Donnerstag, 12. August 2010

Die Pendlerpauschale

Als Pendler ist man einigen Anfeindungen ausgesetzt. Die Grünen beklagen die Zersiedelung der Landschaft und den pendelbedingten erhöhten CO2-Ausstoß. Die Neider sehen im günstigen Einfamilienhaus auf der grünen Wiese einen Angriff auf ihren Wohlstand. Und die Liberalen halten die Pendlerpauschale für eine schlimme Subvention, die wirtschaftliche Fehlallokation bedingt (Bauen im Grünen) und das Steuersystem unnötig verkompliziert (Steuererklärung auf dem Bierdeckel).

In meiner Schulzeit konnte ich die Haltung nachvollziehen. Ich wohnte 2km von der Schule, zu der ich dann mit dem Fahrrad fuhr.

In meiner Ausbildung brachte mir die Pendlerpauschale nichts. Ich fuhr einmal durch die Stadt, immerhin 30min S-Bahn, zahlte aber dank der geringen Azubi-Löhne ohnehin keine Steuern: Wer keine Einkommensteuern zahlt, profitiert auch nicht von Steuersparmodellen.

Nach dem Studium jedoch fing ich an zu pendeln. Das war nicht dem Wunsch nach dem Heim im Grünen geschuldet, sondern einfach meiner Lebenssituation. Meine Freundin wohnte in A, ich arbeitete in B. Statt unter der Woche abends in B zu sein, setzte ich mich lieber in den Zug und fuhr nach Hause. Die monatlichen Kosten hielten sich dank eines Semestertickets in Grenzen. Ich zahlte knapp 100€, normal wären es 200€ gewesen.

Wer glaubt, ich sei hierbei mit Plus rausgegangen, täuscht sich. Denn etwas steuerlich geltend zu machen, bedeutet nicht, dass der Staat einem die Kosten erstattet. Er verzichtet nur darauf, diesen Teil des Gehalts zu besteuern; sprich er schenkt einem maximal 42% der Kosten als Steuerersparnis. 58% trägt man also weiterhin selber. Und auf die Sozialabgaben (20%), die im unteren bis mittleren Einkommenssegment ohnehin die Hauptlast darstellen, verzichtet der Staat ohnehin nicht.


Man mag mein Pendeln jetzt als persönliche Präferenz einstufen. Such dir doch eine Wohnung in B! Oder schweig und zahl die Pendelkosten selbst. Man sollte sich aber auch bewusst machen, dass unser Staat von seinen Bürgern hohe Flexibilität einfordert, was die Aufnahme von Arbeit und den Arbeitsort angeht. Diese Flexibilität führt zwangsläufig zu Kosten. Dass man diese im Umkehrschluss dann bei der Steuer geltend macht, finde ich wenig schockierend.

Das lässt sich auch sehr schön aus dem Prinzip der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ableiten. Meine Kosten für den Weg zur Arbeit sind Kosten, die ich habe, um meine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit überhaupt abrufen zu können. Sie stehen mir nicht zur freien Verfügung und sollten daher aus der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit rausgerechnet werden.

Zu guter letzt noch ein Wort an die Neider und die Fehlallokations-Prediger. Wer meint, Pendeln wäre ein großer Spaß, ist herzlich eingeladen, sich mal einen Monat lang jeden Morgen eine Stunde in die Bahn zu setzen. Morgens eine Stunden hin, abends eine Stunde zurück. ... Es gibt eben nicht nur finanzielle Anreize.

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