Donnerstag, 6. Mai 2010

Der verhängnisvolle FX Forward der kfw

Der Artikel der Süddeutschen von Montag hat noch einmal ein paar Details zur verhängnisvollen Transaktion der kfw am 15. September 2008 genannt. Das Geschäft war wohl ein FX Forward, ein OTC Geschäft, zwischen Lehman und der kfw, abgeschlossen am 10. Juli 2008 mit zwei Monats-Fälligkeit (2M) und Physical Settlement.

Wer sich jetzt wundert, wie der 10. Juli und zwei Monate zu einer Überweisung am 15. September führen, sei auf die obskuren Usancen im FX-Markt verwiesen. Gezählt wurde erst ab dem 11. Juli (Spot Date), zwei Monate drauf macht 11.09. (Expiry Date), geliefert wird aber erst zwei Tage nach Ablauf (Delivery Date 13.09.08). Und weil der 13.09. ein Samstag war, verschob sich die Überweisung auf den folgenden Montag (Delivery Date 15.09.08). Das Ganze als Grafik dargestellt:


Solche Unsinn Usancen sind ein echter Stolperstein für diejenigen, die eine ICMA-Zertifizierung anstreben. Noch lustiger wird es dann, wenn man sich mit Day Count Conventions für Zinsen beschäftigt.


Aber erst mal zurück auf Start. Was ist ein FX Forward überhaupt? Angenommen ich exportiere einen Traktor nach Brasilien und erwarte in drei Monaten die Zahlung meines Kundens in Höhe von 100.000 USD. Drei Monate sind eine lange Zeit, wer weiß wohin sich der EUR-USD-Kurs entwickelt? Ich sehe mich nicht als Devisenspekulant. Deswegen vereinbare ich mit meiner Bank ein Devisentermingeschäft. Der EUR-USD   Tageskurs (Spotkurs) ist 0,7748, der Forwardkurs 0,7740. Die Bank sagt also zu, mir für die 100.000 USD in drei Monaten 77400 € zu zahlen, gegenüber dem Tageskurs ein "Verlust" von ca. 80€. Und das wäre dann der FX Forward im Kleinen. Unter Banken sind die Summen signifikant höher. Die 320 Mio € Überweisung ist kein Ausreißer.

Da ich wirklich 100.000$ in drei Monaten erhalte und trotz Griechenkrise lieber Euro als Dollar besitze, bin ich an einem echten Umtausch (Physical Settlement) interessiert. Wollte ich hingegen nur spekulieren (oder wäre ich wie die kfw im Interbankenhandel tätig), könnte ich auch auf die Idee kommen, nur die Differenz des vereinbarten Kurses und des nach drei Monaten gültigen Tageskurs zu tauschen (Cash Settlement). Fällt der Dollar, zahlt mir meine Hausbank Geld. Steigt der Dollar, muss ich löhnen. Gegen Kursschwankungen bin ich so ausreichend abgesichert.

Womit wir dann schon bei einer einfachen Möglichkeit für die kfw gewesen wären, das Kontrahentenrisiko mit Lehman zu reduzieren. Wenn man Geschäft machen will, dann nur cash settlement. Das hätte man bereits beim Abschluss im Juli vereinbaren können, wo bereits Probleme absehbar waren (s. Post Die kfw-Lehman-Zeitachse). Oder man hätte in jener historischen Sitzung am Freitag vor der Pleite festlegen können, vertragsbrüchig zu werden und auf cash settlement der Transaktion zu bestehen.

Eine weitere Alternative wäre es gewesen, die Transaktion zu clearen. Man schaltet einen Treuhänder dazwischen, der die Zahlungen erst ausführt, wenn von beiden Seiten die Gelder vorliegen. Oder man verwendet ein anderes Instrument zur Absicherung des Währungsrisikos, z.B. einen an der Börse gehandelten FX Future. So viele Möglichkeiten. Wofür hat man nur hochbezahlte Händler und Vorstände?

Nachtrag zur Zeitachse: Den wichtigsten Eintrag hatte ich vergessen. In der kfw gab es Freitag ein Meeting, wo beschlossen wurde, diese eine Transaktion noch auszuführen. Ist jetzt aktualisiert.

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