Mittwoch, 4. August 2010

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, Unfähigkeit schon

Die Meldung hatte ich fast verpasst. Gottseidank gibt es die Presseschau des Blicklogs: Das Strafverfahren gegen meinen Spezi Thomas Fischer wird eingestellt. Er zahlt 150.000€, davon 30.000€ an die Staatskasse und 120.000€ an eine gemeinnützige Kinderstiftung. Wie zu erwarten stellt die Zahlung kein Schuldeingeständnis dar.

150.000€ kann Thomas gut verkraften. Zu WestLB-Zeiten und davor wurde er mit Millionen entlohnt. Und noch heute zahlt ihm die WestLB ein Ruhegehalt im sechsstelligen Bereich. Dazu dürften noch Zahlungen seiner vorherigen Arbeitgeber (Deutsche Bank, LBBW) kommen. Wenn alles gut geht, kann er die "Spende" auch steuerlich geltend machen. Was will man mehr? Verfahren ad acta, Kindern geholfen und Steuern gespart.

Dieser Ausgang ist wenig überraschend. Wie ich bereits zur kfw schrieb: Unfähigkeit ist prinzipiell erst einmal nicht strafbar, anders als Unwissen. Es bedarf des Vorsatzes und den nachzuweisen ist verdammt schwer.



Besonders wenn sich einer wie Fischer gute Anwälte über einen langen Zeitraum leisten kann. So haben die Staatsanwälte zwei Jahre nach Beginn entschlossen, 30.000€ zu nehmen und die Akte zu schließen. Super Rendite, wenn man einmal die investierten Personalkosten seitens der Staatsanwaltschaft dagegenstellt. Für das Geld hätte man auch noch das Verfahren hinter sich bringen können. Und verlieren, aber welcher Staatsanwalt mag schon Niederlagen? Ermittelt wird nur noch gegen die verantwortlichen Händler. Die haben weniger Ressourcen, vielleicht gelingt da ja eine Verurteilung, Herr Staatsanwalt.

Die Pointe an der Sache ist, dass Fischer sich immer als Risikoexperte und Topbanker rühmte. Der Aktienskandal war aber ein Versagen des Risikomanagements par Excellence. Denn solche langfristigen Riesenpositionen poppen eigentlich an tausend Stellen in der Bank hoch (Marktrisiko, Kreditrisiko, Portfoliosteuerung, Abwicklung, Vorstandsreporting, Bilanzierung, Wirtschaftsprüfer ...). Wie eine Bank und ihr Vorstandsvorsitzender das ignorieren bzw. übersehen können, ist mir unklar. Jedenfalls wenn sie ein normales Risikomanagement haben; was Fischer ja als seine Kernkompetenz begriff.

Auch ansonsten fällt die Leistungsbeurteilung der WestLB unter Fischer alles andere als vorteilhaft für Fischer aus. Seine Peer-Gruppe, nicht die alles überstrahlende Deutsche Bank, sondern die anderen Landesbanken, kamen erst mit der Finanzkrise in Schieflage, die WestLB bereits davor.

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