Montag, 4. Januar 2010

Das Kommen der Ketten

Ich war jetzt in einigen deutschen Städten und neben den omnipräsenten Best Westerns und der Accor Gruppe (Ibis, Mercure) waren die Reihe der großen Ketten im unteren bis mittleren Preisbereich (bis 100€) spärlich gesät. Anmerkung: Die Links führen zu google maps, wo alle deutschen Standorte der jeweiligen Kette gezeigt werden.

In der Welt findet sich nun ein Artikel, der meine individuellen Eindrücke bestätigt. Der Artikel erwartet, dass sich die Situation ändert und zukünftig deutlich mehr Hotels Ketten sein werden. Die in Deutschland dominierenden Privathotels würden zurückgedrängt.

Für mich liegt der Graben aber nicht zwischen Ketten- und Privathotels, sondern zwischen neuen und alten Hotels. Bei alten Hotels, egal ob ein oder fünf Sterne, ist die Einrichtung häufig abgenutzt, die Wände sind zu dünn, der Fernseher ist ein Witz und das Badezimmer lädt nicht zum Verweilen ein. Bei neuen Hotels hingegen, wieder egal ob ein oder fünf Sterne, kann man davon ausgehen, dass diese Punkte passen.


Kleine Anekdote: Mit meiner Freundin war ich vor einiger Zeit privat in Heidelberg. Dort waren wir im Hotelo Heidelberg, ein einfaches, aber neues Economy Hotel. Der Standard des Hotels war in meinen Augen höher als in so manchem Steigenberger (s. Post: Meine Woche im Steigenberger). Das Zimmer war geräumiger und die Einrichtung neu. Der Fernseher war ein moderner LCD-Fernseher, statt des von mir verhaßten Philips HotelTV, welches mir andauernd irgendwelche PayTV Programme unterschieben will. Ach ja, und Internet war gratis statt nur verfügbar (s. Post: Teure Hotels, schlechter Service).

Dass Kettenhotels große Vorteile gegenüber Privathotels haben, sehe ich nicht. Über Seiten wie hrs.de oder booking.de oder hotel.com können heute Privathotels ihre Zimmer global vertreiben. Für die Standards muss nicht mehr die Kette bürgen, sondern der Kunde kann z.B. über tripadvisor.com prüfen, wie andere Reisende das Hotel einschätzen. Zu guter letzt sind die Kosten, die mit einer großen Kette verbunden sind (Management, Ausschüttungen an Eigentümer) nicht zu vernachlässigen.

Als Reisender sehe ich primär den Vorteil im Bonusprogramm. Drei Nächte in Venedig für ein halbes Jahr im Hotel sind ein netter Kickback Treuebonus. Für größere Firmen mit großen Reisebudgets bieten Ketten die Möglichkeit eines Massenrabatts. So hatte meine alte Firma einen Rahmenvertrag mit einer Reisekette. Und als dann die Eskalation der Spaß- Sparmaßnahmen [alter Post] griff, wurden wir aufgefordert, mehr beim Partner zu übernachten. Als proaktiver Sparhansel habe ich weiter woanders übernachtet, es war nämlich deutlich billiger.

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