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Andy Grove vs die Wissensgesellschaft

Die Zukunft heißt also nicht mehr Dienstleistungsgesellschaft. Stattdessen sollen wir Wissensgesellschaft werden. Hat jedenfalls die EU beschlossen und ihre Wachstumsstrategie geschrieben. Wissen, das ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.

Hinter der Wissensgesellschaft steckt immerhin ein Wirtschaftsmodell. Die Konkurrenz aus China oder Indien ist konkurrenzlos günstig. Um zu bestehen, müssen wir uns auf den hochpreisigen Teil der Wertschöpfung, das Wissen, konzentrieren. Statt das Telefon in Kamp-Lintfort oder Bochum selbst zu fertigen, sollen wir die Entwicklung von Hard- und Software machen und das Marketing übernehmen. Die renditeschwache Werkbank wird nach Fernost ausgelagert, so äußerst erfolgreich praktiziert von Apple.

Wie effektiv dieses Gesellschaftsmodell langfristig Wachstum und Innovation vernichtet, kann man bei Andy Grove (Gründer von Intel) nachlesen. Seine Kernbeobachtung ist, dass ein Großteil der Innovation eben nicht am Schreibtisch, sondern in der Produktion stattfindet. Der Verzicht auf Produktion reduziert massiv die Arbeitsplätze einer Gesellschaft und verschließt langfristig neue Wachstumsfelder: "[A]bandoning today’s “commodity” manufacturing can lock you out of tomorrow’s emerging industry." Als Beispiel nennt er hier die in den USA ausgestorbene Batterientechnologie. Wenn man so will, das Erdöl des mobilen Zeitalters.

Der Artikel ist wirklich sehr lesenswert. Schönstes Zitat: "Some 250,000 Foxconn employees in southern China produce Apple’s products. Apple, meanwhile, has about 25,000 employees in the U.S."

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Finanzblog des Jahres? Sicherlich.

Dieser Blog wird ab morgen für den Finanzblog des Jahres Finance Blog of the Year nominiert sein. Die Organisatoren von Smava, einer P2P-Bank, haben mir einen entsprechenden Kommentar an meinen SOA Post  angehängt . Wobei sie verwundert bemerkt haben, dass ich überhaupt keine Kontaktdaten auf der Seite habe... KURZER HINWEIS: Der Blog ist anonym, weil ich ungern beim Kunden oder von meinem Chef darauf angesprochen werden möchte. Ich verdiene kein Geld mit meinen zwölf Lesern am Tag und habe auch keine Werbung. Gehostet wird er in den USA (blogspot.com). Deswegen spare ich mir auch das Impressum. Damit wäre dann auch klar, dass ich nicht gewinnen will. ;)

Thomas Fischer bei der WestLB

2004 kam Thomas Fischer zur WestLB : Die WestLB stand damals vor einem Scherbenhaufen. Einerseits liefen die Landesgarantien auf EU-Weisung im nächsten Jahr aus. Andererseits hatte die Bank die Jahre zuvor durch riskante Investment Banking Geschäfte sehr hohe Verluste eingefahren. Trotzdem darf man die Situation der WestLB 2004 nicht mit ihrer Situation heute verwechseln. Bestimmte Geschäftsbereiche, z.B. Teile des Investment Bankings, galten im Landesbankensektor als attraktiv. Nicht umsonst waren die LBBW und Baden-Württemberg noch 2007 (vor der Finanzkrise) stark an einer Übernahme Fusion mit der WestLB interessiert. Thomas Fischer kam mit einem exzellenten Ruf von der Deutschen Bank. Dort saß er im Vorstand und war Hauptkonkurrent von Josef Ackermann um den Posten des Vorstandsvorsitzenden gewesen. Er war unterlegen und ging. Gehässig könnte man sagen zurecht; dazu später mehr.

Wette: Stephan Kohn passiert gar nichts

Stephan Kohn ist ein seit kurzem beurlaubter Beamter des Bundesinnenministeriums. Er hatte in einem internen Papier, die Corona Strategie der Regierung angezweifelt und hinterfragt. Seine Grundfrage war, ob die Maßnahmen, die wir gegen Corona ergreifen, nicht mehr Leben kosten als Corona selbst. Es braucht keine großen Modellannahmen, um zu diesem Schluss zu kommen. In den Medien wurde er schnurstracks in die rechte Ecke sortiert und als Verharmloser tituliert. Die direkte Reaktion des BMIs war, ihn freizustellen und mit rechtlichen Schritten zu drohen, d.h. der Entfernung aus dem Beamtenstatus. Und ich stelle mich jetzt mal hin und wette, Stephan Kohn passiert gar nichts. Meine Begründung ist ziemlich einfach. Gerichtsverfahren sind immer mit Risiko für beide Parteien versehen. Das Risiko für Stephan Kohn ist überschaubar, weil schon eingetreten. Das Risiko für das BMI und Herrn Seehofer hingegen ist so groß, dass ich überrascht wäre, wenn es überhaupt zu einer Verhandlung kommt