen Teil der Wertschöpfung, das Wissen, konzentrieren. Statt das Telefon in Kamp-Lintfort oder Bochum selbst zu fertigen, sollen wir die Entwicklung von Hard- und Software machen und das Marketing übernehmen. Die renditeschwache Werkbank wird nach Fernost ausgelagert, so äußerst erfolgreich praktiziert von Apple.

Wie effektiv dieses Gesellschaftsmodell langfristig Wachstum und Innovation vernichtet, kann man bei Andy Grove (Gründer von Intel) nachlesen. Seine Kernbeobachtung ist, dass ein Großteil der Innovation eben nicht am Schreibtisch, sondern in der Produktion stattfindet. Der Verzicht auf Produktion reduziert massiv die Arbeitsplätze einer Gesellschaft und verschließt langfristig neue Wachstumsfelder: "[A]bandoning today’s “commodity” manufacturing can lock you out of tomorrow’s emerging industry." Als Beispiel nennt er hier die in den USA ausgestorbene Batterientechnologie. Wenn man so will, das Erdöl des mobilen Zeitalters.

Der Artikel ist wirklich sehr lesenswert. Schönstes Zitat: "Some 250,000 Foxconn employees in southern China produce Apple’s products. Apple, meanwhile, has about 25,000 employees in the U.S."

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