Montag, 27. Juli 2009

Ullas Dienstfahrt

Der Ulla wurde dieser Tage ihr Dienstwagen in Spanien entwendet. Diebe waren bei ihrem Fahrer ins Hotelzimmer eingestiegen und hatten die Schlüssel gestohlen. Die gepanzerte Mercedes S-Klasse unauffällig in Europa zu verkaufen, dürfte schwer sein. Mein Tipp ist der Export nach Afrika.

In Deutschlands Medien geht jetzt das Theater los. Man kann es wohl eine Kampagne nennen, die rein zufällig mit dem Beginn des Wahlkampfes zusammenfällt. Anstatt dass Steinmeier sein Kompetenzteam der Öffentlichkeit präsentieren kann, wird über die Ulla und ihren Urlaub berichtet.

An der Geschichte ärgern mich mehrere Sachen:

  1. Ein Politiker auf dem Level von Ulla Schmidt hat nie Urlaub. Die Trennung private Termine und dienstliche ist deshalb ziemlich witzfrei.
  2. In der Wirtschaft, wo man weniger arbeitet, besser verdient und auch sonst ein ruhigeres Leben hat, würde niemand auf die Idee kommen, einem Manager zu verbieten, seinen PKW privat zu verwenden. Wozu sonst hat man einen Dienstwagen und zahlt dafür extra Steuern?
  3. Wenn es einen Ministerposten gibt, der unpopulär ist, dann das Gesundheitsministerium. Den Wunsch nach Sicherheit kann ich da verstehen.
  4. Gibt es im Gesundheitssystem keine dringenderen Probleme als Ullas Urlaub? Zum Beispiel die Honorarreform: Die Ärzte werden dieses Jahr als Berufsgruppe Gehaltsverbesserungen von 10% erreichen, während der Durchschnittbürger mit der Sicherheit seines Arbeitsplatzes kämpft. Der Durchschnittsverdiener liegt übrigens auch nicht bei 80.000€ Jahresgehalt.
  5. Ein Wort noch an die Ärzte: Wer im Glashaus sitzt, ... Ich sag nur iPod und medizinische Pseudo-Kongresse.

Das Medientheater treibt lustige Blüten. Z.B. bei Spiegel Online. Dort heißt es:

Titel: Der gestohlene Dienstwagen war nicht versichert

Untertitel: Der gestohlene Dienstwagen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt war nicht gegen Diebstahl versichert - laut ihrer Sprecherin "gängige Praxis" bei Fahrzeugen in Bundesbesitz. [spiegel.de]

Als ehemals aktiver Fachschaftler kann ich bestätigen, dass die Länder bzw. der Bund die "gängige" Praxis haben, nichts zu versichern. Sie sind hinreichend groß, um davon auszugehen, dass die Ausfälle den erwarteten Ausfällen entsprechen. Statt nun einer Versicherung die Ausfälle + den Gewinn der Versicherung zu überweisen, spart man sich das und bezahlt die Ausfälle aus dem laufenden Etat. So die Theorie. Als wir in der Informatik versuchten, gestohlene LCD-Monitore zu ersetzen, kam von der Hochschule oder dem Land kein Geld. Jeder Lehrstuhl musste selber sehen, wo er bleibt. Damit hatte es sich dann wieder mit der gleichmäßigen Risikostreuung.

Ein anderes Beispiel ist die Berichterstattung über Ullas Reaktion auf die Anschuldigungen. Hier die FAZ:

Titel: Schmidt wirft Kritikern Übertreibung vor [faz.net]

Übertreibung suggeriert, dass dort wirklich was war. Dass Ulla selbst von "Übertreibung" spricht, unterstützt das: Die Ulla weiß selbst, dass nicht alles sauber ist. Es wird halt nur übertrieben. Andererseits lässt der Titel weiterhin die Schlussfolgerung zu, dass da mehr war. Die Übertreibung ist nur Ullas Sicht.

Wer den Artikel weiterließt, findet, dass die positiven Argumente immer direkt relativiert werden. Statt zu schreiben, dass der Bund keine Fahrzeuge versichert, wird wieder auf die "gängige Praxis" (Zitat in Anführungszeichen) verwiesen. Die indirekte Rede bestimmt den Text, wenn von Fahrtenbuch und Kosten gesprochen wird.

In der Mitte kippt der Text dann und die negativen Punkte werden vorgetragen. Hmn, welche Information bleibt beim Leser wohl haften? Der erste Redner verwehrt sich gegen eine Vorverurteilung, will "aber" Fakten sehen. Wir erinnern uns an das Aber als Kommunikationsmittel. Christine Scheel verzichtet auf das Abwarten und nennt Schmidt direkt "größenwahnsinnig". Ein CDU'ler nennt es eine "skandalöse Verschwendung von Steuergeldern". Am Ende kommt dann der ganz große Wurf. Die CSU bietet Ulla süffisant an, doch zu ihrem kleinen Fehltritt zu stehen. So schlimm sei das doch gar nicht. Wirkt nach außen nett, ist tatsächlich böse. Denn die CSU bietet Ulla nur an, dass der Ärger vorbei ist, sobald sie ihre Schuld eingesteht. Genau.

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