Samstag, 20. Februar 2010

Skandifinanz: 8,6 Mitarbeiter, 300% EK maximaler Verlust

Dass eine Landesbank eine Tochter "Skandifinanz" nennt, ist schon an sich lustig. Da verwendet die Nord LB 2008 254 Mio € ihres Eigenkapitals für operationelle Risiken, zu denen sie explizit Reputationsrisiken zählt, und keiner im Konzern kommt auf die Idee, die Firmennamen der Töchter einmal auf Verballhornungspotential abzuklopfen. Erinnert mich an Gutvik Kinderbetten.

Was im Namen der Tochter anklingt, ist jetzt Realität geworden. Die Bank hat durch Betrug bei der Exportfinanzierung zwischen 30 - 130 Mio € verloren. Die von der niedersächsischen Regierung und der Bank gewünschte Interpretation der Vorfälle findet sich in der Hannover Allgemeinen Zeitung:
"Tragbar sein dürfte der Schaden jedenfalls nach bisherigem Stand problemlos. So kam die Skandifinanz-Mutter in Luxemburg im ersten Halbjahr 2009 bei einer Bilanzsumme von gut 23 Milliarden Euro auf einen Nachsteuergewinn von 19,2 Millionen Euro und Eigenmittel von 900 Millionen Euro. Der Nord/LB-Konzern insgesamt verbuchte in den ersten drei Quartalen einen Konzerngewinn von 117 Millionen Euro, er kommt auf eine Bilanzsumme von 247 Milliarden Euro und ein Eigenkapital von rund 6 Milliarden Euro."
Man setze das Ergebnis in den Kontext des Gesamtkonzerns und schon ist alles nicht schlimm. Die Skandifinanz AG ist aber keine Abteilung der Nord LB, sondern eine eigenständige Bank mit einem eigenen Geschäftsfeld. Auf den Skandifinanz Webseiten heißt es:
"Skandifinanz AG was established in 1969 with its core business in forfaiting and other trade related financial activities."
Um dem Skandal zu beurteilen, macht es deshalb wenig Sinn, sich direkt auf Konzern-Niveau zu bewegen. Man hat eine eigenständige Bank, also muss man die Zahlen erst einmal im Kontext der Skandifinanz abschätzen, bevor man die Auswirkungen auf den Gesamtkonzern betrachtet. Also schauen wir uns mal die Zahlen 2008 der Skandifinanz Bank AG an:
"Bilanzsumme: Die Bilanzsumme der Bank beträgt per 31.12.2008 CHF 823 Mio. (Vorjahr: CHF 945 Mio.). Das Ausserbilanzgeschäft liegt bei CHF 181 Mio. Summe 1 Mrd CHF.
Eigenmittel: Nach Zuweisung von CHF 0,9 Mio. aus dem Betriebsergebnis 2008 erhöhen sich die Eigenmittel und Reserven auf CHF 56,4 Mio.
Bruttogewinn: Das Betriebsergebnis vor Wertberichtigungen, Rückstellungen und Steuern liegt bei CHF 7,5 Mio.(Vorjahr: CHF 7,4 Mio.)."
Kurze Umrechnung:
  • Bilanzsumme (mit Außerbilanzgeschäft): 680 Mio €.
  • Eigenmittel: 38,5 Mio €.
  • Bruttogewinn: 5,11 Mio €.
Selbst wenn sich nur der minimale Verlust (30 Mio €) einstellt, sind die Eigenmittel der Skandifinanz fast vollständig aufgezerrt. Es bräuchte allein sechs Jahre, um den niedrigsten Verlust wieder zurückzuverdienen. Das berücksichtigt noch nicht einmal Finanzierungskosten und entgangene Gewinne. Selbst im besten Fall wäre also für die Skandifinanz heute Schluss, würde sie nicht zur Nord LB gehören.

Unterstellt man den schlechtesten Fall (120 Mio €) würde der gesamte Gewinn der ersten drei Quartale des Nord LB Konzerns aufgefressen. Und dass durch eine Tochter, die nach Geschäftsbericht teilzeitbereinigt 8,6 Mitarbeiter beschäftigt. Dass die beiden Geschäftsführer freigestellt wurden, bedeutet direkt einen Personalrückgang von 23,25%.

Die Informationen zum Betrug sind spärlich. Es scheint sich um Exportfinanzierungen zu handeln, bei denen Phantomverkäufe finanziert wurden. Und es scheint sich um einen einzigen Kunden zu handeln. 120 Mio € bei einem Eigenkapital von 38,5 Mio €, dass ist weit jenseits der Grenze, die in Deutschland für einen Großkredit gilt, 300% statt 10%. Für die Skandifinanz wäre das allein gar nicht zu stemmen gewesen, so dass unterstellt werden darf, dass die Geschäfte der Bank zum Teil über die Mutter in Luxemburg oder den Gesamtkonzern liefen. In jedem Fall hat man hier seitens der Skandifinanz eine sehr große Abhängigkeit von einem Kunden, was selten gut ist.

Exportfinanzierung ist eigentlich kein hoch-riskantes Geschäft, was auch die Renditen der Skandifinanz erklärt (7,5 Mio CHF). Hauptgrund ist, dass im Hintergrund die Export Credit Agencies (ECA) wirken, staatliche Institute, die den Export fördern sollen, indem sie Forderungen gegenüber dem Ausland garantieren. In Deutschland läuft das unter dem Stichwort Hermes-Bürgschaften. In der Schweiz heißt die entsprechende Institution SERV.

Als gelernter Außenhändler weiß ich, dass beim Export jede Menge Dokumente entstehen. Lieferdokumente, Bankdokumente, Verträge, Avale, ... So einfach ist das nicht zu fälschen. Besonders weil im Hintergrund auch die ECA prüft. Wer wie die Skandifinanz Exportfinanzierung als Kerngeschäft betreibt, sollte die Dokumente ausreichend prüfen, bevor der potentiale Schaden sich auf 120 Mio € beläuft.

Womit wir dann bei den Problemen der Nord LB wären. Es mag zwar sein, dass es sich im Kontext des Konzerns um einen vernachlässigbaren Verlust handelt. Nur zeugt dieses Geschäft erneut von krassen Mängeln im Risikomanagement: eine Mini-Tochter, die mit acht Mitarbeitern bei Standard-Geschäften ihr vierfaches Eigenkapital verzockt. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass das Risikomanagement versagt: Auch bei Geschäften von und für Lars Windhorst hat die Bank 150 Mio € verloren.

Fortgesetzt in: Skandifinanz, ein Monat später.

1 Kommentar:

  1. Lieber Blogger-Kollege,

    Dirk Elsner hat eine Diskussion um die Akzeptanz unserer Wirtschaftsblogs begonnen:

    http://www.blicklog.com/2010/02/21/gedanken-zur-wirtschaftsblogszene-in-deutschland/#more-14716

    In meinem Kommentar zu Dirk Elsners Beitrag habe ich einige Vorschläge gemacht. Was denken Sie darüber?

    Um einer mangelnden Vernetzung entgegenzuwirken, darf ich hier auf meinen Blog hinweisen.

    Wie wäre es mit einer gegenseitigen Verlinkung?

    Eine spannende Woche wünscht

    Eric Schreyer

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