Mittwoch, 13. Oktober 2010

Kaputte Preise im Bankensektor

Immer wenn ich mal wieder eine inhaltliche Durststrecke befürchte (zu viel zu tun und zu wenige Ideen), spielt Martin Hesse von der Süddeutschen meinen Retter in der Not. So auch diese Woche, wo er sich dem anstehenden Verkauf der IKB widmet: Der große Ausverkauf.

Wir erinnern uns: Der ehemalige Mittelstandsfinanzierer IKB war mit Juniortranchen im amerikansichen Hypothekenmarkt unterwegs und hat dabei sehr viel Geld verloren. Zum Überleben brauchte die IKB mehrere Kredite vom Staat sowie eine Kapitalerhöhung. Diese wurde im August 2008 durchgeführt. Hauptkapitalgeber war die kfw, des Bundes seine Bank. Insgesamt investierte die kfw 1,25 Mrd €. Zwei Monate später verkaufte die kfw dann ihre Anteile für 137 Mio € an Lonestar. Grob ein "Verlust" von 90%. Peer Steinbrück, einfach großartig!

Lonestar möchte nun verkaufen. Die Bank sei besenrein und die Gewinnzone in spätestens drei Jahren erreicht. Und die boomende Wirtschafsnation Deutschland brauche Kredit. Alles Gründe, die eine Bank wie die IKB attraktiv machen.

Martin Hasse nutzt nun die Gelegenheit, seine in meinen Augen wirklichkeitsferne Wahrnehmung von Banken darzulegen:
"Die Banken sind entweder zu klein, wie die IKB, oder haben kein ausgereiftes Geschäftsmodell, wie die WestLB. Manchen mangelt es sowohl an Größe als auch an einer guten Strategie."
Zu kleine Banken ist immer so ein Stichwort. Banken müssen groß sein, damit sie ... Ja, warum eigentlich? Viele Sparkassen oder Genossenschaftsbanken sind klein und profitabel. Auch die klassische Privatbank à la Berenberg kann in ihrer Nische Geld verdienen. Allgemein gibt es bis dato keinen Beweis davon, dass eine Volkswirtschaft von "großen" Banken profitiert, z.B. in Form niedrigerer Kosten. Ganz im Gegenteil: Es heißt schließlich too big to fail, was den Steuerzahler (IKB, HRE, BayernLB, ...) bereits ordentlich Geld gekostet hat.



Auch die vermeintlich "fehlende" Strategie der WestLB ist so ein Allgemeinplatz, mit dem ich mich sehr schwer tue. Eine Bank braucht keine von Topberatern und teuren Vorständen ausgebrühtete Killer-Strategie, um Geld zu verdienen. Das ist ziemlicher Bockmist. Eine Bank braucht Einlagen, die mit Betrag x verzinst werden. Und Kredite, die mit Betrag y verzinst werden, wobei y >> x gelten sollte. Alles zwischen x und y (abzüglich der Risikovorsorge und den Kosten) ist dann der Gewinn.

Schwierig wird es dann, wenn man Riesenrenditen jenseits der 10% erwirtschaften will. In einer riskanten Branche (Beispiel Pharma) ist das eventuell notwendig, wenn Investitionen mit hohen Risiken versehen sind. In einer Branche, die mit einer expliziten Staatsgarantie operiert, aber nicht.

Und noch ein Wort zu den Landesbanken als Posterboys für fehlende Strategie und Ertragskraft. Ein Hauptproblem der Landesbanken ist der überdimensionierte Apparat. Die Banken haben eventuell Geschäft für die Hälfte der Belegschaft, müssen auf politischen Druck hin aber die restlichen Mitarbeiter weiterbeschäftigen. Nicht nur dass das die Kostenstruktur durcheinander wirbelt. Schlimmer noch: Man sucht sich was zu tun. Lust auf eine Tranche CDO?

Zum Ende hin widmet sich Martin Hesse dem Potential des Bankensektors in Deutschland:
"Denn mit einem starken Pfund können die Deutschen wuchern: So schwach ihre Banken sind, so stark sind die Unternehmen des Landes, vom Mittelstand bis zur Großindustrie. Die deutsche Finanzwirtschaft hat es in den vergangenen 20 Jahren nicht verstanden, daraus Kapital zu schlagen. [...] [Z]u viele Anbieter machen sich gegenseitig die Preise kaputt." 
Wollen wir denn, dass die Finanzwirtschaft "Kapital" aus den gesunden Unternehmen Deutschlands schlägt? Kaputte Preise bedeutet ja erst einmal, dass die Kunden verbraucher- und wirtschaftsfreundlich wenig zahlen.

Es ist kein besonders weiter Sprung zu der Überzeugung zu kommen, dass Deutschlands Unternehmen gerade deshalb so stark sind, weil die Banken so schwach sind. Weder saugen die Banken den Bewerbermarkt leer. Noch schröpfen sie die produktiven Unternehmen durch unnötige Transaktionskosten.

Wie toll es hingegen im Finanzmekka England aussieht, kann man (gewohnt eloquent) bei Bankhaus Rott nachlesen.

1 Kommentar:

  1. Es sind immer die Hausaufgaben an denen eine Firma kaputt geht. Ein schlecht organisierter Produktionsbetrieb kann manchmal seine "schlechten" Betriebsabläufe mit einem kapitalintensiven, schwer entwickelbaren Produkt übertünchen. Bei einem Dienstleistungsbetrieb sind "schlechte" Organisation eine Garantie für ein schlechtes Produkt, was auch noch viel zu teuer sein wird.

    Aktuell sind einfach viele Leute in Managerposition, die keine Ahnung von IT haben oder nicht wirklich nachvollziehen können, was das mit Organisation zu tun hat. So einer Bank wird ja manchmal unterstellt, dass sie so doof und unmenschlich gegenüber Prrivatkunden rüberkommt. Aber tatsächlich ist es so, dass wenn eine Bank Dienstleistungen nur bis zum Vertriebskonzept entwickelt, aber keinen Weg findet effizient existierende EDV zu nuten, daran nichts verdienen wird (oder überzogene Gebühren erheben wird). Nö stattdessen werden dann noch irgendwelche unterspezifizierte Softwareprojekte drangeklatscht, weil keiner in der Bank einen Schimmer hat was schon da ist. Eigentlich sollte das Management das wissen, aber ... (siehe oben)

    Als Volkswirtschaft kommt man nur wieder raus, wenn diese schlechten Organisationen aus dem Wettbewerb ausscheiden, und somit aufhören übermäßig Ressourcen zu binden.

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