Donnerstag, 1. September 2011

Mietfrei im Alter

Dank der langjährigen Arbeit in Büros leide ich mit knapp 35 Jahren an Rückenschmerzen. Ich war beim Orthopäden, der verschrieb mit Physiotherapie und jetzt habe ich Hausaufgaben: Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Und weil ich noch viele weitere Jahre im Büro am Schreibtisch arbeiten will (und muss), mache ich die ausgesprochen fleißig.

Parallel läuft bei mir dabei der Fernseher. Umschalten ist etwas schwierig, während man Katzenbuckel, Pferderücken macht, so kam ich diese Woche in den Genuss eines Wiso Beitrags zum Immobilienmarkt. Das Thema beschäftigt mich schon länger und von Wiso versprach ich mir einen interessanten Beitrag, der zumindest Pro und Contra abwägt. Pustekuchen, Immobilienexperten und Makler reichten sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand.

Ein Experte führte drei Gründe für die gute Immobilienentwicklung an, die ich hier einmal aufgreifen will:
  1. Die deutschen Preise seien im internationalen Vergleich zu niedrig.
  2. Zinsen seien günstig, wenn nicht jetzt, wann dann?
  3. Man könne mietfrei im Alter leben. 


Zu 1) Immobilienblasen waren schon immer gut für die Preisentwicklung, siehe Spanien, Irland oder England.

Zu 2) Man muss nicht gleich mit dem Bewerten von Zinsprodukten anfangen, um zu erkennen, dass das Zinsniveau auch Einfluss auf das Preisniveau hat. Wenn niedrige Zinsen einen Anreiz darstellen, Immobilien zu erwerben, dann haben wir aktuell eine erhöhte Nachfrage nach Immobilien, sprich erhöhte Preise. Inwiefern die Preise bei steigenden Zinsen fallen werden, wird die Zukunft zeigen.

Zu 3) Das Argument war dann der Punkt, wo ich den Beitrag nicht mehr ernst genommen habe. Was hilft es mietfrei im Alter zu leben, wenn die Wohnung zu groß für zwei ist, die Treppen nicht mehr erklimmbar sind oder der Weg zum Einkaufsladen zu weit ist? Und mietfrei ist nicht kostenfrei. Nebenkosten laufen auf (umso größer die Wohnung umso mehr), Reparaturen sind fällig und ab und an muss man auch größere Summen investieren, z.B. für neue Fenster.

Und selbst der Gedanke, dank Immobilie fürs Alter zu sparen, muss mit Vorsicht genossen werden. Unsere Bevölkerung schrumpft und wird älter. Die regionale Wirtschaftsentwicklung lässt sich nicht linear fortsetzen: Wuppertal war auch mal eine reiche Stadt. Und während heute wieder alle in die Stadt wollen, kann es sehr gut zu sein, dass unsere Kinder, aufgewachsen in engen Vierzimmer-Wohnungen ohne Garten, wieder raus in den Vorort wollen.

Kommentare:

  1. So wahr. Und ganz davon abgesehen: was hat man davon für's Alter zu sparen, wenn man entweder vorher stirbt (und dann nichts von seinem Leben hatte), oder beim Sparen für's Alter sich alle Freuden in den Jahren versaut, in denen man die Freuden noch haben kann.

    AntwortenLöschen
  2. Stehe dem Betongold auch skeptisch gegenüber - auch wenn mein Umfeld ganz vernaart darin zu sein scheint.

    Problematisch:
    - Anfangskosten wie Notar sind schlichtweg versunkene Kosten
    - Immobilien machen immobil/unflexibel
    - Kenne ich meine Wohnbedürfnisse in 10/20/30 Jahren?
    - Instandhaltungskosten --> damit verbunden höherer Liquiditätsreserve, die aufrecht erhalten werden muss und nicht zur Kapitalanlage bereit steht
    ...

    AntwortenLöschen