Samstag, 3. April 2010

Skandifinanz, ein Monat später

Mein Post zur Skandifinanz liegt schon mehr als einen Monat zurück. Deswegen greife ich an dieser Stelle das Thema noch einmal auf. Mal sehen, was sich seitdem ergeben hat...

Wenn ich google news glaube, wurde im März in Deutschland fast gar nichts zu diesem Thema publiziert. Die einzige Information, die ich mitnehme, ist, dass die NordLB die Skandifinanz wohl verkaufen will. Mit etwas googlen bingen fand ich einige schweizerische Quellen von Ende Februar. Der beste Artikel ist von der Thurgauer Zeitung.

Die Kredite wurden an eine kleine Luzerner Handelsfirma vergeben, die Fera AG. Die Fera AG verfügt über ein Eigenkapital von  6 Mio CHF, also 4,2 Mio €. Die Umsatzzahlen kann ich leider nirgends finden. Die Schadenshöhe scheint sich langsam beim oberen Wert einzupendeln, also 130 Mio €. Deshalb musste die NordLB auf Weisung der Schweizer Finanzaufsicht auch 100 Mio € in die Skandifinanz nachschießen. Ihr Eigenkapital war aufgebraucht und die Skandifinanz wäre sonst insolvent gewesen. Die Ausfallbürgschaften greifen nicht, weil Betrug explizit von der Versicherung ausgenommen ist.



Es ist schade, dass ein Verlust von 100 Mio € dieser Tage journalistisch so wenig Betrachtung erfährt. Die Finanzkrise hat unsere Maßstäbe verschoben. Trotzdem stellt dieser Fall ein Versagen des Risikomanagements der NordLB sondergleichen dar.

Das fängt mit etwas ganz einfachem an. Wenn mein Kerngeschäft die Exportfinanzierung ist, dann sollte ich in der Lage sein, die Dokumente sachgerecht zu prüfen. Das war nicht der Fall, weshalb die Fälschungen nicht erkannt wurden und die Versicherung nicht zahlen mag.

Die Skandifinanz kann auch nicht als vom NordLB-Konzern getrennte Blackbox betrachtet werden. Einerseits muss die NordLB ohnehin ihre Kreditrisiken per Kontrahent auf Konzernniveau ausweisen. Dort hätte auffallen können, dass eine Handelsfirma mit 4 Mio €  Eigenkapital bei der Bank mit 100 Mio € (Faktor 25) in der Kreide steht. Wahrscheinlich wurde die Bruttohöhe aber geflissentlich ignoriert, weil ein Risikotransfer zum Versicherer vorlag, sprich der Schweiz. Ganz koscher wäre ein solches Vorgehen nicht.

Andererseits hätte die Skandifinanz das Geschäft alleine gar nicht schultern können. Das Eigenkapital war zu knapp und die Kredite an einen einzelnen Kontrahenten überstiegen zulässige Höchstlimits. Es dürfte also ein Teil des Geschäfts über die Dependence in Luxembourg oder die Zentrale in Hannover gelaufen sein. Dort wurden die Prozesse der kleinen, profitablen schweizer Tochter wohl nicht hinterfragt. So lange eben die 15% Eigenkapitalrendite auf dem Papier stand.

Die Skandifinanz hat ihr "profitables" Geschäft also primär durch die Zugehörigkeit zur Mutter machen können. Inwiefern ihr die Mutter die Zugehörigkeit adäquat in Rechnung gestellt hat, darf hinterfragt werden. Wahrscheinlich hat die Skandifinanz auf die Profitabilität des Geschäfts verwiesen und sich jedwede Einmischung von oben verboten. Dass das vermeintlich profitable Geschäft keins war, stellte sich erst Jahre später raus. Womit wir auch beim Dilemma des Bankenwesens wären: Gute und schlechte Geschäfte kann man erst mit vielen Jahren Rückblick erkennen.

    Kommentare:

    1. ein skandal; daß Landesbanken immer noch ihr Unwesen treíben können und Steuerzahler für die Verluste aufkommen müssen, unglaublich.

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    2. Ist es nicht auch äußerst interessant, daß die Hauptverdächtige im Betrugsfall "Fera" und "BSH" aus Niedersachsen stammt und, bevor sie die Schweiz unsicher machte, bereits in Deutschland entsprechend auffällig geworden ist?!

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    3. "Gute und schlechte Geschäfte kann man erst mit vielen Jahren Rückblick erkennen."

      Das stimmt so nicht ganz. Wenn der Banker (oder sein Beauftragter) sich einmal vom Schreibtisch fortbewegen würde, dann könnte er auch feststellen, ob die Ware (Schmiedeanlagen - wie in diesem Fall - sind groß, umfangreich und wiegen hunderte von Tonnen) tatsächlich vorhanden ist. Es soll sogar Banker geben, die etwas von Maschinen verstehen!

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