Freitag, 16. Juli 2010

Offenbarungen von und zu McKinsey

McKinsey wird dieser Tage mit reichlich Spott überschüttet (s. Blick Log, Nigecus). Auslöser ist eine publizierte Studie zu der Zukunft der Vermögensverwaltung (Asset Management), in der primär banale Allgemeinplätze auftauchen:
  1. Regulatorische Anforderungen sind regulatorische Anforderungen.
  2. (Produkt-)Innovation* steigert Rendite.
  3. Der Kunde ist König.
*Kurzer Disclaimer: Für mich gibt es weder Innovation noch Produkte bei Banken geschweige denn Produktinnovation.

Wer hier Offenbarungen erwartet hatte, wird enttäuscht. Genauso wie von den zig anderen Zukunftsstudien, die die McKinsey Marketing Abteilung regelmäßig veröffentlicht. Zur Illustration Auszüge aus der McKinsey Initiative 2020:
  • "Denn ein Wachstum von 3 Prozent ist nach Analysen von McKinsey möglich aber auch erforderlich, um die gewohnten Lebens- und Sozialstandards zu halten. Nur dann können breite Schichten der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren und die finanzielle Sicherung der Sozialsysteme gewährleistet werden. Bei weniger Wachstum hingegen gerät die Mittelschicht weiter unter Druck, da die wirtschaftliche Basis für den Wohlstand breiter Bevölkerungsteile entfällt." 
  • "Nachdem der deutsche Bankensektor mehr als zehn Jahre lang nur wenig gewachsen und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern immer stärker zurückgefallen ist, steht er heute am Scheideweg. Bleiben notwendige grundlegende Reformen aus, ist mit weiter rückläufiger Ertragskraft und schwindendem Stellenwert im internationalen Wettbewerb zu rechnen. Gelingt es jedoch, vier grundlegende Reformschritte zu vollziehen, kann der Bankensektor wieder zu einem Wachstumsmotor für Deutschland werden. Bis 2020 könnte sich das Wachstum der Wertschöpfung von 1,7% p.a. im Basisszenario auf über 3% p.a. im Chancenszenario nahezu verdoppeln." 
Die Bedeutung, die McKinsey dem Bankensektor als Wachstumsmotor zuweist, wird noch mal in einem auf der Studie basierenden Welt Artikel deutlicher. Banken sind Bremsklotz der Wirtschaft: "Der Sektor, der in anderen Industrieländern die Wirtschaft antreibt, wirkt in Deutschland wie ein Bremsklotz. Die deutschen Kreditinstitute sind nicht international genug und tragen zu wenig zur Wirtschaftsleistung des Landes bei." [welt.de - Mai 2008]



Die Initiative 2020 betrachte ich als schlimmer als die Allgemeinplätze zur Zukunft der Vermögensverwaltung. Obwohl zur Vermögensverwaltung nur Banalitäten angesprochen werden, sind die Aussagen nicht sachlich falsch und decken relativ gut ab, was ein Berater so tut
  • Bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen helfen.
bzw. tun möchte:
  • Innovation unterstützen.
  • Neue Kunden und Märkte suchen.
Die Aussagen zum Wachstum und zu den Banken hingegen sind grob fachlich falsch. Für Banken benutze ich immer das Bild des Wegelagerers (freundlicher: Zöllner). Wie ein Wegelagerer (Zöllner) schafft eine Bank selbst nichts. Stattdessen holt sie sich ihren Anteil von Dritten, die die Bank brauchen, um wirtschaftliche Transaktionen abzuwickeln, z.B. ein Auto auf Pump kaufen. Niemand käme auf die Idee, dass ein boomender Wegelagerer-Sektor gut für eine Volkswirtschaft ist. Nur McKinsey im Jahr 2008 (in der Finanzkrise), das hier nicht nur Marketing für die eigene Beratungskompetenz macht, sondern auch für die wohlfeinen Kunden im Bankensektor.

Auch die Notwendigkeit mit 3% zu wachsen sehe ich nicht. Dieses Land ist nicht arm und wenn wir unseren Wohlstand halten, dann ist eigentlich schon viel gewonnen. Es kommt auf die Verteilung an und die driftet immer mehr auseinander und darunter leidet die Mittelschicht. Das es anders geht, siehe Schweden.

Statt ihre exorbitanten Tagessätze mit Pseudo-Einsparungen beim Fußvolk einer Firma (der Mittelschicht) zu rechtfertigen, könnte McKinsey die Schere beim Wasserkopf in der Unternehmensführung ansetzen. Die Unternehmsführung zählt aber zur Kundschaft und siehe oben: Der Kunde ist König.

Kleine Pointe zum Schluß: Bei McKinsey laufen solche Marketing-Arbeiten unter sozialem Engagement. Man arbeitet pro bono, ohne Tagessätze. Immerhin hat niemand für den Mist bezahlt.

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